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Die Mosaiken des Triumphbogens Santa Maria Maggiore in Rom

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 26 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Allgemeines
2.1 Entstehungsgeschichte
2.2 Architektur und Ausstattung
2.3 Technik

3 Bildbeschreibung, Erhaltungszustand und Ikonografie
3.1 Erste Zone
3.1.1 Die Verkündigung an die Jungfrau
3.1.2 Die Aufklärung der Zweifel Josephs
3.1.3 Hetoimasia
3.1.4 Darbringung im Tempel
3.1.5 Aufforderung Josephs zur Flucht nach Ägypten
3.2. Zweite Zone
3.2.1 Anbetung der Magier
3.2.2 Die heilige Familie vor Aphrodisius
3.3 Dritte Zone
3.3.1 Kindermord
3.3.2 Die Magier und die Schriftgelehrten bei Herodes
3.4 Vierte Zone
3.4.1 Jerusalem
3.4.2 Bethlehem

4 Stil

5 Interpretationen
5.1 Bildprogramm
5.2 Weitere Kontroversen
5.2.1 Darbringung im Tempel
5.2.2 Anbetung der Magier
5.2.3 Die Heilige Familie vor Aphrodisius

6 Fazit

Literatur

1 Einleitung

In dieser Arbeit soll das Triumphbogenmosaik von Santa Maria Maggiore in Rom analysiert. werden. Zunächst werde ich mich der Entstehungsgeschichte der Basilika zuwenden. Neben dem Mosaik leitet sich eine andere Besonderheit bereits von dem Namen der Kirche ab. Denn Santa Maria Maggiore ist die erste der Mutter Gottes geweihte monumentale Kirche. Vergegenwärtigt man sich deren Erbauungsdatum von 432 – 440, kommt dieser Kirche eine Vorreiterrolle im aufkommenden Marienkult zu. Wobei damals das Christentum selbst noch in den „Kinderstuben“ war, wenn man es so formulieren will. Darauf folgend widme ich mich der Architektur und Innenausstattung der Kirche. Dabei komme ich auf die Mosaiken zu sprechen, die im Langhaus alttestamentliche Bildthemen behandeln und am Triumphbogen mit neutestamentlichen Motiven gestaltet sind. In dieser Arbeit werde ich mich jedoch ausschließlich auf das Triumphbogenmosaik konzentrieren, wobei zunächst eine kleine Beschreibung der Technik an Stelle tritt. Ausführlicher folgt dann die Bildbeschreibung. Dabei spreche ich sowohl ikonografische Aspekte an, als auch den Erhaltungszustand, wobei dieser vor allem auf kolorierte Zeichnungen Wilperts basieren. Daraufhin erfolgt eine Analyse des Stils. Trotz relativ guter Kenntnis der dargestellten Szenen, gibt es auch einige Streitpunkte. Nachdem zunächst das Bildprogramm ausgeführt wird, auch im Hinblick auf unterschiedliche Interpretation dessen, soll es auch Raum für aktuelle Hypothesen zum Triumphbogenmosaik geben. Dabei werden sowohl Für- als auch Gegenpunkte erwidert. Als begleitende Fragestellung begegnet uns in dieser Arbeit inwieweit das römische Reich in der biblischen Geschichte der Mosaikbilder wiederzufinden ist.

