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Einfluss von Freunden auf Jugendliche (Peer Groups)

Projektarbeit 2011 25 Seiten

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Peer Group als sozialer Entwicklungsort in der Jugendphase
2.1. Definition der Peer Group
2.2. Merkmale und Formen der Peer Group
2.3. Aufgaben, Bedeutung und Einfluss der Peer Group
2.4 Vergleich Peer Beziehungen – Eltern-Kind Beziehungen

3. Bereiche des Einflusses von Freunden auf Jugendliche
3.1 Konsumverhalten
3.2 Berufswahl

4.Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 – Struktur von Eltern-Kind Beziehungen und Peer Beziehungen

1. Einleitung

Mit zunehmenden Alter ist der Menschin der Jugendphase in seinerUmwelt immer mehr Einflüssen ausgesetzt (Opp, 2008, S.19). Die Jugendphase ist durch die „Spannung zwischen soziokultureller Selbstständigkeit und sozioökonomischer Unselbstständigkeit charakterisiert“ (Hurrelmann, 2007, S.8). In dieser Zeit wenden die Jugendlichen einen erheblichen Teil Ihrer Bewunderung von den Eltern abund widmen sie den Gleichaltrigen (Bopp, 1983, S. 143).So ist vermehrt zu beobachten, dassauf Schulhöfen, in Kinos, Diskotheken und auf öffentlichen Plätzen Gruppen Gleichaltriger aufzufinden sind(Schäfers, 1982, S. 172). Sie suchen sich Personen für Ihre Gespräche aus, die keinen Erfahrungs- und Kompetenzvorsprung haben(Krappmann, 2010, S. 187). „Der abnehmende Einfluss der [Familie] und der zunehmende Einfluss der Gleichaltrigen wecken bei den Erwachsenen [auch] Ängste vor negativen Einflüssen“ (Opp, 2008, S.19). Diese Projektarbeit beschäftigt sich mit der Peer Group als Sozialisationsinstanz und als sozialer Einflussort auf verschiedene Bereiche des Lebens der Jugendlichen.Der Prozess der Sozialisation umfasst dabei alle Erfahrungen und der damit verbundenen Prozesse, die ein Mensch braucht, um sich zu einer sozialen und eindeutig identifizierbaren Persönlichkeit zu entwickeln (Schnabel, 2001, S.36). Die Projektarbeit soll Gründe und Anreize aufzeigen, warum Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden den Kontakt zu Gleichaltrigen aufsuchen und welche RolleFreundschaft dabei spielt. Dazu wird die Peer Group im ersten Abschnitte zunächst charakterisiert und ihre Aufgaben und Bedeutung näher erläutert. Im Anschluss wird versucht, die Peer Beziehung gegenüber der Eltern-Kind Beziehung anhand ausgewählter Merkmale abzugrenzen. Im dritten Abschnitt soll gezeigt werden, wie intensiv oder weniger intensiv derEinfluss durch Freundeim Bereich des Konsumverhaltens und bei Fragen zur Berufswahl ist. Desweiteren soll das Ziel der Projektarbeit sein, herauszufinden, ob die Gleichaltrige in denausgewählten Bereichenim Ranking der Bezugspersonen die Eltern als wichtigste Instanz ablösen können oder die Eltern die relevanteste Einflussgröße bleiben.

