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Die Darstellung des Glücks in "Abendteuer des Entspekter Bräsig, bürtig aus Meckelborg-Schwerin, von ihm selbst erzählt"

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Inhaltsangabe

3 Das Glück philosophisch dargestellt
3.1 Der Glücksbegriff in der griechischen Klassik
3.2 Der hellenistische Glücksbegriff
3.3 Mögliche Konsequenzen für den neuzeitlichen Glücksbegriff

4 Entspekter Bräsigs Glück
4.1 Bräsigs erste Zugfahrt
4.2 Bräsig als Mitglied des Post- und Eisenbahnvereins
4.3 Bestätigung eines moralischen Charakters
4.4 Lossagung von einem falschen Freund

5 Fazit

6 Literatur

1 Einleitung

„Alle Menschen wollen glücklich sein.“

Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) Diese absolut formulierte Aussage stammt von einem der bedeutendsten Philosophen der Antike und postuliert sehr deutlich, dass jeder Mensch in irgendeiner Weise danach strebt, glücklich sein zu wollen, sei es bewusst oder unbewusst. Obwohl das Zitat einen sehr universalen Charakter hat, würde dennoch vermutlich der Großteil der Menschen der Aussage zustimmen, dass sie ihr Leben so versuchen zu leben, dass sie sich damit glücklich und zufrieden fühlen.1 Oft sehen Menschen es als selbstverständlich an, glücklich sein zu wollen „[A] aber was Glück eigentlich ist, worin es besteht, was wir tun können, um es zu erreichen, ist alles andere als selbstverständlich.“2 Obwohl man meinen könnte, dass es sich bei dem Glück um eine eher individuelle Betrachtungsweise handelt, haben sich dennoch eine Vielzahl von Philosophen, Theologen und Dichtern daran versucht, Definitionen aufzustellen. So ist es nicht verwunderlich, dass das Glück auch für Fritz Reuters Hauptfigur

„Entspekter Bräsig“ in Reuters Roman „Abendteuer des Entspekter Bräsig, bürtig aus Meckelborg-Schwerin, von ihm selbst erzählt“3 eine entscheidende Rolle spielt. Die Darstellung des Glücks im Roman ist Gegenstand dieser Hausarbeit. Zunächst erfolgt zur besseren inhaltlichen Orientierung eine Inhaltsangabe. Im Anschluss daran werden ausgewählte philosophische Glücksbegriffe dargestellt. Die Theorien hierzu reichen von Aristoteles und Epikur in der Antike, bis hin zu Sigmund Freud, Feuerbach oder Nietzsche in der Neuzeit. Diese in angemessener Weise zu betrachten ist im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich, daher beschränken sich die Ausführungen auf die Darstellung des Glücksbegriff in der Antike und des He llenismus, um daraus mögliche Konsequenzen für den neuzeitlichen Glücksbegriff abzuleiten. Dies stellt den theoretischen Rahmen für vier ausgewählte Szenen aus Reuters Werk dar, in denen Bräsig Glück empfindet. Jene vier ausgewählten Szenen werden analysiert, interpretiert und in Bezug zu den philosophischen Anschauungen von Glück gestellt. Abschließend wird ein Fazit gezogen inwiefern Bräsigs Glücksempfinden mit der philosophischen Ansicht übereinstimmt.

2 Inhaltsangabe

Fritz Reuter (18104 - 18745) gilt heutzutage als einer der bedeutendsten Dichter und Schriftsteller der niederdeutschen Sprache.6 Seine größten Erfolge erzielte Reuter mit plattdeutscher Prosa und Werken wie „Ut de Franzosentid“, Ut mine Festundstid“ und „Ut mine Stromtid“. In dem 1861 erschienenen Roman, „Abendteuer des

Entspekter Bräsig, bürtig aus Meckelborg-Schwerin, von ihm selbst erzählt“, erlebt der Protagonist Entspekter Bräsig diverse „Abendteuer“ auf seiner Reise durch Neubrandenburg, Prenzlau und Berlin. Wie viele andere Werke Reuters, weist auch dieses autobiographische Züge auf und ist stellenweise auf plattdeutsch verfasst.

