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Trennbanken statt Universalbanken

Eine effektive Möglichkeit zur Verhinderung neuer Krisen?

Studienarbeit 2013 22 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Funktionsweise
2.1 Universalbankensystem
2.2 Trennbankensystem

3 Umstellung vom Universalbankensystem in das Trennbankensystem
3.1 Gegenwartige Entwicklungen
3.2 Auswirkungen

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Anhang

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Nettogewinn pro Geschaftsbereich, Auswahl an Universalbanken

Abb. 2: Stabilere Eigenkapitalrendite bei Universalbanken

Abb. 3: Aktivitaten desInvestmentbankings

Abb. 4: Uberblick uber Vorschlage Trennbankensystem, ausgewahlte Aspekte (Teil 1)

Abb. 5: Uberblick uber Vorschlage Trennbankensystem, ausgewahlte Aspekte (Teil 2)

1 Einleitung

Im September des vergangenen Jahres veroffentlichte der SPD-Kanzlerkandidat Peer Stein­bruck ein Positionspapier mit dem Titel „Vertrauen zuruckgewinnen: Ein neuer Anlauf zur Bandigung der Finanzmarkte“. „Die Finanzmarkte haben Mafi und Mitte verloren“,1 kriti- sierte Steinbruck. Um diesen Zustand zu andern, schlagt er verschiedene Mafinahmen zur Regulierung des Bankensystems wie zum Beispiel eine Finanztransaktionssteuer, Regulie- rungen bei verschiedenen Handelsaktivitaten und die Starkung europaischer Aufsichts- und Kontrollinstanzen vor. Daneben fordert er auch eine Trennung von Geschafts- und Invest- mentbanken.2 Mit diesem Vorschlag steht Steinbruck nicht alleine da. Auch die EU-Experten- gruppe unter Fuhrung des ehemaligen finnischen Notenbankchefs Erkki Liikanen schlagt vor, riskante Investmentaktivitaten vom Privatkundengeschaft zu trennen.3 Des Weiteren befur- worteten die franzosische Regierung und die Bundesregierung anlasslich des 50. Jahrestags des Elysee-Vertrags eine rechtliche Trennung von fur Kunden und Wirtschaft wichtigen Geschaften und riskanten Bankgeschaften.4

Doch was fur Auswirkungen hatte eine Trennung von Geschafts- und Investmentbanken?

Und ist es uberhaupt eine effektive Moglichkeit, um neuen Krisen vorzubeugen?

Die vorliegende Arbeit geht diesen Fragen nach. Dazu werden im ersten Schritt das Universal- und das Trennbankensystem mit ihren Vorteilen erlautert. Anschliefiend werden die gegenwartigen Entwicklungen beleuchtet; dabei wird gezeigt, welche Mafinahmen aktuell diskutiert werden und welche sich bereits in Umsetzung befinden. Im letzten Schritt werden die Auswirkungen einer Einfuhrung des Trennbankensystems untersucht und uberlegt, ob dadurch die Stabilitat des Finanzsystems tatsachlich effektiv erhoht wird.

2 Funktionsweise

In dieser Arbeit ist unter einer „Universalbank“ ein Institut zu verstehen, das folgende Bank- geschafte betreiben darf und zum grofiten Teil auch betreibt: Einlagen- und Kreditgeschaft, Zahlungsverkehrsgeschaft und Investmentbanking, wobei Investmentbanking hier sowohl fur den Eigenhandel als auch far die Intermediation an den Finanzmarkten steht.5 Im Gegensatz dazu sind unter einer „Spezialbank“ Institute zu verstehen, die nur einzelne dieser Geschafte tatigen wollen oder tatigen durfen.

2.1 Universalbankensystem

In einem Universalbankensystem ist es grundsatzlichjeder Bank moglich, alle Bankgeschafte zu betreiben, es bestehtjedoch keine Verpflichtung dazu. Deshalb gibt es in dem Universal­bankensystem neben den Universalbanken auch Spezialbanken. Das System ist vor allem in Europa verbreitet, aber auch in Teilen von Asien.6

Universalbanken entstanden, weil spezialisierte Institute ihre Geschafte ausweiteten, um neue Kunden erschliefien zu konnen, oder weil sie ihre Kompetenzen erweitern mussten, um den gestiegenen Bedurfnissen ihrer Kunden gerecht zu werden. Beispiele hierfur sind asiatische Geschaftsbanken, die im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs ins Investmentbanking expandierten, oder franzosische und niederlandische Banken, die Kapitalmarkt-Expertise aufbauten, weil sich deren Kunden aus der Landwirtschaft starker schwankenden globalen Rohstoffmarkten ausgesetzt sahen.7

Das Universalbankensystem bietet viele Vorteile:

