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Mobbing & Cybermobbing unter Schülern/-innen

Empirische Untersuchung an drei Polytechnischen Schulen im Bezirk Salzburg-Umgebung

Bachelorarbeit 2013 109 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITENDE GEDANKEN

2 MOBBING
2.1 Begriffsklärung
2.2 Wie entsteht Mobbing?
2.2.1 Wann liegt Mobbing vor und wann nicht?
2.2.2 Anzeichen, dass ein/-e Schüler/-in gemobbt wird
2.2.3 Anzeichen, dass ein/-e Schüler/-in mobbt
2.3 Die Bereiche / Bausteine von Mobbinghandlungen
2.3.1 Die fünf wesentlichen Bereiche von Mobbinghandlungen nach Leymann
2.3.2 Die zehn wesentlichen Bereiche von Mobbinghandlungen nach Esser & Wolmerath
2.3.3 Die häufigsten Mobbinghandlungen in der Schule
2.4 Charakteristik der Beteiligten
2.4.1 Geschlechterunterschiede
2.4.2 Altersunterschiede
2.4.3 Opfer
2.4.4 Täter/-innen
2.4.5 Weitere Beteiligte
2.5 Folgen von Mobbing
2.5.1 Folgen für die Gemobbten
2.5.2 Folgen für die Mobber/-innen
2.6 Präventionsmaßnahmen
2.6.1 Primäre Präventionsmaßnahmen
2.6.2 Sekundäre Präventionsmaßnahmen
2.6.3 Tertiäre Präventionsmaßnahmen
2.7 Interventionsmaßnahmen
2.7.1 Maßnahmen auf der Schulebene
2.7.2 Maßnahmen auf der Klassenebene
2.7.3 Maßnahmen auf der persönlichen Ebene
2.8 Was sagt das Gesetz zu Mobbing?

3 CYBERMOBBING ALS SONDERFORM DES MOBBINGS
3.1 Begriffsklärung
3.2 Besonderheiten von Cybermobbing
3.3 Veränderung des Phänomens Mobbing durch
Kommunikation über die Neuen Medien?
3.4 Charakteristik der Beteiligten
3.4.1 Geschlechterunterschiede
3.4.2 Altersunterschiede
3.4.3 Täter/-innen
3.4.4 Opfer
3.5 Folgen von Cybermobbing
3.6 Präventionsmaßnahmen
3.6.1 Was können Lehrer/-innen tun?
3.6.2 Was können Eltern tun?
3.6.3 Was können Schüler/-innen tun?
3.7 Interventionsmaßnahmen
3.7.1 Handlungsmöglichkeiten der Schüler/-innen
3.7.2 Handlungsmöglichkeiten der Eltern
3.7.3 Handlungsmöglichkeiten der Lehrer/-innen
3.8 Was sagt das Gesetz zu Cybermobbing?

4 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG AN DREI POLYTECHNISCHEN SCHULEN IM BEZIRK SALZBURG-UMGEBUNG
4.1 Auswahl der an der Studie teilnehmenden Schulen
4.2 Auswahl des Messinstruments (Fragebogen)
4.2.1 Aufbau des SMOB-Fragebogens
4.2.2 Gütekriterien des SMOB-Fragebogens
4.3 Auswahl des Befragungsortes
4.4 Anzahl, Alter & Geschlecht der Befragten
4.5 Durchführung der Untersuchung
4.6 Ergebnisse der Untersuchung
4.6.1 Gesamtindikator & Schulindikatoren
4.6.2 Art der Mobbinghandlungen
4.6.3 Die zwei wichtigsten Kriterien: Häufigkeit und Dauer
4.6.4 Personen, von denen die Angriffe ausgehen
4.6.5 Anzahl der Angreifer/-innen
4.6.6 An wen sich Betroffene wenden
4.7 Diskussion und Interpretation der Ergebnisse
4.7.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
4.7.2 Schlussfolgerungen

5 ANTI-MOBBING-WORKSHOP AN DER PTS THALGAU
5.1 Organisation und Ablauf
5.2 Ergebnisse

6 RESUME UND AUSBLICK

LITERATURVERZEICHNIS

EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Modifiziertes Phasenmodell nach Leymann (2002)

Abbildung 2: Das breite Spektrum der Mobbinghandlungen

Abbildung 3: Die verschiedenen Akteure und Rollen in einer Mobbingsituation

Abbildung 4: Gewaltopfer

Abbildung 5: Gewalttäter und Gewalttäterinnen

Abbildung 6: Sinnvolle Möglichkeiten neuer Technologien und 40 f.

Beispiele für ihren Missbrauch

Abbildung 7: Beispiel für eine Schüler/-innenvereinbarung

gegen Cybermobbing

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Anzahl & Geschlecht der Befragten

