Lade Inhalt...

Die Zusammensetzung der G20: Die größten Volkswirtschaften nach dem Bruttoinlandsprodukt

Seminararbeit 2012 22 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
I.1 Quellen- und Literaturdiskussion
I.2 Methode

II. Realistische Theorie

III. Mitglieder der G20
III.1 Daten der G20 Mitglieder
III.1.1 Unregelmäßige Gipfelteilnehmer
III.2 Entstehungsgeschichte und Themen der G20
III.3 Erklärung des letzten Gipfeltreffens in Mexiko

IV. Ranking von Staaten nach Bruttoinlandsprodukt

V. Schlussfolgerungen

VI. Was sollte getan werden?

VII. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Bildquellenverzeichnis

I. Einleitung

Seit dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der G20 Staaten vom November 2008 in Washington, gab es bis 2010 halbjährige Gipfeltreffen und ab 2011 jährliche Gipfeltreffen. (Bundesregierung Homepage I) In Begleitung zu den Gipfeltreffen, liest man immer wieder Überschriften in Artikeln, wie in der Onlineausgabe der FAZ vom 04.11.2011 und dieser beginnt mit den Worten, „Die Regierungen der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) haben auf ihrem Gipfeltreffen in Cannes erstmals die internationalen Großbanken genannt, die von 2016 an zusätzliches Kapital vorhalten müssen.“ (Vgl.: FAZ Homepage) Oder ebenfalls eine Einleitung eines Artikels über die G20 und dem Gipfel aus diesem Jahr beginnt wie folgt: „Sind die G20 die neue Wirtschaftsregierung der Welt? Auf ihrem Gipfel in Los Cabos veranstalteten die mächtigsten Staaten eher eine reine Politik-Show. Wegweisende Beschlüsse gibt es nicht - übrig bleibt der ganz normale Gipfelwahnsinn.“ (Vgl.: Spiegel Homepage)

Die Presse, zumindest in Deutschland, sieht die G20 als die größten und mächtigsten Staaten der Welt. Eine Verbindung aus Größe und Macht der Staaten und Verhandlungen, wie angedeutet über Fragen der internationalen politischen Ökonomie, wirft folgende Fragestellung auf:

Handelt es sich bei den G20 Staaten um die 20 Stärksten Volkswirtschaften des Globus?

Je bedeutender eine Volkswirtschaft im internationalen Vergleich ist, desto mächtiger ist die Regierung des Staates auf internationaler Ebene.

Weitere Faktoren, die auf den ersten Blick vielleicht eine Rolle spielen könnten, sind die Herrschaftsform, allerdings könnte Wohlstand ein Legitimitätsgrund für autoritäre Herrschaft sein. Weitere Faktoren könnten die Einbeziehung aller verbreiteten Religionen oder Kontinente des Globus sein. Bei diesen beiden Faktoren würde es sich wohl eher um Korrelationen als um Kausalitäten handeln, da ein muslimisch geprägtes Land dieselbe Chance hat Wirtschaftskraft zu entwickeln, wie ein christlich geprägtes Land. Ein letzter Faktor der eine Rolle in der Zusammensetzung der G20 sein könnte, sind die Ausgaben für das Militär im prozentualen Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Dieser letzte Punkt steht allerdings im Verhältnis zu Wirschaftskennzahlen und ist somit abhängig von der Volkswirtschaft, denn 10 % von einem Dollar ist immer noch weniger als 1 % von 100 Dollar. Nach dem nun aufgezeigt wurde, dass die anderen Faktoren mit der Wirtschaft korrelieren oder sogar von ihr abhängen, dürfte ziemlich evident sein, wieso die Volkswirtschaft als Grundlage für die Mitgliedschaft bei den G20 gesehen wird. Darüber hinaus, ist eine These, welche die Wirtschaftsbedeutung von Staaten zum Gegenstand der Untersuchung macht am ehesten geeignet, die oben genannte Frage des Erkenntnisinteresses zu beantworten, da bereits dort das Ziel der Überprüfung nach der wirtschaftlichen Zusammensetzung der G20 gestellt wurde.

I.1 Quellen- und Literaturdiskussion

Außer den Werken in denen Theorien der Internationalen Beziehungen entwickelt wurden, gibt es eine Reihe von Literatur in denen sie publiziert wurden, zum Beispiel in Einführungen in die Internationale Politik von Manfred Knapp und Gert Krell, welche Theorien, wichtige Akteure und die dringendsten globalen Probleme darstellen. (Vgl.: Knapp, M. u. Krell, G. 2004) Auch in Werken, welche sowohl die Geschichte und Politik, als auch internationale Organisationen untersuchen, finden sich Bezugspunkte zu IB-Theorien, so in dem Werk, „Internationale Organisationen

