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Health Literacy im österreichischen Bildungswesen

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Gesundheit - Public Health

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Problemstellung

2. Was ist Health Literacy?
2.1. Definitionen
2.2. Health Literacy Ebenen
2.3. Gesundheitskompetenz als Gesundheitsdeterminante

3. Die Rolle von „Health Literacy“ im österreichischen Bildungswesen

4. Gesundheitskompetenz in Österreich: Die HLS-EU-Studie

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung und Problemstellung

Soll ich mit dem Fahrstuhl fahren oder die Treppe nehmen? Verbringe ich meine Freizeit im Freien und treibe Sport oder lege ich mich auf das Sofa und sehe fern? Gehe ich zum Arzt oder zur Arbeit? Obst oder Chips? Bereits diese alltäglichen Fragen haben direkt oder indirekt Einfluss auf unser körperliches und geistiges Wohlbefinden. Jeden Tag treffen wir Entscheidungen, die unsere Gesundheit betreffen, häufig ohne es bewusst wahrzunehmen. Eine Entscheidung für unsere Gesundheit können wir aber nur treffen, wenn wir genug darüber wissen. Es gibt viele Möglichkeiten sich zu informieren, beispielsweise in Gesprächen mit Ärzten, Apothekern, Bekannten oder in Zeitschriften. Es wird im Fernsehen darüber berichtet, Eltern versuchen es ihren Kindern beizubringen und die Medien tun ihr Übriges dazu. Irgendwie versucht uns jeder zu erklären was gesund ist, worauf man ganz besonders achten muss und was man lieber sein lässt. Neueste Erkenntnisse in der Forschung werden schnellstmöglich publiziert, die Werbung weiß genau worauf es ankommt und auf die Erfahrungen anderer Menschen wollen wir auch nicht verzichten.

Zu wissen was gesund ist und die Fähigkeit gesundheitsförderliche Entscheidungen zu treffen, wird im Englischen mit dem Begriff „Health Literacy“ bezeichnet.Aus internationalen Studien weiß man, dass sich viele Menschen leider nicht in der immer komplexer werdenden Welt zu Recht finden und nur über mangelnde Gesundheitskompetenzen verfügen. Dies wiederum wirkt sich nicht nur auf die Gesundheit der einzelnen Person aus, sondern hat auch weitreichende negative Folgen für andere Gesellschaftsbereiche, z.B. höhere Kosten, die für das Gesundheitssystem aufgewendet werden müssen.(vgl. www.goeg.at)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Verwirrung beim Essen: Was ist gesund, was hilft wirklich

(Quelle: www.cdn1.spiegel.de)

Zu Beginn dieser Arbeit soll „Health Literacy“ als Begriff und im Zusammenhang zu erläutert werden. Im weiteren Verlauf werden dann die Situation in Österreich und die Bedeutung des Themas im österreichischen Bildungswesen dargestellt.

2. Was ist Health Literacy?

„Health Literacy wurde im deutschsprachigen Raum bislang hauptsächlich unter seiner englischen Bezeichnung verwendet oder als Gesundheitskompetenz mehr oder weniger breit definiert. Weiterhin finden Begriffe wie Gesundheitserziehung, Gesundheitsmündigkeit, (Selbst-)Kompetenz, Patientenkompetenz und Handlungskompetenz Anwendung in diesem Zusammenhang.“(Quelle: www.bag.admin.ch)

„Gesundheitskompetenz legt die Basis dafür, dass Gesundheitsinformationen verstanden und kritisch beurteilt werden können.“ (Quelle: http://www.pflege-in-der-psychiatrie.eu)

Damit ist Gesundheitskompetenz ist sehr umfassend. Es ermöglicht den Menschen, sich Zugang zu Gesundheitsinformationen und gesundheitsrelevantem Wissen zu verschaffen, sowie diese Informationen zu verstehen, zu beurteilen und mit anderen auszutauschen. Die Information und das Wissen über Gesundheit schaffen die Voraussetzungen dafür, gesundheitsrelevante Entscheidungen zu treffen und tragen darüber hinaus zu einer gesundheitsfördernden Lebensführung bei. Um gesund zu handeln, ist Gesundheitskompetenz eine wichtige Voraussetzung.(vgl. http://healthforum.ch)

Eine einheitliche Definition für „health literacy“ gibt es derzeit nicht. Ständig gibt es neue Schwerpunktsetzungen, so dass man inzwischen nicht mehr von einem Begriff, sondern vielmehr von einem Konzept ausgeht. Dieses wurde erstmals Mitte der 70er Jahre in Amerika entwickelt, als Personen mit geringen Gesundheitskompetenzen als „Risiko“ eingestuft wurden. In dieser Zeit ging man noch davon aus, dass die eigene Gesundheitskompetenz ausschließliche Verantwortung der betreffenden Person ist. Im Laufe der Zeit änderte sich diese Ansicht aber und neue Ansätze in Bezug auf die gesundheitlichen Kompetenzen der Bürger wurden geschaffen. Um die individuellen Kompetenzen zu verbessern, reduzierte man die Anforderungen, die das Gesundheitswesen stellte und setzte Fördermaßnahmen.

(vgl. http://www.alexanderriegler.at)

2.1. Definitionen

Wie bereits im vorherigen Kapitel festgestellt, gibt es keine einheitliche Definition zum Begriff „health literacy“, sondern sehr viele verschiedene. An dieser Stelle möchte ich mich auf drei von ihnen beschränken.