Der Roman beginnt damit, dass Entspekter Bräsig seinen „Hochgeehrtesten Gönner und Freund“ anschreibt und ihm von einem Vorfall erzählt, durch den falsche Behauptungen über ihn verbreitet wurden. Er wendet sich in einem Brief an seinen Freund und bittet ihn um Hilfe bezüglich der Richtigstellung dieser falschen Darstellung. Um zu erläutern, wie es zu diesen falschen Behauptungen kam, erzählt er rückblickend, was er auf seiner Reise erlebt hat: Bräsig trifft vor seinem Haus auf einen Bekannten namens Moses Löwenthal, welcher den Entspekter bittet ihn zu einem Wollmarkt in „Bramborg“7 zu begleiten. Bräsig sagt gegen die Zusicherung von Diäten zu und so machen sich beide auf den Weg. Das Geschäft kommt jedoch nicht zustande, da Moses Löwenthal sich betrinkt, und so den Termin am nächsten Tag verpasst. Löwenthal überredet Bräsig mit ihm nach Prenzlau zu fahren, um dort Wolle zu kaufen. Nachdem Löwenthal zusichert, dass Bräsig dies selbstverständlich auch bezahlt bekommt, stimmt er zu und sie machen sich auf den Weg nach Prenzlau.

In Prenzlau angekommen, erfahren die beiden, dass die Wolle inzwischen in Berlin ist. Moses Löwenthal macht sich augenblicklich auf den Weg, doch Bräsig zögert noch. Als Löwenthal ihm jedoch zusichert, ihm auch diese Fahrt zu bezahlen, willigt er ein. Den Weg von Prenzlau nach Berlin legen die beiden mit dem Zug zurück, was für Bräsig die erste Zugfahrt seines Lebens ist. Im Abteil der 3. Klasse trifft Bräsig auf fünf bekannte Ökonomiker8, mit denen er während der gesamten Fahrt über in Erinnerungen schwelgt und sich unterhält. In Berlin angekommen, werden Moses Löwenthal und Bräsig von einem Schutzmann nach ihren Pässen gefragt. Da Bräsig keinen hat, wird er von Moses Löwenthal zu einer List überredet: sie geben Bräsig gegenüber dem Schutzmann als Löwenthals Onkel aus. Nach anfänglichen Zweifeln bezeugt ein Bekannter Löwenthals Bräsigs Scheinidentität und der Schutzmann stellihm einen vorrübergehenden Pass aus. Mit dieser Identität kehren Moses Löwenthal und Bräsig in ein Hotel am Gendarmenmarkt ein, doch im Laufe des Tages trennen sich ihre Wege. Bräsig lernt während seines Mittagsessens einen Mann kennen, der ihm einen geheimen Gruß des Post- und Eisenbahnvereins zeigt, mit welchem er angeblich kostenlos mit dem Zug fahren kann. Nach der Begegnung mit dem Mann bemerkt Bräsig, dass ihm seine Taschenuhr fehlt. Verärgert begibt sich Bräsig auf den Rückweg zum Gendarmenmarkt und muss bei der Rückfahrt feststellen, dass der geheime Gruß dem Kontrolleur des Zuges nicht bekannt ist. Nach einem langen Fußmarsch kommt Bräsig wieder in Berlin an und begegnet der Gruppe Ökonomiker, die er auf seiner ersten Zugfahrt getroffen hat. Sie gewähren ihm Unterkunft und leihen ihm Geld, von welchem er etwas isst und trinkt und den Zoologischen Garten besucht. Im Zoo begegnet Bräsig einem vermeintlichen weiteren Ökonomiker, mit dem er etwas trinken geht und welcher ihm seinen Geldbeutel stiehlt und dann flüchtet. Bräsig trifft vor der Lokalität auf einen Wachmann, dem er alles berichtet. Der Wachmann verlangt zur Aufnahme der Personalien seinen Ausweis und so kommt der Schwindel mit der falschen Identität heraus. Bräsig wird zusammen mit Moses Löwenthal ins Gefängnis gebracht und dort vom Polizeipräsidenten verhört. Dieser glaubt an Bräsigs Unschuld, besteht aber dennoch darauf, dass jemand für Bräsigs Unschuld bürgen muss. Als dies zwei Bekannte aus seiner Heimat tun, entlässt der Polizeipräsident Bräsig und Moses Löwenthal aus der Haft, erlegt Löwenthal jedoch die Pflicht auf, für alle entstandenen und noch entstehenden Kosten bis zur Heimkehr, aufzukommen.