2. Die Peer Group als sozialer Entwicklungsort in der Jugendphase

2.1. Definition der Peer Group

Der BegriffPeerGroup bezieht sich auf ein jugendliches Phänomen, dem Bedürfnis, sich im Jugendalter mit Gleichaltrigen, die die gleichen Probleme und Wünsche haben, zu Gruppen zusammenzuschließen (Schröder, Leonhardt, 1998, S.18).Peer Groups entstehen meist im Umfeld von Bildungsorganisationen oder in den sozialen Umfeldern der Jugendlichen, beruhen auf Freiwilligkeit und haben u.a. das Ziel, sich mit zunehmendem Alter immer mehr dem Einfluss Erwachsener zu entziehen(Ecarius, 2011, S.113). „Der Ausdruck Peer [ist im] englischen Rechtssystem [zu finden] und bezieht sich ursprünglich auf „Personen gleicher gesellschaftlicher Position“ (Schilling, 2002, S.3). Dies lässt sich auch durch die Herkunft des Begriffs erklären, denn „Peer“ wird vom französischen Wort „pair“ abgeleitet und meint das Gleichsein, in Bezug auf Rang und Status(Naudascher, 1977, S.13). Charakterisierend für eine Peer Group ist also nicht nur, dass sie aus Mitgliedern besteht, die in Bezug auf das Alter, sondern auch dem Rang, dem Status und dem Stand der Persönlichkeitsentwicklung relativ „homogen“ (Kulbe, 2009,S.128)sind (Schröder, Leonhardt,1998, S.18ff). Die Mitglieder einer Peer Group werden auch als „Peers“ bezeichnet (Naudascher, 1977,S.13). Die Peer Group ist demzufolge ein sozialer Ort, an dem eine Verbindung zwischen den gesellschaftlichen Bereichen wie Politk, Wirtschaft und Kultur und der Familie stattfinden kann (Eisenstadt, 1966, S.280). Sie ist im Hinblick auf das Beziehungsgefüge nicht zu generalisieren, sondern ist in ihrer Erscheinungsform breit gefächert.Peer Groupslassen sich nach der Anzahl der Gruppenmitglieder und nach der Verbindlichkeit und Nähe der Beziehung unterscheiden(Brake, 2010, S. 387).Im Abschnitt 2.2 erfolgt dazu eine Abgrenzung zwischen den einzelnen Formen.

2.2. Merkmale und Formen der Peer Group

Im Rahmen der sozialwissenschaftlichen Jugendforschung ist häufig von formellen und informellen Gruppen die Rede (Scherr,2010, S.73). Formelle Gruppen sind Zusammenschlüsse, deren Ziele, Rollenverteilungen und Richtlinien ausdrücklich vorgegeben und geplant sind (Pilz, 2010, S.22).Als Beispiele dieser Gruppenart können Schulklassen und Gruppen in Jugendverbänden aufgeführt werden (Auhagen, 2003, S.112).Beispielsweise In Schulklassen sind die Werte und Normen durch das Notensystem und im Stundenplan vorgegeben und die Rollen- und Aufgabenverteilung durch die Institution der Schule vorbestimmt (Pilz, 2010, S.33).Informelle Gruppen, zu denen auch die Peer Groups gehören, verfügen weder über formale Strukturen noch über festgelegte Ziele und entstehen auf freiwilliger Basis(Nußbeck, 2006, S.88). Sie bilden „sich nach und nach aufgrund von sozialen Bedürfnissen und gefühlsbezogenem Handeln“ (Pilz, 2010, S.22). Sie entstehen meist spontan aus den Interessen ihrer Mitglieder. (Kulbe,2009,S.128).So ist es nicht ungewöhnlich, das auch in formellen Gruppen wie der Schulklasse informelle Gruppen wie Freundschaften und Cliquen entstehen (Pilz, 2010, S.33). Die Shell Studie „Jugend 2006“ hat belegt, dass der Anteil der Jugendlichen, die einer informellen Gruppe angehören stetig wächst (Hurrelmann, Langness &Leven, 2006, S.83). So weist die Studie auf 71% aller befragten Probanden hin, die einer informellen Gruppe angehören (ebd.). Im Jahre 1983 waren es nur 56,9 % (Allerbeck, Hoag, 1985, S. 34 ff).

