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Der Lebensraum im Osten in den Schriften von Adolf Hitler

Eine Einordnung in die Forschungsdiskussion zwischen Funktionalisten und Strukturalisten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 18 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Adolf Hitlers Eintritt in die Deutsche Arbeiter Partei (DAP)

3. Die Geschichte der DAP/NSDAP bis 1924

4. Adolf Hitlers Sicht auf den Osten
4.1 Die Entstehung von Mein Kampf und Weltanschauung Hitlers

5. Die Entwicklung bis 1928
5.1 Die Entstehung von Hitlers Zweitem Buch

6. Die Außenpolitik Adolf Hitlers in seinen Schriften und in der Forschung

7. Fazit

8. Quellen- und Literaturverzeichnis
8.1 Quellen:
8.2 Literatur:

1. Einleitung

Innerhalb der Forschung gibt es eine breite Debatte über die Art der außenpolitischen Politik des Nationalsozialismus. Auf der einen Seite stehen die Strukturalisten, die die These vertreten, dass es keine klar zu erkennende außenpolitische Linie gab. Diese sind der Ansicht, dass sich das außenpolitische Streben Deutschlands planlos entwickelt habe und Begriffe wie „Lebensraum“ vor allem zu propagandistischen Zwecken genutzt wurden. Die radikale Entwicklung sei eine Folge der Eigendynamik und würde keinem konkreten Programm entspringen. Auf der anderen Seite gibt es die Richtung der Funktionalisten, die sich vor allem auf die Position von Adolf Hitler konzentrieren, sowie auf seine beiden Werke Mein Kampf und sein Zweites Buch. In diesen sehen sie einen Plan, der der späteren Politik zu Grunde lag.[1]

Um diese Debatte soll es innerhalb der Arbeit gehen. Zuerst wird der Aufstieg Adolf Hitlers und die Veränderung der Partei bis 1924 skizziert, um die Situation darzulegen, in welcher Adolf Hitler sich befand, als er Mein Kampf geschrieben hat. Daraufhin wird eine Quellenkritik von Mein Kampf vorgenommen. Daran anschließend wird die Entwicklung bis 1928 dargestellt, als Hitler sein Zweites Buch schrieb, welches ebenfalls einer Quellenkritik vorgenommen. In der Analyse werden diese beiden Schriften auf ihrer Aussagen bezüglich des Ostens hin untersucht. Die daraus entstehenden Sachzusammenhänge werden in die Forschungsdiskussion zwischen Funktionalisten und Strukturalisten eingebettet. Dabei geht es zum einen um die Frage, wie der Ostraum in Adolf Hitlers Schriften dargelegt wird. Zum anderen soll die Forschungsfrage erörtert werden, ob es sich bei Hitler um einen „ [...] ideologischen[n] Visionär mit einem aggressiven „Programm“ oder bloß ein[en] zutiefst „prinzipienlose[n] Opportunisten“ [...]“ handelte.[2] Abschließend wird ein Fazit bezüglich der Darstellung des Ostraums und der beiden gegensätzlichen Thesen gezogen.

