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Unterrichtsstunde: Filmmusik schülerorientiert unterrichten

Ausführlicher Stundenentwurf - Eine Unterrichtseinheit für die 7. Klassenstufe an Gymnasien

Unterrichtsentwurf 2009 51 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

1. Voraussetzungen
1.1 Einordnung in die Themenbereiche der Rahmenrichtlinien
1.2 Einordnung in die aktuelle thematische Unterrichtseinheit
1.3 Fachdidaktische und fachwissenschaftliche Vorüberlegung
1.4 Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler

2. Didaktische Strukturierung der Unterrichtsstunde
2.1 Lehr- und Lernziele
2.2 Handlungsmöglichkeiten der SchülerInnen im Unterricht
2.3 Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidung
2.4 Probleme und mögliche Unterrichtsalternativen

3. Unterrichtsentwurf
3.1 Tabellarischer Stundenverlauf

4. Literatur (einschließlich Tonträger)
4.1 Bücher, Arbeitshefte und Materialien (schriftliche Literatur)
4.1.1 Internetquellen
4.2 Musiknachweis
4.3 Videonachweis
4.4 Bildnachweis

5. Anhang
5.1 Arbeitsmaterialien, Tafelbilder
5.1.1 Lehrermaterialien
5.1.1.1 Stundenentwurf: Grobplanung / Erstplanung
5.1.1.2 Filmmusik: Definition
5.1.1.3 Filmmusik: Arbeitsblätter - Thema 1 bis Thema 9
5.1.2 Schülermaterialien
5.1.2.1 Arbeitsblatt - Filmmusik: Lückentext „Wie alles begann…
5.1.2.2 Lösungsblatt des Lückentextes als Vorführfolie
5.1.2.3 Arbeitsblatt - Filmmusik: „Wie Musik auf euch wirkt
5.1.2.4 Filmmusik: Folie mit verschiedenen Filmcovern
5.1.2.5 Filmmusik: „Wir vertonen einen Film
5.1.3 Musik und Filme (Audiovisuelle Empfehlungen)
5.1.4 Tafelbild
Wo und wann begegnet euch im alltäglichen Leben Musik?

1. Voraussetzungen

1.1 Einordnung in die Themenbereiche der Rahmenrichtlinien

In meinem ersten Gliederungspunkt möchte ich zunächst detaillierter auf die Einordnung des Themenbereiches der Filmmusik bezüglich der Rahmenrichtlinien für Gymnasium des Landes Sachen-Anhalts eingehen. Weiterhin werde ich konstruktiv diskutieren, inwiefern sich die angegebenen Rahmenbedingungen eignen, um das gewünschte Themengebiet optimal in die geltende Jahrgangsstufe zu integrieren.

Das Thema Filmmusik hat eine besondere „Stellung“ in Hinblick auf die Rahmenrichtlinien des Landes Sachsen-Anhalt im gymnasialen Schulzweig. Wenn man sich einen Überblick in den Rahmenrichtlinien der Klassen 7 und 8 verschafft, fällt schnell auf, dass der Terminus „Filmmusik“ nicht direkt thematisiert wird. Erst wenn man in den vorgegebenen Anforderungsbereichen und Rahmenbedingungen für das Gymnasium weiter nach „vorn“ schaut, findet man das Thema Filmmusik in der Qualifikationsphase als vertiefenden Unterrichtsinhalt. Im Rahmenthema E der Rahmenrichtlinien wird in die Rubriken „Musik und Technik“ sowie „Entwicklung der Unterhaltungsmusik“ das Motiv „Filmmusik“ zum ersten Mal erwähnt und in den Unterrichtsverlauf eingeordnet. Den genannten Rubriken weiterführend, folgt das Thema „Musik und Film“ als selbstständiger Unterrichtsinhalt. Zur intensiven Auseinandersetzung des Schwerpunkts „Musik und Film“ ist an dieser Stelle eine Differenzierung zu finden. Es wird zwischen Filmmusik und Musikfilm unterschieden. Ich möchte im Hinblick auf mein Stundenthema die Ausführungen zum Thema Filmmusik detaillierter betrachten. In den Rahmenrichtlinien sollen folgende Schwerpunkte in den Unterrichtsinhalt einfließen:

(1) Die Ursprünge der Filmmusik

Hier wird vorgeschlagen, diesen Abschnitt durch Referate zu erschließen. Ich denke, dies ist eine kompetente Methode für die Qualifikationsphase in der gymnasialen Oberstufe, jedoch in den Klassenstufen 7 und 8 weitestgehend weniger gewinnbringend.

