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Handlungs- und Regelutilitarismus

Darstellung und Vergleich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 15 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Konzept des Utilitarismus

3. Handlungs- und Regelutilitarismus
3.1 Handlungsutilitarismus
3.2 Regelutilitarismus
3.3 Vergleich von Handlungs- und Regelutilitarismus

4. Zusammenfassung und Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bilden Menschen eine Gemeinschaft, so brauchen sie Regeln und Prinzipien, nach denen sie ihr Zusammenleben gestalten. Großen Einfluss haben dabei Vorstellungen über Moral und Ethik. Daher gibt es zahlreiche Morallehren, nach denen sich die Menschen richten sollen und die Vorgaben über richtiges und falsches Handeln bieten.

Eine Morallehre, die besonders im 19. Jahrhundert sehr populär war, stellt der Utilitarismus dar. Diese philosophische Richtung bewertet alle Handlungen nach ihren Konsequenzen und fordert, dass stets das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl das Ziel einer Handlung sein muss, damit sie als moralisch richtig bewertet werden kann. Vor allem britische Philosophen setzten sich mit diesem Modell auseinander und entwickelten es zu einer umfassenden Ethik weiter.

Obwohl so berühmte Denker wie John Stuart Mill, Jeremy Bentham und John J.C. Smart Befürworter des Utilitarismus waren, sah sich die Morallehre zahlreicher Kritik ausgesetzt und konnte sich, wie übrigens alle anderen Ethiken ebenfalls, nicht als allein gültige etablieren.

Neben der Kritik von Gegnern des Utilitarismus gab es auch intensive Auseinandersetzungen innerhalb der Utilitaristen über die Ausrichtung der Morallehre. Dabei bildete die Diskussion um Handlungs- und Regelutilitarismus die intensivste Kontroverse. Da diese beiden Richtungen im Utilitarismus, der großen Einfluss auf die Philosophie hatte, grundlegend sind, werden sie hier vorgestellt und erläutert. Dafür beschreibe ich zunächst den Utilitarismus an sich, seine Merkmale und Prinzipien und widme mich anschließend der Erörterung von Handlungs- und Regelutilitarismus. Ein Fazit über die erläuterten Richtungen schließt diese Darstellung ab.

2. Das Konzept des Utilitarismus

Möchte man Handlungs- und Regelutilitarismus erläutern, so ist es notwendig, zunächst das Gesamtkonzept zu definieren, in dem die beiden Strömungen verankert sind. Daher widmet sich dieses Kapitel der Darstellung der Geschichte, der Aussagen und der Wirkungsgeschichte des Utilitarismus sowie der Kritik an diese Morallehre.

Nachdem unter anderem bereits rund 400 Jahre vor Christus ein chinesischer Philosoph utilitaristische Prinzipien formulierte, waren es in Europa vor allem britische Denker, die den Utilitarismus entwickelten. So benannten unter anderem Thomas Hobbes im 17. Jahrhundert, Francis Hutcheson und David Hume im 18. Jahrhundert utilitaristische Gedanken. Den Utilitarismus als umfassendes ethisches System propagierte aber erst Jeremy Bentham Ende des 18. Jahrhunderts.[1] Ausgehend von einem Hedonismus formulierte er ein Nutzen-Prinzip, das alles als gut bezeichnet, was das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl bewirkt. Dabei war für Bentham die Quantität des Glücks entscheidend, die Qualität wurde im Utilitarismus nicht berücksichtigt. Dies sollte sich mit John Stuart Mill ändern. Der Schüler Benthams entwickelte den Utilitarismus in seinem gleichnamigen Buch[2] weiter und maß der Qualität des Glücks einen hohen Stellenwert bei. Außerdem setzte sich Mill in seinem Werk „Über die Freiheit“[3] mit weiteren, bisher nicht beachteten Ansätzen auseinander.

Nachdem Bentham und Mill die Grundlagen des Utilitarismus formuliert hatten, wurde die Morallehre unter anderem von Russel, Godwin, Sidgwick, Smart und Singer weiterentwickelt und verändert. Dadurch entstanden zahlreiche Positionen innerhalb des Utilitarismus: Negativer, positiver, subjektiver, objektiver, hedonistischer und idealer sowie insbesondere Regel- und Handlungsutilitarismus.[4]

Der Utilitarismus entwickelte vor allem im angelsächsischen Raum einen großen Einfluss in den Bereichen der Ökonomie, der Politik, dabei insbesondere bei der Entwicklung des Liberalismus und des Sozialen. Als allgemeingültige und alleinige Morallehre konnte er sich allerdings nie etablieren. Jedoch muss dabei beachtet werden, dass dies bisher auch keiner anderen Ethik gelang.