2. Adolf Hitlers Eintritt in die Deutsche Arbeiter Partei (DAP)

Als der 1. Weltkrieg zu Beginn des Augusts im Jahre 1914 begann, meldete Hitler sich als Freiwilliger um für Deutschland zu kämpfen.[3] Er erlebte das Ende des Krieges in einem Lazarett, da das Regiment List, in dem er diente, mit Gas attackiert wurde.[4] Hitler kam am 21. November 1918 ohne weitere Pläne in München an. Sein einziger Wunsch war, so lange wie möglich im Heer bleiben zu dürfen, da seine beruflichen Chancen im Zivilleben sehr gering waren.[5] Die politische Situation in Deutschland war nach Kriegsende äußerst schwierig. Es herrschte keine Einigkeit im Land bezüglich des weiteren Prozederes. In Folge der Münchener Räterepublik, die 1919 dazu führte, dass München eine kurze Zeit lang von Linksradikalen regiert wurde,[6] wurde Adolf Hitler als Vertrauensmann[7] des Bayerischen Reichswehr Gruppenkommandos Nr. 4 auf Veranlassung von Karl Mayr[8] eingesetzt.[9] In dieser Position wurde Hitler am 12. September 1919 damit beauftragt, sich die Deutsche Arbeiter Partei näher anzusehen. Die Deutsche Arbeiter Partei (DAP) wurde von Anton Drexler und Karl Harrer gegründet. Anhänger waren vor allem Personen, die sich dem kleinen Mittelstand angehörig fühlten. Innerhalb der Versammlungen der kleinen Partei wurden vor allem Themen angesprochen, die mit dem verlorenen Krieg und dem Umbruch der Gesellschaft zu tun hatten. Ebenso hatte der Antisemitismus eine große Rolle innerhalb der Partei inne.[10] An jenem 12. September, besuchte Hitler eine Versammlung der DAP. Dort sprach ein bayerischer Separatist, der Adolf Hitler zur Gegenrede veranlasste.[11] Anton Drexler war von Hitler beeindruckt,[12] sodass er ihm per Postkarte die Aufnahme in der Deutschen Arbeiter Partei mitteilte. Hitler nahm diese in der zweiten Septemberwoche an, er erhielt, entgegen seiner eigenen Aussage, die Mitgliedsnummer 555.[13]

3. Die Geschichte der DAP/NSDAP bis 1924

Hitler übernahm für die Deutsche Arbeiter Partei die Funktion des Werbeobmanns. Die Veranstaltung vom 16. Oktober 1919 markierte den Umbruch für die Deutsche Arbeiter Partei, der Redner Hitler fing an, die Leute in seinen Bann zu ziehen. Dieser Aufstieg führte dazu, dass am 24. Februar 1920 von Hitler ein neues Parteiprogramm[14] vorgestellt wurde, in dem bereits „Land und Boden“ gefordert und vom Krieg geredet wurde.[15] An diesem Datum wurde die DAP in NSDAP, die „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“, umbenannt.[16] Im März 1920 versuchte der ostpreußische Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp einen Putsch durchzuführen, welcher scheiterte,[17] was zu einer Veränderung der politischen Landschaft führte. Die daraus resultierende Entwicklung in Bayern hatte zur Folge, dass sich die politische Landschaft zu Gunsten der NSDAP entwickelte. Zum einen musste die sozialdemokratische Minderheitsregierung zurücktreten und wurde durch eine weiter rechts stehende Regierung unter Gustav Ritter von Kahr eingesetzt. Dieser wollte Bayern zur „rechten Ordnungszelle“ in der Weimarer Republik ausbauen, die er als von Juden überbevölkert ansah. Zum anderen war Kahr Hitler gegenüber wohlgesonnen und sah ihn als wertvoll für seine Zwecke an.[18] Zu dieser Zeit hatte Hitler sich allerdings noch nicht als Führer der NSDAP etabliert. Dies geschah erst in Folge von Fusionsgesprächen,[19] die von Vertretern der Partei geführt wurden. Hitler jedoch war gegen diese Gespräche. Letztendlich gab er auf Grund dessen am 11. Juli seinen Rückzug aus der Partei bekannt. Dieses unberechenbare Verhalten, wenn etwas nicht so läuft, wie Hitler es sich wünscht,[20] war für diesen typisch. Schließlich wurde Dietrich Eckart am 13. Juli zu Hitler geschickt, um ihn zurück in die Partei zu holen. Infolge dessen ließ sich Hitler mit diktatorischen Vollmachten ausstatten, wodurch er zum unangefochtenen Führer der Partei aufstieg. Es gab einen letzten Versuch von Hitlers Gegner, diese Entwicklung aufzuhalten, am 29. Juli wurde Hitler mit 553 Stimmen zum alleinigen Führer gewählt wurde.[21] Bis zum Versuch eines Putsches durch Hitler am 9. November 1923 entwickelte sich die NSDAP sukzessive weiter. Besonders wichtig hierbei sind die Gründungen von neuen Organisationen und die steigende Bedeutung von Rudolf Heß,[22] und Alfred Rosenberg. Des Weiteren traten der NSDAP spätere Größen des Nationalsozialismus, beispielsweise Hermann Göring und Julius Streicher, bei. 1922 wurde Hitler zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weiterhin wurde die NSDAP, außer in Bayern, in der Weimarer Republik verboten. Immer mehr Leute strömten zu den Veranstaltungen Hitlers,[23] die Mitgliederzahl der NSDAP stieg unter Hitlers Einfluss von 3.300 im August 1921 auf 55.800 im November 1923.[24]