2 Allgemeines

2.1 Entstehungsgeschichte

Das Triumphbogenmosaik der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom ist aus vielen Gründen beachtenswert. Wie anfangs bereits erwähnt ist einer davon die frühe Weihung nach der Mutter Gottes. Auf der anderen Seite steht allein das Gebäude, was es umgibt, auf einer Stufe höchster Ansprüche. Denn die Kirche ist außer einer der ältesten, auch eine der größten Marienkirchen in Rom. Bis 2006 zählte man sie außerdem zu den Patriarchalbasiliken.[1] Besonders schillernd ist jedoch die Entstehungsgeschichte der Kirche. So ist der Legende nach im Jahr 352 dem damaligen Papst Liberius, sowie einem Patrizier namens Johannes die heilige Maria erschienen. Diese habe befohlen, dort eine Kirche zu bauen, wo es am nächsten Tag schneien werde. Tatsächlich sei dann mitten im Hochsommer auf dem Hügel Schnee gefallen, wo später die Kirche errichtet wurde. Die tatsächliche Entstehung der Kirche war vermutlich aber erst kurz nach dem Konzil von Ephesus im Jahr 431. Dieses Konzil bestätigte den Titel Marias als Gebärerin Gottes (vgl. Eileen 2008: 177f.). Kurz darauf begann dann unter Papst Sixtus III. als Bauherr der Bau von Santa Maria Maggiore. Das Baudatum und die Vollendung der Kirche wird zwischen 432 und 440 angegeben, was dem Zeitraum des Pontifikats Sixtus III. entspricht. Ausschlaggebend hierfür ist eine Inschrift mit Erwähnung seinerseits über dem Triumphbogen. Neben der Inschrift am Triumphbogen, gab es eine weitere an der Innenfassade der Kirche, die allerdings nicht mehr erhalten ist. Diese sagte aus, "dass Sixtus die Basilika (nova tecta) der Gottesmutter geweiht habe" (Brandenburg 2004: 179). Es heißt, sie sei die einzige Kirche in Rom, in der seit Jahrhunderten ununterbrochen täglich die Heilige Messe gefeiert wird.

2.2 Architektur und Ausstattung

Bei Santa Maria Maggiore handelt es sich um eine dreischiffige Basilika. Als Besonderheit erweist sich, dass es die erste päpstliche Stiftung eines monumentalen Kirchenbaus ist. So zeigt sich Santa Maria Maggiore als ein Beispiel wie die finanzielle und politische Macht des Papstes in der Architektur Ausdruck verliehen wird (vgl. Geyer 2006: 295). Der mittelalterliche Fußboden stammt von den Kosmaten, so hießen die damaligen Marmordekorateure. Bei der Decke handelt es sich um eine Kassettendecke. Von besonderer Bedeutung sind die Mosaike der Basilika, entstanden schon früh in der Hochphase römischer Mosaikkunst. Die Mosaike sind in zwei Gruppen einzuteilen. Einmal haben wir welche, die die Wände des Langhauses schmücken und zum anderen sind welche am Triumphbogen zu finden. Die Langhausmosaiken befinden sich über den Architraven, sowie unter den Fenstern. Sie setzten sich aus ursprünglich 42 Mosaikfeldern mit alttestamentlichen Geschichten zusammen. 27 davon sind noch erhalten (vgl. Brenk 1975: 2). Genauso wie die Langhausmosaiken, sind auch die Mosaiken am Triumphbogen um die Apsis bereits in der Entstehungszeit der Kirche, also im fünften Jahrhundert entstanden. Unter Anleitung des Franziskanerpapsts Nikolaus IV., wurde im 13. Jahrhundert die Apsis zerstört. Sie wurde dann einige Meter dahinter neu aufgebaut. So konnte Platz für einen neuen Chor gewonnen werden (vgl. Deckers 1976: 1). Die Mosaiken des Triumphbogens, die Sixtus III. in Auftrag gab, sind nicht ohne Grund einzigartig in ihrer Wirkung und stellen die Geburt und Kindheit Jesu dar. In seiner Anordnung präsentiert sich der Mosaikschmuck für das Wanddekorationssystem außerordentlich gut als eine zugehöriger Komponente (vgl. Geyer 2006: 297).

2.3 Technik

Wenn man sich so ein Gesamtwerk, wie den Triumphbogen, betrachtet ist auch immer der Standpunkt, die Beleuchtung und das Größenverhältnis zu beachten. Damit man weiß um was es sich hier für eine Größenordnung handelt, sei gesagt, dass die oberste Zone eine Länge von rund 17 Metern und eine Höhe von rund einem Meter aufweist. Für den Betrachter ergibt sich je nach Beleuchtung eine andere Wirkung des Mosaiks. Und das kommt daher da die Mosaike sich aus unterschiedlich großen Steinen zusammensetzen und die Oberfläche von diesen Steinen bewusst uneben verarbeitet worden sind. Dadurch wirft dann die Oberfläche das Licht in verschiedenen Farbtönen zurück. Das erkennt man ganz gut durch die Nebeneinaderstellung des gleichen Motivs einmal bei frontaler Beleuchtung und dann bei seitlicher Beleuchtung (vgl. Karpp 1966: 21 f.).