Nach Scher (2010) können folgende Merkmale für informelle Gruppen aufgeführt werdendie auch mit der Peer Group assoziiert werden können(S.75ff). Es besteht eine relativ dauerhafte, direkte Beziehungzwischen Personen, die auf „Kommunikations- und Interaktionsnetzwerke“ beruht. Beziehungen zu Gleichaltrigenbasieren auf einer gleichberechtigten Ebene„und erfordern somit Kooperation und Verhandlungen“ (Hurrelmann, 2007, S.128). So ist sie nach Scher (2010) ein „soziale[s] Gebilde mit begrenzter Mitgliederzahl“(S. 75 ff). Es besteht keine „formelle Zugehörigkeits- und Mitgliedschaftsregulierung“ und keine „explizite Rollendifferenzierung“. Zudem gibt es in der Regel keine „explizite[n] und „starre[n] Hierarchien“. Das Verhältnis besteht durch ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl, das durch „die wiederkehrende Herstellung von Anwesenheit bzw. Kommunikation“ resultiert. Der Zusammenhalt basiert auf emotional wahrgenommener Ähnlichkeit und Sympathie. Die „Fähigkeit zur Latenz“(Neidhardt, 1999,S.51)beinhaltet, dass die Peers auch noch eine Gruppebilden, wenn über einen gewissen Zeitraum keine Gespräche oder Interaktionen stattfinden. In Anlehnung an Scher (2010) ist desweiteren die Kommunikation auf einen„begrenzten Vertrauensvorschuss“ beruhend (75 ff). Dieser bekräftigt die Voraussetzung, dasspersönliche„Erwartungen … [an Gruppenmitgliedern] nicht regelmäßig enttäuscht werden“ dürfen. Ein weiteres Merkmal ist die prinzipielle „Adressierbarkeit und Unmittelbarkeit“ der Mitglieder. Es bestehtein„gegenseitiges Interesse an Begegnungen und Gesprächen“ zwischen den Peers. In diesem Kontext ist anzufügen, dass die Gespräche durch „Unbestimmtheit der Themen“, womit die Möglichkeit des uneingeschränkten Austauschs, bezüglich der Themenwahl, beschrieben wird, charakterisiert sind.

Die Gruppierungsformen in der Jugend unterschieden sich zum einen durch die beteiligten Personen und zum anderen durch den Grad der emotionalen Bindung. (Brake,2010, S.387). Der Grad der emotionalen Bindung lässt sich in Nähe und Verbindlichkeit differenzieren (ebd.). Hinsichtlich der Anzahl lassen sie sich in „hetero- oder auch homosexuelle Zweierbeziehungen, platonische „beste Freundin oder Freund oder aus mehreren Jugendlichen bestehende Gruppierungen in Form von Cliquen [oder Crowds]“ differenzieren (ebd.). Im Folgenden sollen die Begrifflichkeiten voneinander abgegrenzt werden. Freundschaft beruht auf mindestens zwei Personen (Alisch,2006,S.46).Sie ist als eine „zwischenmenschliche Beziehung[anzusehen], die von Sympathie, emotionaler Nähe und Vertrauen geprägt ist“ und „„als wechselseitig positiv erlebt“ wird.“ (Tenorth, Tippelt, 2007,S.263). In der Peer Group entsteht auch Intimität und Identität (Opp, 2008, S.20). Jedoch sind Freundschaftsbeziehungen durch mehr Aktivität, Ungezwungenheit und Intimität bestimmt (Alisch,2006, S.47).Sie ist eine Beziehungsform, die sich speziell auf die Person richtet (Krappmann, 2010, S. 200) „Freundschaftsbeziehungen im Jugendalter haben über die Vertrauensbeziehung zum besten Freund oder zur besten Freundin hinaus meist [auch] Gruppencharakter“ (Hurrelmann, 2007, S.127). So ist festzustellen, dass in Peer Beziehungen zwischen einzelnen Mitgliedern auch enge Freundschaften entstehen können, jedoch zu anderen Mitgliedern nicht(Brake, 2010, S. 387). Auch ist zu erwähnen, dass Freundschaft von bestimmten Rahmenbedingungen wie bspw. Geschlecht, Reife und sozioökonomischem Umfeld abhängig ist (Moschis, Moore, 1979, S. 102). Es können durchaus Unterschiede in der Intensität der Freundschaft zwischen den Geschlechtern bestehen. So sind nach Alisch (2006) „Mädchenfreundschaften intimer, intensiver und exclusiver .. als Jungenfreundschaften.“(S.52). Auch durch das soziale Kapital, das durch ein soziales Umfeld entsteht, erfolgt eine Vorauswahl der Freundeskreise, in welches sich der Jugendliche begibt (Opp, 2008, S.20). Die Eltern haben durchaus Einfluss auf die potentiellen Peers ihrer Kinder. Das soziale Kapital umfasst zum Beispiel „die Nachbarschaft, … organisierte Aktivitäten … die Schulwahl, und [auch] die Kontakte im … Bekanntenkreis“ (Opp, 2008, S.20). Ab einem gewissen Alter „gewinnt eine gelockerte Form von [Peer Groups] an Bedeutung, die häufig als „Cliquen“ bezeichnet werden“ (Hurrelmann, 2007, S.127). Sie werden neben Freundschaften als weitere Gruppierungsform illustriert. Zwischen Cliquen und informellen Gruppen ist jedoch kein gravierender definitorischer Unterschied festzustellen(Scher,2010,S.72).Jedoch könnte durchaus in der Intensitätdifferenziert werden (ebd). Die informelle Gruppe ist im Vergleich zur Clique „im Hinblick auf die Stärke des Zusammenhaltes und [der] Dauerhaftigkeit der Mitgliedschaft„ intensiver (ebd.).Als Letzte in diesem Kontext relevanteinformelle Gruppierungsart, in der Peers als Mitglieder auftauchen, ist die Crowd.„Die Zugehörigkeit … wird – im Gegensatz zu Freundschaften oder Cliquenmitgliedschaft – nicht durch die Interaktion, sondern durch die Zuschreibung Dritter bestimmt.“ (Schilling, 2002, S.10). Der Jugendliche wird von anderen Gleichaltrigen mit bestimmten „Verhaltensweisen und .. [einem] sozialen Status“ versehen und dadurch zu einer bestimmten Gruppe zugeordnet (ebd.). Beispiele für eine Crowd sind Gruppen von Punks, Streber, Computerfreaks (ebd.).