(2) Versuche zur Wirkung von Stummfilmen ohne Musikuntermalung

In diesen Themenschwerpunkt soll der Hauptgehalt auf der Wirkung von Musik liegen. Mit dieser Intention lassen sich sehr gut verschiedene Alltagsvorstellungen von Kindern und Jugendlichen in Zusammenhang mit Musik und ihrer Wirkung verbinden. In meiner Unterrichtsstunde habe ich einen ähnlichen Versuch zur Wirkung von „Stummfilmen“ mit den Kindern unternommen. Durch diese Vorführung konnten die SchülerInnen gezielt ihre Gedanken über die Wirkung von Musik äußern und diskutierend wiedergeben.

Die weiteren Schwerpunkte möchte ich im Folgenden nur kurz zusammenfassend darlegen, da sie für den Unterrichtsinhalt der 7. Klassenstufe lediglich einen geringen Unterrichtsgehalt erfüllen.

(3) Realisierung einer Kompilationsmusik zu einer Stummfilmsequenz
(4) Analyse des Musikeinsatzes in einem Spielfilm
(5) Fiktive Musikerrollen in Spielfilmen analysieren und vergleichen

In der 7. Jahrgangsstufe kann der interessierte Musiklehrer seinen Unterrichtsinhalt jedoch bis hin zur Hollywoodsinfonik und abschließend bis zur heutigen Filmproduktion ausweiten und mit den SchülerInnen behandeln und bearbeiten.

Aufgrund der genannten Themenschwerpunkte lässt sich natürlich schnell vermuten, dass Filmmusik als Unterrichtskomplex einem hohen Status beiwohnt und somit auch einer qualifizierten Anforderung entspricht. Sicherlich ist dies auch nicht ganz abzuweisen, aber man kann den umfangreichen Themenvorrat der Filmmusik durchaus auch zugänglich für jüngere Klassenstufen als Unterrichtsterminus gestalten.

Möchte man allerdings in den Rahmenbestimmungen der 7. Gymnasialklasse das Thema einordnen, muss man etwas Kreativität und Interesse im Gebiet der Filmmusik mitbringen.

In den fachspezifischen Themen in den Schuljahrgängen 7 und 8 findet man im Thema 4 „Musik und Alltag“ einen guten Ansatzpunkt. Im Unterpunkt „Stars in der Musik“ werden die SchülerInnen angehalten, Material aus Rundfunk und Fernsehen zusammenzutragen. An dieser Stelle lässt sich demnach gut eine Überleitung zum Thema Film arrangieren. Analog dazu kann der kreative Lehrer nun den Terminus der Filmmusik einführen und themenübergreifend mit den SchülerInnen erarbeiten. Eine andere Möglichkeit ist der Unterpunkt „Videoclip“, auch hier hat die Lehrkraft verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. Zum einen könnte der Lehrer über diverse Musikvideos zum Themenbereich Titelsong gelangen und weiterführend den Komplex der Filmmusik einführen. Zum anderen währe es durchaus denkbar, über ausgewählten Filmausschnitt zum Thema Filmmusik zu gelangen. An dieser Stelle sind der eigenständigen Kreativität keine Grenzen gesetzt. Möchte man sich allerdings nicht bereits in Thema 4 mit dem umfangreichen Themenkomplex der Filmmusik auseinandersetzen, bleibt in Thema 6 der Rahmenrichtlinien noch eine alternative Möglichkeit den Bereich der Filmmusik aufzugreifen. Mit „Musik und Theater“ ist eine angebrachte Verknüpfung zu Musiktheaterverfilmungen möglich. Allerdings könnte der engagierte Musiklehrer ebenso den Aspekt des Musicals nutzen, um weiterführend auf Filmmusik zu schließen. Als modernes Musiktheater bietet dieser Themenbereich eine breite Palette an Ansatzmöglichkeiten für den Unterricht. Auf diesen Aspekt werde ich in Punkt 1.2 jedoch noch genauer eingehen. Alternativ bietet sich eine Überleitung zum Thema Filmmusik im Bereich verschiedener Verfilmungen unterschiedlichster Musiktheaterformen an, wenn man sich nicht speziell auf eine Form festlegen möchte.