Tabelle 2: Alter der Befragten

Tabelle 3: Gesamtindikator und Schulindikatoren

Tabelle 4: Rangreihe der Mobbinghandlungen nach Kasper

Tabelle 5: Gewalt und Gewaltandrohung – PTS 1

Tabelle 6: Gewalt und Gewaltandrohung – PTS 2

Tabelle 7: Gewalt und Gewaltandrohung – PTS 3

Tabelle 8: Gewalt und Gewaltandrohung – Gesamt

Tabelle 9: Cybermobbing – PTS 1

Tabelle 10: Cybermobbing – PTS 2

Tabelle 11: Cybermobbing – PTS 3

Tabelle 12: Cybermobbing – Gesamt

Tabelle 13: Mobbingstatistik – PTS 1

Tabelle 14: Mobbingstatistik – PTS 2

Tabelle 15: Mobbingstatistik – PTS 3

Tabelle 16: Mobbingstatistik – Gesamt

Tabelle 17: Von wem die Angriffe ausgehen – PTS 1

Tabelle 18: Von wem die Angriffe ausgehen – PTS 2

Tabelle 19: Von wem die Angriffe ausgehen – PTS 3

Tabelle 20: Von wem die Angriffe ausgehen – Gesamt

Tabelle 21: Anzahl der Angreifer/-innen – PTS 1

Tabelle 22: Anzahl der Angreifer/-innen – PTS 2

Tabelle 23: Anzahl der Angreifer/-innen – PTS 3

Tabelle 24: Anzahl der Angreifer/-innen – Gesamt

Tabelle 25: An wen sich Betroffene wenden – PTS 1

Tabelle 26: An wen sich Betroffene wenden – PTS 2

Tabelle 27: An wen sich Betroffene wenden – PTS 3

1 Einleitende Gedanken

Georg V., Schüler der Polytechnischen Schule Thalgau, wird im Schuljahr 2011/12 von einigen seiner Mitschüler/-innen gemobbt. Vor allem in der Metallwerkstätte, aber auch in den anderen Unterrichtsstunden sowie den Pausen wird er hauptsächlich von Jungen gehänselt, geschubst, seine Schultasche wird versteckt, bei Gruppenarbeiten wird er ausgeschlossen und seine Werkstücke werden ins Lächerliche gezogen.

Doch das ist noch nicht alles: Nicht nur von Angesicht zu Angesicht wird Georg V. gemobbt, das ganze geschieht auch hinter seinem Rücken und vor allem auch über die neuen Kommunikationsmedien, wie etwa das Internet oder Mobiltelefone. (Obwohl Mobiltelefone an der Polytechnischen Schule verboten sind, ist es natürlich schwer, deren Gebrauch immer zu 100% zu vermeiden.) Die besagten Mobber/-innen senden sich gegenseitig SMS oder schreiben unpassende Kommentare auf Facebook in denen sie Georg V. kritisieren, schlecht darstellen und ihm seine Unbeliebtheit deutlich machen. Der betroffene Schüler leidet sehr darunter, fehlt immer öfter im Unterricht, seine Noten verschlechtern sich zunehmend und man sieht ihm ganz einfach an, dass es ihm nicht gut geht.

Die Zeitspanne vom Entstehen dieses Mobbingfalles bis hin zu dem Punkt, an dem Lehrer/-innen und Direktorin bzw. Eltern erkennen, warum es Georg V. nicht gut geht und sich an eine gemeinsame Lösung des Problems machen, beträgt nur einige wenige Wochen – doch für den Schüler ist dies die schlimmste Zeit seines Lebens und kostet ihn enorm viel Kraft und Energie.

Als Direktorin der besagten Schule hat mich die Situation von Georg V. aufhorchen lassen und es hat eine Sensibilisierung auf das Thema Mobbing – Cybermobbing in mir stattgefunden.

Georg V. ist nicht das einzige Mobbingopfer – immer öfter kommt es in allen Lebensbereichen und somit auch an den Polytechnischen Schulen im Bezirk Salzburg-Umgebung zu solchen Vorfällen, wobei unser multimediales Zeitalter dies noch verstärkt. Mobbing in der Schule wird bspw. durch die Verbreitung negativer Aussagen bzgl. einer bestimmten Person oder Gruppe via SMS-Nachrichten oder sozialer Netzwerke bzw. Chat-Plattformen im Internet unterstrichen.

Grundsätzlich möchte ich mich intensiver damit auseinander setzen, in welchem Ausmaß, in was für einem Zeitraum und vor allem auch welche Mobbing- und Cybermobbinghandlungen an Polytechnischen Schulen im Bezirk Salzburg-Umgebung stattfinden (Mädchen und Jungen im Vergleich) und wie man diesen beiden Phänomenen am besten entgegenwirken bzw. vorbeugen kann. Ein weiteres Anliegen ist mir, die alltäglichen Formen von Mobbing und Cybermobbing aufzulisten und zu erklären.

2 Mobbing

In diesem Kapitel werden die Dimensionen des Begriffs Mobbing dargestellt. Neben der begrifflichen Herleitung und der Abgrenzung von anderen Verhaltensweisen wird hier ein Überblick über die Charakteristik der Beteiligten und eine Auflistung der häufigsten Mobbinghandlungen gegeben. Des Weiteren beschäftigt sich dieses Kapitel mit den Folgen von Mobbing – sowohl für die Gemobbten als auch für die Mobbenden – und mit der Prävention bzw. Intervention auf Ebene der Beteiligten, der Eltern und der Schule.

2.1 Begriffsklärung

Das Wort Mobbing ist dem englischen Verb to mob entlehnt und kann mit den Worten über jemanden herfallen, anpöbeln, angreifen oder attackieren übersetzt werden. Zurückführen lässt sich dieser für uns mittlerweile gängige Begriff auf die lateinische Sprache – mobile vulgus bedeutet wankelmütige Masse, aufgewiegelte Volksmenge. (Vgl. Esser & Wolmerath 2011, S. 22)

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903 – 1989) war wohl der Erste, der den Begriff Mobbing prägte, indem er damit Gruppenangriffe von unterlegenen Tieren bezeichnete: Gemeinsam gelingt es ihnen, einen eigentlich überlegenen Gegner zu vertreiben. Seine arbeitswissenschaftliche Bedeutung hat der Begriff jedoch über Heinz Leymann (1932 – 1999) erfahren. Er erlangte aufgrund von Forschungen und Untersuchungen die Erkenntnis, dass die Ursachen für psychische Belastungen von Arbeitnehmern/-innen oft nicht in deren Persönlichkeit, sondern im betrieblichen Umfeld zu suchen sind. (Vgl. Esser & Wolmerath 2011, S. 22)

Somit ist auch verständlich, dass eine oftmals verwendete Definition von Mobbing auf Leymann zurückgeht. Diese lautet wie folgt: "Unter Mobbing wird eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist (1) und von einer oder einigen Personen systematisch, oft (2) und während längerer Zeit (3) mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis (4) direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet." (Leymann 1995; zit. nach Esser & Wolmerath 2011, S. 22 f.)

