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Der Glaube an Jesus Christus in Begegnung mit dem Buddhismus

Seminararbeit 2003 19 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsangabe:

1. Die Rückkehr zur Kontemplation in der „vasa sacra“?
a. Das Bild Gottes in der Vasa Sacra der Gotik
b. Das Bild Gottes in der Vasa Sacra des Barock
c. Das Bild Gottes in der Vasa Sacra der heutigen Zeit

2. Jesus Christus in Begegnung mit dem Buddhismus
a. Kurze Einführung in den Buddhismus
b. Exkurs: Jesus als Bodhisattva

3. Die Stellung der Kirche gegenüber der „östlichen Welle“ am Beispiel der Meditation
a. Das zweite vatikanische Konzil
b. Die Congregatio pro Doctrina Fidei vom 15.10.1989

4. Schlußbetrachtung

5. Abbildungen

6. Literaturangaben

1. Die Rückkehr zur Kontemplation in der „vasa sacra“?

Das Altargeschirr, die vasa sacra, war seit jeher das deutlichste Zeichen für die Einstellung der Kirche zum vertretenen Gottesbild und den Vorstellungen der Gläubigen zur Kirche. An der stilistischen Entwicklung der vasa sacra lässt sich dies besonders klar zeigen, auch wenn die Kunst der Herstellung der vasa sacra vornehmlich Handwerkskunst war[1].

Ich möchte daher vor den Vergleich zwischen Jesus Christus und dem Buddhismus eine kleine kunsthistorischen Betrachtung stellen, um das in der vasa sacra sich vermittelnde Glaubensbild der heutigen Zeit zu beschreiben. Hierbei beschränke ich mich auf den Kelch, den calix, des Altargeschirrs.

Vorab möchte ich auch eine Beschreibung des Kelches geben, die nicht zuletzt die symbolische Bedeutung des Kelches in der Eucharistie umschreibt:

„Der Kelch ist gemäß dem Glauben und der Anschauung der römisch-katholischen Kirche wie aller Riten des Ostens jenes liturgische Gefäß, in dem bei der Messe durch den Priester an Stelle, im Namen und in der Kraft Christi der Opferwein konsekriert, d.i. seiner Substanz nach, jedoch unter Verbleib seiner äußeren Gestalten in Christi Blut umgewandelt wird, das also zwar vor dem Konsekrationsakt lediglich Wein war, nach demselben aber das Blut Christi ist unter den bloßen Gestalten des Weines."[2]

a. Das Bild Gottes in der Vasa Sacra der Gotik

Da Kelche aus Holz und Ton in der Kirche des Ostens noch in Gebrauch sind[3], kann davon ausgegangen werden, dass diese auch in der römischen Kirche durchaus gebräuchlich waren[4], es findet sich jedoch kein Zeugnis darüber aus vorkarolingischer Zeit.

Danach allerdings häuften sich die Bestimmungen gegen Holzkelche, werden bis ins 12. Jhd. hinein sogar immer intensiver, was als Beweis für ihre Existenz gesehen werden muss. Die Statuten sahen Kelche aus Gold vor, oder wenigstens aus Zinn – nicht um mit Reichtum zu protzen, sondern um Krankheiten vorzubeugen[5].

Die Kelche wie auch die Kirche waren schlicht gehalten, einfach, ohne jeden Prunk, ohne jede Ablenkung.

Im Tassilokelch (zwischen 777 und 788, Kupfer, außen vergoldet, Silber, vergoldet, tauschiert, nielliert, Höhe 27 cm, Do 16,5 cm, Du 3,6 cm, Benediktinerstift Kremsmünster OÖ[6] ) finden wir einen Kelch, der sich in seinem äußeren noch nicht von einem normalen Trinkbecher unterscheidet, durch seine Funktion aber als Altargeschirr Sakralität erhält.

