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Leseprobe

Essay IV

„Utilitarismus“

„Iphigenie: Um Guts zu tun, braucht’s keiner Überlegung.

Thoas: Sehr viel! Denn auch dem Guten folgt das Übel.“[1]

Diesen kleine Gesprächsfetzen, entnommen aus Goethes Werk „Iphigenie auf Tauris“, kann man zum Heranführen an eine der, gerade in heutiger Zeit, immer populärer werdende Philosophische Denkrichtung benutzen, dem Utilitarismus.

Der Utilitarismus selbst beurteilt Handlung, im Gegensatz zur Kant’schen Ethik, nach den Folgen der Selbigen und nicht nur durch die bloße Handlung selbst. Eine Handlung gelte dann als gut, wenn sie das größtmögliche Glück, für die größtmögliche Zahl der Menschen bringt. Eine Handlung ist dann gut, wenn sie Glück fördert. Mill schreibt in seinem Hauptwerk, welches passenderweise den Titel „Utilitarismus“ trägt: „Die Auffassung, für die die Nützlichkeit oder das Prinzip des größten Glücks die Grundlage der Moral ist, besagt, dass Handlungen insoweit und in dem Maße moralisch richtig sind, als sie die Tendenz haben, Glück zu befördern, und insoweit moralisch falsch, als sie die Tendenz haben, das Gegenteil von Glück zu bewirken.“[2]

Kann man also nun, wie Goethe es Iphigenie in den Mund legt, sagen, dass man über die Handlungen nicht nachdenken muss? Man solle, so meint man doch, zuerst reflektieren, welche Folgen jede separat ausgeführte Handlung für die Betroffenen hat. Diese Denkweise wäre dem Handlungsutilitarismus oder Aktutilitarismus zugeschrieben, welcher subjektiv, ausgehend von den momentanen Gegebenheiten, eine Handlung analysiert. Es sind hier also keine allgemeinen Normen gültig, die beispielsweise besagen, dass man nicht lügen sollte. Wenn die Lüge in diesem, speziellem Fall, auf den der Handlungsutilitarist stößt, eine bessere Konsequenz als die Wahrheit hervorbringen würde, so ist er dazu angehalten zu lügen. Man könnte hier, laut Darwall, drei Kriterien beachten und zwar, dass die Auswirkung der Handlung unter den Aspekten Wann? Wo? Und Wem? Begutachtet werden muss. Das heißt, es ist irrelevant ob die Vermehrung des Glücks bei einem selbst, oder in Asien stattfindet, ob es jetzt Vorteile bringt oder erst in geraumer Zeit und das es egal ist welcher Person die Verbesserung des eigenen Glücks zugute kommt.[3] Ebenfalls muss man zu dem Glück, dass die Handlung bringt auch noch das Leid welches sie hervorruft mit einberechnen. Man kann quasi das Leid vom Glück subtrahieren und dann sehen ob noch genug Glück übrig ist.[4] Mit solchen Aussagen bringt man den Utilitarismus in abstraktere Bahnen, da es schwer ist dem subjektiven Glücksempfinden einen Wert zu geben. Mill schreibt dazu: „Von zwei Freuden ist diejenige wünschenswerter, die von allen oder nahezu allen, die beide erfahren haben – ungeachtet des Gefühls, eine von beiden aus moralischen Gründen vorziehen zu müssen -, entschieden bevorzugt wird.“[5] „Darüber welche von zwei Befriedigungen es sich zu verschaffen am meisten lohnt oder welche von zwei Lebensweisen ungeachtet ihrer moralischen Eigenschaften und ihrer Folgen dem menschlichen Empfinden am meisten zusagt, kann nur das Urteil derer, die beide erfahren haben, oder, wenn sie auseinander gehen sollten, das der Mehrheit unter ihnen als endgültig abgeben.“[6]

[...]


[1] Goethe, Johann Wolfgang von. Iphigenie auf Tauris. 5. Aufzug, 3. Auftritt

[2] Mill, John Stuart. Utilitarismus. 2. Kapitel

[3] Darwall, Stephen. Philosophical Ethics. S. 128

[4] Ebenda. S. 129

[5] Mill, John Stuart. Utilitarismus. 2. Kapitel

[6] ebenda

Details

Seiten
4
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656474944
ISBN (Buch)
9783656475019
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231640
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
Utilitarismus Mill Norm Normen Handlung Folgen Darwall

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Titel: Utilitarismus