Lade Inhalt...

Modelle, Methoden und Gelingensbedingungen für den Einsatz von digitalen Medien in der Schule

von Rene Schien (Autor)

Examensarbeit 2013 61 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorstellung und Legitimation des Themas
1.2 Ziel dieser Arbeit
1.3 Überblick über den Aufbau dieser Arbeit
1.3.1 Einleitung
1.3.2 Erster Theorieteil: Generelle Übersicht über das Themenspektrum
1.3.3 Zweiter Theorieteil: Kritische Beleuchtung
1.3.4 Fazit und Empfehlungen

2. Entwicklung der Neuen Medien und deren Bedeutung in unserer Gesellschaft
2.1 Geschichtliche Entwicklungen der Neuen Medien
2.2 Die Bedeutung digitaler Medien für unsere Gesellschaft

3. Neue Medien im Schuleinsatz
3.1 Die Situation an den Schulen
3.2 Kommende Forschungsergebnisse

4. Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien in der Schule
4.1 Schulische Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien
4.1.1 Nutzungsmöglichkeiten der Neuen Medien in der Schule - Offline
4.1.2 Nutzungsmöglichkeiten der Neuen Medien in der Schule - Online
4.1.3 Die Verschiedenen Ebenen des digitalen Lernens
4.2 Eigens entworfene Umsetzungsbeispiele
4.2.1 Beispiel: offline- Lernumgebung
4.2.2 Beispiel: offline- Tonaufnahme

5. Aspekte für einen erfolgreichen Einsatz von Neuen Medien
5.1 Der Mehrwert des Medieneinsatzes
5.1.1 Ist ein Mehrwert vorhanden?
5.1.2 Beispielhafte Mehrwerte des Faches Mathematik
5.1.3 Exemplarische Suche nach Mehrwerten anhand eines Beispiels
5.2 Weitere zu beachtende Aspekte
5.2.1 Konsequentes Arbeiten
5.2.2 Strukturieren und Durchdenken des Lernprozesses
5.2.3 Eine gute Vorbereitung ist essentiell wichtig

6. Bedingungen für eine Implementierung digitaler Medien in der Schule
6.1 Lehrerausbildung
6.2 Schulbedingungen
6.2.1 Elementare schulische Gelingensbedingungen
6.2.2 Weitere schulische Gelingensbedingungen
6.2.3 Schulische Misslingensbedingungen
6.3 Die Bildungspläne
6.3.1 Bildungsplan Grundschule:
6.3.2 Bildungsplan Werkrealschule:

7. Kompetenzentwicklung und Lernergebnisse
7.1 Auswirkungen auf die Fachleistungen
7.2 Auswirkungen auf überfachliche Kompetenzen

8. Fazit und Empfehlungen
8.1 Eigene Erfahrungen im Umgang mit Neuen Medien:
8.1.1 Erfahrungen durch den Einsatz digitaler Medien
8.1.2 Erfahrungen mit der technischen Ausstattung an Schulen
8.2 Optimierung der Implementierungsbedingungen
8.2.1 Zur Lehrerausbildung
8.2.2 Zu den Schulbedingungen
8.2.3 Zu den Bildungsplänen
8.3 Zukünftige Entwicklungen digitaler Medien in Schule und Gesellschaft
8.4 Abschließendes Fazit

9. Literatur & Quellenverzeichnis

10. Erklärung
10.1 Verbindliche Versicherung
10.2 Einverständniserklärung

1. Einleitung

1.1 Vorstellung und Legitimation des Themas

Die von mir verfasste Zulassungsarbeit trägt den Titel Modelle, Methoden und Gelingensbedingungen für den Einsatz von digitalen Medien in der Schule. Das Thema wurde von mir selbst gewählt und war gleichzeitig meine erste Wahl. Schon in vorigen Semestern war ich gerne in diesem Themenbereich tätig und habe dabei auch eine recht umfangreiche und professionelle digitale Lernumgebung für den Mathematikunterricht entworfen und programmiert. Ebenso ist mir der praktische Einsatz von digitalen Medien im Unterricht alles andere als fremd. So habe ich in vielen meiner Tages- und Blockpraktika erfolgreich Gebrauch von digitalen bzw. Neuen Medien gemacht und deren Einsatz ausführlich reflektiert.

