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Leasing als Alternative zur klassischen Investitionsfinanzierung

Hausarbeit 2002 12 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Ausweitung des Leasinggeschäfts
1.1. Problemstellung
1.2. Gang der Untersuchung

2. Leasing - Eine Darstellung
2.1. Der Begriff des Leasing
2.2. Ursprung und Entwicklung des Leasing
2.3. Die Formen des Leasing
2.3.1. Operating-Leasing
2.3.2. Finanzierungs-Leasing

3. Betriebswirtschaftliche Untersuchung der Leasingalternative
3.1. Ausgangspunkt der Untersuchung
3.2. Einflussfaktoren auf die Entscheidung Leasing oder Kredit
3.2.1. Rentabilität
3.2.2. Liquidität
3.2.3. Sicherheit
3.2.4. Flexibilität

4. Schlussbetrachtung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Ausweitung des Leasinggeschäfts

Die Leasingbranche in der BRD hat seit der Entstehung des Leasing eine stürmi­sche Entwicklung durchlebt. Auch wenn der weltweite konjunkturelle Abschwung in Deutschland zu einer rezessiven Investitionsentwicklung geführt hat,[1] so konn­ten von den Leasinggesellschaften in der Periode 2000/2001 hohe Marktanteils­gewinne realisiert werden. Im Jahr 2001 stieg die Leasingquote von 15,5% auf 16,7%, in Westdeutschland übersprang sie sogar die 20%- Marke.[2] Angesichts einer derartigen Entwicklung stellt sich die Frage, welchen Stellenwert Unter­nehmen dem Leasing beimessen, wenn es um die Finanzierung von Investitions­vorhaben geht.

1.1. Problemstellung

Die alleinige Untersuchung der Gründe, die zu dieser Ausweitung und Entwick­lung des Leasing geführt haben, ist nicht ausreichend. Vielmehr ist die Frage zu stellen, ob das Leasing mit seinen in der Werbung propagierten Vorzügen eine Alternative zu den traditionellen Formen der Finanzierung darstellt.

Im Rahmen dieser Ausarbeitung wird untersucht, welche Alternative Leasing Unternehmen im Vergleich zur klassischen Investitionsfinanzierung bietet.

1.2. Gang der Untersuchung

In Kapitel zwei wird zunächst das Leasing dargestellt. Dabei wird auf den Lea­sing-Begriff, den Ursprung, die Entwicklung und die wichtigsten Erscheinungs­formen eingegangen. Kapitel drei hat herauszustellen, welche betriebswirtschaftli­chen Einflussfaktoren eine Finanzierungsentscheidung beeinflussen. Die Zusam­menfassung der Ergebnisse und ein Ausblick auf offene Fragen beschließen die Ausarbeitung (Kapitel vier).

2. Leasing - Eine Darstellung

2.1. Der Begriff des Leasing

In der Literatur ist der aus dem Amerikanischen übernommene Begriff „Leasing“[3] nicht einheitlich definiert. Einige Autoren definieren Leasing als ein Rechtsge­schäft, bei dem Wirtschaftsgüter mittel- bis langfristig entgeltlich zum Gebrauch oder zur Nutzung überlassen werden.[4] Jedoch beschreibt diese Definition das Lea­sing nur annähernd. Es finden sich in der Literatur unzählige Versuche, den wirt­schaftlich wie juristisch komplexen Leasing-Begriff zu definieren und einzuord­nen. Durch die Verbindung mit einem Beiwort wird der Begriff Leasing zwar aus­sagefähiger, z.B. Finanzierungs-Leasing, Operating-Leasing, Mobilien-Leasing, jedoch ist er weder in der juristischen noch in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur eindeutig und abschließend geklärt.[5]

2.2. Ursprung und Entwicklung des Leasing

Als 1877 die Bell-Telephone Company in den USA dazu überging, ihre Telefone nicht zu verkaufen, sondern zu vermieten, und 1880 die United Shoe Machinery Corporation diesem Vorgehen folgte, indem sie dem Handwerk ihre neu entwi­ckelten Maschinen zur Miete anbot, wurde dadurch der Grundstock des Leasing gelegt. Zwar war das gesamte Mietvolumen dieses neuen, rein absatzpolitischen Instrumentariums lange Zeit gering, doch konnte 1952 die erste Leasing-Gesell­schaft der USA, die United States Leasing Corporation gegründet werden. Nahezu 10 Jahre später wurden die ersten Leasing-Gesellschaften in Deutschland gegrün­det. Dazu zählten die Deutsche Leasing GmbH Düsseldorf, die Deutsche Anlagen Leasing GmbH Mainz und die Mietfinanz GmbH Mühlheim.[6] Die Beseitigung anfänglicher Imageprobleme, die Regelung zivil-, handels- und steuerrechtlicher Unsicherheiten sowie die Anfang der siebziger Jahre zunehmen­den Aktivitäten der Banken verliehen dem Leasinggeschäft neue Impulse.[7]

