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Das ABCDE der Erstbeurteilung von schwerverletzten und polytraumatisierten Notfallpatienten in der Präklinik

Entwurf eines Schulungskonzepts für die rettungsdienstliche Fortbildung an einer Lehrrettungswache

Hausarbeit 2013 26 Seiten

Medizin - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Fachlicher Hintergrund - Das ABCDE-Schema

2 Methodik der Anleitung

3 Konzept zur Durchführung der Fortbildung zum Thema ABCDE – Schnellbeurteilung von Schwerverletzten in der Präklinik
3.1 Vorbereitung der Fortbildung
3.2 Planung der Fortbildung
3.2.1 Lerninhalte der Fortbildung – Das ABCDE-Schema
3.2.1.1 A – Beurteilung der Atemwege / HWS-Immobilisation
3.2.1.2 B – Beurteilung der Atmung
3.2.1.3 C – Beurteilung des Kreislaufsystems
3.2.1.4 D – Beurteilung des neurologischen Patientenzustands
3.2.1.5 E – Entkleidung des Patienten / Wärmeerhalt
3.2.1.6 Ergebnisse der ABCDE-Beurteilung
3.2.2 Lernziele der Fortbildung
3.2.3 Lernmethoden der Fortbildung
3.3 Durchführung der Fortbildung
3.3.1 Durchführungs- und Demonstrationsphase – Erläuterung des ABCDE-Schemas durch die Lehrenden
3.3.2 Übungsphase – Durchführung einer Erstbeurteilung durch den Teilnehmer
3.4 Evaluation der Fortbildung

4 Literaturverzeichnis

5 Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Stabilisierung der HWS durch den Rettungssanitäter. Freihalten der Atemwege durch Nutzung des Trauma-Jaw-Thrust – Zeige- und Mittelfinger schieben den Unterkiefer nach vorn, während die Daumen auf den Jochbeinen liegen.

Abbildung 2. Mögliche Schnittlinen zum schnellen Entfernen von Kleidung.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht über Erstuntersuchung und Erstmaßnahmen gemäß ABCDE-Schema

Tabelle 2: Maßnahmen zur Weiderherstellung einer normofrequenten Spontanatmung

Tabelle 3: Beurteilung des neurologischen Status anhand der Glasgow-Coma-Scale (GCS)

Im nachfolgenden Text wurde bei der Bezeichnung von Personen immer die maskuline Form verwendet. Dies dient der besseren Lesbarkeit des Textes. Die Bezeichnung von Personen bezieht sich dennoch immer auf das weibliche und männliche Geschlecht.

1 Fachlicher Hintergrund - Das ABCDE-Schema

Scholz, Gliwitzky, Bouillon, Lackner, Hauser und Wölfl (2010) beschreiben, dass in einer retrospektiven Analyse bei 893 von 22.577 Traumapatienten 1032 signifikante Behandlungsfehler identifiziert wurden. Diese hatten einen negativen Einfluss auf die Behandlung. Dabei wurden bei 114 Patienten relevante Diagnosen erst nach 24 Stunden gestellt. Größte Fehlerquoten wurden bei der Beurteilung von abdominellen Verletzungen festgestellt. Um Behandlungsfehler und Fehler bei der Diagnostik von lebensbedrohlichen Verletzungen bei schwerstverletzten Personen zu vermeiden, verweisen die S3-Leitline Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung und international anerkannte Behandlungs-konzepte, wie Advanced Trauma Life Support (ATLS), Prehospital Trauma Life Support (PHTLS) und International Trauma Life Support (ITLS), auf eine schnelle und einheitliche Erstbeurteilung des Notfallpatienten. Diese Erstbeurteilung, auch „primary survey“ genannt, beschreibt eine Untersuchung nach dem ABCDE-Schema (Tabelle 1). Dabei gilt der Grund-

Tabelle 1

Übersicht über Erstuntersuchung und Erstmaßnahmen gemäß ABCDE-Schema

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

satz, dass an erster Stelle das Problem behandelt wird, welches primär den Tod zur Folge hat (eng. „treat first what kills first“). So müssen verlegte Atemwege (A-Problem) erst freigemacht werden, bevor mit der Behandlung einer Ateminsuffizienz (B-Problem) begonnen werden kann.

2 Methodik der Anleitung

Bei der nachfolgend geschilderten Mikroschulung handelt es sich um eine Anleitungssituation nach Quernheim, welche aus fünf Phasen besteht. Diese Phasen sind definiert als Vorbereitung der Anleitung, Planung der Anleitung, Durchführungsphase, Übungsphase und Evaluation.

In der ersten Phase, der Vorbereitung der Anleitung, werden die Lernvoraussetzungen und das Lernbedürfnis der Schulungsteilnehmer erläutert. Zusätzlich wird die zu erwartende Motivation der Schulungsteilnehmer beschrieben.