1. Fur den Kunden, der eine Hausbank wunscht, ist eine Universalbank von Vorteil, da sie ihm alle Produkte aus einer Hand bieten kann. Die Beziehung zwischen Kunden und Bank durfte in der Regel eine engere sein und die Bank hat ein genaueres Profil des Kunden, was fur eine bedarfsorientierte Beratung8 sowie fur eine genaue Risikoein- schatzung von grofier Bedeutung ist. Das Ergebnis ist eine geringere Informations- asymmetrie.9

2. Vor allem fur mittelstandische und grofie Untemehmen sind Universalbauken vorteilhaft. Denn durch diese stehen den Untemehmen alle Finanzierungsmoglichkeiten offen. Die Universalbanken konnen den Untemehmen klassische Bankkredite anbieten, aber auch helfen, Anleihen zu platzieren oder Aktien zu emittieren.10 Auch bei grofivolumigen Konsortialkrediten ist es wichtig sowohl Kapitalmarkt-Expertise vorzuweisen, als auch eine hinreichend starke Bilanz zu besitzen.11

3. Durch eineDiversifikationder Ertrage konnen Universalbanken Probleme in bestimmten Markt- segmenten besser verkraften.12 Das Investmentgeschaft und das klassische Bankgeschaft sind nicht gleichlaufig, sondern unterliegen unterschiedlichen Ertragszyklen.

Damit konnen im Idealfall die Verluste eines Geschaftsbereichs durch die Gewinne des anderen ausgeglichen werden.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1:Nettogewinn pro Geschaftsbereich, Auswahl an Universalbanken

Quelle: In Anlehnung an Schildbach, Jan (2012), S.12 (siehe Internetverzeichnis).

4. Auch ihre Aufgabe als Intermediar konnen sie besser wahrnehmen. Je nach Marktlage konnen sie die eingesammelten Einlagen als Kredite weitergeben oder selbst investieren. So wird dafur gesorgt, dass sich kein Engpass bei der Kapitalversorgung von bestimmten Markten trotz uberschussiger Liquiditat einstellt, weil diese Liquiditat bestimmten Restriktionen unterliegt.14

5. Universalbanken sind durch die Kundeneinlagen weniger abhangig von den Kapital- markten, konnen sich aber dennoch derer bedienen. Dadurch ist die Refinanzierung insgesamt stabiler.15

2.2 Trennbankensystem

Das Trennbankensystem ist ein zweigeteiltes Bankensystem, bei dem Geschaftsbanken und Investmentbanken rechtlich und wirtschaftlich weitgehend separiert werden.16 Die Banken sind in ihrer Tatigkeit aufbestimmte Geschafte beschrankt. Die Geschaftsbanken betreiben das klassische Einlagen- und Kreditgeschaft und das Zahlungsverkehrsgeschaft, Handels- aktivitaten sowie Beratungsdienstleistungen im Bereich Mergers and Acquisitions und Initial Public Offering werden den Geschaftstatigkeiten einer Investmentbank zugeordnet.17

Das Trennbankensystem spielt(e) in den USA eine grofie Rolle. Es wurde durch den Glass- Steagall Act im Jahr 1933 in Folge Weltwirtschaftskrise eingefuhrt und sorgte fur eine strikte Trennung von Geschaftsbanken und Investmentbanken. Als Grunde wurden angefuhrt, dass es innerhalb der Universalbanken zu Interessenkonflikten kam, Informationsvorteile zum Nachteil von Kunden ausgenutzt wurden und mit einer Trennung die Finanzmarktstabilitat erhoht werden konne. Jahrzehnte wurde die Trennung strikt aufrecht erhalten, bis man zunachst Mitte der 1960er Jahre erste Ausnahmen, beispielsweise die Erlaubnis zum Zeichnen von Anleihen der offentlichen Hand, ermoglichte. Ab 1987 wurden weitreichende Ausnahmen geschaffen und das Gesetz wurde schliefilich 1999 durch den Gramm-Leach- Bliley Act abgeschafft.18

Wie das Universalbankensystem weist das Trennbankensystem auch einige bedeutende Vorteile auf:

1. Banken-Runs werden unwahrscheinlicher, weil die Einlagen der Kunden von den Invest- mentbankaktivitaten abgeschottet sind und einer realistischen Einlagensicherung19 unter- liegen. Damit wird die Stabilitat des Zahlungssystems insgesamt erhoht.20
2. Es wird die Moglichkeit geschaffen, das Investmentgeschaft einer Bank einzeln abzu- wickeln, wahrend der Rest der Bank als Geschaftsbank erhalten bleibt. Dann wurde auch die implizierte Staatsgarantie fur das Investmentbanking wegfallen, wodurch die Kapital- kosten fur das Investmentbanking steigen wurden.21
3. Durch die steigenden Kapitalkosten am Kapitalmarkt und den Wegfall der Refinanzierung aus Einlagen fur Investmentaktivitaten wurde eine risikoadaquate Bepreisung stattfinden. Die Risikobereitschaft sollte infolgedessen sinken und stark risikobehaftete Geschafte wurden eingedammt werden.22
4. Im Trennbankensystem ist das Principal-Agent-Problem weniger stark als im Universal- bankensystem vorhanden, weiljede Bank eine klare Funktion hat. Dadurch wird die Transparenz des Systems erhoht. Auch sind die Regulierungsmoglichkeiten durch die Aufsichtsbehorden verbessert, weil man dieseje nach Banktyp ausrichten kann. Diese Transparenz ist wichtig um Problemen praventiv entgegenzuwirken.23