2.3. Die Formen des Leasing

Leasinggeschäften liegt grundsätzlich ein Leasingvertrag zwischen einem LG und einem LN zugrunde. Neben vielen möglichen Gliederungskriterien[8] für Leasingverträge ist die Unterscheidung nach dem Verpflichtungscharakter eines der Wichtigsten. Es lassen sich hierbei zwei Grundformen unterscheiden.[9]

2.3.1. Operating-Leasing

Beim Operating-Leasing handelt es sich um kurzfristige und i.d.R. jederzeit kündbare Verträge, wobei sich die Kurzfristigkeit auf das Verhältnis der Miet­dauer zur betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer der Mietsache bezieht. Das Ope­rating-Leasing kommt für Unternehmen in Frage, für die sich eine Eigeninvesti­tion aufgrund der kurzfristigen Nutzung[10] des Wirtschaftsgutes nicht lohnt, die also nur Interesse an einer kurzfristigen Bedarfsdeckung haben. Da das Operating­Leasing vom Charakter her einem normalen Mietverhältnis im Sinne des § 535 BGB sehr nahe kommt, wird es als unechtes Leasing bezeichnet.[11]

2.3.2. Finanzierungs-Leasing

Der auf eine überwiegend lange, fest vereinbarte Grundmietzeit ausgerichtete un­kündbare Vertrag zwischen den Leasing-Parteien ist charakteristisch für das Fi- nanzierungs-Leasing. Dabei beträgt die Grundmietzeit aus steuerrechtlichen Gründen zwischen 40% und 90% der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer. Über die während der Grundmietzeit erhaltenen Leasingraten, die so kalkuliert sind, dass sie die Wertkosten, bestehend aus der Anschaffungsausgabe, Zinsen und Ri­sikokosten sowie die Betriebskosten, d.h. Vertragsanlauf- und Zukunftskosten, beinhalten, amortisiert sich das vermietete Wirtschaftsgut.[12] Wurde ein Leasing­Vertrag mit Optionsrecht geschlossen, hat der LN nach Ablauf der Grundmietzeit entweder die Möglichkeit, das Leasing-Gut vom LG zu erwerben oder den Ver­trag, bei Zahlung deutlich reduzierter Leasingraten[13], über die Grundmietzeit hin­aus zu verlängern.[14]

Die folgende Tabelle enthält die wichtigsten Kennzeichen beider Leasing-Formen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Kennzeichen von Operating- und Finanzierungs-Leasing

3. Betriebswirtschaftliche Untersuchung der Leasingalternative

3.1. Ausgangspunkt der Untersuchung

Hat sich ein Unternehmen für die Durchführung eines Investitionsvorhabens ent­schieden, muss im nächsten Schritt die für das Unternehmen geeignete Beschaf­fungsform des Sachkapitals ermittelt werden. Zu beantworten ist die Frage, auf welche Art und Weise das Investitionsvorhaben finanziert werden soll. Wird auf das bei der Investition vom Unternehmen zu tragende Investitionsrisiko abgestellt, kommt nur das Finanzierungs-Leasing als Alternative zu traditionellen Finanzie­rungsmitteln in Betracht.[15] Deshalb wird der Leasingfinanzierung die praktisch bedeutsamste Außenfinanzierungsquelle, die externe Fremdfinanzierung in Form des Bankkredits gegenübergestellt.[16]