Zusammenfassend kann ich an dieser Stelle festhalten, dass sich, wie zuvor beschrieben, eine Vielzahl mannigfaltiger Möglichkeiten ergeben haben, das komplexe Gebiet der Filmmusik in einer 7. Gymnasialklasse als Unterrichtsinhalt einzuführen und zu thematisieren. Allerdings ist sehr zu bedauern, dass der Gegenstand Filmmusik, keinen „festen Platz“ in den Rahmenrichtlinien gefunden hat. Gerade dieser Bereich ist für SchülerInnen meist ein sowohl spannendes und interessantes Thema als auch sehr alltagsorientiert und somit eher „greifbarer“ für Jugendlichen. Als Lehrer hat man dennoch das ewige Problem der „Zeit“. Man muss sich als Lehrkraft demnach genau überlegen, in welcher Art und Weise das Thema Filmmusik in den laufenden Unterricht eingebunden werden soll, ohne im späteren Unterrichtsverlauf in Zeitdruck oder gar Not zu geraten. Andererseits finde ich ebenfalls sehr wichtig, mit SchülerInnen bereits in der 7. Klasse das Gebiet der Filmmusik zu thematisieren, da in diesem Bereich der Unterricht sehr handlungsorientiert und schülerbezogen gestaltet werden kann. Weiterhin ist an dieser Stelle als positives Argument anzumerken, dass mit frühzeitiger Behandlung eines bestimmten Themas auch in der Kursstufe eine weiterführende Vertiefung möglich ist. Diesen Aspekt sollte der interessierte Lehrer in jedem Fall nutzen.

Abschließend möchte ich abrundend darlegen, dass sich Filmmusik als selbstständiger Unterrichtsgegenstand sehr interessant, schülerorientiert, abwechslungsreich und anschaulich in der Schule behandeln lässt. Demnach sollte jeder motivierte Musiklehrer bestrebt sein, den Komplex der Filmmusik in den Schuljahrgängen 7 und 8, so effektiv wie möglich zu behandeln und in den laufenden Unterrichtsinhalt fachlich qualitativ mit einzubilden.

1.2 Einordnung in die aktuelle thematische Unterrichtseinheit

Wie bereits angekündigt, möchte ich in diesem Punkt meines Stundenentwurfes genauer auf den Inhalt des Musicals im gegenwärtigen Unterrichtsverlauf eingehen.

In der aktuellen Unterrichtseinheit der 7. Klasse wurde von der Lehrerin das Stundenthema „Musical“ vertiefend behandelt. Am Beispiel „Der kleine Horrorladen“ haben sich die SchülerInnen mit dem Gegenstand des Musicals umfassend auseinandergesetzt. Dies ist exakt der Ansatz, den ich bereits im Punkt 1.1 angesprochen habe. Mit dem Komplex Musical im Themengebiet „Musik und Theater“, in der Unterrichtseinheit der 7. Jahrgangsstufe, lässt sich eine außerordentlich kompetente Überleitung zum Terminus Filmmusik manifestieren. In der letzten Unterrichtsstunde zum Schwerpunkt Musical hatten die SchülerInnen die Aufgabe, sich zunächst einige Filmausschnitte anzusehen. Im weiteren Verlauf der Stunde bekamen die SchülerInnen den Auftrag, die gesehenen Filmsequenzen zu analysieren. Durch den gewählten Unterrichtsinhalt zum Thema Musical und die entsprechenden Aufgabenstellungen ist der fachliche Standpunkt der Klasse bereits sehr nah am Sujet der Filmmusik angelangt. In den Filmausschnitten „Der kleine Horrorladen“ haben die Kinder in verschiedene Filmszenen sehen können, dass in einigen Situationen gesungen, anstatt gesprochen wurde. Ebenso war in den gewählten Filmausschnitten sehr gut zu erkennen, dass die Protagonisten der Handlung sich tanzend, statt gehend bewegt haben. Mit dieser Stundeneinheit wurde der Themenschwerpunkt Musical beendet.

