Lade Inhalt...

Der Zusammenhang von Sympathiestreben und Gewinnstreben bei Adam Smith

Seminararbeit 2012 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Von Aristoteles bis Kant

2. Der Mechanismus der Sympathie
2.1 Die grundsätzliche Funktionsweise
2.2 Ihre Bedeutung als Werturteil
2 2.1 "To approve is to adopt"
2.2.2 Schwierigkeiten durch einen persönlichen Bezug
2.2.3 Der impartial spectator
2.3 Vom Prozess zum Inhalt: Was schätzt der Mensch?
2.4 Eine Bewertung anhand seiner eigenen Maßstäbe

3. Das Gewinnstreben und seine Folgen
3.1 Spezialisierung durch das Bedürfnis zu handeln
3.2 Arbeitsteilung und Überschüsse
3.3 Investitionen

4. Der Zusammenhang von Sympathie- und Gewinnstreben und seine 11 wirtschaftliche Bedeutung
4.1 Zwei Seiten einer Medaille
4.2 Das Sympathiestreben als Kontrollinstanz

5. Legitimation der Interpretation: Das Adam-Smith-Problem
5.1 Die aktuelle Forschungslage
5.2 Das Problem im Laufe der Geschichte

6. Abschließendes Urteil zum Zusammenhang und seiner Bedeutung

Literaturverzeichnis

1. Von Aristoteles bis Kant

Werden die bedeutenden Moralphilosophen und moralphilosophischen Strömungen Europas samt ihrer Konzepte aufgezählt, fallen Namen wie Aristoteles und seine Theorie von der Tugend als Mitte, die Stoa mit ihren zentralen Begriffen der Ataraxie und Apathie oder Kant und sein kategorischer Imperativ. Häufig nicht, zumindest nicht in erster Riege, wird dagegen Adam Smith und Sympathiestreben genannt. Verglichen mit seinen Leistungen auf dem Gebiet der klassischen Nationalökonomie samt jenen zum Thema Gewinnstreben sind sein moralphilosophisches Werk The Theory of Moral Sentiments sowie die Tatsache, dass er eine Abhandlung über Gerechtigkeit plante, weniger bekannt – doch damit nicht weniger bedeutend.

Wie im Falle aller ethischen oder auch ethisch-ökonomischen Gesamtkonzeptionen – als solche betrachtet der Autor die Werke Smiths – lässt sich viel über menschliches Handeln wie auch moralischen Wert und damit für das eigene Leben lernen, weil dieses nichts anderes als eine Verkettung zahlreicher Handlungen ist.

In dieser Arbeit soll daher auf Basis der beiden Werke Smiths The Theory of Moral Sentiments (TMS) und An Inquiry into the Cause and Nature of the Wealth of Nations (WN) der Zusammenhang zwischen Sympathie- und Gewinnstreben sowie dessen wirtschaftliche Bedeutung analysiert werden.

Dazu werden zunächst in den Kapiteln 2 und 3 Smiths Konzepte beider Streben einzeln erläutert und anschließend in Kapitel 4 der Zusammenhang hergestellt. Weil es dabei von großer Bedeutung ist, ob man TMS und WN als Einheit betrachtet oder nicht (sog. Adam-Smith-Problem), wird in Kapitel 5 die Forschungslage zu dieser Kontroverse dargelegt, um die vom Autor gewählte Betrachtungsweise zu legitimieren.

Zuletzt sei darauf verwiesen, dass sich alle Quellenverweise in den Kapiteln 2 und 4 auf TMS beziehen, während in Kapitel 3 stets WN als Literaturgrundlage verwendet wird. In der Folge werden der Übersichtlichkeit halber das Autor und Publikationsjahr nur einmal zu Beginn genannt.

2. Der Mechanismus der Sympathie

2.1 Die grundsätzliche Funktionsweise

Ausgangspunkt von Smiths Konstruktion um den Begriff Sympathie ist die offensichtliche Beobachtung, dass wir Menschen nicht nur durch die Geschehnisse des eigenen Lebens beeinflusst werden, sondern auch an denen unserer Mitmenschen teilhaben (Smith, 1759, I.i.1.1). Der Prozess, in dem dies geschieht, wird von Smith in den Kapiteln I.i.1 und I.i.2 der TMS beschrieben und der Autor dieser Arbeit gliedert ihn in fünf Schritte.

1. Anstoß: Ausgelöst wird unser Teilhaben immer dann, wenn wir die Situation eines anderen und seine emotionale Reaktion auf sie – seien es positive oder negative Gefühlsregungen (I.i.1.4–5), welche in Mimik und Gestik Ausdruck finden (I.i.1.6) – wahrnehmen.
2. Hypothetische Betroffenheit: Die Wahrnehmung führt automatisch dazu, dass wir uns in die Lage des anderen hineinversetzen und uns fragen, wie wir uns in seiner Situation fühlen würden (I.i.1.2). Das Ergebnis dieser Selbstreflexion sei im Folgenden als hypothetische Gefühle bezeichnet[1].
3. Emotionsvergleich: Anschließend vergleichen wir unsere hypothetischen Gefühle mit den wahrgenommenen Gefühlen des anderen. Den Umstand, dass diese sich ähneln, bezeichnet Smith als Sympathie (I.i.1.5), wohingegen er eine Differenz beider begrifflich nicht näher eingrenzt (I.i.1.7).
4. Tatsächliche Gefühle1: Das Ergebnis des Vergleichs (Sympathie oder keine) manifestiert sich daraufhin in unseren tatsächlich erlebten Gefühlen. Diese bringen im Falle von Sympathie – im Einklang mit dem allgemeinen Sprachgebrauch des Wortes – eine „positive gefühlsmäßige Einstellung“ (Sympathie, 2012) für den anderen zum Ausdruck, während bei gegenteiligem Resultat ablehnende Emotionen hervorgerufen werden (I.i.1.7).
5. Außenwirkung: In dem Maße wie sie nach außen hin sichtbar sind, kommunizieren unsere tatsächlichen Gefühle auch dem anderen, ob wir Sympathie für ihn entwickelt haben oder nicht. Weil er wie alle Menschen von Natur aus nach positiver Wahrnehmung, d.h. nach Sympathie, strebt (III.2.1), haben unsere tatsächlichen Gefühle entweder einen positiven oder einen negativen Einfluss auf seine Empfindungen. Im Falle von Sympathie nimmt sein Glück zu bzw. sein Leid ab, wohingegen das Gegenteil der Fall ist, wenn keine Sympathie entsteht (I.i.2.1–2, I.i.2.6)[2].

[...]


[1] Dieser Begriff stammt vom Autor und ist bei Smith nicht zu finden.

[2] Smith merkt an, dass das Sympathiestreben beidseitig ist: Auch wir freuen uns, wenn wir in der Lage sind, Sympathie für den anderen zu entwickeln. Oder wie Smith selbst es beschreibt: „As the person […] is pleased with our sympathy, and hurt by the want of it, so we, too, seem to be pleased when we are able to sympathize with him, and to be hurt when we are unable to do so.“ (I.i.2.6).

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656472322
ISBN (Buch)
9783656472643
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230783
Institution / Hochschule
Universität St. Gallen – School of Humanities and Social Sciences
Note
5,0 (Schweizer Notensystem)
Schlagworte
zusammenhang sympathiestreben gewinnstreben adam smith impartial spectator Moral Tugend Ethik Nationalökonomie Arbeitsteilung Wealth of Nations Theory of Moral Sentiments Adam-Smith-Problem

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Der Zusammenhang von Sympathiestreben und Gewinnstreben bei Adam Smith