3.2. Einflussfaktoren auf die Entscheidung Leasing oder Kredit

Ein nach dem erwerbswirtschaftlichen Prinzip handelndes Unternehmen wird sich bei der Auswahl einer Finanzierungsalternative nicht von in der Werbung propa­gierten Vorteilen und dem „Bauchgefühl“ entsprungenen Empfindungen leiten lassen, sondern richtet rationale Entscheidungen am Vorhandensein einer Ziel­funktion aus. Die einzuschlagende Handlungs- oder Vorgehensweise hat sich bei einem möglichst vollkommen anzustrebenden Zielerreichungsgrad immer an die­ser Zielfunktion auszurichten. Aus der Vielzahl der für die finanzwirtschaftlichen Entscheidungskalküle möglichen und denkbaren unternehmerischen Zielsetzun­gen, sind die Zielgrößen Rentabilität, Liquidität, Sicherheit und Flexibilität be­sonders bedeutsamen.[17] Da im Rahmen dieser Ausarbeitung nicht auf Vorteil- haftigkeitsanalysen auf Basis von Vergleichsrechnungen eingegangen werden kann, werden nachfolgend die tendenziellen Auswirkungen dieser Faktoren auf die relative Vorteilhaftigkeit des Leasing gegenüber dem Kauf näher untersucht.

3.2.1. Rentabilität

Die Rentabilität, verstanden als Relation einer Erfolgsgröße (Gewinn, Jahresüber­schuss, Cash-flow u.a.) zum eingesetzten Kapital, wird von den entscheidungsre­levanten Zielgrößen beeinflusst. Zu diesen gehören besonders die Anschaffungs­kosten, die Finanzierungskosten, die Verwertungserlöse sowie die steuerlichen Konsequenzen. Gelingt es dem LN die eigene Verhandlungsposition zu stärken und eventuelle Kostenvorteile, die aus einer Berücksichtigung des Verwaltungs­aufwandes und einer Risikoprämie des LG resultieren, für sich zu nutzen, können in Bezug auf die Anschaffungskosten und Verwertungserlöse bei institutionellen Vermietern aufgrund der stärkeren Verhandlungsmacht und der besseren Markt­kenntnis Kostenvorteile gegenüber dem Kauf entstehen. Ein eventueller Refinan­zierungsvorteil der Leasinggesellschaften, bedingt durch spezielle, branchentypi­sche Refinanzierungsmöglichkeiten verbundener Leasinggesellschaften und Ban­ken, können ebenfalls Finanzierungskostenvorteile gegenüber dem Kauf bewir­ken. Werden die Auswirkungen steuerlicher Konsequenzen auf die relative Vor- teilhaftigkeit betrachtet, so kommt es für die Realisierung steuerlicher Vorteile des Leasing auf die handels- und steuerliche Zurechnung des Leasingobjekts zum Leasinggeber an. Grundsätzlich wird das Leasingobjekt dem LG zugerechnet, es sei denn, die Grundmietzeit beträgt weniger als 40% oder mehr als 90% der be­triebsgewöhnlichen Nutzungsdauer (bei Vollamortisationsverträgen); die Zurech­nung erfolgt dann beim LN. Die wesentlichen steuerlichen Vorteile liegen zum einen in den in voller Höhe als Betriebsausgaben anzusetzenden Leasingraten und zum anderen in der gewerbesteuerlichen Behandlung des Leasing.[18]

3.2.2. Liquidität

Bei einer Liquiditätsbetrachtung von Finanzierungsalternativen geht es um die Untersuchung ihrer Wirkungen auf das finanzielle Gleichgewicht einer Unter­nehmung. In diese Betrachtung sind eventuelle Verwertungserlöse, Investitions­zulagen sowie steuerliche und weitere zahlungsrelevante Faktoren einzubeziehen. Bei einer auf die Berücksichtigung der Auszahlungen[19] beschränkten Analyse von Liquiditätseffekten führt Leasing im Vergleich zum Kauf nicht zu einer sofortigen Liquiditätsbelastung im Investitionszeitpunkt. Es fließen allenfalls liquide Mittel in Form der ersten Leasingrate und einer zu entrichtenden Vertragsabschlußge­bühr ab. Aufgrund des sog. „pay-as-you-earn“-Effektes kann ein weiterer Vorteil dadurch entstehen, dass die Leasingraten durch zusätzliche Umsatzerlöse voll abgedeckt werden. Darüber hinaus kann bei der Sonderform des „sale-and-lease- back“-Verfahrens durch Verkauf des Wirtschaftsobjektes an die Leasing-Gesell­schaft ein Liquiditätszufluss realisiert werden. Führt die Realisierung der Leasing­Alternative zu einer Ausweitung des Verschuldungsgrades, dann liegt der Vorteil des Leasing weniger in seiner ökonomischen Eigenschaft, sondern vielmehr in Mängeln der Informationsbeschaffung und/oder Informationsverarbeitung des Bilanzlesers begründet.[20] Darüber hinaus sehen viele LN in der 100%igen Fremdfinanzierungs-Möglichkeit ein ausschlaggebendes Kriterium für die Wahl der Leasingalternative.[21]

[...]