Auch Lindemeier (1996; zit. nach Esser & Wolmerath 2011, S. 23) begreift Mobbing als "[…] bewusste oder unbewusste Handlungen einer Person oder mehrerer Personen gegenüber einer oder mehreren Personen, die durch kontinuierliche Schikanen das Ziel verfolgen, den oder die anderen aus dem eigenen Wirkungskreis zu entfernen."

Da Mobbing also personenbezogen ist - wobei immer einzelne bzw. wenige Personen über einen längeren Zeitraum hinweg schikaniert werden - lässt sich dieses Phänomen vom Arbeitsplatz in gleicher Weise auf die Schule übertragen. Olweus (2011, S. 22) definiert Mobbing in der Schule wie folgt: "Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist."

Olweus (2011, S. 23) betont auch, dass die Begriffe Mobbing und Gewalt nicht gebraucht werden, wenn zwei oder mehrere Schüler/-innen, die etwa gleich stark sind (körperlich oder seelisch), miteinander kämpfen oder streiten; es muss hierbei ein Ungleichgewicht der Kräfte vorliegen: „Der Schüler oder die Schülerin, der oder die der negativen Handlung ausgesetzt ist, ist in jeglicher Hinsicht hilflos gegenüber dem Täter[1], der Täterin oder den Tätern und hat Mühe, sich selbst zu verteidigen.“ (Olweus 2011, S. 23)

Kessler & Strohmeier (2009, S. 19) haben meiner Ansicht nach eine kurze aber sehr prägnante Definition für Mobbing gefunden. Sie beschreiben das Phänomen als eine deutsche Übersetzung des englischen Begriffs Bullying, der für Tyrannei, Schikane, Drangsalierung, Traktierung und Anwendung von Druck steht. Dies wiederum beschreibt Schädigungshandlungen, die wiederholt und über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden, wobei die Beziehung zwischen Opfer und Täter/-in durch ein Machtungleichgewicht gekennzeichnet ist. "Mobbing umfasst somit Schädigungshandlungen, die immer wieder über einen längeren Zeitraum (mindestens ein Monat) durchgeführt werden, um eine andere Person systematisch zu quälen und zu schikanieren." (Kessler & Strohmeier 2009, S. 19)

2.2 Wie entsteht Mobbing?

Laut der Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg (2011, S. 3) entsteht Mobbing in der Schule nicht aufgrund einer einzelnen Ursache, sondern innerhalb eines Geflechts aus möglichen ursprünglichen Konflikten, individuellen Verhaltensweisen und begünstigenden Rahmenbedingungen wie etwa Stress, Langeweile, starke Cliquenbildung, fehlendes aktives Konfliktmanagement und einem Ignorieren von Spannungen seitens der Pädagogen/-innen.

Schüler/-innen mit unterschiedlichen Interessen, Wünschen und Bedürfnissen, die sich gegenseitig nicht ausgesucht haben, trotzdem aber miteinander auskommen müssen stellen die Grundlage für Konflikte, Streitigkeiten und daraus resultierendes Mobbing in der Schule dar. Hinter diesem Phänomen stecken in der Regel menschliche Schwächen im Zusammenhang mit einem Konkurrenzdenken: der Neid der Zukurzgekommenen, die Rivalität mit Mitschülern/-innen um die Gunst der Lehrer/-innen und die Absicherung der eigenen Stellung auf Kosten der anderen. (Vgl. Arentewicz, Fleissner & Struck 2009, S. 19 ff.)

Ich selbst habe in meiner Hauptschulzeit Erfahrungen mit dem Phänomen Mobbing gemacht – sowohl als Opfer als auch als Täterin, und behaupte, dass Mobbing im Schulalltag nicht nur aufgrund von anwachsenden Konflikten, sondern auch plötzlich und unerwartet geschehen kann. Kinder und Jugendliche können sehr gemein sein und sich eine/-n Schüler/-in ohne Vorwarnung als Opfer auswählen. Die Mobbinghandlungen breiten sich dann aus, wenn keine Gegenmaßnahmen vorgenommen werden.

Verschiedene Gegebenheiten begünstigen Mobbing: schlechte Lehrer/-innen-Schüler/-innenbeziehung, autoritäre Führung oder Führungsschwäche der Lehrpersonen, falsche Vorbildwirkung der Eltern (bspw. Rassismus) und generell das Fremde wie etwa andere Kulturen, Religionen, Sprachen, Bekleidung und Ähnliches. Grundsätzlich sind aber die Ursachen von Fall zu Fall verschieden – es gibt keinen typischen Mobbingvorgang, jede Geschichte ist anders. (Vgl. Skof 2005, S. 5 f.)