Wir dürfen deswegen von einem Gottesbild ausgehen, dass noch sehr in den Menschen selbst lebte, da äußere Beweise wie z.B. evtl. besondere Schönheit von Gottes Haus oder Gottes Sakramenten, nicht vonnöten waren. Zum Teil findet man ähnliche Gottesbilder auch heute noch in synkretischen Religionen, die Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs allein durch die Benutzung in der heiligen Handlung zu sakralen Gegenständen machen.

b. Das Bild Gottes in der Vasa Sacra des Barock

Mit dem Barock wird die Gestaltung des Kelches eindrucksvoller, wuchtiger[7]. Edle Metalle wie Gold und Silber werden hier nicht mehr aus hygienischen Gründen eingesetzt, sondern zum Prunk. Das Altargeschirr war die „biblia pauperum“, die Bibel des armen Mannes soz., und wird reich verziert mit Edelsteinen, die damals aufgrund ihrer Seltenheit und Unzugänglichkeit scheinen mussten wie Zeugnisse aus einer anderen, paradiesischen Welt. Für einen Betrachter von heute schienen die Produzenten dieser Kunstwerke in alt-testamentarlichen Stil nichts anderes sagen zu wollen als: „Seht her, diese wertvollen, gleißenden Dinge hat Gott geschaffen, und ihr wollt euch anmaßen, ihn sehen zu wollen?“

Naturgemäß – und das wissen wir auch aus anderen Bereichen der Forschung – verstärkte dies ein Gottesbild eines Gottes außerhalb des Menschen, unerreichbar für den Sterblichen, es sei denn im jüngsten Gericht.

c. Das Bild Gottes in der Vasa Sacra der heutigen Zeit

„Das ausgehende 19. und das beginnende 20. Jahrhundert werden durch die Suche nach neuen Kelchformen gekennzeichnet, die sowohl die noch immer nicht ausgestorbene Barockkelchform, wie die neumittelalterlichen Kelchformen ersetzen sollten. Formen, die irgendwelche Aussichten haben, sich allgemeiner durchzusetzen, wurden jedoch nicht geschaffen.(...). Man vergaß oder wollte nicht einsehen, daß neue Formen, die Aussicht auf Bestand und allgemeine Aufnahme haben, nur auf dem Wege einer langsamen gesunden, auf der Überlieferung beruhenden Entwicklung, nicht aber durch künstlerischen, ganz und gar in eigenen Geleisen gehenden Subjektivismus geschaffen werden können. Die ganze Vergangenheit, an der man so selbstbewußt vorübergeht, als hätte sie nichts zu sagen, nichts zu lehren, beweist das. Sie zeigt, daß die ganze Geschichte der Kelchform nichts anderes ist als eine stetige Folge neuer Entwicklungsstufen.“[8]

Diesem Satz von Braun (1930 geschrieben) möchte ich in der nun folgenden Beschreibung zeitgenössischer Kelche nachgehen. Außerdem werde ich dabei versuchen, die am Anfang meiner Ausführungen geschlagene Brücke zu den "magischen Qualitäten" des Kelches mit dem bisher untersuchten zu verbinden.

Zum einen ist hier der 1972 von Hermann Jünger geschaffene Kelch aus Acrylglas(Abb.1)[9]. Alle Stilmittel des ursprüngliches Kelches sind hier beibehalten worden, das neue daran ist jedoch die Transparenz, als bemühte sich der Künstler das Wunder der Eucharistie auch dem Betrachter, dem Gläubigen in der Kirche zumindest teilweise TRANSPARENT zu machen.

Weitaus weiter geht Rita Grosse-Ruyken mit ihren 1983 geschaffenen Gold- und Silberkelchen (Abb. 2)[10]. Kein Fuß, kein Nodus verleiht dem Kelch unnötige Schwere oder Erdverbundenheit. Keine Ecke lenkt den Blick, die Verbindung mit dem magischen Moment ab. Zwar greift Grosse-Ruyken bei der Materialauswahl auf Preziositäten wie Gold und Silber zurück, allerdings wirkt dies keineswegs protzig. Vielmehr erscheinen die Kelche geradezu luftig, leicht (und zerbrechlich?) wie Eierschalen – beinahe ätherisch. In der absoluten Reduzierung vermittelt sich eine Klarheit und Eindeutigkeit, die umwerfend ist.

Ich verstehe diesen mutigen Schritt der Künstler als Schritt zurück zum "wahren" Gehalt des Objekts.