Innerhalb dieser Arbeit wird die Bedeutung des Begriffs Neue Medien mit der Bedeutung des Begriffs digitale Medien und Digitalmedien gleichgesetzt und die Begriffe werden als Synonyme verwendet. Nach Ratzke sind die Neuen Medien »alle Verfahren und Mittel (Medien), die mit Hilfe neuer oder erneuerter Technologien neuartige, also in dieser Art bisher nicht gebräuchliche Formen von Informationserfassung und Informationsbearbeitung, Informationsspeicherung, Informationsübermittlung und Informationsabruf ermöglichen« (Ratzke 1982: 14).

Neue Medien bezeichnen also die aktuellen und neuartigen Medientechniken der jeweils letzten Jahre. In früheren Jahren war daher mit Neuen Medien z. B. das Radio, der Fernseher oder der Videotext gemeint. Heutzutage beschreibt der Begriff Neuen Medien, genauso wie der Begriff der digitalen Medien, sämtliche digitale, elektronische und interaktive Medien wie beispielsweise das Internet, E-Mails, DVDs oder soziale Netzwerke. Typische Merkmale der Neuen Medien sind eine rechnergestützte Handhabung, das Nutzen von digitalen Daten sowie ein interaktiver Umgang mit dem Medium. (vgl. Wikipedia 2013: Neue Medien)

Digitale Medien sind in unserer Gesellschaft momentan in aller Munde und haben einen großen Einfluss auf unser alltägliches Leben. Für viele Menschen stellt die Nutzung der Neuen Medien einen wichtigen Bestandteil ihres Lebens dar.

Dabei sind digitale Medien nicht nur ein Spielzeug zur Unterhaltung. Sie haben uns auch gänzlich neue Wege eröffnet, um miteinander in Kontakt zu treten, zu kommunizieren und uns zu organisieren. Aus den neu entstandenen Bedürfnissen, welche die modernen Digitalmedien in unserer Gesellschaft hervorgerufen haben, sind gar unzählige Firmen emporgestiegen, von denen einige mittlerweile zu den weltweit größten und erfolgreichsten Konzernen gehören.

Die Dauerpräsenz und Bedeutung der Neuen Medien in unserer Gesellschaft wirkt sich nun immer mehr auf den Schulunterricht aus. Dies geschieht in mehrerer Hinsicht. So spielt die Medienerziehung innerhalb des Schulgebäudes eine immer zentralere Rolle, um die Kinder optimal auf die gewissenhafte und korrekte Nutzung und Benutzung digitaler Medien vorzubereiten (vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2012: 45).

Im März 2012 hat die Kultusministerkonferenz gefordert »die Medienbildung als Pflichtaufgabe schulischer Bildung nachhaltig zu verankern« (Kultusministerkonferenz 2012: 3).

Ebenso wird die Medienkompetenz inzwischen als neue Kulturtechnik neben den klassischen Kulturtechniken anerkannt (vgl. ebd.: 4).

Desweiteren bieten sich Lehrern und Lehrerrinnen immer mehr Optionen, um die Stärken der Neuen Medien zur besseren Lerninhaltsvermittlung in ihren eigenen Unterricht einzubauen und so die Lernergebnisse ihrer Klasse zu steigern. Nicht zu vergessen ist zweifelsohne ein schulischer Einsatzbereich, der in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen hat. So bieten immer bessere online Lernplattformen zahlreiche Möglichkeiten, um ganz neue Organisations- und Kommunikationsmöglichkeiten innerhalb einer ganzen Schule oder auch nur einer einzelnen Klasse zu schaffen.

Diese drei Bereiche, also die Medienerziehung (die Ausbildung von Medienkompetenz), der sinnvolle Einsatz von digitalen Lernumgebungen und Programmen, sowie der Gebrauch von online Lernplattformen, sind die wohl bedeutsamsten Einsatzgebiete der Neuen Medien in der Schule.

Auch wenn diese Bereiche in den letzten Jahren mehr Einfluss auf die Arbeit an unseren Schulen haben, so sind wir von einer flächendeckenden und umfassenden Umsetzung immer noch weit entfernt, was auch neuere Studien belegen (vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2012: 45). So hinkt Deutschland im internationalen Vergleich sehr weit hinterher, obwohl wir eine der führenden Industrienationen sind (vgl. Eickelmann 2009: 11).

