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Deutsche Wörter im Polnischen als Spiegel der deutsch-polnischen Geschichte

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Typologisierung der Lehnprozesse

2. Quantitative Betrachtung

3. Diachrone Betrachtung
3.1. Vor- und frühpolnische Periode (700-1150)
3.2. Altpolnische Periode (1150-1500)
3.3. Mittelpolnische Periode (1500-1750)
3.4. Neupolnische Periode (1750-1945)
3.5. Gegenwart (1945-2010)

Schlussbemerkungen

Quellenverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll der Frage nachgehen, wie Germanismen ins Polnische kamen und was ihr Vorhandensein noch heute über die Geschichte und die gemeinsamen Kontakte der beiden Nachbarländer aussagt.

Im ersten Kapitel werde ich dementsprechend beschreiben, auf welche Arten deutsche Wörter in die polnische Lexik gelangten.

Das darauffolgende Kapitel wird einen quantitativen Überblick über Lehnwörter im Polnischen geben. Der Stellenwert des Deutschen gegenüber anderen Gebersprachen (wie dem Lateinischen oder Französischen) soll hierbei kurz in den Blick genommen werden.

Das dritte und umfangreichste Kapitel schließlich wird die deutschen Lehnwörter unter qualitativem Aspekt untersuchen. Ziel soll es dabei nicht sein, eine vollständige Aufzählung deutschen Lehnguts im polnischen Wortschatz zu liefern. Vielmehr soll anhand einer exemplarischen Auswahl gezeigt werden, wie sich historische Ereignisse und vergangene Sprachkontakte noch in der heutigen Sprache widerspiegeln. Zu diesem Zweck ist das dritte Kapitel in fünf Unterkapitel eingeteilt, von denen jedes einen Zeitabschnitt behandelt, beginnend im 8. Jahrhundert und endend im Jahr 2011. Es werden Entlehnungen eines jeweiligen Zeitabschnitts aufgelistet und gegebenenfalls wird auf die „Geschichte“ eines speziellen Wortes eingegangen.

In den Schlussbemerkungen werden schließlich die Ergebnisse nochmals kurz besprochen.

Abkürzungen

Der Ökonomie halber werde ich in der Hausarbeit folgende Abkürzungen verwenden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Andere Abkürzungen (wie z. B. Grimm) beziehen sich auf den Autor und lassen sich im Quellenverzeichnis nachschlagen.

1. Typologisierung der Lehnprozesse

Dieses Kapitel soll der Frage nachgehen:

Was sind eigentlich deutsche Wörter im Polnischen?

Ich möchte hierbei nicht auf die sprachwissenschaftliche Unterscheidung von Lehn- und Fremdwort eingehen, sondern stattdessen (entsprechend der historisch-pragmatischen Orientierung der Hausarbeit) die verschiedenen Möglichkeiten des deutsch-polnischen Kontakts näher betrachten. In Anlehnung an Czarnecki werde ich hierbei zwei Arten unterscheiden: den direkten Sprachkontakt und den indirekten Sprachkontakt.

1.1. Der direkte Sprachkontakt

Tomasz Czarnecki gibt folgende Definition:

Der direkte Kontakt ist der Kontakt der deutschsprechenden Menschen mit den polnischsprechenden Menschen in polnischen / deutschen Gebieten.[1]

Ein solcher Kontakt war häufig in der deutsch-polnischen Geschichte gegeben. Er führte dazu, dass das Polnische sich zahlreiche Entlehnungen aus der deutschen Lexik aneignete. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die deutsche Lexik keineswegs nur „urdeutsche“ Wörter umfasste. Denn auch das Deutsche hatte bereits Lehnwörter aus anderen Sprachen übernommen, die es nun an das Polnische weitergeben konnte. Dementsprechend lassen sich bei den deutschen Entlehnungen im Polnischen die etymologisch deutschen von den etymologisch nicht-deutschen Wörtern unterscheiden.

a) Etymologisch deutsche Wörter

Ein originär deutsches Wort kommt durch direkten deutsch-polnischen Sprachkontakt ins Polnische. So zum Beispiel:[2]

mhd. rât-hûs à poln. ratusz (ab 1462)

nhd. Feuerwerk à poln. fajerwerk (ab 1675)

Eggers und Hentschel, die sich sehr intensiv mit der Problematik deutscher Lehnwörter im Polnischen auseinandersetzen, schreiben zu diesen Entlehnungsfällen:

Ein genuines Element des deutschen Wortschatzes, d. h. ein Wort, welches selbst im Deutschen nicht den Status eines Lehnwortes hat und ohne die Vermittlung einer dritten Sprache ins Polnische überging, ist ein deutsches Lehnwort par excellence. Hier sind beide Kriterien erfüllt: erstens, Etymologie, zweitens, der schon angesprochene direkte, unmittelbare Sprachkontakt.[3]

Und in der Tat finden sich auch ausschließlich diese „Lehnwörter par excellence“ im Wörterbuch der deutschen Lehnwörter in der polnischen Schrift- und Standardsprache. Da dieses Wörterbuch eine der Hauptquellen der vorliegenden Arbeit war, werden sich auch die Beispiele im dritten Kapitel hauptsächlich (aber nicht ausschließlich) auf diesen Entlehnungstyp stützen.

b) Etymologisch nicht-deutsche Wörter

Hier fungiert das Deutsche als Vermittlersprache, z. B. zwischen dem Lateinischen und dem Polnischen:

lat. mūrus à ahd. mūra (8. Jh.) / mhd. mūr(e) à pl. mur

Der Status „deutsches Wort im Polnischen“ ist hier durchaus gerechtfertigt, allerdings nicht durch die Wortherkunft, sondern allein durch den Vermittlungsweg (der oftmals auch spezifische Spuren hinterlässt, wie das nächste Beispiel herb zeigen wird).

[...]


[1] Czarnecki (2005) „Zum Einfluss der Dialekte des Deutschen auf das Polnische“, S. 48.

[2] Vgl. WDLP .

[3] Eggers / Hentschel (1987) „Lehnwort ‑ Sprachkontakt ‑ Etymologie“, S. 218.

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656478560
ISBN (Buch)
9783656479147
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231484
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Slawistik
Note
1,0
Schlagworte
deutsche wörter polnischen spiegel geschichte

Autor

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