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Professioneller Teamsport. Die "Uses- and Gratifications"-Theorie als Grundlage zur konzeptionellen Fundierung des Konsumentennutzens von Diskussionsforen

Eine kritische Würdigung

Bachelorarbeit 2012 41 Seiten

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

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Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Das Diskussionsforum als Plattform zur Schaffung eines Konsumerlebnisses

2 Die Uses and Gratifications- Theorie als Erklärungsmodell des Medienkonsums aus einer funktionalen Perspektive
2.1 Einordnung und Grundannahmen der Theorie
2.2 Systematisierung der Gratifikationen aus der Theorie

3 Ermittlung der Kernnutzenaspekte von Diskussionsforen des professionellen Teamsports für Sportkonsumenten
3.1 Nutzenaspekte von Sportkonsumenten
3.2 Nutzenaspekte von Diskussionsforen
3.3 Nutzenaspekte von Sportkonsumenten in Diskussionsforen

4 Analyse und Diskussion des Nutzens von Diskussionsforen im professionellen Teamsport auf Basis der Uses and Gratifications- Theorie
4.1 Die Uses and Gratifications- Theorie als geeignetes Modell zur Erklärung des Konsumentennutzens im speziellen Kontext
4.2 Grenzen bei der Übertragbarkeit der Uses and Gratifications- Theorie als Erklärungmodell des Konsumentennutzens im speziellen Kontext

5 Schlussbemerkungen und Implikationen.

Literaturverzeichnis.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Nutzendimensionen der Uses and Gratifications- Theorie

Abbildung 2: Erwartbare Nutzenaspekte der Sportkonsumenten in DPTS

1 Das Diskussionsforum alsPlattform zur Schaffung eines Konsumerlebnisses

Derprofessionelle Teamsport generiert durch unterschiedlichste Interessengruppen ein Konsumerlebnis, welchesu.a. direkt im Stadion, vor oder nach der Sportveranstaltung,durch Gespräche und Diskussionen über sportrelevante Themen oder durch den medialen Konsum entsteht. Das Sportereignis stellt dabei eine Plattform dar, welche durch das Zusammenkommen und Engagement verschiedenster Interessengruppen, wie bspw. das Sportteam eines Clubs, durch Zuschauer oder durch die Medien, einen Wert für jede Partei schafft. Für viele Sportkonsumenten stellen mediale Konsumaktivitäten ein geeignetes und in vielen Fällen auch einzig möglichesMittel dar, um ein Konsumerlebnis zu schaffen, welches u.a. durch Sinnesreizungen, ästhetische Genüsse, Enjoyment, Spaß, und emotionale Aktivierung entsteht (Holbrook & Hirschman, 1982, S. 138; Schwier, 2004, S.120; Kerr & Gladden, 2008, S. 61). Die vielfältigen Möglichkeiten zur Teilhabe und die Darstellungsformen des Sports haben sich durch die digitalen Medien ausgeweitet und scheinen sukzessiv zu einer „Digitalisierung des Mediensports“ zu führen (Bieber & Hebecker, 2003, S. 63).

Das Diskussionsforum stelltauch eine Plattform dar, welches einen Beitrag zum Konsumerlebnis leisten kann,indem Sportkonsumenten mit gleichen Interessen und Intensionen mit anderen Menschen in Kontakt treten, sich austauschen und sich über relevante Themen austauschenkönnen (Schwier, 2006, S. 124; Bickard & Schindler, 2001, S. 32). Dabei wird in diesen Foren ein bestimmter Konsumentennutzen generiert, welcher unterschiedlichste Bedürfnisse des Konsumenten befriedigen kann und der durch Konzepte der Medienwirkungsforschung erklärt werden könnte. In der Literatur haben sich scheinbar zwei dichotome Perspektiven der Medienwirkungsforschung herauskristallisiert, welche sich zum Einenmit dem hoch differenzierbaren und dynamischen Medienangebot und zum Anderen mit der Analyse des Rezipienten beschäftigt, welcher als Empfänger im Prozess der medialen Kommunikation bezeichnet werden kann und in vielerlei Hinsicht heterogene Bedürfnisse, Merkmale und Motive besitzt (Suckfüll, 2004, S.13). Diese grundsätzlich unterschiedlichen Betrachtungsweisen münden in die medienorientierte und rezipientenorientierte Forschungsperspektive (ebd., S. 15).