Meine Arbeit soll nun den aktuellen Stand der Erkenntnisse zusammenfassen und vor allem schulische Voraussetzungen, generelle Gelingensbedingungen, sowie Mittel und Wege aufzeigen, um Neue Medien erfolgreich in den Unterricht an deutschen Schulen zu integrieren.

1.2 Ziel dieser Arbeit

Hauptziel dieser Arbeit ist es, dem Leser aufzuzeigen welche Gelingensbedingungen vorliegen müssen, um digitale Medien sinnvoll und nutzbringend in den Schulunterricht zu integrieren. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf schulische Bedingungen, die Lehrerausbildung und den Bildungsplan gelegt. Dem Leser wird aber auch erläutert, auf welche Aspekte die Lehrperson beim Einsatz von Digitalmedien zu achten hat.

Desweiteren soll die Situation an den deutschen Schulen festgehalten und ein breiter Überblick über das gesamte Spektrum der Einsatzmöglichkeiten von Neuen Medien im Schulalltag gegeben werden.

Letztendlich soll dem Leser dieser Arbeit so das notwendige Wissen vermittelt werden, um im Unterricht selbst digitale Medien mit einem hohen und modernen Standard einzusetzen und mögliche Stärken, Schwächen und Probleme schon bei der Unterrichtsplanung zu erkennen.

1.3 Überblick über den Aufbau dieser Arbeit

Diese wissenschaftliche Hausarbeit ist insgesamt in acht Kapitel aufgeteilt. Jedoch lassen sich diese acht Kapitel zu vier großen Themenblöcken zusammenfassen.

1.3.1 Einleitung

Dieser Themenblock bildet die Einleitung und enthält auch nur das erste Kapitel.

1.3.2 Erster Theorieteil: Generelle Übersicht über das Themenspektrum

Im zweiten Themenblock soll zuerst ein kleiner geschichtlicher Rückblick auf die allgemeine Entwicklung der digitalen Medien geworfen werden. Danach wird die reale Situation an Deutschlands Schulen beleuchtet.

Abschließend wird dem Leser zum einen ein grundlegender und umfassender Überblick über das Spektrum der Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien im Schulunterricht gegeben, zum anderen sollen zwei komplexe Umsetzungsbeispiele veranschaulicht werden.

In diesem Block befinden sich die Kapitel zwei bis vier.

1.3.3 Zweiter Theorieteil: Kritische Beleuchtung

Nachdem der Leser im ersten Theorieteil an das Thema herangeführt wurde, sollen nun die Gelingensbedingungen und wichtigen Aspekte beim Medieneinsatz in den Vordergrund rücken. Es wird nun kritisch beleuchtet, welche Voraussetzungen vorherrschen müssen um überhaupt Neue Medien sinnstiftend in der Schule zu integrieren. Ebenso wird ausführlich behandelt, was einen erfolgreichen Einsatz von digitalen Medien ausmacht. Dies wird zusätzlich an einem Beispiel durchgespielt.

Die Kapitel fünf bis sieben formen diesen zweiten Theorieteil.

1.3.4 Fazit und Empfehlungen

Im letzten Themenblock werden konkrete Vorschläge ausgesprochen und ein Fazit gezogen.

Dieser Block findet im achten Kapitel Platz.

2. Entwicklung der Neuen Medien und deren
Bedeutung in unserer Gesellschaft

In diesem Kapitel soll nun zuerst ein Blick auf die bisherige Entwicklung der digitalen Medien geworfen werden und deren generelle Möglichkeiten und Risiken für unser Leben eingeordnet werden.

Desweiteren wird die Bedeutung, Benutzung und der Einfluss der Neuen Medien auf unsere Gesellschaft beleuchtet. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da das letztendliche Ziel der Schulen das Ausbilden eines mündigen Bürgers ist, welcher sich in unserer modernen Gesellschaft zurechtfindet (vgl. Detjen 2007: 5). Um dieses Ziel erreichen zu können, muss selbstverständlich die Realsituation in unserer Gesellschaft festgemacht werden um passende Ziele formulieren zu können.