In der Planungsphase der Anleitung (zweite Phase) werden die Lerninhalte und Lernziele sowie Lernmethoden beschrieben.

Nachdem die Rahmenbedingungen definiert wurden, beginnt die eigentliche Schulung mit der dritten Phase, der Phase der Durchführung. In der Durchführungsphase werden die zu erlernenden Tätigkeiten und Abläufe durch die Fortbildungsleiter demons

triert und vorgeführt.

Anschließend folgt die Übungsphase (vierte Phase), in der die Schulungsteilnehmer die vorher demonstrierten Tätigkeiten selbstständig durchführen und üben.

Zur Ergebnissicherung schließt sich die Phase der Evaluation an (fünfte Phase). In der Evaluation kommt es zur Sicherung der erlernten Abläufe. Dies beinhaltet neben der Wertschätzung und Anerkennung der Teilnehmer auch ein Feedback an den Dozenten, sowie die Planung weiterführender Schulungen.

3 Konzept zur Durchführung der Fortbildung zum Thema ABCDE – Schnellbeurteilung von Schwerverletzten in der Präklinik

Nachfolgend wird das Konzept zur Durchführung der Fortbildung gemäß den Phasen einer Anleitungssituation nach Quernheim beschrieben. Das Schulungskonzept ist für eine rettungsdienstliche Fortbildung auf einer (Lehr-)Rettungswache ausgelegt.

3.1 Vorbereitung der Fortbildung

Die Fortbildung wird in einem Schulungsraum einer Rettungswache durchgeführt. Der Teilnehmerkreis besteht aus Rettungssanitätern und Rettungsassistenten des zu schulenden Rettungsdienstbereichs. Es sind junge Mitarbeiter, die grade Ihre Ausbildung beendet haben bzw. im Anerkennungsjahr zum Rettungsassistenten sind, sowie Mitarbeiter mit jahrzehnte langer Erfahrung zu erwarten. Gleiches gilt für die Altersstruktur, welche vom 18ten bis zum 65ten Lebensjahr zu erwarten ist. Die Motivation der Teilnehmer wird ebenfalls gemischt sein und alle Fassetten abbilden. Diese wird von der extrinsischen Motivation der Fortbildungspflicht[1] - mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen beim Versäumen – bis hin zur intrinsischen Motivation des Festigen und Erlernen von teilweise neuem Fachwissen reichen.

Obwohl das ABCDE-Konzept mittlerweile zum Standard der rettungsdienstlichen Versorgung gehören sollte, werden gerade langjährige Mitarbeiter einen höheren Schuldungs- und Anleitungsbedarf haben. Dies ist der Ursache geschuldet, dass gerade die langjährigen Mitarbeiter auf Grund ihrer Praxiserfahrung und der Routine im Einsatzablauf teilweise nicht über ein aktuelles evidenzbasiertes Fachwissen verfügen bzw. dieses nicht vollständig bekannt ist.

Alle einzelnen Maßnahmen des hier beschriebenen Fortbildungskonzepts, wie beispielsweise die Auskultation der Lunge oder die Untersuchung des Thorax, zur Überprüfung auf eine Instabilität sind den Fortbildungsteilnehmern bekannt. In der hier beschriebenen Fortbildung wird eine prioritätsorientierte Abfolge dieser Maßnahmen, in Form des ABCDE-Algorithmus beschrieben.

3.2 Planung der Fortbildung

Nachdem die Voraussetzungen der Fortbildung erarbeitet wurden, gilt es im nächsten Schritt, die Lerninhalte, Lernziele und Methoden zur Wissensvermittlung zu erfassen.

3.2.1 Lerninhalte der Fortbildung – Das ABCDE-Schema

Wie bereits im Kapitel 1 beschrieben, soll in dieser Fortbildung das ABCDE-Schema zur Erstbeurteilung von Schwerverletzen gelehrt werden. Die Erstbeurteilung – in verschiedenen, international anerkannten Behandlungskonzepten (Bsp.: ATLS, PHTLS) auch „Primary Survey“ genannt – dient der Überprüfung des Zustandes der lebenswichtigen Vitalfunktionen des Patienten. Sie dient der Einschätzung, ob es sich um einen potentiell kritischen Patienten handelt und ein sofortiger Transport in ein geeignetes Traumzentrum notwendig ist. Sollte bei der Erstbeurteilung festgestellt werden, dass Vitalfunktionen bedroht sind, ist es notwendig, diese durch die Durchführung geeigneter lebensrettender Erstmaßnahmen zu behandeln. Lebensrettende Maßnahmen sind beispielsweise das Freimachen der Atemwege oder das Stillen einer starken äußeren Blutung. Diese Maßnahmen dienen dem Ziel, dass alle lebensnotwendigen Zellen im Körper ausreichend oxygeniert werden.