Ein häufig diskutiertes Konzept zur Beschreibung des Medienkonsums aus der rezipientenorientierten Forschungsperspektive stellt die Uses and Gratifications- Theorie dar, welche den Medienkonsum aus der funktionalen Perspektive erklären soll.Forscher beschäftigen sich u.a. mit den Ursachen und den Motiven der Medienzuwendungund stellen sich die grundsätzliche Forschungsfrage: Was machen die Menschen mit den Medien? (Katz, 1959, S. 2; Palmgreen, Wenner & Rosengren, 1985, S. 11). Unklarheit besteht dahingehend, ob die Theorie auch zur Erklärung des Konsumentennutzens in einem spezifischen Kontext wie den Diskussionsforen des professionellen Teamsports angewendet werden kann. Forschungsarbeiten der UGT fokussierten sich in der Vergangenheit eher auf traditionelle Massenmedien wie Fernseher[1], Radios[2] oder Zeitungen[3]. Mit der wachsenden Bedeutung des Internets und der Virtual Communities wie bspw. soziale Netzwerke, ermittelten Forscher auch Motive und Benefits im Online Bereich[4], jedoch wurden spezielle Plattformen wie Diskussionsforen des professionellen Teamsports bisher unzulänglich wissenschaftlich und empirisch geprüft und beleuchtet.

Die Hauptzielstellung dieser Bachelorarbeit besteht darin, herauszustellen, ob die UGTals Grundlage zur konzeptionellen Fundierung und Erklärung des Konsumentennutzens in DPTS vollständig übertragbar ist und zur Erklärungausreicht, oder ob Modifikationen, Einschränkungen oder Erweiterungen durch den spezifischen Kontext getroffen werden müssen.

Zur Erfüllung der Hauptzielstellung wird folgendes Vorgehen gewählt:

Im Kapitel 2 soll dastheoretische Grundgerüst der UGTaufgezeigt werden. Dazu erfolgt zunächst eine Abgrenzung der Theorie, die Unterscheidung zentraler Begrifflichkeiten und die Herausarbeitung der Grundannahmen sowie eine Klassifizierung von Motivbündeln und Gratifikationsarten zu Nutzendimensionen.

Im Kapitel 3 soll aufgezeigt werden, welche Nutzenaspekte es für Mitglieder in DPTS gibt. Diese bilden sich aus der Branche des Sports und aus den spezifischen Charakteristika der VC. Darum werden zunächst im Punkt 3.1 grundsätzliche Nutzenaspekte von Sportkonsumenten beleuchtet, welche von bestimmten Sportleistungen erwartet werden. In Punkt 3.2werden Nutzenaspekte und Benefits der Diskussionsforen als Feature einer VC aufgezeigt. Im Punkt 3.3 erfolgt eine Integration der in den Punkten 3.1 und 3.2 ermittelten Motive und Benefits, welche dann zu erwartbaren Nutzenaspekten von Sportkonsumenten in DPTS zusammengefasst und systematisiert werden sollen. Bei der Ermittlung kann zum einen auf den raren empirischen Bestand der Literatur zurückgegriffen werden, welcher sich bereits mit Motiven der Sportkonsumenten für Online-Angebote beschäftigte[5]. Zudem wäre es sinnvoll, Nutzenaspekte VC anderer Branchen zu betrachten, zu denen ein wissenschaftlich fundiertes Wissen besteht, um auf Basis dieser Daten zu versuchen, Rückschlüsse auf die Branche des Sports zu ziehen.

Im Kapitel 4 erfolgt eine Analyse des Nutzens von DPTS auf Basis der UGT als ein möglicher Erklärungsansatz für den Medienkonsum. Dabei wird versucht, die in Kapitel 3 herausgestellten, erwartbaren Nutzendimensionen von Sportkonsumenten in DPTS mit den in Kapitel 2 herausgestellten Motivbündeln und Gratifikationsarten der UGT zu vergleichen und zu diskutieren und ggf. Erklärungsansätze oder Modifikationen zu dokumentieren.

Im abschließenden Kapitel 5 werden die zentralen Erkenntnisse zusammengefasst und Limitationen und Beschränkungen der Ergebnisse dieser Arbeit aufgezeigt. Desweiteren sollen Anreize für die weitere Sportkonsumentenforschung herausgearbeitet werden.

