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Beratung von Menschen mit Diabetes mellitus hinsichtlich Ernährung, Bewegung und Blutzucker-Regulierung

Unterrichtsentwurf 2012 22 Seiten

Pflegewissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verortung der Unterrichtsstunde

Kompetenzen

Lernergebnisse

Abkürzungsverzeichnis

1 Bedingungsanalyse
1.1 Voraussetzungen der Lerngruppe
1.2 Voraussetzungen des Studenten
1.3 Voraussetzungen seitens des Settings

2 Einordnung der Stunde in den Unterrichtszusammenhang

3 Kompetenzen

4 Situationsanalyse
4.1 Situation
4.2 Konstitutive Merkmale
4.2.1 Objektiver Pflegeanlass
4.2.2 Subjektives Krankheitserleben und –verarbeiten der Klientin
4.2.3 Interaktionsstrukturen
4.2.4 Handlungsmuster
4.2.5 Der Pflegeprozess
4.2.6 Tätigkeitsfeld
4.2.7 Gesellschaftlicher Kontext

5 Didaktische Überlegungen
5.1 Formale Begründung
5.2 Inhaltliche Begründung
5.3 Exemplarische Bedeutung

6 Didaktische Reduktion
6.1 Horizontale Reduktion
6.2 Vertikale Reduktion

7 Lernergebnisse

8 Methoden- / Medienwahl

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Bedingungsanalyse

Dieser Unterrichtsentwurf wird für den Kurs A 28 des Fachseminars für Altenpflege „maxQ -im bfw-„ konzipiert. Das Unternehmen „maxQ“ ist eine Tochtergesellschaft des Berufsfortbildungswerkes (bfw), das ihrerseits dem DGB untersteht. Am Standort Essen beginnt jährlich ein neuer Altenpflege- und ein Altenpflegehilfekurs. Zur Sicherstellung der praktischen Ausbildung bestehen Kooperationen mit mehreren Altenheimen und ambulanten Pflegediensten, bei denen die Schüler[1] beschäftigt sind.

1.1 Voraussetzungen der Lerngruppe

Der Kurs A 28 startete am 01.10.2011, die Schüler befinden sich somit im dritten Theorie-Block des ersten Lehrjahres ihrer Ausbildung. Insgesamt besteht der Kurs aus 22 Schülern, von denen 6 männlich und 16 weiblich sind. Die meisten Schüler sind zwischen 18 und 25 Jahren alt, drei Schüler sind zwischen 26 und 35 Jahren alt. Elf Schüler verfügen über die Fachoberschulreife, fünf über Abitur und sechs Schüler haben einen Hauptschulabschluss nach Klasse 10. Für drei Schüler ist dies die zweite Ausbildung; ein inhaltlicher Bezug zu Themen und Inhalten durch die Erstausbildung besteht nicht.

Die Heterogenität des Kurses hatte bislang keine gravierenden negativen Auswirkungen auf die Leistungen der Schüler. Nach einer anfänglichen Findungsphase ist die Gruppe jetzt in der Arbeitsphase angekommen; entsprechende Rollenverteilungen sind abgeschlossen. Die mündliche Beteiligung am Unterricht ist als ausgewogen zu bezeichnen, wobei sich 3 Schüler überdurchschnittlich häufig melden und sechs Schüler sich sehr selten am Unterrichtsgeschehen beteiligen. Durch gezielte Ansprachen und entsprechendem methodischem Vorgehen können jedoch auch diese Schüler in den Unterricht einbezogen werden. Die Schüler haben in der Ausbildung bereits mit den Methoden „Frontalunterricht“, Unterrichtsgespräch sowie Einzel-, Partner und Gruppenarbeit Erfahrungen gemacht. Darüber hinaus wurde im Rahmen des Fachpraktischen Unterrichts von den Lehrkräften pflegerische Tätigkeiten vorgeführt; die selbstständige Durchführung von Handlungen in Kleingruppen sowie in Einzel- und Partnerarbeit wurden ebenfalls durchgeführt.

Durch die Implementierung dieses Teil-Lernfeldes in das erste Ausbildungsjahr haben die Schüler ein relativ geringes theoretisches Vorwissen über die Thematik. Eine Abfrage ergab, dass bereits alle Schüler praktische Erfahrungen zum Thema Ernährung, Diabetes und Insulin sammeln konnten. Darüber hinaus haben vier Schüler durch Erfahrungen im Familien- und Freundeskreis bereits ein breiteres Vorwissen bzgl. der Thematik. Da dieses Fachwissen jedoch nicht zwingend korrekt sein muss, ist im Unterrichtsverlauf ggf. eine Korrektur notwendig.