Dabei sind die einzelnen Schritte des ABCDE-Schemas nach ihrer Priorität geordnet. So müssen erst die Atemwege (A – Airway) untersucht und bewertet werden, soiwe ggf. durch geeignete Maßnahmen gesichert werden, bevor mit der Überprüfung der Atmung (B – Breathing) selbst begonnen wird. Durch diese Form der Erstbeurteilung können lebensbedrohliche Zustände zügig erkannt, und gemäß ihrer Dringlichkeit eingeteilt sowie behandelt werden. Dabei werden lebensbedrohliche Zustände wie folgt eingeteilt:

- A-Problem – Verlegung oder Beeinträchtigung der Atemwege
- B-Problem – Beeinträchtigungen der Atmung
- C-Problem – eingeschränkte oder fehlende Kreislauffunktionen
- D-Problem – verminderter neurologischer Zustand
- E-Problem – weitere Frakturen oder Weichteilverletzungen

Im Falle einer sichtbaren starken Blutung (C-Problem) ist eine Abweichung vom ABCDE-Schema notwendig. So ist eine starke äußere Blutung erst mit geeigneten Mitteln zu stillen, bevor mit der eigentlichen Abarbeitung des ABCDE-Schemas begonnen werden kann. Diese Abweichung ist notwendig, da ohne Blutstillung Erythrozyten aus dem Körper austreten, und dadurch der Sauerstofftransport und die Sauerstoffversorgung lebenswichtiger Zellen negativ beeinträchtigt wird.

Die Erläuterung des ABCDE-Schemas und die Begründung der Notwendigkeit der Anwendung ist Voraussetzung zur Beschreibung des eigentlichen Lernziels der Fortbildung: der Durchführung einer ABCDE-Beurteilung. In den folgenden Unterabschnitten werden die einzelnen Punkte der ABCDE-Beurteilung schrittweise erläutert. Dabei wird angenommen, dass es sich beim Rettungsteam um eine Rettungswagenbesatzung mit einem Rettungsassistenten (Teamführer) und einem Rettungssanitäter handelt[2].

3.2.1.1 A – Beurteilung der Atemwege/HWS-Immobilisation

Nachdem der Patient gefahrlos (d.h. ohne Eigengefährdung des Rettungsdienstpersonals, durch beispielsweise Schusswaffengebrauch, Rauchgase oder fließenden Straßenverkehr – es besteht ggf. die Notwendigkeit, die Einsatzstelle durch Spezialkräfte von Polizei oder Feuerwehr zu sichern) erreicht wurde, beginnt die Erstuntersuchung gemäß dem ABCDE-Schema. Die eigentlichen Untersuchungen nach dem ABCDE-Schema werden vom Teamführer (Rettungsassistent) durchgeführt. Der Rettungssanitäter wirkt bei den Untersuchungen unterstützend mit. Im Falle von schwerverletzten Patienten führt er eine Stabilisierung der Halswirbelsäule (HWS) durch (Abbildung 1). Diese wird durch das seitliche Fixieren des Kopfes mit den Händen erreicht. Befindet sich der Patient in Rückenlage, so kann die HWS in eine Neutralposition verbracht werden, wenn dies schmerzfrei möglich ist. Die Stabilisierung der HWS, wird bis zu einer endgültigen Immobilisierung durch eine Vakuummatratze oder ein Spineboard mit Kopffixierung, ohne Unterbrechung durch den Rettungssanitäter durchgeführt.

[...]


[1] Die Fortbildungsmaßnahmen sind durch verschiedene Ordnungen und Gesetze der Bundesländer und der am Rettungsdienst beteiligten Organisationen geregelt. Im Land Brandenburg schreibt die Landesrettungsdienstplanverordnung im §7 „Fortbildung des Personals“ eine insgesamt 24 Stunden umfassende Fortbildungszeit für jeden Mitarbeiter pro Kalenderjahr vor.

[2] Das Berufsbild „Rettungsassistent“ ist eine zweijährige Berufsausbildung gemäß Rettungs-assistentengesetz. Rettungssanitäter haben eine 520-stündige Ausbildung absolviert, gemäß Rettungssanitäter-ausbildungsverordnung absolviert. Rettungswagen werden in der Regel mit einem Rettungsassistenten und einem Rettungssanitäter besetzt (Mindestanforderung), vgl. §18(1) Rettungsdienstgesetz des Landes Sachsen-Anhalt.

Details

Seiten
26
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656473800
ISBN (Buch)
9783656474128
Dateigröße
915 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230932
Institution / Hochschule
SRH Hochschule für Gesundheit Gera
Note
1,0

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