2 Die Uses and Gratifications- Theorie als Erklärungsmodell des Medienkonsums aus einer funktionalen Perspektive

2.1 Einordnung und Grundannahmen der Theorie

Das theoretische Gerüst der UGT entstand weit vor der Erfindung des Internets und anderer Massenmedien. Katz (1968) kritisierte als einer der ersten Forscher die Tatsache, dass der Zuschauer und seine Berücksichtigung im Prozess der Medienwirkung nicht ausreichend intensiv zu sein schien[6] (S. 796). Die daraus entstandene Forschungsrichtung durch die Fokussierung auf den Rezipienten im Medienwirkungsprozess unterscheidet sich grundsätzlich vom klassischen Wirkungsansatz, welcher die Beziehung zwischen dem wirkenden Medium und dem passiven, beeinflussbaren Rezipienten als gegeben anerkennt und nicht weiter beleuchtet (Schweiger, 2007, S.62).In der Literatur bestehen häufig Diskrepanzen in der Abgrenzungzwischen den Begriffen Bedürfnis und Motiv, sowie Nutzen und Gratifikationen, denn diese werden oftmals synonym verwendet.[7] Für das weitere Verständnis der Theorie sollen daher zunächst begriffliche Differenzierungen getroffen werden.

Ein Bedürfnis ist „ein generelles Mangelgefühl“, welches den Menschen zum Handeln bewegt (Meyen, 2004, S. 18). Das Motiv ist gezielter, und kann als „general dispositions that influence people's actions taken to fulfill a need or want" (Papacharissi & Rubin, 2000, S.179) definiert werden, und erklärt bestimmte Wahrnehmungen, Denkmuster und Handlungen (Asanger & Wenninger, 1994, S. 9f.). Gratifikationen, auch Belohnungen,sind vom Medienkonsum erhaltene Belohnungen durch befriedigte Bedürfnisse(Meyen, 2004, S. 18; Atkin, 1985, S. 63). Die gesuchten Gratifikationen können direkt mit den Motiven des Medienkonsums gleichgesetzt werden (ebd.). Der Nutzen hingegen, auch als „Uses“ bezeichnet, ist als „anticipated postexposure application of the mediated experience to attaining pragmatic goals” definiert, welcheralso eher ein Mittel zum Zweck ist um bestimmte Ziele zu erreichen (ebd.). Ein Motiv wird situativ durch einenextrinsischen oder intrinsischen Anreiz[8] ausgelöst. Mit der UGT wird versucht, die Funktionen der Medien, bspw. sozialer oder psychologischer Art, mit den Motivbündeln der Zuschauer in Beziehung zu setzen um somit die Auswahl eines Mediums aus der Sicht des Zuschauers zu erklären und nicht aus Sicht der Medien (Blumler& Katz, 1974, S. 15; Suckfüll, 2004, S. 23; Lichtenstein, Rosenfeld, 1983, S. 100).Die UGT besagt, dass konkrete Angebote aus einem Pool von Medienangeboten ausgewählt werden, die aus individuellen Bedürfnissen resultieren und „deren Qualität […] an der Befriedigung dieser Bedürfnisse gemessen“ wird (Hagenah, 2004, S. 47). Es findet ein Abgleich zwischen den gesuchten und den tatsächlich erhaltenen Gratifikationen statt[9] (Palmgreen, 1984, S. 51ff.),welcherAuswirkungen auf diezukünftig gesuchten Gratifikationen und somit auch auf die Auswahl zukünftiger Medien haben kann(Suckfüll, 2004, S. 25). Die UGT beschäftigt sich mit den sozialen und psychologischen Ursprüngen von Bedürfnissen, die Erwartungen hinsichtlich der Massenmedien oder anderer Quellen generieren, die wiederum zu unterschiedlichen Mustern des Medienkonsums (oder Engagements in anderen Aktivitäten) führen, um schlussendlich in Bedürfnisbefriedigungen und anderen, vielleicht auch unbeabsichtigten, Konsequenzen zu resultieren (Katz, Blumler & Gurevitch, 1974, S.20; Schenk, 2007, S. 686). Nach Katz, Blumler und Gurevitch 1974 bilden folgende Grundannahmen das theoretische Gerüst der UGT (S. 21ff.).

