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Quo vadis societas socialis?

Zur Ökonomisierung der Sozialen Arbeit und deren Folgen für die Personalwirtschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 16 Seiten

Leseprobe

Verzeichnis des Inhalts

Einleitung

1 Zur Ökonomisierung
1.1 Der Begriff der Ökonomisierung
1.2 Zur Ökonomisierung des Sozialen

2 Die Haupttriebfedern der Ökonomisierung
2.1 Zum Neoliberalismus
2.2 Zur Globalisierung

3 Die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit

4 Die Folgen für die Personalwirtschaft
4.1 Zur Arbeitszeit
4.2 Zu den Lohnstrukturen

5 Quo vadis societas socialis? - Abschließender Ausblick

Verzeichnis der Literatur

Einleitung

Die Soziale Arbeit ist in den europäischen Sozialstaaten in einem Umbruch begriffen. Die zunehmende ökonomische und politische Vereinigung Europas führt auch zu einer veränderten Sozialstaatlichkeit neoliberaler Art. Eine Verknappung der finanziellen Ressourcen und die sich damit zusammenhängend manifestierenden Tendenzen der Ökonomisierung in der Sozialen Arbeit dramatisieren diesen Prozess erheblich. Individualisierung, Werteverfall, etc. sind weitere Bedingungen, welche Soziale Arbeit beeinflussen. Das heterogene Berufsfeld der Sozialen Arbeit gerät zunehmend unter den Druck der Legitimation. Mit dem nur mangelhaft etablierten beruflichen Selbstbild ist die Soziale Arbeit nur ungenügend auf Umbrüche vorbereitet. Im Bereich des Sozial- und Gesundheitswesens ist zudem des Weiteren die Gefahr gegeben, durch andere Berufsgruppen verdrängt bzw. substituiert zu werden.

In Anlehnung an das Seminar „Wohlfahrtsstaat, Sozialpolitik und Soziale Arbeit“ befasst sich die vorliegende Arbeit mit der Thematik der ‚Ökonomisierung der Sozialen Arbeit‘. Die neoliberalen Entwicklungen in der Praxis Sozialer Arbeit machen eine Auseinandersetzung mit der angeführten Thematik notwendig. Nach einer kurzen Annäherung an den Begriff der Ökonomisierung soll versucht werden, die Auswirkungen dieses Prozesses bezüglich der Personalwirtschaft darzulegen und aufzuzeigen. Mögliche Folgen für die Professionellen1 sollen an den Kategorien der Arbeitszeit und der Entgeltstrukturen aufgezeigt und betrachtet werden. In einem abschließenden Fazit soll ein Bezug geschaffen werden zu einer hypothetischen weiteren Entwicklung der Ökonomisierung.

1 Zur Ökonomisierung

1.1 Der Begriff der Ökonomisierung

Der Begriff der Ökonomisierung beschreibt die organisatorische Neuordnung staatlicher Verwaltungen. Ziel ist es, die Qualität öffentlicher Dienstleistungen zu verbessern und gleichzeitig deren Produktionskosten zu senken. Die Strategien der Ökonomisierung orientieren sich an privatwirtschaftlichen Modellen und manifestieren sich primär in den öffentlichen Diensten, z.B. dem Gesundheits- oder Sozialwesen. Bisher marktexterne Bereiche finden sich der Anwendung ökonomischer Kriterien ausgesetzt und werden nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip bewertet.

1.2 Zur Ökonomisierung des Sozialen

Die Soziale Arbeit sah sich seit ihrer professionellen Anfänge der Herausforderung gegenüber, ihren Beitrag bezüglich des Gemeinwesens legitimieren zu müssen. Dieser Prozess hat sich seit Ende der 1980er Jahre durch eine Reduzierung öffentlicher Mittel verschärft2, und es entfachte sich eine ausgeprägte Diskussion zwischen den Positionen „Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit“. Die Befürworter der fachlich-ethischen Argumentation fokussieren die Adressaten mit deren sozialen Problemkonstrukten und sehen hier eine fachlich professionelle Hilfestellung als vonnöten.3 Die Vertreter einer ökonomischen Linie versuchen, „Hilfebedarfe insgesamt zu definieren und dann nach möglichst effizienten Formen zur Deckung dieser Bedarfe zu fragen“ . 4 Es ist die ethisch-moralische Verpflichtung, den bedürftigen Menschen zu helfen, die einerseits fokussiert wird. Dieser konträr gegenüber stehen die produkthaften Leistungen. König sieht in beiden Argumentationsstrategien äquivalente Kernaussagen impliziert, mit der finalen Absicht einer bestmöglichen Lösung für die sozialen Problemkonstrukte.5