Der Komplex der Filmmusik konnte dementsprechend grenzenlos an den laufenden Unterricht angeknüpft werden. Dadurch, dass die SchülerInnen wie eben beschrieben unterschiedlichste Filmausschnitte gesehen und bearbeitet hatten, in denen Musik eine einflussreiche Rolle spielte, konnte ich weiterführend an diesen Wissensstand anknüpfen. Für mich galt es in erster Linie mit den SchülerInnen den folgenden Fragestellungen nach zukommen:

Welche zentrale Bedeutung ist Musik in einem „normalen“ Spielfilm zuzuschreiben? – und: Wie viel der im Film vorkommenden Musik nehmen wir tatsächlich bewusst war?

Mit dieser Intention konnte das Stundenthema „Filmmusik“ fest in den Unterrichtsverlauf integriert werden. In dieser speziellen Klassensituation bestand die effektive Möglichkeit, Filmmusik als weiterführendes Gebiet des Musicals einzugliedern. Thematisch gesehen wird in dem neuen Themenkomplex vordergründig ebenfalls der Schwerpunkt auf dem Bereich der Musik liegen, nur aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Der Winkel prolongiert sich von einem inszenierten Bühnenstück, welches verfilmt wurde, auf Hollywood-Schauplätze und somit auf unsere Kinoleinwände. An dieser Stelle wird ebenfalls, wie bereits bei dem großen Bühnenwerke des Musicals, die Musik eines Filmes herausgegriffen und schülergerecht analysiert. Die SchülerInnen können demnach ihr gelerntes Wissen aus dem vorhergehenden Unterrichtsgebiet analog anwenden, fachlich erweitern und qualitativ festigen. Diese Art kumulativen Lernens fördert die Leistungsfähigkeit und steigert das Leistungsniveau der Kindern und Jugendlichen nachhaltig.

1.3 Fachdidaktische und fachwissenschaftliche Vorüberlegung

Im Folgenden möchte ich auf verschiedene fachdidaktische und fachwissenschaftliche Vorüberlegungen eingehen, mit denen ich mich während meiner Arbeit beschäftigt habe.

Das primäre Problem einer Stundenkonzeption ist die Fragestellung nach dem Stundenziel. Auch ich habe mir diese Frage gestellt. Mein persönliches Ziel bestand darin, die SchülerInnen für das Thema Filmmusik zu begeistern, zu sensibilisieren und zu motivieren. Selbstverständlich liegt diesem Terminus auch ein gewisses fachliches Fundament zugrunde. Die SchülerInnen sollten einerseits, den Begriff der Filmmusik und die historischen Begebenheiten fachlich zu verstehen lernen und andererseits durch praktische Arbeit die eigentlich verbal unbeschreibliche Wirkung von Musik erfahren. Im späteren Verlauf meiner Ausführungen werde ich noch näher auf die Unterrichtsziele der SchülerInnen eingehen.