Die erste Grundannahme bezieht sich auf das Publikum, welches aktiv im Bezug zur Auswahl des Mediums ist (ebd.).Die zweite Grundannahme postuliert, dass die Mediennutzung durch Menschen funktional und zielorientiert abläuft (Palmgreen, 1985, S. 14), nach dem Vorbild des homo oeconomicus, nachdem der subjektiver Nutzen als Kriterium für eine rationale Selektion fungiert (Ilgner, 2005, S. 179). Die dritte Grundannahme des UGT sensibilisiert, dass das Medium als Mittel zur Bedürfnisbefriedung in Konkurrenz zu anderen Mitteln steht (Katz, Blumler & Gurevitch, 1974, S. 22). Wenn der Mensch bspw. das Bedürfnis nach Interaktion hat, kann dieserzwischen mehreren Alternativen wie Freunde im Park treffen, Fernsehen oder auch das Chatten im Internetwählen. Dies bekräftigt die Annahme, dass die Entscheidung über die Zuwendung zu einem Medium grundsätzlich von den individuell spezifischen Bedürfnissen und Motiven abhängt (Bonfadelli, 2004, S. 173). In diesem Kontext sind nur die Bedürfnisse involviert, welche auch „eine potentielle Befriedigung durch Mediennutzung zulassen, wie z.B. Informationshunger, Einsamkeit, Langeweile oder soziales Orientierungsbedürfnis“ (Schweiger, 2007, S. 62).

Als vierte Grundannahme wird angemerkt, dass die Initiative der Medienzuwendung vom Zuschauer ausgeht und nicht von den Medien (ebd.,S. 21; Palmgreen, Wenner & Rosengreen, 1985, S. 14). Dies repräsentiert die funktionale Perspektive der Theorie, welche sich mit den Einflussmöglichkeitender Bedürfnisse des Menschen auf den Medienumgang beschäftigt (Schauerte, 2003, S. 141f.).Dass der Medienkonsum eine große Zahl an Gratifikationstypen mit sich bringt, welche sich nicht nur auf Informationen fokussieren sondern auch auf die Unterhaltungs-, Integrations- und Interaktionsaspekte besagt die fünfte Grundannahme (Katz, 1968, S. 796; McQuail, 1987, S. 73).

Mit der sechsten Grundannahme wird bekräftigt, dass Medieninhalte die Muster von Nutzen und Gratifikationen nicht allein erklären können und nicht nur aus der Zuwendung zu den Medien und deren Inhalten resultiert (Palmgreen, Wenner & Rosengren, 1985, S. 14; Katz, Blumler & Gurevitch, 1974, S. 24). Ein weiterer Einflussfaktor könnte auch die Erfahrung mit einem Medium darstellen, welche auch Einfluss auf die Wahl des Medium oder die gesuchten und erhaltenen Gratifikationen haben kann (Lee & Ma, 2012, S. 334ff.). Die siebte Annahme besagt, dass die Gratifikationen ihren Ursprung im Medieninhalt, also im eigentlichen Konsumieren und in der sozialen Situation, in welcher der Konsum stattfindet, haben kann (Katz, Blumler & Gurevitch, 1974, S. 24). Zudem wird in der Theorie die Fähigkeit des Publikums vorausgesetzt, die Ziele, Bedürfnisse und Motive, die mit der Mediennutzung verbunden sind mittels Selbstauskunft zu benennen und preiszugeben (Katz, Blumler & Gurevitch, 1974, S. 22ff.). Das Publikum greift aufgrund individueller Präferenzen, Motive und Erwartungen unterschiedlich intensiv auf bestimmte Medieninhalte zurück (ebd.).

2.2 Systematisierung der Gratifikationen aus der Theorie

Die Vielzahl der in der Literatur vorhandenen Typologien von Gratifikationen ist dadurch begründet, dass Forscher sich unterschiedlichen Anwendungsbereichen derUGT zugewendet haben[10]. Die Typologievielfalt ergibt sich aus dem Medientyp wie bspw. das Internet oder Radio, aus dem Inhalt, bspw. Entertainment oder News, und aus einem kulturellen Aspekt, inwieweit bspw. das soziale Umfeld Zugang zum Internet genießt (ebd.).