Nachdem bisher die Aussagen und Inhalte des Utilitarismus lediglich kurz angesprochen wurden, sollen diese nun ausführlicher dargstellt werden. Auch wenn es um einige Äußerungen innerhalb der genannten Ausrichtungen Diskussionen gibt, so ist allen Orientierungen der grundsätzliche Kern gemein.

Die wichtigsten Grundfragen des Utilitarismus lauten, was moralisch verbindlich sein soll und wie sich dies begründen lässt. Der Utilitarismus versucht zur Beantwortung dieser Probleme Kriterien aufzustellen, nach denen Handlungen moralisch bewertet werden sollen.

Ausgangspunkt der utilitaristischen Betrachtungen ist eine Situation, in der mehrere Handlungsmöglichkeiten gegeben sind. Dabei ist die Handlungsalternative die moralisch richtige, deren Konsequenzen das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl ermöglicht beziehungsweise den geringsten Schmerz erzeugt.

Ausgehend von Bentham besitzt der Utilitarismus vier Kriterien, mit denen das größtmögliche Glück ermittelt wird:

So werden nicht die Handlungen an sich bewertet, sondern die Folgen, die sich daraus ergeben.

Darauf aufbauend werden die Folgen anhand ihres Nutzens gemessen.

Der Nutzen selbst wiederum definiert sich als Erfüllung von Glück oder Lust beziehungsweise als Vermeidung von Leid. Die Handlung, deren Nutzen am größten ist, ist demnach geboten.

Bei der endgültigen Bewertung einer Handlung ist aber darauf zu achten, dass nicht nur der Nutzen des Handelnden betrachtet wird, sondern der Nutzen aller von dieser Handlung direkt oder indirekt Betroffenen.

Diese „vier Teilkriterien […] lassen sich in das eine utilitaristische Prinzip zusammenfassen: Diejenige Handlung bzw. Handlungsregel ist moralisch richtig, deren Folgen für das Wohlergehen aller Betroffenen optimal sind.“[5]

Aufgrund dieser Kriterien kann der Utilitarismus als eine konsequenzialistische, hedonistische, teleologische, universalistische Ethik beschrieben werden.

Obwohl diese Überlegungen eine deutliche Bewertung einer Handlung ermöglichen sollen, erscheinen sie zunächst nicht als eindeutig. So stellt sich die Frage, was „Glück“ eigentlich genau ist und wie es beurteilt werden kann. Bentham beantwortet dies mit dem hedonistischen Kalkül. Demnach wird zunächst das nach einer möglichen Handlung entstehende Glück errechnet, danach das Glück der direkt sowie indirekt Betroffenen und diese Summen addiert. Bentham erstellt dafür sechs zu beachtende Kriterien:

1. Die Intension des zu erwartenden Glücks
2. Die Dauer des zu erwartenden Glücks
3. Den Grad der Gewissheit, mit der das Glück zu erwarten ist
4. Die Nähe des Eintreffens des zu erwartenden Glücks
5. Folgeträchtigkeit des zu erwartenden Glücks
(folgen aus dem zu erwartenden Glück weiteres Glück oder Leid?)
6. Reinheit des zu erwartenden Glücks
(entsteht mit dem Glück zugleich Leid?)[6]

Nachdem man die Folgen einer Handlung für alle Betroffenen anhand dieser Kriterien bewertet und summiert hat, ist dann die Handlung moralisch richtig und durchzuführen, welche den höchsten Nutzen, das meiste Glück beziehungsweise die geringste Frustration erbringt.

[...]


[1] Bentham (2003)

[2] Vgl. Mill (2006)

[3] Vgl. Mill (1974)

[4] Vgl. Höffe (2003), 9

[5] Höffe (2003), 11

[6] Vgl. ebd., 19

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656470106
ISBN (Buch)
9783656470281
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231075
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Philosophie
Note
1,3
Schlagworte
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Titel: Handlungs- und Regelutilitarismus