1.2 Voraussetzungen des Studenten

Der Student ist examinierter Altenpfleger und hat während seiner mehrjährigen Tätigkeit im Bereich der ambulanten Pflege ein fundiertes praktisches Wissen um das Krankheitsbild sowie die therapeutische Maßnahmen erworben. Die Beratung von älteren Menschen mit Diabetes mellitus in verschiedenen Krankheitsstadien gehörte dabei zu den täglichen Tätigkeiten.

Darüber hinaus wurde das theoretische Wissen um Diabetes mellitus und den Bezug auf Ernährung und Bewegung im Studium intensiv behandelt. Durch seine Tätigkeit als Honorardozent hat er außerdem bereits Erfahrungen im Bereich der Lehre erworben und das Teil-Lernfeld 1.3.5 im vergangenen Jahr bei einem anderen Kurs bereits unterrichtet. Hierdurch kann auf bereits erstellte Skripte und einen bestehenden Aufbau der Unterrichtsreihe zurückgegriffen werden. Außerdem sind die im Verlauf der Unterrichte von den Schülern gestellten und vom Studenten nicht erwarteten Fragen gesondert notiert und werden in die jetzige Unterrichtsreihe eingebracht.

Im Rahmen des Praxissemesters hat der Student den Kurs A 28 bereits kennen gelernt. Das Verhältnis zwischen ihm und dem Kurs kann beiderseits als offen, freundlich und respektvoll bezeichnet werden. Als Anrede wurde „Sie“ vereinbart, da dies im Bereich der Erwachsenenbildung üblich ist.

1.3 Voraussetzungen seitens des Settings

Der Standort verfügt über neun Unterrichtsräume (davon zwei Demo-Räume, die mit Pflegebetten und -utensilien ausgestattet sind), einen EDV-Raum, eine kleine Bibliothek mit Fachliteratur sowie Räumlichkeiten für die Organisatorische Arbeit (Sekretariat, Büros, Lehrerzimmer, Archiv etc.). Die Zeiten für die praktische Ausbildung sind so organisiert, dass selten alle Kurse zur gleichen Zeit in der Schule sind. Auf diese Weise sind immer genug Räumlichkeiten für die anwesenden Kurse und als Arbeitsräume -z.B. für Gruppenarbeiten- frei. In jedem Klassenraum ist eine Kreidetafel bzw. ein Whiteboard vorhanden. Darüber hinaus verfügt die Schule über drei OHP, einen Beamer, zwei Flipcharts, drei Metaplan-Wände sowie einen Fernseher inkl. mehrerer Lehrfilme. Für den Kurs A 28 wurde das Buch „In guten Händen: Altenpflege“ als Standard-Lehrbuch für die Ausbildung angeschafft.

Da die Schule in einem Gewerbegebiet liegt und die Schüler keine Möglichkeit haben in der Nähe z.B. in einer Kantine essen zu gehen, gibt es zwischen den täglichen sieben Unterrichtsstunden Pausen von 15 Min. und keine Mittagspause. In Absprache mit der Schulleiterin werden die Pausen jedoch nicht ausschließlich nach der Uhrzeit genommen, sondern nach Absprache mit den Schülern so in den Unterrichtsverlauf eingebracht wie es notwendig erscheint bzw. es der Wunsch der Schüler ist (die tägliche Pausenzeit von 45 Min. wird dabei nicht überschritten sondern lediglich anders verteilt). Dies wird von den Schülern mit hoher Akzeptanz aufgenommen, da auf diese Weise z.B. mehrere kurze Pausen möglich sind.

2 Einordnung der Stunde in den Unterrichtszusammenhang

Der Unterricht findet in der letzten von insgesamt 14 Unterrichtsstunden statt. Zu diesem Zeitpunkt sind die Themenkomplexe 1 und 2 bereits vollständig bearbeitet worden und der dritte Themenkomplex ist inhaltlich abgeschlossen. In dieser Stunde geht es um eine kurze Wiederholung sowie um die Anwendung des bereits gelernten Wissens in Form eines Rollenspiels, in welchem die Schüler das gelernte Wissen anwenden sollen.