Damit das konzipierte Stundenziel verwirklicht werden kann, war zunächst wichtig, eine geeignete Methode zu wählen, die das Stundenthema der Filmmusik in den Unterrichtsinhalt geeignet eingliedern kann. Während der beschriebenen fachdidaktischen und fachwissenschaftlichen Vorüberlegungen trifft der kreative Student auf die verschiedensten Möglichkeiten. Mir war besonders wichtig, dass die SchülerInnen bereits am Anfang der Schulstunde aktiv am Unterrichtsgeschehen beteiligt werden und durch selbstständige Überlegungen z. B. anhand praktischer Darstellungen, das Thema Filmmusik eigenständig als neue Unterrichtseinheit erkennen und herleiten.

Ich habe mir dementsprechend überlegt, in welchen Zusammenhängen Kinder und Jugendlichen in ihrem Alltagsleben mit Filmmusik konfrontiert werden könnten. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden, die Schüler selbst überlegen zu lassen, in welchen alltäglichen Situationen sie zunächst generell mit Musik in Kontakt kommen. Die SchülerInnen haben mir die verschiedensten Bereiche und Alltagsumstände genannt, die für sie zutreffend sind. Vom Wecker, der sie morgens mit Musik aus dem Radio weckt, bis hin zum Shoppen gehen in diversen Kaufhäusern, wo Musik unser ständiger Begleiter ist (siehe Anhang 5.1.4). In diesem Kontext sollten die SchülerInnen zu der zentralen Schlussfolgerung gelangen, welch eine überdurchschnittlich große Rolle Musik in unserem alltäglichen Leben spielt. Faszinierend an dieser Stelle ist, dass wir die „erklingende“ Musik an den verschiedenen Orten oft gar nicht mehr bewusst wahrnehmen, da es fast selbstverständlich geworden zu sein scheint überall „beschallt“ zu werden. Die SchülerInnen waren demzufolge von mir angehalten, sich wiederholend bewusst zu machen, in welchen Situationen wir täglich mit Musik in Kontakt kommen. Die fachdidaktischen Vorüberlegungen zur Themeneinführung finde ich in sofern wichtig, da ich vermeiden wollte, dass die Kinder und Jugendliche lediglich frontal und ohne jegliche individuelle und alltagsorientierte Verbindung mit dem Thema konfrontiert werden. Die SchülerInnen sollten selbstständig eine Vorstellung davon entwickeln, welche Wirkung Musik besitzen kann und wie „still“ unsere Umwelt ohne sie wäre. Von diesem Gedanken geleitet sollte nun die Verbindung vom Rahmenthema Film und Musik, zu Filmmusik geschlossen werden. Weiterhin habe ich mich während meiner Vorüberlegungen aktiv mit einer qualitativen Veranschaulichung auseinandergesetzt. Mit einer geeigneten Illustration wollte ich den SchülerInnen aufzeigen, was Musik in uns bewirken kann. Mit diesem Einfall und der damit verbundenen Intention bin ich schlussendlich darauf gekommen, den SchülerInnen einen Filmausschnitt, OHNE die eigentlich im Hintergrund laufenden Musik zu zeigen. Von großer Bedeutung hinsichtlich der emotionalen Wirkung auf die SchülerInnen war, dass es sich um eine Szene handelt, in der die dazugehörige Musik unabkömmlich scheint. Ebenfalls musste es ein Ausschnitt sein, in dem die Musik die Stimmung und die Gefühle der Protagonisten der Szene verdeutlicht