2.1 Geschichtliche Entwicklungen der Neuen Medien

Wie in Unterkapitel 1.1 schon erwähnt, besitzen digitale Medien im Regelfall drei Merkmale:

Eine rechnergestützte Handhabung, das Nutzen von digitalen Daten und ein interaktiver Umgang mit dem Medium (vgl. Wikipedia 2013: Neue Medien). Je nach Medium können diese drei Merkmale natürlich unterschiedlich stark ausgeprägt sein (z. B. ist eine Lernumgebung oder ein Computerspiel wesentlich interaktiver als eine DVD).

Diese drei Merkmale treffen in der heutigen Zeit sicherlich auf viele Medien die wir Nutzen zu: soziale Netzwerke, das Internet, Lernprogramme bzw. Lernumgebungen, Computerspiele, PC- Programme, Netbooks, Tablet- Computer, Smartphones, DVDs, Videotelefonie. Die Liste könnte nahezu endlos fortgesetzt werden.

Doch noch vor einigen Jahren, war das Feld der digitalen Medien deutlich dünner gesät und befand sich noch im Entstehungsprozess.

Nach Kammers Aussage im Handbuch der Mediengeschichte ist die »Geschichte der Digitalmedien [...] in erster Linie die Geschichte des Computers« (Kammer 2001: 219).
Somit kann man die Erfindung des ersten Digitalcomputers durchaus als den Anfang aller Neuen Medien ansehen. Im Mai 1941 war es Konrad Zuse, der mit seinem Zuse Z3 Digitalrechner diesen Grundstein legen konnte. Da der Originalrechner damals einem Bombenangriff zum Opfer fiel, ist heute nur noch ein 1962 angefertigter Nachbau im Deutschen Museum in München existent. (vgl. Wikipedia 2013: Zuse Z3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Zuse Z3 (Wikipedia 2013: Zuse Z3)

Im weiteren Verlauf der Geschichte wurden die ursprünglich sehr großen und schwer bedienbaren Rechner immer kleiner und benutzerfreundlicher. Als nächster Meilenstein kann wohl der Erste, für den Privatgebrauch gedachte Heimrechner (auch Personal Computer genannt) angesehen werden. Edmund C. Berkeley entwarf mit dem Computer Simon 1949 den ersten tatsächlich für den Heimgebrauch gedachten Computer. Immerhin 400 Stück konnten innerhalb der ersten zehn Jahre verkauft werden. Nahezu im Jahresrhythmus wurden nun ab den 60er Jahren immer bessere, praktischere und erschwinglichere Personal Computer veröffentlicht. Besonders hervorzuheben sind hier wohl der Apple I (1976), der Apple II (1977), der IBM PC (1981), der Commodore C64 (1982) und der Apple Macintosh (1984). Mit diesen Rechnern stieg sowohl die Akzeptanz für diese neue Technik, als auch die Verkaufszahlen erheblich an und es war der Grundstein

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Commodore C64 (ausgestellt in der PH Freiburg)

zum modernen Personal Computer (PC) gelegt. Während der nächsten Jahre und Jahrzehnte wurde die Technik, die Software und Benutzerfreundlichkeit der Personal Computer nun immer weiter vorangetrieben. Parallel dazu entwickelten sich die ersten, für den Heimgebrauch sinnvollen, kompakten Notebooks. Heute im Jahr 2013 sind am Markt hauptsächlich sechs Arten von Computern gängig.
Der klassische Desktop Rechner, das Standard- Notebook, der Tablet- PC (Bedienung des Computers über einen berührungsempfindlichen Bildschirm), das Ultrabook (besonders lange Akkulaufzeit, weitere von Intel bestimmte Standards), das Subnotebook (recht kleines, kompaktes und leichtes Notebook) und das Netbook (sehr klein und leicht, hauptsächlich zur Internetnutzung gedacht).
(vgl. Wikipedia 2013: Computer; Wikipedia 2013: Commodore 64; Wikipedia 2013: Notebook)

Doch nicht nur die Entwicklung des Computers, hat zu all den heute bekannten digitalen Medien geführt. Gleichzeitig zur Weiterentwicklung der Personal Computer spielte eine weitere fundamentale Entwicklung eine große Rolle; Das Internet.