Beim Material des Triumphbogenmosaiks handelt es sich um farbige Pasten. Paste ist farbiger Ton, und nur die vier Buchstaben COPV in EPICOPVS, in der Inschrift, sind aus Steinwürfeln. Dadurch, dass man hier „quadratische, rechteckige und trapezförmige Flächen“ abwechselnd gesetzt hat, ist die Würfelfläche sehr unregelmäßig (Schuchert 1953: 22). Bei den Goldwürfeln handelt es sich um „weißen Glasfluss [also so ein bleihaltiges Glasgemisch] mit einem dünnen aufgelegten Goldblättchen“, was dann mit einem „Glasblättchen überdeckt und fest geschmolzen“ wurde (Schuchert 1953: 23).

Bei der Frage wie die Mosaiken angebracht wurden, haben wir zunächst einmal eine „dreifache Stuckunterlage aus Puzzolanerde [das sind spezielle Gesteine, wie etwa aus Magma], Kalk und Marmorstaub“ (Schuchert 1953: 24). Diese Stuckzone war dann insgesamt ca. 5 cm dick und war daher natürlich auch relativ schwer und wie man sich vorstellen kann, sind dadurch an einigen Stellen Wölbungen und auch Risse entstanden.

3 Bildbeschreibung, Erhaltungszustand und Ikonografie

Den Triumphbogen kann man einerseits in vier Felder unterteilen. Oben links sieht man die Verkündigung. Die Erzählung geht dann durch die Abbildung der Verkündigung Josephs weiter und anschließend folgen noch die Huldigung durch die Heiligen Drei Könige und der Kindermord von Bethlehem darunter. Das Feld darunter zeigt die Stadt Jerusalem. Zur rechten Hälfte des Triumphbogens ist der sieghafte junge Jesus das Bezugsthema. Es wird hier also nun wieder in Verbindung zum rechten Teil des Langhauszyklus auf das Siegesthema eingegangen. Man sieht zunächst die Darstellung im Tempel, die Flucht nach Ägypten und das Zusammentreffen der Heiligen Familie mit Aphrodisius. Man sieht wie Simeon, die Priesterschaft und auch König Aphrodisius ihm huldigen. Die Szene darunter beschreibt dann die Heiligen Drei Könige in der Gegenwart von Herodes. Und das letzte Feld gibt dann das biblische Bethlehem wieder.

Insgesamt gesehen lässt sich das Triumphbogenmosaik neben der Einteilung in die Felder auch in drei verschiedene Zonen unterteilen. So ist es ein sogenanntes „Dreizonenschema“ was „aus der römischen Triumphkunst übernommen“ wurde (Weckers 1973: 297). Wenn man jedoch die Bethlehem- und Jerusalem-Darstellungen als eigene Zone noch hinzunimmt, haben wir hier insgesamt vier Zonen und anhand dieser 4-Zoneneinteilung werde ich jetzt auch die Bildbeschreibung vornehmen.