- Politik und Geschichte“ von Volker Ritterberger und Bernhard Zangl, die zunächst eine Einführung vornehmen, die gefolgt wird von einer Darstellung der Theorien und einer historischen Organisationsübersicht hin zu deren Politik. (Vgl.: Ritterberger V. u. Zangl, B. 2003) Desweiteren existieren Bücher, welche sich ausschließlich mit den Theorien Internationaler Politik beschäftigen, hier zu nennen ist das Buch mit gleichem Titel von Ursula Lehmkul. (Vgl.: Lehmkul, U. 2001) Diesen drei genannten Büchern ist ein Höchstmaß an Objektivität gemein. Da es zu der Thematik über die Zusammensetzung der G20 nur deskriptive Literatur gibt, wird an dieser Stelle kein Werk erwähnt, da es keinen empirischen Forschungsstand über die Mitgliedschaft der G20 gibt. Aus diesem Grund wird auch vermehrt auf Quellen von Teilnehmern oder Quellen über die Wirtschaftskraft der Volkswirtschaften zurückgegriffen. Allerdings muss bei Publikationen von Akteuren der G20 auf deren Intention geachtet werden, um diese Aussagen korrekt im Vergleich zu den anderen 19 Teilnehmern zu deuten. Zum Beispiel können Länder des globalen Nordens andere Interessen besitzen als Länder des globalen Südens. Es besteht nämlich ein strukturelles Konfliktverhältnis zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, welches sich aus verschiedenen Bereichen ergibt. (Vgl.: Woyke, W. 2004 : S. 391)

I.2 Methode

Nach dem bereits ebenfalls im Kapitel I eine Einleitung samt Fragestellung und These verfasst und die Quellen und die Literatur diskutiert wurden, folgt im Folgenden die Darstellung der „realistischen“ Theorie. Diese Theorie wird zunächst im Verhältnis zu anderen Theoriesträngen eingebettet. Danach wird ihre ereignis- und wissenschaftsgeschichtliche Entwicklung dargestellt, um dann über einen kurzen Bezug über zwei Intellektuelle Vordenker zu einer rudimentären Darstellung der eigentlichen Theorie des Neorealismus zu kommen. Im daran anschließenden Kapitel werden die G20 Staaten in Form zweier Tabellen mit den Punkten: Einwohner, Religion, Herrschaftsform, Militärausgaben in % sowie eine kontinentale Verortung vorgestellt, es folgt eine rudimentäre Darstellung der internationalen Organisationen, die unregelmäßig an G20 Gipfeln teilnehmen. Im Anschluss hieran werden die Entstehungsgeschichte sowie die Themengebiete der G20 erläutert. Daran folgt die Darstellung der G20 Erklärung von Juni 2012, um die Ausgestaltung der Themen zu verdeutlichen. Im folgenden Kapitel werden die empirisch stärksten Volkswirtschaften für 2011 sowie 1999 aufgelistet. Danach werden vor dem normativen Teil der Arbeit Schlussfolgerungen gezogen. Diese Hausarbeit endet dann mit einem drei geteilten Fazits, in dem der Inhalt der Arbeit, weitere Forschungsmöglichkeiten und die Stärken und Schwächen der Arbeit beleuchtet werden.

II. „Realistische“ Theorie

In der Disziplin der Internationalen Beziehungen gibt es heute drei dominante Theoriestränge. Diese Stränge sind der Realismus, der Idealismus und der Institutionalismus, sie unterscheiden sich nach verschiedenen Grundannahmen über Akteure und Strukturen der internationalen Beziehungen. (Vgl.: Ritterberger, V. u. Zangl, B. 2003 : S. 34)

Es gibt zwei Wege den Realismus historisch einzuordnen, nämlich über die Ereignisgeschichte und über die Wissenschaftsgeschichte. Die Wiederentdeckung des Staates, lässt sich ereignisgeschichtlich in den tiefen Veränderungen in der internationalen Politik, nach der Hälfte der Zwischenkriegszeit, erklären. In den 1930er Jahren kam es vermehrt zu einer nationalorientierten Außenpolitik. Staatliches Handeln wurde als Zusammenspiel von Macht, nationalem Interesse, Ideologie und dem Streben nach Sicherheit gesehen. Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Staat bereits eine Dekade früher im Bereich der Wissenschaft wiederentdeckt wurde. Am 30. Mai 1919 kam es zu einer Übereinkunft zwischen den USA und Großbritannien, ein Institut zu gründen, welches systematische die Ursache des Krieges erforschen sollte. Desweiteren kam es infolge des Aufkommens autoritärer Regime in den 1930er Jahren zu der Frage, wie Krieg zukünftig zu verhindern sei. Es kam zum Disput zwischen „Utopisten“ und „Realisten“, wobei letztere die staatlichen Eigeninteressen als Ausgangspunkt für die Regulierung internationaler Politik benannten. Aus dieser Sicht heraus, entwickelte dann in den 1940er und 50er Jahren Hans Morgenthau seine Theorie des Realismus. (Vgl.: Lehmkuhl, U. 2001 : S. 71 u. 72)

Das Antriebsmoment für Staaten in den internationalen Beziehungen, ist das Streben nach Macht, dies ergibt sich aus „Macht“ als zentraler Kategorie des Realismus nach Hans Morgenthau. Mit dieser Hauptkategorie sehen sich „Realisten“ in einer langen historischen Tradition politischen Denkens. Als intellektuelle Vorläufer gelten Max Weber, Thomas Hobbes, Niccolo Machiavelli oder sogar aus der Antike Thukydides. (Vgl.: Knapp, M. u. Krell, G. 2004 : S.62)

Bevor auf die Theorie des Neorealismus eingegangen wird, wird erst einmal die Verwendung von Macht als Mittel der Politik der beiden Theoretiker Max Weber und Thomas Hobbes dargestellt, auf die Darstellung der Bedeutung von Macht bei Machiavelli wird aus arbeitstechnischen Gründen verzichtet.