Die ersten Grundlagen für das heutige Internet wurden tatsächlich schon in den 1960er Jahren gelegt. Gesellschaftlich wirklich relevant wurde das Internet aber erst in den 1990er Jahren. Hieran hatte vor allem Internetpionier Tim Berners- Lee großen Anteil. Bis zum Jahre 1989 war die Informationsmasse im Internet sehr ungeordnet und unüberschaubar, da es noch keine vereinheitlichten Standards gab. So entwickelte Tim Berners- Lee (ursprünglich zur einfacheren Kommunikation unter Wissenschaftlern weltweit) eine Seitenbeschreibungssprache (HTML; Hypertext Markup Language) und das zugehörige Transferprotokoll (HTTP; Hypertext Transfer Protocol). Hieraus entwickelte sich das World Wide Web (WWW). Sowohl HTML als auch das Protokoll HTTP haben heute noch Bestand und bilden die Basis unseres Internets. Auf dem Weg zur Jahrtausendwende hin, erfuhr das Internet einen enormen Zuwachs und wurde zum festen Bestandteil in unserer Gesellschaft. (vgl. Wikipedia 2013: Geschichte des Internets; Wikipedia 2013: Tim Berners-Lee)

Einer Untersuchung von Hilbert und López zur Folge, nahmen die, über das Internet übertragene und weltweit ausgetauschten Informationen (in Bytes) rasant zu. Während 1993 nur 1% des gesamten Informationsaufkommens über das Internet übertragen wurde, waren es im Jahre 2000 schon 51% und im Jahre 2007 gar 97%. (vgl. Hilbert & López 2011: 60- 65)

Diese beiden betrachteten geschichtlichen Entwicklungen, also der Computer und das Internet, bilden zusammen das Fundament der modernen Digitalmedien und treten auch häufig gemeinsam auf, wenn wir Neue Medien nutzen.

2.2 Die Bedeutung digitaler Medien für unsere Gesellschaft

»Deutschland und die Industrienationen befinden sich inmitten eines langen Übergangsprozesses von einer „Industriegesellschaft“ zu einer „Informationsgesellschaft“. Ökonomische, soziale und kulturelle Strukturen unserer Gesellschaft sind im Wandel begriffen. Manche Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vergleichen die zu erwartenden Auswirkungen dieses Wandels sogar mit der epochalen Zäsur, die die Industrielle Revolution des vergangenen Jahrhunderts bedeutete. Schon heute ist die digitale Informationsverarbeitung eine der Schlüsseltechnologien in unserer Gesellschaft. Die neuen Informationstechnologien haben nicht nur in der Produktion einen enormen Innovationsschub verursacht, internetfähige Systeme unterstützen Kunden und Anbieter bei der Auftragsbearbeitung, ermöglichen ein weltweites Handeln, verbessern den Service und verringern die Betriebskosten. Computerkenntnisse und Kompetenzen im Umgang mit neuen Medien werden deshalb heute in vielen Berufen vorausgesetzt, bzw. sie werden sich zu entscheidenden Einstellungskriterien entwickeln. [...] Die digitale Welt verändert sukzessiv unsere Wahrnehmung, unsere Sprache, unsere Art zu schreiben, und nicht zuletzt unsere Art zu denken.« (Straub 1997: 2)

Dieser Auszug von Straub zeigt die enorme Bedeutung digitaler Medien für unser Zeitalter. Obschon dieser Text aus dem Jahre 1997 recht alt ist, umschreibt er die immer noch andauernden Prozesse recht gut, wobei die von Straub angesprochenen Aspekte heutzutage noch mehr in den Vordergrund rücken.

Mittlerweile sind vor allem durch Entwicklungen wie Smartphones, soziale Netzwerke, Twitter oder Instant Messenger wie Skype nochmals gänzlich neue, sehr bedeutende Formen von Neuen Medien aufgetretenen, welche das Leben vieler Jugendlichen aber auch Erwachsenen stark mit beeinflussen.

Die offizielle Statistik des größten sozialen Netzwerkes Facebook weist inzwischen unglaubliche 1 Milliarden monatlich aktive Nutzer aus (weltweit, Stand Oktober 2012) (vgl. Facebook 2013: Key Facts).

Deutschland alleine hatte Ende 2011 22,1 Millionen Facebook Nutzer. Demnach rund ein Viertel der gesamten deutschen Bevölkerung. (vgl. Wikipedia 2013: Facebook)

Für viele, sehr aktive Nutzer spielt sich mittlerweile sogar ein Großteil ihres gesellschaftlichen Lebens in sozialen Netzwerken ab. Es wird sich vernetzt, kommuniziert und in Gruppen organisiert.