und nachhaltig unterstreicht. Mit all den genannten Vorbetrachtungen habe ich mich für einen Filmausschnitt aus „Pearl Harbor“ entschieden. In der Filmszene befindet sich das Liebespaar in einem Flugzeug, welches die unendlichen Weiten, des in verschiedenen Farben schimmernden Himmels, scheinbar frei von allem Einfluss der Welt, erkundet. Diese Szene, die vermeintlich als „Stummfilm“ keine besondere Wirkung zum Ausdruck bringt, habe ich den Jugendlichen, ohne die dazugehörige Musik vorgespielt. Die Aufgabe der SchülerInnen bestand darin, mir im Nachhinein zu schildern, wie sie die Filmszene empfunden haben. Anhand der Schülerantworten konnte ich feststellen, dass der Filmausschnitt ohne Musik sehr unterschiedlich interpretiert wurde. Aufgrund der Schülerfeedbacks fand ich eine positive Bestätigung meiner fachdidaktischen Vorüberlegungen. Während meiner Unterrichtsvorbereitung habe ich mir weiterführend überlegt, die ausgewählte Szene mit verschiedenen „Musikgegnern“ zu unterlegen. Das Ziel dieser Überlegung ergibt sich dahingehend, den SchülerInnen das „Phänomen“ der Wirkung von Musik im Film so realistisch wie möglich zu vermitteln. Denn allein die Musik ist ausschlaggebende für die „richtige“ Interpretation der Filmszene. Bevor ich den SchülerInnen im weiteren Unterrichtsverlauf die Originalszene präsentiert habe, hatte ich mir in meiner Vorbereitung überlegt, dass noch ein weiterer interessanter Aspekt zu betrachten wäre. Für mich stellte sich in diesem Zusammenhang die Frage, was passiert, wenn man die gewählte Szene mit „falscher“, extrem gegensätzlicher Filmmusik unterlegen würde? Ich habe demnach zwei sehr kontrastreiche Musikbeispiele ausgewählt und sie als scheinbare Filmmusik zu dem Ausschnitt eingespielt. Meine Vermutungen haben sich durch die Reaktionen der SchülerInnen auch diesbezüglich bestätigt. Die SchülerInnen schätzten aus individuellen Empfindungen die von mir gewählten „falschen“ Hintergrundmusiken als ehr „unpassend“ zur gezeigten Filmszene ein. Dieser Versuch kann demnach Folgendes bestätigen: Jeder Mensch, in dem Fall jeder Schüler, verbindet mit einer Filmszene eine gewisse, individuell, auf die Szene zutreffende Emotion. Nach dieser Gemütsbewegung wählt der Zuschauer, für ihn selbst gar unbewusst, eine dazu adäquate Musik aus – oder beschließt, für sich selbst, die gehörte Musik als unpassend zu bewerten. Meine Vorüberlegungen haben sich aufgrund der vorliegenden Schülerantworten und persönlichen Erfahrungen nachweislich bewähren können. Mit dem beschriebenen kleinen „Einführungsexperiment“ konnte ich die SchülerInnen erfolgreich motivieren, sich praktisch mit der Wirkung von Musik im Zusammenhang mit einem Spielfilm auseinander zusetzen. Daraufhin war es möglich, dass die SchülerInnen selbstständig das neue Unterrichtsthema der Filmmusik herleiten konnten. Doch nicht nur diesen Aspekt haben die Kinder eigenständig erkannt. Ferner, dass Musik in Filmen, persönliche und individuelle Gefühle sowie Stimmungen widerspiegeln und verstärken kann, haben die Jugendlichen autonom erfahren können.