Ende September 1923 wurde das Ende des passiven Widerstands gegen die Ruhrbesetzung bekannt gegeben, wogegen das rechte Lager vehement protestierte. In Folge dessen verlieh die bayerische Regierung Gustav von Kahr diktatorische Vollmachten, der mit seinen Anhängern einen „Marsch auf Berlin“ und darauf folgend eine Diktatur unter Hans von Seeckt plante. Hitler fühlte sich von dieser Planung ausgeschlossen und beschloss auf Drängen der Parteibasis dem Putsch zuvor zukommen.[25] In der Nacht vom 8. auf den 9. November beschloss Hitler, ohne große Planung und unter großen Chaos, den Marsch auf Berlin durchzuführen.[26] Dieser endete am Mittag des 9. November in einem Desaster, als die Demonstranten auf die bayerische Landespolizei stieß und es zu einem Feuergefecht kam. In Folge des versuchten Putsches wurde Adolf Hitler vor Gericht gestellt, die Verhandlung war jedoch eine Farce. Dieser konnte frei reden und sich öffentlich darstellen,[27] er hatte im Verhandlungssaal freie Hand. Der Richter war ein Sympathisant Hitlers, weshalb das Urteil gegen Hitler sehr milde war. Er sollte die folgenden Monate in Landsberg verbringen. Dort schrieb er Mein Kampf und begann zu erahnen, dass er vielleicht mehr als nur der Trommler des kommenden Führers sei.[28] Nach dem Putschversuch wurde die Partei zunächst verboten.[29]

[...]


[1] Ian Kershaw: Der NS-Staat, Hamburg 42009, S. 208f, im Folgenden zitiert als: Kershaw: NS-Staat.

[2] Kershaw: NS-Staat, S. 209

[3] Kurt Bauer: Nationalsozialismus, Wien/Köln/Weimar 2008, S. 52, im Folgenden zitiert als: Bauer: Nationalsozialismus.

[4] Alan Bullock: Hitler. A Study in Tyranny, London 1952, S. 46, im Folgenden zitiert als: Bullock Tyranny.

[5] Ian Kershaw: Hitler 1889-1936, Stuttgart 1998, S. 151, im Folgenden zitiert als Kershaw: 1889.

[6] Bauer: Nationalsozialismus, S. 62-66.

[7] Als sogenannter „V-Mann“ erhielt Adolf Hitler im Juni „politische Bildung“, er hat Kurse besucht, die vor allem eine antibolschewistische Stoßrichtung hatten. Dabei erkannte er auch das erste Mal sein Talent im Reden. Bei diesen Reden lernte er auch Gottfried Feder kennen, einer der späteren Ideologen der NSDAP, vor allem in Bezug auf Wirtschaftsfragen. Aus dem August/September 1919 gibt es auch die ersten Hinweise auf eine öffentlich gehaltene Rede Hitlers, die sich mit der „Judenfrage“ auseinandersetzte, vgl.: Kershaw: 1889, S. 166-169.

[8] Mayer machte Hitler auch mit Ernst Röhm bekannt, der zum wichtigsten Kontaktmann zwischen der NSDAP und den Vaterländischen Verbänden. Diese Kontakte führten vor allem dazu, dass Geld in die Kasse der NSDAP kam, vgl.: Kershaw: 1889, S. 200f.

[9] Kershaw: 1889, S. 165f.

[10] Joachim C. Fest: Das Gesicht des Dritten Reiches. Profile einer totalitären Herrschaft, München/Zürich 91988, S. 33f, im Folgenden zitiert als: Fest: Profile.

[11] Bullock: Tyranny, S. 58.

[12] Er kommentierte den Auftritt Hitlers mit der Aussage: „Mensch, der hat a Gosch‘n, denn kunt ma braucha“, zitiert nach: Kershaw: 1889, S. 170.