Das modifizierte Phasenmodell nach Leymann zeigt sehr anschaulich, wie Mobbing entsteht und welche Auswirkungen auf der persönlichen Ebene möglich sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Modifiziertes Phasenmodell nach Leymann (2002)[2]

Abschließend wäre hier noch zu erwähnen, dass Mobbing vor allem in Zwangsgemeinschaften wie etwa am Arbeitsplatz oder in der Schule auftritt, da diese Bereiche nicht ohne Weiteres verlassen werden können. In freiwilligen Zusammenschlüssen wie etwa Sportvereinen taucht Mobbing weniger oft auf, weil sich derjenige/diejenige, der/die sich schikaniert bzw. nicht akzeptiert fühlt, leichter aus diesem Bereich zurückziehen kann, indem er/sie sich einen anderen Verein oder ein anderes Hobby sucht. (Vgl. Olweus 2011, S. 23)

2.2.1 Wann liegt Mobbing vor und wann nicht?

Françoise D. Alsaker beschreibt in seinem Buch Mutig gegen Mobbing in Kindergarten und Schule (2012, S. 13) sehr anschaulich, wann Mobbing vorliegt und wann nicht. Mobbing hat sehr viele Gesichter, aber nicht jede aggressive, negative oder verletzende Handlung ist diesem Phänomen zuzuordnen. All das könnte Mobbing sein – es könnte aber auch ein Teil von Auseinandersetzungen sein, die nichts mit Mobbing zu tun haben.

Laut Alsaker (2012, S. 14) müssen vier grundlegende Merkmale gegeben sein, um von Mobbing sprechen zu können:

- Mobbing ist ein aggressives Verhalten
- Mobbing ist systematisch gegen eine Person gerichtet
- Mobbing ist ein Gruppengeschehen
- Mobbing kommt wiederholt und über längere Perioden vor – von Wochen bis hin zu Jahren

Auch Klein und Frank (2008, S. 17) haben eine gute Definition dafür gefunden, welche übergeordneten Punkte alle Mobbinghandlungen gemeinsam haben. Ihrer Aussage nach liegt Mobbing vor, wenn:

- eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz (in der Schule) unter Kollegen/-innen (Schülern/-innen) oder zwischen Vorgesetzten (Lehrern/-innen) und Untergebenen (Schülern/-innen) auf längere Dauer besteht,
- die angegriffene Person unterlegen ist,
- die Angriffe systematisch erfolgen,
- mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes angegriffen wird,
- die angegriffene Person die Angriffe als Diskriminierung empfindet.

Mobbing ist also ein aus den Fugen geratener Konflikt.

Auch Esser & Wolmerath (2001, S. 55) beschäftigen sich mit der Thematik, was einen Konflikt von Mobbing unterscheidet und kommen zu dem Schluss, dass es in einem Konflikt darum geht, einen Schaden oder Nachteil von sich abzuwenden und sich der Fall erledigt, wenn dieses Ziel weitgehend zufriedenstellend erreicht worden ist. Beim Mobbing wird der tatsächliche Schaden allerdings nicht wirklich kommuniziert; es geht weder um einen Interessensvergleich noch soll eine gemeinschaftliche Lösung erreicht werden, sondern soll hier der/die Gegner/-in vollständig und auf Dauer liquidiert und beseitigt werden.

Mit einfachen Worten ausgedrückt bedeutet dies, dass in einem Konflikt zwar die Durchsetzung der eigenen Interessen angestrebt wird, ein Kompromiss aber im Rahmen der Möglichkeiten liegt. Bei Mobbing ist ein Kompromiss ausgeschlossen.

2.2.2 Anzeichen, dass ein/-e Schüler/-in gemobbt wird

Olweus (2011, S. 61 f.) unterscheidet bei den möglichen Anzeichen von Mobbingopfern in der Schule zwischen primären und sekundären Anzeichen.[3]

Primäre Anzeichen:

- Man macht sich über die Opfer lustig und lacht sie in herabwertender und unfreundlicher Art und Weise aus.
- Man stößt sie herum, rempelt sie an, schiebt sie grob beiseite, schlägt sie, tritt sie (und sie sind nicht fähig, sich angemessen zu wehren).
- Die Opfer werden in Streitigkeiten hineingezogen, in denen sie nahezu wehrlos sind und aus denen sie versuchen, sich (oft weinend) zurückzuziehen.
- Ihre Bücher, Hefte, Geld und anderer Besitz werden ihnen weggenommen, versteckt, beschädigt oder verstreut.
- Sie haben Prellungen, Verletzungen, Schnitte, Kratzer oder zerrissene Kleidung, für die es keine natürliche Erklärung gibt.

Sekundäre Anzeichen:

- Die Opfer sind in den Pausen, beim Essen und bei Gruppenarbeiten (oft) allein und ausgeschlossen und scheinen keinen einzigen guten Freund oder Freundin in der Klasse zu haben.
- Sie werden bei Mannschaftsspielen als letzte ausgewählt.
- Sie versuchen, sich in den Pausen in der Nähe von Lehrer/-innen oder anderen Erwachsenen aufzuhalten.
- Sie haben Mühe, vor der Klasse zu sprechen und machen einen ängstlichen und unsicheren Eindruck.
- Sie scheinen unglücklich, hilflos und oft den Tränen nahe zu sein.
- Sie zeigen eine plötzliche oder allmähliche Verschlechterung ihrer schulischen Leistungen.