Die Bilder des Triumphbogens sind weitestgehend erhalten. Zur Berücksichtigung des Erhaltungszustand muss gesagt werden, dass im Mittelalter ein Gewölbe eingesetzt wurde und dieses auf den Triumphbogen einen hohen Druck ausgeübt hat. Außerdem wurde im 13. Jahrhundert die antike Apsis abgebrochen. Daraus ergab sich eine leichte Schiefstellung des Triumphbogens einerseits, aber auch eine Verstärkung alter beziehungsweise auch eine Bildung neuer Risse. Und da die halt auch schon zum Teil vor dem Einsetzen der Decke im Mittelalter da waren, wurde bei der letzten größeren Restauration 1930 die Decke wieder entfernt, so dass man eben wie hier in der Konstruktion wieder einen Blick in den offenen Dachstuhl hatte und auch die Risse in diesem Bereich ausbessern konnte (vgl. Schuchert 1953: 22). Dank der kolorierten Zeichnungen von Wilpert, die ca. 1916 angefertigt wurden, haben wir ein gutes Bild davon, was von dem heutigen Mosaik ergänzt wurde. Allerdings wird in den nachfolgenden Erläuterungen zum Erhaltungszustand somit auch nur die Situation beschrieben, die um 1916 vorherrschte (vgl. Wilpert 1916: Tf. 53-74). Was in den dazwischenliegenden Jahrhunderten von den Originalteilen restauriert wurde, kann nicht eindeutig gesagt werden. Jedoch erfahren wir von Brenk, dass vor allem auch im Mittelalter einige Fragmente ergänzt wurden, die nachfolgend angesprochen werden.

3.1 Erste Zone

Zur Bildbeschreibung: Zunächst die Darstellung der oberen linken Zone. Hier wird die unbefleckte Zeugung und dessen Verkündung durch die Engelsboten dargestellt.

3.1.1 Die Verkündigung an die Jungfrau

Die Verkündigungsszene besteht hier links aus einem tempelähnlichen Gebäude, dann zwei stehenden Engeln, der aud einem Thron sitzenden Jungfrau Muttergottes und links von ihr einem weiteren Engel. Über der Maria sehen wir eine weiße Taube und einen waagrecht schwebenden Engel. Der Boden ist grün und gelb und der Wolkenhimmel vorwiegend in den Farben blau, rot, gelb und orange gehalten. Das Zentrum des Geschehens bildet die auf dem Thron sitzende Jungfrau Maria. Sie erscheint dort sehr prinzessinnenhaft. Laut Wilpert gleicht ihre Tracht einer "Prinzessin des römischen Kaiserhauses" (Wilpert/Schumacher 1926/1976: 316). Wir können sehen wie sie einen roten Stoff, dem Aussehen nach einen Schleier spinnt. Neben ihr sehen wir auch einen Korb in dem rötliche Wolle ist. Bis auf den Engel, der zur Rechten Marias steht, richten alle anderen Engel ihren Blick auf sie und bei ihnen erkennt man an der Haltung der Hände den typischen Sprechgestus. Unter dieser Szene sind 1931 Fragmente einer Vorzeichnung gefunden worden, die aufgrund deren Verschiebung von bis zu 50 cm wohl durch eine weitere ersetzt worden sein muss. (vgl. Brenk 1975: 9f.).

Basierend auf den kolorierten Zeichnungen von Wilpert sehen wir bei diesem Motiv der Verkündigung einen guten Erhaltungszustand der drei stehende Engel und der Jungfrau, wobei jedoch die linke Hand der Jungfrau fehlt. Vom schwebenden Engel sind die Flügel vom Schulterübergang an zerstört. Und wie zu erkennen ist fehlt über den Füßen auch ein Teil des Mantelüberwurfs. Von der fliegenden Taube ist bis auf den Rumpfteil mit den Flügelansätzen alles zerstört. Bei dem tempelähnlichen Bau ganz links läuft ein auffallend breiter Riss hindurch. Es sind nur noch einige Ziegelfragmente original, die Mauern und der Himmel über dem schwebenden Engel ist restauriert worden (vgl. Brenk 1975: 9).

[...]


[1] Heute gibt es noch drei patriarchale Basiliken: Ss. Sepulchris in Jerusalem, Santa Maria Assunta in Aquileia und San Marco in Venedig.

Details

Seiten
26
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656464617
ISBN (Buch)
9783656467526
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230395
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,3
Schlagworte
Mosaik Triumphbogen Santa Maria Maggiore Kirche Neues Testament Steigerwald Darbringung Hetoisma Maria Jesus Sixtus Josef Herodes Wilpert König Bethlehem Jerusalem Lamm Anbetung Magier Flucht Verkündung brenk tempel Kunstgeschichte Italien Rom Archäologie Christentum Byzantik

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Titel: Die Mosaiken des Triumphbogens Santa Maria Maggiore in Rom