[13] Hitler behauptete immer, dass er das siebte Mitglied der Partei gewesen sein, vgl. hierzu: Kershaw: 1889, S. 171f.

[14] Das sogenannte 25-Punkte-Programm ist laut eigener Aussage ein „Zeit-Programm“, dass Ziele aufstellt, die es zu erfüllen gilt. Nach dem Erreichen dieser Ziele solle es keine neuen Ziele mehr geben, um die Partei am Leben zu erhalten. An sich fordert das Parteiprogramm vor allem die Reinheit des deutschen Volkes, sowie den Zusammenschluss aller Deutschen. Neben einigen weiteren Themen, sind vor allem Punkt 3 und Punkt 12 interessant. In Punkt 3 wird „Land und Boden“ gefordert. Dies solle der „Ernährung unserer Volkes dienen und [der] Ansiedlung unseres Bevölkerungsüberschusses“. Punkt 12 lässt bereits erahnen, wie in den späteren Kriegen vorgegangen werden soll. Der Krieg dient nämlich nicht der persönlichen Bereicherung, sondern einzig und allein dem Volk: „Wir fordern daher restlose Einziehung aller Kriegsgewinne“, vgl.: 25-Punkte-Parteiprogramm der NSDAP, in: Barbara Zehnpfennig: Adolf Hitler: Mein Kampf. Studienkommentar, München 2011, S. 265-267, im Folgenden zitiert als: Zehnpfennig: Studienkommentar.

[15] Bauer: Nationalsozialismus, S. 71ff.

[16] Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte1914-1949, Band 4, München 32008, S. 564, im Folgenden zitiert als: Wehler: Gesellschaftsgeschichte.

[17] Hans Mommsen: Aufstieg und Untergang der Republik von Weimar. 1918-1933, Berlin 32009, S. 110-112, im Folgenden zitiert als Mommsen: Weimar.

[18] Bauer: Nationalsozialismus, S. 72f.

[19] Die Parteiführung wollte gegen Hitlers Wunsch in Kooperationsgespräche mit der „Deutschen Werkgemeinschaft“ eintreten, um die Möglichkeit eines Zusammenschluss zu sondieren, vgl. hierzu: Bauer: Nationalsozialismus, S. 74.

[20] Hitler sagte am 29.08.1939, kurz vor Beginn des Feldzuges gegen Polen, dass er in seinem „Leben immer va banque“ gespielt habe, zitiert nach Ian Kershaw: Hitler 1936-1945, Stuttgart 22000, S. 322.

[21] Kershaw: 1889, S. 210-213.

[22] Dieser machte Adolf Hitler Karl Haushofer bekannt, dessen Lebensraum Idee Hitler übernahm, vgl. Bauer: Nationalsozialismus, S. 75. Die Ideologie von Haushofer kann als „politische Geographie“ bezeichnet werden, die jedoch in eine „pseudowissenschaftliche Expansionsphilosophie“ mit einer deutlich imperialistischen Betonung umgedeutet wurde. Dies fügte dem Rassegedanken noch den Gedanken des „Raumes“ hinzu, einen der späteren Grundpfeiler der nationalsozialistischen Ideologie, vgl. hierzu.: Fest: Profile, S. 262.

Weiterhin von Bedeutung ist Friedrich Ratzel, der, laut Karl Lange, noch bedeutender für die Genese der Idee des Lebensraums in Hitlers Gedanken ist, vgl. hierzu: Karl Lange: Der Terminus „Lebensraum“ in Hitlers „Mein Kampf“, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 13. Jahrgang, 4. Heft (Oktober 1965), S. 432.

[23] Bauer: Nationalsozialismus, S. 75-78.

[24] Übersicht der „Mitgliederentwicklung der DAP/NSDAP 1919-1924“, in: Bauer: Nationalsozialismus, S. 82.

[25] Bauer: Nationalsozialismus, S. 82f.

[26] Kershaw: 1889, S. 260ff.

[27] Mommsen: Weimar, S. 215.

[28] Kershaw: 1889, S. 269-276.

[29] Bauer: Nationalsozialismus, S. 130.

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656454847
ISBN (Buch)
9783656455806
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230005
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Historische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
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Titel: Der Lebensraum im Osten in den Schriften von Adolf Hitler