2.2.3 Anzeichen, dass ein/-e Schüler/-in mobbt

Laut Olweus (2011, S. 65) gelten in der Schule für Mobber/-innen typischerweise folgende Verhaltensweisen:[4]

- (Wiederholtes) Hänseln in hässlicher Weise, Verspotten, Einschüchtern, Bedrohen, Ausgrenzen, Beschimpfen, ins Lächerliche ziehen, Herumstoßen, Schubsen, Schlagen, Treten und Beschädigen der Sachen von Mitschülern/-innen etc.

Olweus betont außerdem, dass Jungen wahrscheinlich eher Mobber sind als Mädchen, wobei aber auch feststeht, dass Mobbinghandlungen durch Mädchen viel schwerer zu entdecken sind, da diese meist weniger offensichtliche, sondern eher hinterlistige Schikanen, wie etwa üble Nachrede, Verbreitung von Gerüchten und Manipulation der Freundschaftsbeziehungen verwenden.

2.3 Die Bereiche/Bausteine von Mobbinghandlungen

Die aufgelisteten Verhaltensweisen in den folgenden Unterkapiteln stellen die erforderlichen Bausteine von Mobbing dar. Treten diese Verhaltensweisen nicht auf, so handelt es sich auch nicht um Mobbing. (Dies bedeutet jedoch nicht, dass ein vereinzeltes Auftreten solcher Handlungen bereits einen Beweis für Mobbing darstellt!)

2.3.1 Die fünf wesentlichen Bereiche von Mobbinghandlungen nach Leymann

Leymann teilt laut Gugel (2002, S. 3) Mobbinghandlungen in fünf Bereiche:

1. Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen

(z.B. ständiges Unterbrechen, Telefonterror, Drohungen)

2. Angriffe auf die sozialen Beziehungen

(z.B. wird man wie Luft behandelt)

3. Auswirkungen auf das soziale Ansehen

(z.B. macht man sich über das Privatleben oder die Nationalität lustig, stellt Entscheidungen der Betroffenen in Frage)

4. Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation

(z.B. weist man den Betroffenen keine oder sinnlose Arbeitsaufgaben zu)

5. Angriffe auf die Gesundheit

(z.B. wird man zu gesundheitsschädlichen Arbeiten gezwungen, Andro- hung körperlicher Gewalt, körperliche Misshandlung, sexuelle Übergriffe)

Eine noch genauere Unterteilung von Mobbinghandlungen in bestimmte Bereiche zeigen uns Esser & Wolmerath in ihrem Buch Mobbing und psychische Gewalt. Der Ratgeber für Betroffene und ihre Interessensvertretung (2011, S. 31 ff.).

2.3.2 Die zehn wesentlichen Bereiche von Mobbinghandlungen nach

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Das breite Spektrum der Mobbinghandlungen[5]

Esser & Wolmerath (2011, S. 31 ff.) richten die von ihnen definierten Bereiche der Mobbinghandlungen auf die Arbeitswelt aus (siehe Abbildung 2). Durch eigenständige Ergänzungen meinerseits werden ebenso Beispiele aus der Schule angeführt.

1. Angriffe gegen die Arbeitsleistung und das Leistungsvermögen

Zweck dieser Übergriffe:

Man versucht, die Betroffenen in Richtung Schlechtleistung, Fehler und beruflicher bzw. schulischer Frustration zu treiben.

Beispiele für Übergriffe:

- Sabotage (z.B. Beschädigung von Arbeitsmitteln oder Schulmaterial)
- Vorenthalten von arbeits- oder schulrelevanten Informationen
- Verweigerung von Hilfe oder Unterstützung
- Blockade gemeinsamer Tätigkeiten
- Permanentes Anzweifeln der Kompetenz

2. Angriffe gegen das Arbeitsverhältnis

Zweck dieser Übergriffe:

Es wird direkt auf die Kündigung oder Entlassung der Betroffenen hinge-arbeitet, obwohl dafür eigentlich kein Anlass bestehen würde. Wenn man dies auf die Schule überträgt, bedeutet das, dass die Betroffenen bei den Lehrern/-innen in ein schlechtes Licht gerückt werden.

Beispiele für Übergriffe:

- Unterstellung strafbarer Handlungen
- Ausgesuchte Fehler werden bei dem/der Lehrer/-in gemeldet
- Von anderen begangene Fehler werden den Betroffenen in die Schuhe geschoben

3. Destruktive Kritik

Zweck dieser Übergriffe:

Kritik von Fehlern sollte eigentlich deren Abhilfe und Verbesserung dienen. Hier werden jedoch gezielt Fehler gesucht, aufgebauscht oder sogar durch Manipulation herbeigeführt mit dem Ziel, sie den Betroffe- nen als belastendes Material vorzuwerfen.

Beispiele für Übergriffe:

- Demütigende, unsachliche und überzogene Kritik
- Aufbauschen einzelner Vorfälle oder Fehler
- Generalisierung von Fehlern und pauschale Kritik
- Chronische Entmutigung

4. Angriffe gegen die soziale Integration

Zweck dieser Übergriffe:

Das Bedürfnis nach sozialer Akzeptanz und ein respektvolles soziales Miteinander wird gezielt untergraben, um den Betroffenen jede Hoffnung auf soziale Wertschätzung zu nehmen.

Beispiele für Übergriffe:

- Gespräche hinter dem Rücken der Betroffenen
- Ausschließen aus üblichen gegenseitigen Freundlichkeiten im Kollegen/-innenkreis bzw. im Kreise der Mitschüler/-innen
- Demonstratives Schweigen im Beisein der Betroffenen
- Einschüchterung von (potenziellen) Bündnispartnern/-innen sowie Freunden/-innen der Betroffenen
- Ignorieren von Fragen der Betroffenen

5. Angriffe auf das soziale Ansehen im Beruf/in der Schule

Zweck dieser Übergriffe:

Chronische Demütigung in direkter Weise oder Rufschädigung hinter dem Rücken, um die Betroffenen sowohl schulisch als auch menschlich zu isolieren.