Zunächst wurde im Themenkomplex 1 das bereits in früheren Unterrichtsreihen gelernte Wissen um Diabetes mellitus, die Wirkweise von Insulin sowie die -applikation, die Verbrennung von Glucose bei körperlicher Aktivität inkl. der Berechnung sowie verschiedene, für Senioren geeignete Sportarten kurz wiederholt (verortet im Teil-Lernfeld 1.3.5, vgl. Hundenborn & Kühn, 2003). Im Anschluss daran wurde dieses Wissen im zweiten Themenkomplex mit ebenfalls bereits gelerntem Wissen über den Nährstoffbedarf kombiniert (vgl. Teil-Lernfelder 1.3.1 & 1.3.3, ebd.), sodass die Schüler den Zusammenhang zw. Ernährung, Bewegung und dem Blutzucker-Wert, den Variablen in der Tageslaufplanung sowie dessen (mögliche) Folgen und somit den Stellenwert der Einhaltung der Diät und der behandlungspflegerischen Maßnahmen erkannt und verinnerlicht haben.

Bis hierhin haben die Schüler zwar bereits bekanntes und gelerntes Fachwissen noch einmal wiederholt, dies erscheint jedoch angesichts der Komplexität dieser Thematik und des Ausbildungsstandes der Schüler, insbesondere hinsichtlich der Kombination der Lernfeldinhalte, notwendig. Darüber hinaus kann eine umfassende Beratung zu dieser Thematik nur erfolgen, wenn die Schüler diese verinnerlicht haben und verschiedene Aspekte miteinander in Verbindung setzen, sodass das Fachwissen und eine spätere Beratung alle Seiten beinhaltet.

Im dritten Themenkomplex wurden die Themen Compliance und Coping, Bewältigungsstrategien, verschiedene Beratungsangebote, Beratungsgrundsätze sowie der Ablauf eines Beratungsgespräches thematisiert (vgl. Teil-Lernfeld 1.4.2, ebd.). Diese dienen als Grundlage für die letzten beiden Stunden, in denen die Schüler zum einen das hier gelernte Wissen kurz wiederholen und zum anderen in Form eines Rollenspiels anwenden sollen. Hierzu sollen sie sich in der ersten Hälfte der Doppelstunde einen kurzen Fall ausdenken, zu dem sie sich in der zweiten Hälfte der Stunde von einem Mitschüler beraten lassen (siehe Kapitel 8). Nach einer kurzen Reflektion tauschen die Schüler die Rollen, sodass jeder Schüler einmal ein Beratungsgespräch geführt hat und einmal in der Position des Rat-Suchenden war.

Diese Reihenfolge wurde gewählt damit die Schüler das bereits gelernte Fachwissen noch einmal wiederholen und miteinander in Verbindung setzen bevor sie eine Beratung zu diesem Thema durchführen, um sich innerhalb der Thematik sicher zu fühlen. Darüber hinaus ist Diabetes mellitus nicht nur ein sehr komplexes Thema, sondern auch eine weit verbreitete Erkrankung, die im Rahmen der Ausbildung zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in verschiedenen Kontexten mehrmals thematisiert wird. Vor allem im Bereich der ambulanten Pflege stehen die Schüler gegenwärtig und zukünftig vor der Aufgabe, Betroffene und Angehörige hierzu zu beraten.

3 Kompetenzen

Die Kompetenzen, die durch diese Unterrichtsreihe angebahnt werden sollen, sind auf Seite III näher ausgeführt.

4 Situationsanalyse

Im Folgenden wird eine berufstypische Situation dargestellt, die nach dem Situationsorientierten Ansatz von Kaiser, modifiziert nach Hundenborn & Knigge-Demal (1999), analysiert wird.

4.1 Situation

Frau Helga Meyer (78) erwartet jeden Morgen noch vor dem Frühstück die Altenpflegerin Karla von einem örtlichen ambulanten Pflegedienst zu ihrer täglichen BZ-Kontrolle und Insulininjektion. Fr. Meyer äußert Karla gegenüber, dass sie gar nicht versteht warum ihr BZ so stark schwankt und zeitweise sehr hoch ist. „Würden Sie mir das bitte erklären?“ bittet sie die Pflegende. Sie berichtet weiter dass sie nach wie vor sehr wenig über die vor vier Monaten bei ihr diagnostizierte Krankheit wisse. Seit ihr Mann vor drei Monaten verstarb, habe sie darüber hinaus keinen Elan vor die Tür zu gehen. „Früher“, erzählt sie weiter, „sind wir jeden Tag spazieren gegangen. Heute sitze ich meistens in der Küche oder im Wohnzimmer.“. Auf die Frage ob sie sich an die vom Arzt verordnete Diät hält entgegnet sie: „Nein, warum denn? Ich hab doch sonst nichts mehr!“.