Jedoch bergen die Neuen Medien, ganz typisch für neuartige Entwicklungen, auch Risiken und Gefahren.

So befürchtet Opaschowski schwerwiegende Folgen für die heranwachsende Generation:

»Wegen der Fülle und Vielfalt der Angebote können viele Eindrücke und Informationen nur noch konfettiartig nebeneinander aufgenommen werden: Kennzeichen einer Konfetti-Generation. Die Impressionen bleiben bruchstückhaft und oberflächlich. [...] Mit der Gewöhnung an das Trommelfeuer ständig neuer Reize bekommt selbst das Außergewöhnliche den Charakter des Vorübergehenden- auf dem Weg zum nächsten Ereignis. Sobald etwas uninteressant zu werden droht, springt der Konsument einfach weiter. So muss die „Hopping-Manie“ unweigerlich in Überreizung enden. Der hastige Konsument kommt nicht zur Ruhe. [...] Infolgedessen bringt unsere Kultur eine neue Mediengeneration hervor - die ´Kurzzeit-Konzentrations-Kinder´. Für die Zukunft ist zu befürchten, dass sich unsere westliche Kultur zu einer Kurzzeit-Konzentrationskultur entwickelt: Immer mehr Menschen sind dann nicht mehr in der Lage, sich über längere Zeiträume mit den gleichen Dingen zu beschäftigen. [...] Der ständig wechselnden Informations- und Bilderflut der Massenmedien entspricht dann ein ständig wechselndes Spielzeug im Kindesalter, ein ständig wechselnder Freundeskreis im Jugendalter sowie ständig wechselnde Partner im Erwachsenenleben.« (Opaschowski 1997: 16ff. zit. n. Straub 1997: 2)

Opaschowskis recht deutliche Ansichten stellen wohl eine Art schlechtmöglichste Perspektive dar. Jedoch sollten seine warnenden Worte deshalb nicht ungeachtet bleiben. Es sind durchaus gesellschaftliche Probleme bekannt, welche erst durch die Existenz von Digitalmedien ausgelöst wurden. Beispielsweise das Entstehen von Süchten nach Computerspielen, sozialen Netzwerken oder anderen Neuen Medien. Es sind nicht nur Einzelfälle, in denen die exzessive Nutzung digitaler Medien zu einem Problem geworden ist. Generell sitzen bekanntermaßen unsere Kinder und Jugendliche viel zu lange am Computer.

So resümiert Lüdemann für Zeit Online auf Basis einer Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) zur Computerspielabhängigkeit im Kinder- und Jugendalter:

»Sechs bis sieben Stunden verbringen 15-Jährige am Tag vor Bildschirmen – anderthalb Stunden davon mit Computerspielen. Da bleibt kaum noch Zeit für das "echte" Leben. [...] Drei Prozent der männlichen Neuntklässler sind tatsächlich abhängig von Computerspielen. Unter den Mädchen verfallen lediglich 0,3 Prozent der Sucht.« (Lüdemann 2009: Die Sucht der Stubenhocker)

Ebenso sind mittlerweile auch gänzlich neue Phänomene wie das Cyber- Mobbing aufgetreten. Cyber- Mobbing beschreibt »verschiedene Formen der Diffamierung, Belästigung, Bedrängung und Nötigung anderer Menschen oder Firmen mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel über das Internet, in Chatrooms, beim Instant Messaging und/oder auch mittels Mobiltelefonen« (Wikipedia 2013: Cyber-Mobbing).

Welche Dimensionen Cyber- Mobbing annehmen kann, zeigen Fälle wie der des 15- jährigen Mädchens Amanda Todd. Hier endete das gezielte Cyber- Mobbing des Täters letztlich im Selbstmord von Amanda Todd.

(vgl. Mitic 2012: Der stumme Hilferuf der Amanda Todd)

Um die Risiken und Gefahren der Neuen Medien vor allem für Jugendliche und Kinder besser eindämmen zu können, ist eine gut ausgebildete Medienkompetenz unbedingt von Nöten. Dies kann nur durch eine umfassende Medienerziehung unserer Jugend erreicht werden.