Beispiele für Übergriffe:

- Gezielte Verleumdung, Verbreitung von Gerüchten
- Beleidigungen und Demütigungen im Beisein Dritter
- Lächerlich machen (verbal, mit Mimik, Gestik oder durch Karikatur)
- Unglaubwürdig machen, blamieren und bloßstellen
- Provokation, um die emotionale Reaktion der Gemobbten auszuschlachten
- Gezielte negative Sonderbehandlung

6. Angriffe gegen das Selbstwertgefühl

Zweck dieser Übergriffe:

Persönliche und/oder schulische Unsicherheiten der Betroffenen wer- den gezielt permanent angesprochen und bestätigt. Statt Aufmunterung oder Unterstützung werden Situationen von Unsicherheit gezielt herbei- geführt und die Selbstunsicherheit als Waffe gegen die Betroffenen selbst eingesetzt.

Beispiele für Übergriffe:

- Gezieltes Attackieren unter Ausnutzung persönlicher Unsicherheiten
- Persönliche Schwächen publik machen und darauf herumreiten
- Gezieltes Vorenthalten von Informationen und/oder Unterstützung

7. Schreck, Angst und Ekel erzeugen

Zweck dieser Übergriffe:

Gefühle von Unsicherheit, Schreck sowie Ekel werden gezielt provoziert, um die Betroffenen elementar zu ängstigen oder in Panik zu versetzen. Die Betroffenen sollen sich zu keiner Zeit und in keiner Situation sicher fühlen (psychologischer Terrorismus).

Beispiele für Übergriffe:

- Angst provozieren (z.B. Phobien ausnutzen)
- Schrecksituationen erzeugen
- Ekel erzeugen (z.B. abstoßende Materialien am Sitzplatz deponieren)
- Einschüchtern, bedrohen sowie nötigen

8. Angriffe gegen das Privatleben

Zweck dieser Übergriffe:

Nicht allein die berufliche bzw. schulische Situation wird bedroht, son- dern auch das Privatleben als Rückzugsgebiet. Damit soll den Betroffen- en deutlich gemacht werden, dass kein Lebensbereich mehr sicher ist, so lange sie nicht aufgegeben haben.

Beispiele für Übergriffe:

- Telefonterror zu Hause
- Familienangehörige ängstigen, angreifen oder belästigen
- Sachbeschädigung an privaten oder schulisch genutzten Gegenstän- den (Fahrrad zerstören, Lineale zerbrechen etc.)
- Ständiges Abwerten privater Vorlieben, Interessen und Hobbys
- Ständiges Abwerten religiöser, politischer oder weltanschaulicher Überzeugungen

9. Angriffe gegen die Gesundheit und die körperliche Unversehrtheit

Zweck dieser Übergriffe:

Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit. Es werden bspw. Nötigung und Körperverletzung begangen oder angedroht, um das Aufgeben der Betroffenen zu beschleunigen.

Beispiele der Übergriffe:

- Offene oder als Missgeschick getarnte körperliche Übergriffe
- Unterlassene Hilfeleistung bei Verletzungen und Gefahrensituationen
- Sexuelle Belästigung
- Heimliche Gabe von Medikamenten oder Drogen
- Verunreinigung von Lebensmitteln
- Ausnutzen von gesundheitlichen Handicaps und Krankheiten gegen Betroffene

10. Unterlassene Hilfeleistung

Zweck:

Die Mobbingbetroffenen werden bei ihren Hilfeersuchen abgewiesen und trotz beobachtbarer Vorfälle sich selbst überlassen.

Erscheinungsformen:

- Ignorieren von Mobbingsituationen (z.B. wegschauen, weggehen)
- Verharmlosen von Beschwerden
- Vorwürfe sowie Schuldzuweisungen gegenüber den Betroffenen
- Unterlassene Hilfeleistung in Notsituationen

2.3.3 Die häufigsten Mobbinghandlungen in der Schule

Im schulischen Bereich zeigt sich Mobbing hauptsächlich in Form folgender Handlungen (vgl. Skof 2005, S. 3):

- Ausgrenzung aus der Klassengemeinschaft
- Verstecken, Beschädigen oder Stehlen von Eigentum wie

Kleidungsstücken, Schulbüchern oder Schreibmaterial

- Verspotten, verletzende Bemerkungen und Auslachen
- Unfaires Verhalten gegenüber dem Opfer (z.B. bei sportlichen
Veranstaltungen)
- Verbreiten von Gerüchten und falsche Beschuldigungen
- Vorenthalten wichtiger Informationen (z.B. Hausaufgaben)
- Körperliche Gewalt in der Pause oder am Schulweg
- Erpressung und Androhung körperlicher Gewalt

Auch Kasper (2003, S. 33) listet die häufigsten Mobbinghandlungen auf. Aufgrund seiner Erhebungen (siehe Kapitel 4.2) kristallisierte sich eine Rangliste der zehn häufigsten Mobbinghandlungen heraus:

1. Hinter dem Rücken über jemanden sprechen
2. Gerüchte und Lügen verbreiten
3. Schimpfworte und Spitznamen geben
4. Jemanden lächerlich machen
5. Jemanden einfach übersehen
6. Abwertende Blicke oder Gesten verteilen
7. Jemanden nachahmen
8. Jemanden für dumm erklären
9. Jemanden nicht zu Wort kommen lassen
10. Anschreien