3 Philosophische Betrachtung des Glücks

Es ist ein Unglück, daß der Begriff der Glückseligkeit ein so unbestimmter Begriff ist, daß, obgleich jeder Mensch zu dieser zu gelangen wünscht, er doch niemals bestimmt und mit sich selbst einstimmig sagen kann, was er eigentlich wünsche und wolle.9

Diese Aussage stammt aus dem Werk „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“, geschrieben von Immanuel Kant, einem der bedeutendsten Philosophen der Aufklärung. Kant positioniert sich insofern, als dass der Begriff des Glücks nicht klar definierbar ist und es somit auch keine bestimmten Prinzipien zu verfolgen gilt um das Glück zu erreichen.10 Mit dieser Aussage steht er im Kontrast zu den

Philosophen der griechischen Antike.11 Im Folgenden werden zunächst die Ansätze zweier Philosophen der griechischen Klassik, Aristoteles und Aristipps, skizziert, um dann den Glücksbegriff im Hellenismus vergleichend darzustellen. Abschließend wird davon ausgehend auf die möglichen Konsequenzen für den neuzeitlichen Glücksbegriff eingegangen.

3.1 Der Glücksbegriff in der griechischen Klassik

Die Philosophen der griechischen Klassik vertraten weitestgehend die Meinung, dass es die Aufgabe der Philosophie sei, den Menschen einen Weg zum Glück aufzuzeigen. Sie wollten der Menschheit Prinzipien und Verhaltensregeln darlegen, sodass jeder die Möglichkeit hatte, das vollkommene Glück zu erreichen.12 Der griechische Ausdruck für Glück ist „eudaimonia“. Wörtlich bedeutet er in etwa

„einen guten Dämon habend“, gemeint ist damit das Gelingen der Lebensführung.13

Aristoteles verwendet den Begriff in seinem Werk „Nikomachische Ethik“ häufig und meint damit das „Tätigsein der Seele im Sinne der ihr wesenhaften Tüchtigkeit“14 Das bedeutet, dass jedem Ding, jeder Pflanze, jedem Tier und jedem Menschen in unserem Universum eine bestimmte Aufgabe zukommt. Aristoteles stellte sich die Frage, welche Aufgabe dem Menschen zukommen könnte und kam

[...]


1 Vgl. Birnbacher, Dieter: Arbeitstexte für den Unterricht. Glück. Stuttgart, 2005, S. 6.

2 Ebd., S. 5.

3 Reuter, Fritz: Abendteuer des Entspekter Bräsig, bürtig aus Meckelborg-Schwerin, von ihm selbst erzählt. Rostock, 2005.

4 Vgl. Nenz, Cornelia: Fritz Reuter. Leben, Werk und Wirkung. Rostock, 2001, S. 17.

5 Vgl. Hückstädt, Arnold: Fritz Reuter. Sein Leben in Bildern und Texten. Rostock, 1990, S. 14.

6 Vgl. Nenz: Fritz Reuter. Leben, Werk und Wirkung, S. 96.

7 Reuter, Fritz: Abendteuer des Entspekter Bräsig, bürtig aus Meckelborg-Schwerin, von ihm selbst erzählt. Rostock, 2005, S. 7.

8 Vgl. ebd., S. 18.

9 Vgl. Hossenfelder, Malte: Philosophie als Lehre vom glücklichen Leben. Antiker und neuzeitlicher Glücksbegriff. In: Bellebaum, Alfred: Glück und Zufriedenheit. Ein Symposium. Opladen, 1992, S. 13.

10 Vgl. ebd.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. ebd.

13 Vgl. ebd., S. 15.

14 Aristoteles: Die Nikomachische Ethik. München, 1991, 1098a16.

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656475910
ISBN (Buch)
9783656476542
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231167
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Darstellung des Glücks Glückseligkeit Fritz Reuter Reuter Stavenhagen

Autor

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