3 Umstellung vom Universalbankensystem in das Trennbankensystem

Im Folgenden wird auf die in Umsetzung befindlichen Vorschlage eingegangen und es werden die fur die EU relevanten Moglichkeiten zur Trennung des Investmentbankings vom klassischen Bankgeschaft erlautert.

3.1 Gegenwartige Entwicklungen

Derzeit steht die Politik der Idee eines Trennbankensystems in Europa positiv gegenuber. Es werden zahlreiche Vorschlage diskutiert, einige befinden sich schon in der Umsetzung.

In den USA wurde im Juli 2010 von Prasident Obama der Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act unterzeichnet. Dieser beinhaltet die Volcker Rule.24 Sie sollte bis zum 21.07.2012 umgesetzt werden, was bisherjedoch nicht geschah auf Grund von Problemen bei der genauen Differenzierung von Market-Making und Eigenhandel.25 Den Banken wurde eine Fristverlangerung von zwei Jahren bis zum 21.07.2014 eingeraumt, bis zu der sie die Bestimmungen der Volcker Rule umsetzen mussen.26

[...]


1 Steinbruck, Peer (2012), S. 2.

2 Vgl. ebenda, S. 7ff.

3 Vgl. Kafsack, Hendrik (2012) (siehe Internetverzeichnis).

4 Vgl. Presse und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.) (2013), S. 5.

5 Fur eine umfassende Ubersicht der Aktivitaten des Investmentbankings siehe S. 16 (Anhang).

6 Vgl. Schildbach, Jan (2012), S. 2f (siehe Internetverzeichnis).

7 Vgl. ebenda, S. 3 (siehe Internetverzeichnis).

8 Vgl. Driftmann, Hans (2012), S. 8.

9 Vgl. Schildbach, Jan (2012), S. 4f (siehe Internetverzeichnis).

10 Vgl. Driftmann, Hans (2012), S. 8; vgl. auch Schildbach, Jan (2012), S. 8 (siehe Internetverzeichnis).

11 Die zehn wichtigsten Konsortialfuhrer besitzen einen Marktanteil von rund 80%. Die ersten neun Banken sind grofie Universalbanken mit bedeutendem Firmenkundengeschaft und Investmentbanking. Vgl. Schildbach, Jan (2012), S. 8f (siehe Internetverzeichnis).

12 Vgl. Driftmann, Hans (2012), S. 8.

13 Vgl. Schildbach, Jan (2012), S. 10ff (siehe Internetverzeichnis).

14 Die Deutsche Bank schatzt, dass sich bei Einfuhrung eines Trennbankensystems rund 2 Bill. Euro uber­schussiger Liquiditat ansammeln wurden. Vgl. ebenda, S. 5, 17f (siehe Internetverzeichnis).

15 Vgl. Schildbach, Jan (2012), S. 10f (siehe Internetverzeichnis).

16 Vgl. Schroder, Michaelu.a. (2013), S. 1 (siehe Internetverzeichnis).

17 Vgl. ebenda, S. 3f (siehe Internetverzeichnis).

18 Vgl. Focarelli, Dario u.a. (2011), S. 8ff (siehe Internetverzeichnis).

19 Auf die Probleme der deutschen Einlagensicherung, die bei der Insolvenz einer grofieren deutschen Bank uberfordert ware, weifit unter anderem Brackmann hin. Vgl. Brackmann, Michael (2009) (siehe Internetverzeichnis).

20 Vgl. Socher, Karl (2012), S. 4f.

21 Vgl. Steinberg, Philipp / Somnitz, Caroline (2012), S. 388f.

22 Vgl. Blum, Ulrich (2012), S. 11; vgl. auch Steinberg, Philipp / Somnitz, Caroline (2012), S. 388.

23 Vgl. Blum, Ulrich / Burghof, Hans-Peter (2012), S. 2.

24 Vgl. Schroder, Michael u.a. (2013), S.16 (siehe Internetverzeichnis).

25 Vgl. Tarullo, Daniel (2012) (siehe Internetverzeichnis).

26 Vgl. Federal Reserve System (Hrsg.) (2012), S. 1.

Details

Seiten
22
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656465874
ISBN (Buch)
9783656467571
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230508
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Trennbankensystem Universalbankensystem Spezialbank Trennbank Universalbank Regulierung Volcker Rule Vickers Liikanen Steinbrück Bankensystem Finanzsystem

Autor

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Titel: Trennbanken statt Universalbanken