[1] Vgl. Gürtler, Joachim; Städtler, Arno: Leasinggesellschaften überwinden Investitionsschwäche. In: Ifo-Schnelldienst, Jg. 55, H. 10, 2002, S. 35.

[2] Vgl. Städtler, Arno: Leasingbranche erzielt hohe Marktanteilsgewinne. In: Ifo-Schnelldienst, Jg. 54, H. 24, 2001, S. 43

[3] to lease: vermieten, verpachten; lease: 1. Vermietung, Verpachtung, 2. Miete, Pacht, 3. Miet-, Pachtvertrag, 4. Miet-, Pachtzeit (Cassell’s English-German Dictionary)

[4] Vgl. Busse, Franz-Joseph: Grundlagen der betrieblichen Finanzwirtschaft, 3. Aufl., München 1993, S. 362

[5] Vgl. Wöhe, Günter: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 20. Aufl., München 2000, S. 721

[6] Vgl. Leifert, Hans: Finanzierungs-Leasing in Deutschland: Seine technischen, betriebswirtschaftlichen, steuer- und handelsrechtlichen Voraussetzungen in der Industrie, Berlin 1973, S. 15

[7] Vgl. Marek, Michael: Geschichte des Leasing - Abriss einer beeindruckenden Entwicklung, http://econweb.uni-paderborn.de/WiWi/Arbeitspapiere, Oktober 2001, S. 12

[8] z.B. Wirtschaftliche Stellung des Leasinggebers, Art des Leasinggegenstandes, Anzahl der Objekte, Anzahl bisheriger Nutzer, Geschäftssitz der Leasing-Partner

[9] Vgl. Busse, Franz-Joseph, a.a.O., S. 363; übereinstimmend Perridon, Louis; Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 11. Aufl., München 2002, S. 449; ebenso Kolbeck, R.: Leasing als finanzierungs- und investitionstheoretisches Problem. In: ZfbF, Jg. 20, 1968, S. 788

[10] In der Praxis haben Operating-Leasing-Verträge eine Laufzeit von einigen Stunden, Tagen, Wochen oder Monaten, selten jedoch von mehr als einem Jahr.

[11] Vgl. Busse, Franz-Joseph, a.a.O., S. 366

[12] Vgl. Perridon, Louis, a.a.O., S. 450

[13] Die Folge-Leasingraten betragen nur noch ca. 5% bis 10% der bisherigen Leasingraten.

[14] Vgl. Olfert, Klaus: Finanzierung, 11. Aufl., Ludwigshafen (Rhein) 2001, S. 342

[15] Vgl. Büschgen, Hans, E.: Das Leasing als betriebswirtschaftliche Finanzierungsalternative. In: DB, Jg. 20, H. 12, 1967, S. 473; übereinstimmend Kolbeck, R., a.a.O., S. 788

[16] Vgl. Wilhelm, Jochen: Die Vorteilhaftigkeit des Leasing aus finanztheoretischer Sicht. In: ZfbF, Jg. 37, H. 6, 1985, S. 490; ebenso Perridon, Louis, a.a.O., S. 459

[17] Vgl. Büschgen, Hans, E.: Leasing als Finanzierungsalternative - Kriterienorientierte Analyse und Beurteilung des Leasing. In: ÖBA, H. 5, 1989, S. 471; ebenso Perridon, L., a.a.O., S. 9

[18] Vgl. Büschgen, Hans, E.: Leasing als Finanzierungsalternative, a.a.O., S. 475-476

[19] Die Einnahmen sind unabhängig von der Finanzierungsform.

[20] Vgl. Büschgen, Hans, E.: Leasing als Finanzierungsalternative, a.a.O., S. 481

[21] Vgl. Dietz, Albrecht: Betriebswirtschaftslehre und die Praxis der Leasing-Anwendung. In: ZfB, H. 9, 1980, S. 1021

Details

Seiten
12
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638262484
ISBN (Buch)
9783640859658
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23045
Institution / Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Note
keine Benotung
Schlagworte
Leasing Alternative Investitionsfinanzierung

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