Durch diese ausführlichen und durchdachten Vorbetrachtungen konnte ich die Unterrichtsstunde audiovisuell und damit sehr anschaulich und interessant für die SchülerInnen gestalten. Um das Handlungsmuster meinerseits nicht gleichbleibend zu arrangieren, habe ich mir überlegt, dass nach einer sehr aktiven und abwechslungsreichen Unterrichtsphase eine „ruhigere“, eher lehrerzentrierte Einheit ohne Bedenken folgen kann.

Nachdem das Thema allen SchülerInnen bekannt war und der Begriff der Filmmusik definiert wurde (siehe Anhang 5.1.1.2), war mein Stundenziel, den SchülerInnen die Geschichte und die Entstehung der Filmmusik mit den wichtigsten und ausschlaggebenden Fakten darzulegen. Vor der Unterrichtsstunde habe ich verschiedene Möglichkeiten durchdacht, wie ich einen für die Kinder interessanten Lehrervortrag gestalten kann. Vor allem war es mir wichtig, dass die SchülerInnen in erster Linie zuhören und sich insbesondere nicht durch die Gefahr des

„Nichtstun“ eine anderweitige Beschäftigung suchen. Hier erschien es mir am geeignetsten, einen Lückentext für die SchülerInnen zusammenzustellen (siehe Anhang 5.1.2.1). Dieser sollte von den SchülerInnen während meiner Ausführungen über die Entstehung der Filmmusik ergänzt werden. Natürlich muss als schülerorientierter Lehrer bedacht werden, dass nicht alle Schüler den gesamten Lückentext während des Lehrervortrages komplett vervollständigen werden, was unter anderem durch ein unterschiedlichen Lerntempo begründet werden kann Diese Tatsache empfinde ich keinesfalls als negativ. Mein persönliches Anliegen war es vorrangig, dass alle SchülerInnen aufmerksam dem Textvortrag folgen. Aus diesem Grunde habe ich eine entsprechende Folie vorbereitet, worauf der Lückentext mit den fehlenden Worten zu lesen war (siehe Anhang 5.1.2.2). Die zu ergänzenden Worte habe ich „fett“ hervorgehoben. Demzufolge bestand die Möglichkeit, nach meinem Vortrag gemeinsam mit den SchülerInnen den Lückentext zu vergleichen. Durch diese Variante konnte ich sichergehen, dass alle SchülerInnen am Ende der Unterrichtsstunde einen richtigen und vollständigen Text über die Entstehung der Filmmusik in ihrem Hefter hatten.

Auf meinen dritten Gliederungspunkt meines Unterrichtsentwurfes, die Festigung und Anwendung neu gelernten Stoffes werde ich im weiteren Verlauf meiner Arbeit eingehen.

Zusammenfassend möchte ich an dieser Stelle festhalten, dass eine fachspezifische Vorüberlegung zu einer festen Stundeneinheit für die Lehrperson unablässig ist. Bei der detaillierten Stundenvorbereitung sollte zum einen ausreichend viel Zeit eingeplant werden. Andererseits ist es sehr entscheidend, seine Ziele hinreichend und vor allem realistisch zu fixieren. Weiterhin sollte hinreichend didaktisch orientiertes Wissen über die handlungsorientierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der betreffenden Schulstufe vorliegen. Ebenso sollte der motivierte Lehrer einen Überblick darüber habe, was er von den SchülerInnen fachlich erwarten und verlangen kann. Die gedanklichen Vorbetrachtungen auf eine Unterrichtseinheit helfen sehr, eine abwechslungsreiche und gut strukturierte Stunde zu planen und vorzubereiten. Mit einer dementsprechenden Unterrichtsdisposition kann mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl ein fließender als auch qualitativ hochwertiger Unterrichtsverlauf abgesichert werden.