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien erläutert die Notwendigkeit der Medienerziehung so:

» Medienkompetenz muss erlernt werden

Medien spielen eine bedeutende Rolle im Leben unserer Gesellschaft und gerade auch im Leben von Kindern und Jugendlichen. Aber die Fähigkeit, die Medien so zu nutzen, dass sie das Leben bereichern statt es zu bestimmen oder es eintöniger zu machen, ist Kindern und Jugendlichen nicht angeboren. Diese Fähigkeit, die man Medienkompetenz nennt, muss erlernt werden. Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass derjenige, der medienkompetent ist, nicht nur eine, sondern mehrere Fähigkeiten erworben hat. Medienkompetenz ist mehr als die Fähigkeit, technische Mediengeräte zu bedienen. Zur Medienkompetenz gehört unter anderem:

- die Fähigkeit ein Medium auszuschalten, wenn es nicht mehr gut tut oder wenn es Inhalte wiedergibt, die zu belastend sind
- die Fähigkeit, das richtige Medium auszusuchen, um die Antwort zu bekommen, die man sucht
- das Wissen, welcher Information man mehr, welcher man weniger vertrauen kann
- das Wissen, welche Interessen wer mit der Verbreitung von Medieninhalten verfolgt
- technisches, ästhetisches und rechtliches Wissen, um ein Medium, z.B. eine Homepage, selber zu erstellen.«

(Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien 2013: Medienerziehung)

3. Neue Medien im Schuleinsatz

Im dritten Kapitel wird nun die tatsächliche Situation an den
Schulen selbst untersucht. Dabei werden die Primarstufe und die
Sekundarstufe I an staatlichen Schulen betrachtet.

Natürlich variiert der Einsatz von Digitalmedien im Schulunterricht sehr stark, abhängig von der jeweiligen Schule und den dort angestellten Lehrpersonen, mit ihren eigenen Ansichten, Einstellungen und Kompetenzen zu diesem Thema. Somit kann in diesem Kapitel sicherlich nicht von allgemeingültigen Aussagen geredet
werden, welche auf die gesamte deutsche Schullandschaft zutreffen.
Dennoch ist es natürlich möglich, ein Gesamtbild der tatsächlichen Situation an den Schulen zu zeichnen, welches den bundesweiten Durchschnitt repräsentieren kann.

3.1 Die Situation an den Schulen

Viele Studien der letzten Jahre haben nachgewiesen, dass sowohl die technische Ausstattung an deutschen Schulen, als auch die Häufigkeit des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht, international verglichen schlecht ausfällt, obwohl in Deutschland ein großes finanzielles und konzeptionelles Engagement zur Verbesserung der Situation vorhanden war und ist.

(vgl. Eickelmann 2009: 11; Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg 2012: 15; Feil et al. 2009: 15)

So stellen Feil, Gieger und Quellenberg fest:

»Doch die materiellen Investitionen führten nicht dazu, dass der Umgang mit dem Internet im Schulalltag auf breiter Basis verankert wurde. Obwohl die Lehrkräfte größtenteils gegenüber der Anwendung von Computer und Internet im Unterricht aufgeschlossen eingestellt sind [...].« (Feil et al. 2009: 15)

Deutschland belegte 2006 in einer umfassenden Studie der Europäischen Kommission, welche die Ausstattung an Schulen der EU untersuchte nur Platz 21 von 27 (vgl. Europäische Kommission 2006: Benchmarking access and use of ICT in European schools 2006 zit. n. Eickelmann 2009: 12).

Für eine führende Industrienation ist das natürlich ein katastrophales Ergebnis.

Positiv zu vermerken ist, dass die technische Ausstattung an deutschen und internationalen Schulen stetig besser wird. Da eine gute technische Ausstattung die Grundbasis für das Arbeiten mit Neuen Medien darstellt, ist diese Entwicklung ein wichtiger Schritt für die Zukunft. (vgl. Eickelmann 2009: 11f.; Albers et al. 2011: 8)

Allerdings ist zu notieren, dass der Fortschritt im Bereich der Ausstattung in anderen Ländern schneller vonstattengeht als in Deutschland und der sowieso schon vorhandene Rückstand auf andere Länder damit noch größer wird

(vgl. Eickelmann 2009: 12).