4.2 Konstitutive Merkmale

Im Folgenden werden die Konstitutiven Merkmale in Bezug auf die in Kapitel 4.1 beschriebene Situation aufgeführt und analysiert.

4.2.1 Objektiver Pflegeanlass

Der objektive Pflegeanlass ergibt sich aus der Diagnose „Diabetes mellitus“ und den daraus resultierenden Konsequenzen für die Klientin[2]. Hier stehen vor allem die tägliche Blutzuckerkontrolle und Medikamenteneinnahme bzw. Insulingabe, die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, regelmäßige Kontrollbesuche bei Fachärzten etc. im Mittelpunkt. Diese lassen sich auf folgende Schwerpunkte konkretisieren: 1) Umstellung ihrer Ernährungsgewohnheiten, 2) regelmäßige BZ-Kontrolle, Medikamenteneinnahme und Insulininjektion, 3) Körperliche Aktivität, 4) Umstrukturierung des Tagesablaufes sowie 5) Mögliche Folgeerkrankungen. Darüber hinaus nimmt die Pflegende eine zentrale Rolle ein: Einerseits geht es um die Vermittlung von Fachwissen gegenüber der Klientin, die bis dato sehr wenig über das Krankheitsbild weiß bzw. Beratung hinsichtlich ihrer Ernährungsgewohnheiten und Tagesstrukturierung benötigt, Andererseits sehen Corbin & Strauss (2010) die postdiagnostische Phase als enorm belastend für die Klientin an, die hier einen hohen psychosozialen Pflegebedarf aufweißt. Hier ist es im Sinne der ganzheitlichen Pflege die Aufgabe der Pflegenden Frau Meyer zu unterstützen und sie empathisch zu begleiten.

4.2.2 Subjektives Krankheitserleben und –verarbeiten der Klientin

Auf der Ebene des subjektiven Krankheitserlebens und –verarbeitens von Fr. Meyer stehen vor allem die psychosozialen Aspekte im Vordergrund. Allen voran sind hier das Verarbeiten der Diagnose einer chronischen, unheilbaren Krankheit, das zusätzlich durch den Tod ihres Mannes eine gravierende Umstellung darstellt, ein an die Krankheit angepasster Tagesablauf sowie das allgegenwärtige Krankheitsbewusstsein (z.B. in Form von „verbotenen“ Lebensmitteln) zu nennen. Dies kann Auswirkungen sowohl auf die Klientin selbst als auch auf ihr soziales Umfeld haben, was entsprechende Anpassungsherausforderungen nach sich zieht. Um dieser doppelten Belastung (Diagnose und Tod des Mannes) zu begegnen, ist nicht nur ein empathisches Eingehen auf die Klientin seitens der Pflegenden notwendig, sondern ebenso ein geduldiges herantasten an den Beratungsbedarf sowie die entgegengebrachte Compliance, was durch das Setting zusätzlich erschwert wird (siehe Kapitel 4.2.6).

Um in diesem Fall den Beratungsbedarf zu erheben, muss sich die Pflegende jedoch zunächst bewusst machen was die Diagnose einer chronischen Krankheit für die Klientin bedeutet. „Wenn eine schwere chronische Krankheit in das Leben eines Menschen einbricht, dann wird die Person der Gegenwart zwangsläufig von der Person der Vergangenheit getrennt, und alle Bilder, die er von sich für die Zukunft hatte, werden beeinträchtigt oder sogar zerstört. […] Neue Konzeptionen davon, wer und was man ist – also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft -, müssen aus dem entstehen, was noch übrig ist“ (Corbin & Strauss, 2010). Bezogen auf diesen Fall bedeutet das, dass die Pflegende nicht nur eine rein inhaltliche Beratung vornehmen muss, sondern Frau Meyer darüber hinaus über die guten Behandlungsmöglichkeiten und die Chancen auf ein weitgehend normales Leben aufklären sollte.