2.4 Charakteristik der Beteiligten

Nachdem nun geklärt ist, was Mobbing ist, wie es entsteht, wann es vorliegt bzw. wann nicht, wie man erkennt, dass (jemand) gemobbt wird, aus welchen Bausteinen sich Mobbinghandlungen zusammensetzen und in welcher Form sie am häufigsten in der Schule auftreten, bleibt nun die wichtige Frage wer? und die damit verknüpfte (noch wesentlichere) Frage warum?. Welche charakteristischen Eigenschaften haben die Mobber/-innen (= Täter/-innen), welche die Gemobbten (= Opfer) und inwieweit spielt hier das Geschlecht bzw. das Alter eine Rolle? Außerdem sollen auf den folgenden Seiten die weiteren Beteiligten (Erwachsene, Mitläufer/-innen, Helfer/-innen der Opfer, Zuschauer/-innen etc.) näher beleuchtet werden.

Noch eines vorweg: Es ist nicht immer möglich und/oder sinnvoll, (über einen längeren Zeitraum) eine scharfe Trennlinie zwischen den einzelnen Rollenmustern zu ziehen, da es sich bei den verschiedenen Gruppierungen nicht um statische Muster handelt. Das bedeutet, Mobbing ist ein dynamischer Prozess, in dem die verschiedenen Rollen eng zusammenhängen – insbesondere trifft dies auf die Täter/-innen und Opfer zu, denn immer wieder werden Täter/-innen selbst zu Opfern oder umgekehrt. Dies habe ich vor allem in meiner eigenen Schulzeit und in der Zeit als Lehrerin beobachten können.

Die Stabilität der Täter/-innen- und Opferrollen nimmt mit dem Alter zu und ist in der Sekundarstufe schon deutlich höher als noch in der Primarstufe. Basierend auf Informationen von Lehrern/-innen bleiben zwei von drei Jungen als Täter und auch als Opfer über ein Jahr hinaus in ihrer Rolle – sogar dann, wenn ein Klassenwechsel vorliegt. (Vgl. Schäfer 2007, S. 6)

Perry, Kusel & Perry (1988; zit. nach Schäfer 2007, S. 6) schlussfolgern aufgrund von Selbstberichten zahlreicher Schüler/-innen, "[...] dass für die Täterrolle und die Opferrolle mit dem 13. bis 16. Lebensjahr von einer Manifestierung ausgegangen werden kann."

Anhand der anschaulichen Grafik (Abbildung 3) von Francoise Alsaker lässt sich erkennen, dass es sehr viele Akteure/-innen braucht, um Mobbing aufrecht zu erhalten und dass Mobbing ein Gruppengeschehen ist, in welchem alle Beteiligten auf irgendeine Art verwickelt sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die verschiedenen Akteure und Rollen in einer Mobbingsituation[6]

Im Folgenden werden nun also die Charakteristiken der an Mobbing beteiligten Personen und die damit zusammenhängenden Unterschiede in Alter und Geschlecht erklärt:

2.4.1 Geschlechterunterschiede

Interessante Daten stammen aus der norwegischen Bergen-Studie, in der 2500 Jungen und Mädchen im Alter zwischen zehn und 15 Jahren untersucht wurden. Die Daten wurden zu verschiedenen Zeiten über einen Gesamtzeitraum von zweieinhalb Jahren gewonnen. (Vgl. Vieregg 2012, S. 14)

Anhand der folgenden Grafik (Abbildung 4) lässt sich erkennen, dass Jungen eher Gewalt ausgesetzt sind als Mädchen. Diese Tendenz ist vor allem in der Sekundarstufe stark vertreten. (Vgl. Olweus 2011, S. 29)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Gewaltopfer[7]

Aus den Untersuchungen von Olweus geht außerdem hervor, dass Mädchen eher mittelbaren, indirekten und raffinierten Formen der Gewalt ausgesetzt sind, wobei der Anteil der Jungen, die auf diese mittelbare Weise gemobbt werden, nicht signifikant geringer ist. Darüber hinaus stellte er fest, dass Jungen einen großen Teil der Gewalt ausüben, der Mädchen ausgesetzt sind. Mehr als 60% der von Gewalt betroffenen Mädchen berichteten, dass sie hauptsächlich von Jungen gemobbt wurden. 15% bis 20% gaben an, dass sie sowohl von Jungen als auch von Mädchen gemobbt wurden. Die große Mehrheit der Jungen – mehr als 80% – wurde hauptsächlich von Gleichgeschlechtlichen gemobbt. (Vgl. Olweus 2011, S. 29 f.)

Abbildung 5 zeigt den Anteil der Schüler/-innen, die an Gewalttätigkeit und Mobbing gegen andere Schüler/-innen beteiligt waren. Man erkennt einen erheblich größeren Anteil an Jungen als an Mädchen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Gewalttäter und Gewalttäterinnen[8]

Olweus (2011, S. 30) kam ferner zu dem Ergebnis, dass Gewalt mit physischen Mitteln unter Jungen üblicher ist. Mädchen hingegen benutzen oft raffiniertere und verdecktere Schikanen wie etwa üble Nachrede und Verbreitung von Gerüchten. Häufig sind sie Drahtzieherinnen in Freundschaftsbeziehungen, indem sie z.B. einem anderen Mädchen seine beste Freundin wegnehmen. Doch auch bei den Jungen ist das Schikanieren mit nichtphysischen Mitteln (Worten, Gesten etc.) die häufigste Form der Gewalt.