2.3. Aufgaben, Bedeutung und Einfluss der Peer Group

In Anlehnung an Trautmann (2004) sind in der Jugendphase in erster Line die Entwicklungsaufgaben zu lösen. Sie sind „gesellschaftliche Anforderungen an Menschen in je spezifischen Lebenssituationen, die individuell als Aufgaben eigener Entwicklung gedeutet werden [können]“. (S. 117). Sie müssen wahrgenommen und bearbeitet werden um schließlich die eigene „Identität“ zu formen. (ebd.). Sie versucht, die persönlichen Bedürfnisse und gesellschaftliche Anforderungen in Einklang zu bringen (Rossmann, 1996,S.45f).Nach Havinghurst 1948 zitiert in Becker und Steding-Albrecht 2006bestehen die Entwicklungsaufgaben aus folgenden Herausforderungen:Das Akzeptieren des eigenen Körpers, „neue und reifere Beziehungen zu Altersgenossen beiderlei Geschlechtsaufzubauen“ und Geschlechterrollen zu übernehmen (S.44).Es wird in einem sukzessiven Prozess versucht, die „emotionale Unabhängigkeit von den Eltern“ zu erlangen. (ebd.). Desweiteren sollen die Jugendlichen ihre„berufliche Karriere vorbereiten“ und„ökonomische Unabhängigkeit erwerben“ (ebd.). Sie sollen„intellektuelle Fähigkeiten“ erlangen und sich „sozial verantwortliches Verhalten“ aneignen (ebd.). Der „Übergang ins Erwachsenenalter[ist erreicht], wenn alle … Entwicklungsaufgaben bewältigt … wurden.“ (ebd.).

[...]

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656465850
ISBN (Buch)
9783656469100
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230512
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Marketing & Dienstleistungsforschung
Note
2,0
Schlagworte
einfluss freunden jugendliche peer groups

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