Die Einordnung der Nutzenaspekte der Medien kann eindimensional, zweidimensional und mehrdimensional erfolgen. Zunächst wurde als Funktion der Medien lediglich das Motiv des Eskapismus zugesprochen. (Katz, Blumler & Gurevitch, 1974, S. 22).Durch unbefriedigte Lebensverhältnisse haben Individuen das Bedürfnis, durch den Medienkonsum kognitiv und emotional aus dem Alltagsleben zu entfliehen (Vorderer, 1996, S. 311) und eine „attraktive, entlastende und unkomplizierte Sphäre“ zu schaffen (Schramm & Wirth, 2003, S. 57). Später ist das Eskapismusmotiv in eine zweifunktionale Perspektive integriert worden, in welcher das Bedürfnis nach Unterhaltung, indes der Eskapismus einen Teilaspekt darstellt, dem Bedürfnis nach Information gegenübergestellt wird und diese beiden Dimensionen „die Hauptfunktion der Medien begründen“ (Saxer, Langenbucher & Fritz, 1989, S. 190). In dieser Perspektive können die Gratifikationen in sofortige, durch Entspannung, Zerstreuung ausgelöste Gratifikationen durch Unterhaltung oder durch Wissensbildung und Orientierung ausgelöste verzögerte Gratifikationen der Information, unterschieden werden (Kunz, 1995, S. 91).Später wurde die Notwendigkeit bekräftigt, das Bedürfnis nach sozialem Kontakt und sozialer Integration als Faktor zu berücksichtigen (Katz, Blumler & Gurevitch, 1974, S. 23). In dieser Arbeit soll eine mehrdimensionale Klassifikation aufgezeigt werden, in der sowohl Nutzenaspekte aus der Information, aus der Unterhaltung und der soziale Interaktion einfließen und zusätzlich soll eine weitere, durch McQuail, Blumler und Brown 1972 eingeführteDimension der persönlichen Integration integriert werden. Die folgende grafische Darstellung enthält vier grundlegende Nutzendimensionen der UGT und die Teilaspekte, die die Bildung der Dimensionen begründen. Diese Klassifikation ist keineswegs als Dogma zu verstehen. In der Literatur verbirgt sich zwischen unterschiedlichen Begriffen der gleiche Terminusund es kann durchaus auch Überschneidungen zwischen den Dimensionengeben (Kunz, 1995, S. 94).Die Exploration von Motiven ist häufig mit Problemenbelastet, da intrinsische und extrinsische Motive bewusst, aber auch unbewusst vorhanden sein können und die unbewussten Motive mittels einer Befragung nur schwer ermittelt werden können (Strauss, 2002, S. 158; Schauerte, 2005, S. 262).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Nutzendimensionen der Uses and Gratifications- Theorie

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Kunz, 1995, S.93

Der Informationsaspekt beschreibt, dass Individuen die Medien nutzen, um an Informationen zu relevanten Ereignissen in ihrer Umgebung zu gelangen, um Kontroll- und Orientierungsbedürfnisse zu erfüllen sowie ihre Neugier undallgemeines Interesse in bestimmten Themen zu befriedigen (McQuail, 1987, S. 73) Sie suchen nach Meinungen oder Ratschlägen zu praktischen Fragen, um Entscheidungen zu treffen, lernen durch Informationen aus den Medien und entwickeln durch das Wissen ein Gefühl von Sicherheit (ebd.). Der Informationsaspekt kann in Anlehnung an Kunczik und Zipfel 2001 auch als „kognitives Bedürfnis“ bezeichnet werden (S. 345).

Der Unterhaltungsaspekt der Medien subsummiert zum Einen das Vergnügen, welches durch den Konsum hervorgerufen wird und als„intrinsic cultural or aesthetic enjoyment“ bezeichnet wird (McQuail, 1987, S. 73). Dieses kann bspw. als Zeitvertreib oder zur emotionalen Befreiung dienen (ebd.). Zum Anderen sind zentrale Motive der o.g. Eskapismus und das „arousel“,welchesdadurch charakterisiert ist, dass bestimmte Medieninhalte beim Individuum eine Art emotionale Erregung durch bestimmte Reize des Medieninhalts auslösen können. (McQuail, 1987, S. 73). In Anlehnung an Kunczik und Zipfel 2001 kann der Unterhaltungsaspekt auch als „affektives Bedürfnis“ bezeichnet werden (S. 345).