Hier manifestiert sich allerdings die Frage, ob noch stets die Adressaten Gegenstand der Intention sind oder ob das primäre Begehren in der Kostenreduktion zu finden ist - und dies unter der Gefahr eines Qualitätsdefizits Sozialer Arbeit? Die Fachliteratur bezeichnet den angesprochenen Prozess als ‚zunehmende Ökonomisierung des Sozialen‘ und dieser „(...) steht für die Vereinnahmung professionseigener Konzepte durch fachfremde Kräfte und Einflüsse aus dem Bereich der Ö konomie. Dasäußert sich in der Weise, dass Professionelle einerökonomisierten Sozialen Arbeit nicht mehr so agieren können, wie sie es aufgrund ihrer fachlichen Expertisen eigentlich sollten“ . 6

In diesem Kontext scheint es angebracht, Kessel heranzuziehen, welcher im Jahr 2005 die Thematik Ökonomisierung in der Sozialen Arbeit systematisierte. Er differenzierte vier zentrale Dimensionen von immenser Bedeutung:

Zu 1. „Ökonomisierung“ meint eine prozesshafte Invasion fachferner Anschauungen im sozialen Bereich.7 Seit dem Anfang ihrer Entwicklung wird die Soziale Arbeit von verschiedenen Bezugswissenschaften beeinflusst. Hier sehen Arnegger und Spatscheck die Gefahr der Dominanz der Wirtschaftswissenschaften als Konstitution einer Leitwissenschaft bezüglich der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Fortführend möge dies einen Bedeutungsverlust anderer wissenschaftlicher Aspekte beinhalten.8

Zu 2. Die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit ist eine apodiktische Notwendigkeit, um eine adäquate Anpassung an die Veränderungen, welche die marktspezifischen Prozesse generieren, garantieren zu können.9

Zu 3. In der erfolglosen Bürokratie und der zu stark ausgeprägten Fokussierung auf verwaltungsspezifische Professionalität liegt die Einschätzung begründet, Soziale Arbeit sei ineffizient und ungenügend effektiv. Hier sei das Umdenken zu einer Ökonomisierung impliziert.10

Zu 4. Es obliegt eine Betrachtung der Ökonimisierung in Bezug zur Doktrin der Sozialstaatlichkeit. Die neoliberalen Ansichten sind nicht auf eine nationale Dimension zu beschränken, sondern sind im Kontext von Globalität zu betrachten.11

2 Die Haupttriebfedern der Ökonomisierung

Das angenommene Erfordernis einer Ökonomisierung der Sozialen Arbeit steht in Zusammenhang mit den im Folgenden angeführten Prozessen. Zwischen diesen ist zwingend von einer Interdependenz auszugehen.

2.1 Zum Neoliberalismus

Es ist unumgänglich im Diskurs der Ökonomisierung der Sozialen Arbeit, diese im Kontext der steigenden Expansion neoliberaler Ökonomie- und Politikmodelle zu betrachten. Es lassen sich folglich zwei Strömungen des Neoliberalismus differenzieren. Zum einen die Chicagoer Schule, auf der anderen Seite der Ordoliberalismus der Nachkriegszeit. Es lässt sich hier resümieren, dass ein freier Markt und Wettbewerb im Kontext mit der Genese positiver Entwicklungen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich steht. Bei Bröckling et al.

[...]


1 Professionelle meint, die in der Sozialen Arbeit qualifizierten Beschäftigten Seite | 3

2 vgl. Puch/Westermeyer 1999, S. 11 ff.

3 vgl. König 2007, S. 14

4 ebd., S. 14

5 vgl. ebd., S. 14 f

6 Arnegger/Spatscheck 2008, S. 9

7 vgl. Kessl 2005, S. 1118

8 vgl. Arnegger/Spatscheck 2008, S. 9 f

9 vgl. Arnegger/Spatscheck 2008, S. 10

10 vgl. ebd.

11 vgl. ebd.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656462682
ISBN (Buch)
9783656462750
DOI
10.3239/9783656462682
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Erscheinungsdatum
2013 (Juli)
Note
1,7
Schlagworte
Ökonomisierung Soziale Arbeit Qualitätsmanagement

Autor

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Titel: Quo vadis societas socialis?