Macht in der Politik nach Max Weber: „Er (der Politiker) arbeitet mit dem Streben nach Macht als unvermeidlichem Mittel. „Machtinstinkt“ - wie man sich auszudrücken pflegt - gehört in der Tat zu seinen normalen Qualitäten.“ Im Weiteren unterscheidet Weber zwischen Macht aus Eitelkeit und Macht aus Sachinteresse heraus. (Vgl.: Historische Texte und Wörterbücher Homepage) Ein kurzes Beispiel zur Illustration: Wenn die Bundeskanzlerin harte Bedingungen an Hilfsleistungen an Griechenland stellt, weil sie vermutet, damit im Interesse Deutschlands zu handeln und die Macht des Staates einbringt, so ist dies im Sinne Max Webers positiv. Würde nun aber die Bundeskanzlerin aus persönlichem Interesse heraus die Macht der Bundesrepublik einbringen, um allen Menschen zu beweisen, dass sie besser verhandeln kann als ihr griechisches Pendant als Regierungschef, so wäre dies im Sinne Max Webers negativ. Aber viel wesentlicher ist, dass Max Weber das Streben nach Macht für das logische Mittel der Politik hält. Die Bedeutung von Macht in der Gedankenkonstruktion von Thomas Hobbes, findet sich am ehesten in einem Zitat im Kapitel 17, des Werkes „Leviathan“: „… Übertragung ihrer gesamten Macht und Stärke auf einen Menschen oder eine Versammlung von Menschen, die ihre Einzelwillen durch Stimmenmehrheit auf einen Willen reduzieren können“. (Vgl.: Hobbes, T. 1976 : S. 134) Dieses Verständnis von Macht würde bei dem vorher gewählten Griechenlandbeispiel bedeuten, wenn der Bundestag der Kanzlerin durch Beschluss ein Mandat an die Hand geben würde, ein bestimmtes Ergebnis in der Außenpolitik mit Griechenland zu erzielen und es ihr gelingt dieses umzusetzen, so könnte unter der normativen Prämisse kein Abgeordneter oder Bürger gegen diese Entscheidung vorgehen, da die Kanzlerin mit einem Maximum an Souveränität und damit verbunden Macht ausgestattet wäre.

Der Neorealismus bemüht sich im Gegensatz zum klassischen Realismus, eine Differenzierung derselben Prämissen. Es wird angenommen, dass die anarchische Struktur des internationalen Systems für das Machtstreben verantwortlich sei. Die Staaten sind zu einer zunehmenden Politik der Autonomie- und Einflussmehrung orientierten Politik gezwungen. Desweiteren sind internationale Strukturen wie im klassischen Realismus weitgehend wirkungs- und bedeutungslos, denn das oberste Ziel eines Staates muss es sein, seine eigene Gewinne zu maximieren, denn der Kooperationspartner von heute könnte morgen schon ein mächtiger Konkurrent sein. Dies bedeutet, internationale Organisationen können nur dann dauerhaft kooperieren, wenn es eine Hegemonialmacht gibt, die bezüglich der verschiedenen Ressourcen den anderen Staaten überlegen ist. Abschließend sollte noch kurz erwähnt werden, was dies konkret bedeutet, nämlich dass der Hegemon andere Staaten durch eine Mischung aus Zwang und Anreizen in die internationalen Strukturen einbindet. (Vgl.: Ritterberger V. u. Zangl, B. 2003 : S. 36 u. 37)

Der Realismus hat fünf Grundthesen, welche die politische Praxis beeinflussen sowie im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse stehen, diese sind:

- Norm und Realität befinden sich im ständigen Widerspruch zueinander
- Der Mensch versucht Menschen zu beherrschen, damit andere Menschen ihn nicht beherrschen
- In jedem Akt der politischen Herrschaft wohnt etwas Böses inne
- Politisches Handeln orientiert sich am Eigeninteresse des Handelnden
- Unmittelbares Ziel der Politik ist stets Macht (Vgl.: Lehmkuhl U. 2001 : S. 74 u. 75

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656475811
ISBN (Buch)
9783656476979
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231794
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
zusammensetzung volkswirtschaften bruttoinlandsprodukt

Autor

Zurück

Titel: Die Zusammensetzung der G20: Die größten Volkswirtschaften nach dem Bruttoinlandsprodukt