Der Nutzen aus der soziale Interaktion entsteht zum Einen aus dem sozialen Vergleich, welcher durch den Einblick in Umstände anderer Menschen entsteht (Meyen, 2001, S. 18f.). Es erfolgt ein Vergleich von Meinungen und Ideen, woraus sichEmpathie, als auch eine Identifikation oder ein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln kann (ebd.). Auchkann ein Medium und dessen Inhalte als Stoff für Gespräche oder als ein Ersatz für eine face-to-face Freundschaft dienen (Schweiger, 2007, S. 76f.). Somit entsteht ein stellvertretender sozialer Kontakt, der u.a. zur Vermeidung des Gefühls der Einsamkeit dienen kann (ebd.). Hierzu kann sich das Individuumder parasozialen Interaktion bedienen (Ballantine & Martin, 2005, S. 197). Die parasoziale Interaktion ist durch den Mangel an Reziprozität bzw. Gegenseitigkeit gekennzeichnet(Marsden, 2001, S. 31). Dabei fühlt sich der Rezipient so, als würde er einen direkten, persönlichen Kontakt zu einem Medienobjekt aufbauen (Dehm, 1984, S. 52), welcherallerdings nur eine „illusion of intimacy“ darstellt (Horton & Wohl, 1956, S. 215). Der Rezipient ist in dieser parasozialen Situation nicht zum Handeln gezwungen, muss „keine Stellung beziehen oder sich auf vorausgegangene Interaktionen, Handlungen und Äußerungen beziehen“ (Suckfüll, 2004, S. 178). In Anlehnung an Kunczik und Zipfel 2001 ist der Aspekt der sozialen Integration auch als „soziales Bedürfnis“ zu verstehen (S. 345).

Der Medienkonsum resultiert zudem aus Bedürfnissen nach persönlicher Integration . AngestrebteZiele durch die persönliche Integration sind u.a. die Status- und die Selbstwerterhöhung,durch die Bestärkung persönlicher Werte (McQuail, 1983, S. 73), die „Identitätsarbeit“ (Vorderer, 1996, S.322) durch das Identifizieren mit Werten Anderer und durch das Nutzen des Medieninhalts als Verstärkung der persönlichen Werte,die auf extrinsischen Motiven beruhen (McQuail, 1983, S. 73; Meyen, 2004, S. 19; Kunz, 1995, S. 93ff.)

[...]


[1] Rubin 1983 ermittelte in einer Studie Motivbündel des Fernsehkonsums (S. 37ff.).

[2] Herzog1940 zeigte als einer der ersten Forscher Nutzungsmotive des Radios auf(S. 64ff.).

[3] Nähere Ausführungen zu Zeitungskonsummotiven in Berelson, 1949, S. 111ff.

[4] Eine Studie zu Motiven der Internetnutzung bieten Stafford, Stafford und Schkade, 2004, S. 259ff.Smock, Ellison, Lampe & Wohn 2011 ermittelten in ihrer Studie Motive der Nutzung des sozialen Netzwerks Facebook (S. 2322ff.).

[5] Einen Überblick über bisherige Schwerpunkte zur Online-Sportkonsumentenforschung bieten Hur, Ko & Valacich, 2011, S. 460.

[6] Der eigentliche Ansatz wurde später durch die Werke von Katz, Blumler & Gurevitch 1974 und auch Rosengren, Wenner & Palmgreen 1985 publiziert und stellte durch die besondere Berücksichtigung des Rezipienten einen alternativen Ansatz gegenüber der klassischen Wirkungsforschung dar.

[7] Nähere Ausführungen hierzu in Schweiger, 2007, S. 74ff; Meyen, 2004, S. 18ff.

[8] Die extrinsische Motivation besagt, dass ein Individuum eine Handlung ausführt, um äußerere Faktoren zu erwerben, wie bspw. die Anerkennung durch andere User in Foren oder um negative Folgen zu vermeiden, bspw. Langeweile (Wagner, Hinz & Rausch, 2009, S. 51). Intrinsische Motivation ist dadurch charakterisiert, dass Handlungen auf Basis innerer Faktoren wie Wünsche und Emotionen ausgeführt werden. (ebd.)

[9] Nähere Ausführungen zu gesuchten und erhaltenen Gratifikationen in Schenk, 2007, S. 692ff.

[10] Eine konzise Aufzählung der Forschungsschwerpunkte der UGT bietet Bonfadelli, 2004, S. 171

Details

Seiten
41
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656465843
ISBN (Buch)
9783656466741
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230514
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Marketing & Dienstleistungsforschung
Note
1,3
Schlagworte
professionellen teamsport uses- gratifications-theorie grundlage fundierung konsumentennutzens diskussionsforen eine würdigung

Autor

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Titel: Professioneller Teamsport. Die "Uses- and Gratifications"-Theorie als Grundlage zur konzeptionellen Fundierung des Konsumentennutzens von Diskussionsforen