Betrachtet man nun die tatsächliche Benutzung digitaler Medien im Unterricht werden die Ergebnisse im internationalen Vergleich nicht besser. Senkbeil und Wittwer werteten die Ergebnisse der PISA Studie 2006 aus. Sie registrierten zwar eine häufigere Nutzung des Computers im Unterricht im Vergleich zu älteren PISA Studien (2000 und 2003), dennoch belegte Deutschland den letzten Platz unter allen OECD Ländern. Es ist aufgrund des so seltenen Computereinsatzes in der Schule also nicht verwunderlich, dass viele Kinder und Jugendliche ihre Kompetenzen im Umgang mit Computern nur zu sehr kleinen Teilen aus dem schulischen Unterricht beziehen. Die meisten Schüler/ innen erwerben diese nämlich im Regelfall in ihrer Freizeit bei der Benutzung des heimischen Rechners. Die Schüler schätzen, wohl aufgrund der Tatsache, dass sie den Computer hauptsächlich für ihre Freizeitgestaltung und Unterhaltung nutzen, ihre Fähigkeiten im Umgang mit dem PC eher schwach ein. Diese Einschätzung entspricht übrigens durchaus der Realität. Besonders deutlich werden die Missstände, welche die deutschen Schulen hier zulassen, wenn die Kinder und Jugendlichen ohne ständigen Zugang zu Computern betrachtet werden. Im Vergleich zu Schüler/ innen, welche den Computer oft nutzen, weisen sie erhebliche Defizite auf. (vgl. Senkbeil & Wittwer 2007: 277- 307; Eickelmann 2009: 12; Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg 2012: 15)

Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg äußerte sich so zu der aktuellen Situation: »Die Schule spielt bei der Förderung von Medienkompetenz eine zumeist nach- geordnete Rolle« (Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg 2012: 15).

3.2 Kommende Forschungsergebnisse

Im Bezug zum Thema Neue Medien im Schuleinsatz werden die Ergebnisse von Prof. Dr. Birgit Eickelmann und Prof. Dr. Wilfried Bos wahrscheinlich sehr aufschlussreich und wegweisend. Ihre International Computer and Information Literacy Study (ICILS), welche 2014 veröffentlich werden soll »ist die erste international vergleichende Schulleistungsstudie, die die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Bereich der computer- und informationsbezogenen Grundbildung messen wird und dabei auch die schulischen und außerschulischen Rahmenbedingungen ihres Erwerbs erfasst. Sie setzt damit einen Meilenstein in der empirischen Bildungsforschung im 21. Jahrhundert« (Universität Paderborn 2012: Pressemitteilung vom 30.11.12).

In dieser Studie wird sich wohl zeigen, ob die negativen Tendenzen an deutschen Schulen im Bereich der Neuen Medien weiterhin Bestand haben oder ob langsam eine Kehrtwende eingeläutet werden kann.

4. Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien in der
Schule

Im Bereich der Neuen Medien gibt es mittlerweile eine sehr breite Palette an Einsatzmöglichkeiten in Schule und Unterricht. In diesem Kapitel werden diese nun beleuchtet und umschrieben. So soll dem Leser ein umfassender Überblick über das gesamte Einsatzspektrum digitaler Medien zu Schulzwecken gegeben werden.

4.1 Schulische Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien

Wie in Abschnitt 1.1 schon von mir erläutert sind typische Merkmale der Neuen Medien eine rechnergestützte Handhabung, das Nutzen von digitalen Daten sowie ein interaktiver Umgang mit dem Medium (vgl. Wikipedia 2013: Neue Medien). Denkt man darüber nach, auf welche Medien dies zutrifft, so bemerkt man, dass es eine beträchtliche Anzahl ist.

Um dem Leser nun einen konkreten Überblick über das Feld zu verschaffen, soll eine Untergliederung der Neuen Medien im Schuleinsatz vorgenommen werden.

Details

Seiten
61
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656523307
ISBN (Buch)
9783656524205
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231606
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
Schlagworte
digitale medien schule neue modelle methoden zulassungsarbeit unterricht unterrichtseinheit facebook sutdip plattformen einsatz

Autor

  • Rene Schien (Autor)

Teilen

Zurück

Titel: Modelle, Methoden und Gelingensbedingungen für den Einsatz von digitalen Medien in der Schule