2.4.2 Altersunterschiede

Nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch zwischen Altersgruppen gibt es Disparitäten im Hinblick auf Mobbing. Hierbei ist wiederum zwischen der Gruppe der Täter/-innen und der Opfer zu unterscheiden.

Über mehrere Länder hinweg besteht Einigkeit, dass die Anzahl der Mobbingopfer in höheren Klassenstufen geringer ist. Körperliche Attacken gehen mit den Jahren am deutlichsten zurück, während sich andere Mobbinghandlungen auch dezimieren, allerdings weit weniger massiv. Drohungen und Beschimpfungen sind jene Formen, die sich anscheinend kaum verringern.

Dieser Rückgang geht nicht kontinuierlich vonstatten, sondern steigt die Häufigkeit von Mobbinghandlungen beim Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe nochmals leicht an. Dies hängt damit zusammen, dass die Opfer in der Regel jünger sind als die Täter/-innen (wenn auch nur geringfügig) und somit diejenigen Schüler/-innen, die soeben noch die Ältesten in ihrer Schule waren (womit die Anzahl der Schüler/-innen, die älter sind, deutlich eingeschränkt ist), nun wieder die Allerjüngsten sind. Die geringfügige Diskrepanz betreffend das Alter der Opfer und der Täter/-innen, ist in den unteren Klassenstufen noch weiter ausgeprägt und verschwindet mit zunehmendem Alter größtenteils.

Während die Anzahl der Opfer also über die Jahre hinweg abnimmt, so scheint der zeitliche Verlauf bei der Anzahl der Täter/-innen anders auszusehen: Die Zahl der Mobber/-innen bleibt eher konstant. (Vgl. Riebel 2008, S. 20 f.)

2.4.3 Opfer

Opfer sind meist ängstliche und unsichere Schüler/-innen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl. Oft zeigt sich bei ihnen ein überbehüteter Erziehungsstil mit eng aufeinander bezogenen Familienstrukturen. Durch ihre Ängstlichkeit reagieren potenzielle Opfer häufig mit Wut oder Tränen – dies verstärkt die Mobbingattacken, da die Täter/-innen ihre Absichten als bestätigt sehen.

Die Opfer neigen zu sozialer Isolation und zu Schuldgefühlen, deshalb suchen sie die Fehler in der Regel bei sich selbst und wagen es aufgrund ihrer Unsicherheit nur selten, sich jemandem anzuvertrauen. (Vgl. Skof 2005, S. 4)

Neben den spezifischen Reaktionen bzw. Verhaltensweisen der möglichen Mobbingopfer (siehe Kapitel 2.2.2) weisen diese laut Olweus (2011, S. 63) außerdem häufig eines oder mehrere der folgenden allgemeinen Merkmale auf:

- Männliche Opfer sind körperlich schwächer als ihre Altersgenossen
- Sie sind vorsichtig, empfindsam, still, zurückgezogen, passiv, untergeordnet und scheu, sie können leicht in Tränen ausbrechen.
- Sie sind ängstlich, unsicher, unglücklich, besorgt, haben ein negatives Bild von sich selbst und fühlen sich wertlos und unzulänglich.
- Sie wehren sich nicht, wenn sie angegriffen oder beleidigt werden.
- Sie haben oft ein besseres Verhältnis zu Erwachsenen als zu Gleichaltrigen.

Olweus beschreibt diesen Opfertyp als den passiven oder ergebenen Opfertyp. Eine eindeutig kleinere Gruppe bezeichnet er als provozierende Opfer, die sich durch eine Kombination von sowohl ängstlichen als auch aggressiven Reaktionsmustern auszeichnen. Diese Schüler/-innen haben häufig Konzentrationsprobleme und verhalten sich auf eine Weise, die in ihrer Umgebung Ärger und Spannung verursachen kann. Einige davon können als hyperaktiv bezeichnet werden. Sie provozieren mit ihrem Verhalten ihre Mitschüler/-innen und rufen dadurch bei diesen oder sogar der ganzen Klasse negative Reaktionen hervor. (Vgl. Olweus 2011, S. 43)

Gemäß Alsaker (2012, S. 76) gelten außerdem folgende Aussagen im Hinblick auf Mobbingopfer:

- Das typische Mobbingopfer gibt es nicht.
- Opfer werden diejenigen, die für die Mobber/-innen die geringste Gefahr darstellen.
- Ein Opfer darf nie für seine Rolle verantwortlich gemacht werden.

[...]


[1] Der Begriff Täter/-in spielt im Hinblick auf Mobbing eine wichtige Rolle und wird in Kapitel 2.3 näher behandelt.

[2] Quelle: Skof 2005, S. 6

[3] Allgemeine Merkmale, die Mobbingopfer häufig aufweisen, werden in Kapitel 2.4 näher

erläutert.

[4] Allgemeine Merkmale, die Mobber/-innen häufig aufweisen, werden in Kapitel 2.4 näher

erläutert.

[5] Quelle: Esser & Wolmerath 2011, S. 31

[6] Quelle: Alsaker 2012, S. 74

[7] Quelle: Olweus 2008, S. 29

[8] Olweus 2008, S. 23

Details

Seiten
109
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656496946
ISBN (Buch)
9783656497363
Dateigröße
4.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230561
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Tirol in Innsbruck
Note
1,00
Schlagworte
mobbing cybermobbing schüler/-innen empirische untersuchung polytechnischen schulen bezirk salzburg-umgebung

Autor

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Titel: Mobbing & Cybermobbing unter Schülern/-innen