Des Weiteren bedeutet die Diagnose Diabetes nicht zwangsläufig eine Abhängigkeit von professionell Pflegenden oder einen drohenden Einzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung. Gerade Diab. mell. gehört zu den Krankheiten, die von den Betroffenen selbst gut behandelt werden können. Orem (zit. nach Kruijswijk Jansen & Mostert, 1997) sieht den Menschen „[…] als Wesen, das für sich selbst sorgt, d.h. das es als positiv empfindet, für sich selbst zu sorgen“. In ihrem Modell betrachtet sie die Selbstpflege als „[…] erlerntes und zielgerichtetes Verhalten, das aus Aktivitäten besteht, die Menschen ausführen, um am Leben zu bleiben, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu erhalten […]“ (ebd.). Bezogen auf Frau Meyer steht hier also nicht nur das für sich selbst sorgen können, im Sinne einer Aufgabe, die sie selbst übernehmen kann, sondern auch das für sich selbst sorgen wollen im Mittelpunkt, dass ihr Wohlbefinden und Lebensqualität zurückgibt, im Mittelpunkt. Um dies zu erreichen, hat sie jedoch vorerst Beratungsbedarf bzgl. ihrer Erkrankung.

4.2.3 Interaktionsstrukturen

Bedingt durch das Setting ergeben sich diverse Problematiken hinsichtlich der Interaktionsstrukturen. Einerseits kann es im Rahmen der ambulanten Versorgung dazu kommen, dass sich „ihre Privatsphäre [die der Klienten] sich zusehends entintimisiert, weil sie Arbeitsplatz einer Vielzahl von Pflegenden ist.“ (Schaeffer, 2000). Die Pflegekräfte müssen sich zunächst also darüber bewusst werden, dass sie, anders als bei Arbeitsverhältnissen in der stationären Pflege, in den Wohnraum anderer Menschen eindringen. Schaeffer (ebd.) fordert dahingehend „ [...]Konsequenzen für die Gestaltung der Arbeitsweise […].“ – der Umgang in einer solchen Situation ist also sowohl vom ambulanten Pflegedienst als Ganzes, als auch von den einzelnen Pflegenden zwingend zu reflektieren und entsprechend umzusetzen. Eine Fokussierung auf die Pflegebedürftigkeit ist ohnehin bereits gegeben, daher soll eine „Krankenhaus-Atmosphäre“ in der eigenen Wohnung vermieden werden. Dies ist insbesondere in der o.g. Situation möglich, da die Pflegende zwar einerseits im Rahmen der Behandlungspflege in den Wohnraum der Klientin eindringt, andererseits aber als „professionelle Beraterin“ agiert – der Klientin also beratend und helfend gegenüber steht. Vor allem hinsichtlich der täglichen Insulinapplikation bietet sich hier die Möglichkeit die Klientin anzuleiten und schrittweise an die selbstständige Umsetzung der Injektionen heranzuführen, so dass sie diese langfristig selber übernehmen kann, wodurch eine dauerhafte Pflegebedürftigkeit vermieden, zumindest aber hinausgezögert werden könnte.

Nach Grond (2000) ist jede Pflegehandlung „[…] Kommunikation oder die Chance zu einer Begegnung von Mensch zu Mensch.“. Bezogen auf die o.g. Situation können sich die Klientin und die Pflegende also nicht nur in ihren jeweiligen Rollen gegenübertreten, was vor allem auf den Bereich der stationären Pflege zutrifft, sondern sich auf Augenhöhe begegnen. Dies ist vor allem der Vorteil des Settings, da Frau Meyer in ihrer gewohnten Umgebung wohnt.

[...]


[1] In der vorliegenden Arbeit bezieht sich die Formulierung „Schüler“ immer auf beide Geschlechter. Der Einfachheit halber wurde hier nur die maskuline Form verwendet.

[2] Der Begriff „Klientin“ ergibt sich aus dem Setting, da die betroffene Person weder eine „Patientin“ noch eine „Bewohnerin“ ist, was den gängigen Titulierungen im Krankenhaus bzw. im Bereich der stationären Altenhilfe entspricht.

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656471004
ISBN (Buch)
9783656471295
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230707
Institution / Hochschule
Fachhochschule Bielefeld – Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit / Lehreinheit Pflege und Gesundheit
Note
Schlagworte
Beratung Diabetes Diabetes mellitus Altenpflege Pflege Ausbildung

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Titel: Beratung von Menschen mit Diabetes mellitus hinsichtlich Ernährung, Bewegung und Blutzucker-Regulierung