Ganz im Sinne der Postmoderne nämlich schaffen Jünger und Grosse-Ruyken eine Reduzierung des Kelches hin zu seinem rituellen Wert, der dem (heute eher ungläubigen) Zuschauer zwar durch verstandesmäßige Vermittlung mitgegeben wurde (etwa im Religionsunterricht), ihm aber - da er immer Zuschauer bleibt - nicht im Erleben mitgeteilt wurden.

Der magische Wert des Kelches besteht in dem Moment der Verwandlung von Wein in Blut. Bis noch vor einem Jahrhundert fiel es dem Gläubigen leicht, an die Tatsache der Magie zu glauben (man glaubte auch noch an Gott und seine Größe), die Ausschmückung, die er am Kelch fand, bestätigten nur seinen Glauben an die Größe des Wunders, die Größe Gottes. Doch wir sind (spätestens seit der Jahrhundertwende) in eine Zeit eingetreten, die mit Magie nicht mehr viel anzufangen weiß. Die Größe Gott wurde durch die Größe Verstand ersetzt, man begriff recht schnell, dass im Kelch immer Wein bleiben würde und dass der Ritus der Verwandlung nur Symbol für "etwas anderes" war.

Den Blick auf dieses „Andere“, die „Verwandlung“, die „Größe Gottes“ wollen Jünger und Grosse-Ruyken durch ihre reduzierte Umsetzung des Altargeschirrs wieder freigeben. Der Kelch soll zu nichts anderem mehr dienen als als Behältnis, als magischer Raum, in dem die Wandlung sich vollziehen soll. Das Seltsame, das bei der Eucharistie geschieht, ist ja gerade die Magie – gerade die Tatsache, dass sich chemisch nichts verändert, sondern der Glaube. Und ist dieser Glaube nicht auch bedingungsloses Vertrauen, weil man sich in Gott geborgen fühlt? In Gott?

2. Jesus Christus in Begegnung mit dem Buddhismus

a. Kurze Einführung in den Buddhismus bezüglich seiner Verbindung zum jungen Christentum

Der Buddhismus kennt das Gefühl des „In-Gott-Sein“ genau, doch sprach Gautama Siddharta in seinem grundlegenden Werk, der Predigt von Benares dabei nicht von Gott, nicht von der Schöpfung, nicht vom Opfer und auch nicht vom religiösen Kult. All das hielt er für unwesentlich für das Erwachen, für die wirkliche Selbstfindung des Menschen. Er erklärte vielmehr, wie der Mensch selbst zur Erkenntnis und zur Erfahrung dessen gelangen kann, wovon die Religionen im Ritus und in ihren Dogmen sprechen. Durch die Zügelung des Bewusstsein nur könne man etwas über sich selbst erfahren, über das man in Sprache nur wenig sagen kann[11].

[...]


[1] Reine Handwerkskunst kennt auch die Kunstgeschichte nur als Wort. Sie bezieht sich dabei daruf, dass die Kunstgegenstände von einem Anonymus geschaffen wurden, dem es nicht um die Vergrößerung seines privaten Ruhmes ging.

[2] Braun, S.17.

[3] vgl. Braun S.19

[4] was nicht verwunderlich wäre aufgrund der Tatsache, dass sie auch im Alltag durchaus gebräuchlich waren.

[5] Braun berichtet über dieses Statuten zusammenfassend: "Er (der Regelkanon) bestimmt, der Kelch müsse aus Gold oder Silber gemacht, im Falle höchster Armut aber wenigstens aus Zinn angefertigt sein. Nie dürfe er aus Kupfer oder Bronze bestehen, da der Wein in Kelchen dieser Art Grünspan verursache, dieses aber Erbrechen hervorrufe. Auch dürfe sich niemand erkühnen, mit hölzernem Kelche zu zelebrieren." Braun S.39

[6] Kirchliche Kunstschätze aus Bayern, 1960, Titelbild. Sowie Eucharistia, S.84 ff.

[7] ebd.

[8] Braun, S.137

[9] Kirche heute, S.93

[10] ebd., S.84

[11] v.Brück: Buddhismus und Christentum, Teil 1.

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638262095
Dateigröße
677 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22999
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth – Institut für Katholische Theologie
Note
Schein
Schlagworte
Glaube Jesus Christus Begegnung Buddhismus Weltreligionen

Autor

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Titel: Der Glaube an Jesus Christus in Begegnung mit dem Buddhismus