Die von der WHO 1998 festgelegte Definition lautet:

„Health literacy represents the cognitive and social skills which determine the motivation and ability ofindividuals to gain access to, understand and use information in ways which promote and maintain good health.“ Sie führte im Weiteren aus: „Health literacy implies the achievement of a level of knowledge, personalskills and confidence to take action to improve personal and community health by changing personal lifestyles and living conditions. Thus, health literacy means more than being able to read pamphlets and make appointments. By improving people’s access to health information, and their capacity to use it effectively, health literacy is critical to empowerment. Health literacy is itself dependent upon more general levels of literacy. Poor literacy can affect people’s health directly by limiting their personal, social and cultural development, as well as hindering the development of health literacy.“(Quelle: www.bag.admin.ch) Dieser Definition kann entnommen werden, dass eigenverantwortliche Gesundheitskompetenz als Schlüssel für ein gesundheitsförderndes Verhalten verstanden werden kann.

Ilona Kickbusch, als prominente Vertreterin der Health Literacy, kritisierte unter anderem die Definition derWHO als zu sehr auf Eigenverantwortung fokussiert. „Eigenverantwortung ist ein Handlungsprinzip, das auf bestimmten Wertvorstellungen beruht. Der Begriff Eigenverantwortung wird heute im gesundheitspolitischen Diskurs häufig verwendet; eine klare Begriffsdefinition fehlt jedoch.“ (Quelle: http://healthforum.ch)

Ilona Kickbuschs Definition von 2006 lautet: „Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit des Einzelnen, im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken – zu Hause, in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz, im Gesundheitssystem, im Markt und auf politischer Ebene. Gesundheitskompetenz ermächtigt Personen zur Selbstbestimmung und zur Übernahme von Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit bezüglich ihrer Gesundheit. Sie verbessert die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen.“ (Quelle: http://www.alexanderriegler.at)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Ilona Kickbusch (Quelle: http:// www.migrosmagazin.ch)

Das Wort „Gesundheitskompetenz“ als deutsche Adaptation zu „health literacy“ wird wie folgt definiert: „Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit des Einzelnen, im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken – zu Hause, in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz, im Gesundheitssystem, im Markt und auf politischer Ebene. Gesundheitskompetenz ermächtigt Personenzur Selbstbestimmung und zur Übernahme von Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit bezüglich ihrerGesundheit. Sie verbessert die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen undVerantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. (Quelle: www.bag.admin.ch)

2.2. Health Literacy Ebenen

Die Gesundheitskompetenz einer Person und deren Entwicklung erfolgt auf drei Ebenen, die aufeinander aufbauen, der funktionalen Ebene, der interaktiven Ebene und der kritischen Ebene. Jede der drei Ebenen repräsentiert eine verschiedene Entwicklungsstufe des Wissens und der Fähigkeit eines Menschen. Diese tragen dazu bei mehr Eigenverantwortung und Autonomie bei gesundheitsrelevanten Themenstellungen,sowie größeres Wissen über das eigene Gesundheitsmanagement und soziale Einflussfaktoren zu erlangen. Nachfolgend wollen wir sie näher betrachten.

„Die erste Ebene bildet die funktionale Kompetenz, die als grundlegende Lese- und Schreibfähigkeit verstanden wird.“ (Quelle: http://www.goeg.at)Diese Ebene bezieht sich auf die Lese- und Schreibkompetenz eines Menschen, die es ihm ermöglichen einfache Informationen lesen und aufnehmen und grundsätzlich erst einmal das Gesundheitssystem benutzen.

„Die zweite Ebene, die kommunikative/interaktive Kompetenz, beschreibt fortgeschrittene

kognitive Fähigkeiten sowie Lese-, Schreib- und Sozialkompetenzen, die für die Informationsbeschaffung, den interaktiven Austausch darüber sowie für die entsprechende Umsetzung des erworbenen Wissens erforderlich sind.“ (Quelle: http://www.goeg.at)Diese Ebene ermöglicht es den Menschen auch eine aktive Rolle im Gesundheitswesen einzunehmen, so auch die Teilnahme an Gesundheitskommunikation, das Verständnis der Informationen, sowie die Neuinterpretation und Anpassung an Veränderungen. Die Beschaffung, der Austausch und die Umsetzung von Gesundheitsinformationen im sozialen Umfeld werden für die Person wichtig.

„Die kritische Kompetenz formt die dritte Ebene der Gesundheitskompetenz. Dabei können

durch noch weiter fortgeschrittene kognitive und soziale Fähigkeiten Informationen analysiert und kritisch hinterfragt werden, um so eine größere Kontrolle über Lebenssituationen ausüben zu können.“ (Quelle: http://www.goeg.at)Die Personen sollen auf dieser Ebene auch die politischen und wirtschaftlichen Aspekte des Gesundheitssystems, sowie die sozialen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren verstehen. Dazu braucht es, die Fähigkeit kritisch zu analysieren und zu bewerten, um so aktiv mit dem Gesundheitssystem zu interagieren. Die Menschen stellen Fragen der gesunden Lebensweise in einen größeren Zusammenhang.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Health Literacy Ebenen nach Nutbeam

(Quelle: www.gesundheitsfoerderung.ch)

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Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656459989
ISBN (Buch)
9783656460169
Dateigröße
705 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230868
Institution / Hochschule
Middlesex University in London
Note
1,0
Schlagworte
Öffentliche Gesundheit Gesundheitskompetenz Österreich HLS-EU-Studie Health Literacy Ebenen

Autor

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