1.4 Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler

Nachdem ich ausführlich die fachdidaktischen und fachwissenschaftlichen Vorüberlegungen diskutiert und dargelegt habe, möchte ich im Weitern Verlauf meiner Arbeit detaillierter auf die Lernvoraussetzungen der SchülerInnen eingehen. Die Lernvoraussetzungen waren in meiner Klassestufe von verschiedenen Faktoren abhängig. Eine durchaus positive Voraussetzung war durch den sehr umfangreich ausgestatteten Klassenraum gegeben. Der Musikraum war ein großer, heller und freundlicher Raum. Er vermittelte sowohl mir als auch den SchülerInnen den Eindruck von viel Freiheit und künstlerischem Schaffensraum. Ebenfalls sehr wichtig für ein qualitatives und effektives Lernen empfand ich das Vorhandensein verschiedener audiovisueller Medien, die das Lernklima positiv unterstützten. Der betreffende Musikraum bot eine Vielzahl solcher Möglichkeiten. Eine große Tafel und ein Flügel waren Zentrum des Klassenzimmers. Zudem war der Unterrichtsraum mit modernen Lautsprecherboxen ausgestattet, die mit einer Musikanlage verbunden waren. Zusätzlich war ein Computer vorhanden, mit dem ein Beamer betrieben werden konnte, dessen Bild auf einer großen herausziehbaren Leinwand projiziert wurde. Ein weiterhin sehr praktisches und leicht zu bedienendes Unterrichtsmittel, welches zur Veranschaulichung unterschiedlichster Lerninhalte beitragen kann, ist der Polylux. Auch dieser stand dem Musiklehrer zur Verfügung. Durch die Verwendung eines Overheadprojektors besteht die Möglichkeit Zeit im Unterricht „zu sparen“, die wiederum zum effektiven Arbeiten mit den SchülerInnen verwendet werden kann. Auch längere Texte können dadurch gemeinsam gelesen werden. Ebenfalls besteht die Handhabe, diverse Lösungen mit den SchülerInnen zusammen und übersichtlich zu kontrollieren. Gerade im Musikunterricht ist es sehr effektiv und von großer Bedeutung, dass für eine optimale Lerneinstellung und ein souveränes Lernverhalten der SchülerInnen die Medien regelmäßig zum Einsatz kommen. Die Klassenstärke lag bei insgesamt 26 Schülern und Schülerinnen. Davon waren 17 Mädchen in der Klasse und 9 Jungen. Ich denke sagen zu können, dass die durchschnittliche Klassenstärke in einer Gymnasialklasse in Sachsen-Anhalt sich etwa in diesem Bereich bewegt. Dies sollte allerdings auch die oberste Grenze darstellen. Es fällt sehr schnell auf, dass viele SchülerInnen stark dazu neigen, sich gegenseitig abzulenken. Mit 17 Mädchen, bei einer Gesamtschülerzahl von 26, ist das Verhältnis nicht ausgewogen. Reflektierend denke ich jedoch, dass dies keinen relevanten oder gar negativen Einfluss hinsichtlich auf die Lernvoraussetzungen der SchülerInnen mit sich bringt.

Zudem stand den Jugendlichen eine Vielzahl von verschiedenen Musikinstrumenten zur Verfügung. Durch die umfassende Auswahl bestand die Möglichkeit, unterschiedliche musikalische Sachverhalte anschaulich zu erläutern. Des Weiteren besaß jeder Schüler sein eigenes Musikbuch, was leider in den meisten Fällen nicht mehr vorausgesetzt werden kann. Dies ist sehr förderlich für das Lernverhalten und die individuelle Wissensvermittlung. Meistens wird in dem Fach Musik von der Schule lediglich ein Klassensatz zur Verfügung gestellt. Da jeder Schüler ein eigenes Buch aufweisen konnte, welches er auch mit nach Hause zu nehmen vermag, bestand die Option mit den SchülerInnen aktiv das Schulbuch zu nutzen. Somit konnte gegebenenfalls zu Hause ein bestimmtes Themengebiet nachgearbeitet oder aufbereitet werden. Ebenfalls ist erdenklich, Hausaufgaben für die nächste Stunde aufzugeben und im weiteren Stundenverlauf gemeinsam zu vergleichen. Dieser Sachverhalt führt unumgänglich zu der Annahme, dass die SchülerInnen sich dadurch auch außerhalb der Unterrichtszeit mit dem aktuellen Thema aus dem Musikunterricht beschäftigen (können).

Im Großen und Ganzen ist die Lernvoraussetzung der Schüler auf einem angehobenen Niveau anzusiedeln. Natürlich bleibt die Verantwortung, den bestehenden Fähigkeiten der SchülerInnen weiterzuentwickeln, bei dem motivierten Musiklehrer. Er ist in der anspruchsvollen Position effektiv zu entscheiden, welche der verschiedenen Varianten die einem zur Verfügung stehen, genutzt werden sollen, um fortführend qualitativ hochwertige Lernvoraussetzungen für die SchülerInnen zu manifestieren.

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Details

Seiten
51
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656534938
ISBN (Buch)
9783656537878
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231444
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Musik
Note
1,0
Schlagworte
Filmmusik Unterrichtsentwurf Ausführlicher Stundenentwurf Musik Unterrichten Gymnasium

Autor

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Titel: Unterrichtsstunde: Filmmusik schülerorientiert unterrichten