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Sozialgeschichte des modernen deutschen Fußballs

Von seiner "Entdeckung" bis zum deutsch-deutschen Duell 1974

Essay 2013 25 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
I.1 Mögliche Quellen
I.2 Forschungsstand
I.3 Quellen- und Literaturdiskussion
I.4 Relevanz und Methode

II. Die Gründung der ersten Vereine in Deutschland
II.1 Gründung des Deutschen Fußball-Bundes

III. Fußball im Ersten Weltkrieg

IV. Arbeiterfußball in der Weimarer Republik
IV.1 Katholischer Fußball in der Weimarer Republik
IV.2 Hooligans in der Weimarer Republik
IV.3 Sportberichte in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“

V. Jüdische Sportvereine im „Dritten Reich“
V.1 Hamburger SV im „Dritten Reich“
V.2 Die Nationalmannschaft im „Dritten Reich“
V.3 Hooligans im „Dritten Reich“

VI. Länderspiele während des Krieges

VII. Kontinuitäten in der Nachkriegszeit
VII.1 Vom „Wunder von Bern“
VII.2 Eklat des DFB-Vorsitzenden

VIII. Fußball als Migrantensport in beiden Deutschlands

IX. Zuschauerzahlen der DDR Oberliga und der Bundesliga
IX.1 Aufeinandertreffen der beiden Deutschlands

X. Julius-Hirsch-Preis
X.1 Darstellung in der Kultur

XI. Fazit

Literatur

I. Einleitung

Der Fußballsport ist seit seiner Ausbreitung über das „Mutterland“ England hinaus, von Migration begleitet worden. Das Spiel war außerhalb Englands zunächst primär ein Spiel von Migranten. Diese waren englische Kaufleute, Techniker und Akademiker. Ohne Kosmopolitismus und Migration hätte sich der Fußball nicht zu einem globalen Spiel entwickelt. (Vgl.: Schulze-Marmeling 2010 : S. 199) Um den Untersuchungsgegenstand in seinen globalen Charakter einzugrenzen, wird folgender Fragestellung und These nachgegangen:

Wie hat sich der Fußballsport als soziale Praxis in Deutschland entwickelt?

Der Fußballsport vermag es seinem Charakter nach, soziale und gesellschaftliche Elemente der Verbindung und auch der Trennung, in sich, zu vereinen.

Diese These erscheint am logischsten, da der Fußballsport ab dem Kaiserreich in allen politischen und gesellschaftlichen Systemen der deutschen Geschichte praktiziert wurde und diese Systeme hatten jeweils einen anderen Grad der Offenheit und Toleranz.

I.1 Mögliche Quellen

Die möglichen Quellen zu diesem Thema sind sehr breit gestreut. Zum einen, kann es sich um Eintrittskarten zu Fußballspielen handeln. Des Weiteren kommen Bild- und Tondokumente in Betracht, wobei diese nicht nur eine Relevanz für das jeweilige Spiel entwickeln, sondern auch zu seinem gesellschaftlichen Kontext. Ebenfalls relevant können Merchandiseprodukte in einer Zeit sein, welche relativ nahe an die Gegenwart heranreicht. Eine weitere Gattung der möglichen Quellen, liegt im juristischen Bereich und beinhaltet das Vereinsrecht und vor allem die Voraussetzungen einen Verein zu gründen und zu führen. In dem Selben Bereich sind auch die Regeln des Spiels und ihre Anpassung oder Veränderung zu erwähnen. Um noch eine letzte Möglichkeit für Quellen zu nennen, Mitgliederlisten, diese könnten Auskunft über eine soziale Segregation oder Integration im Fußballsport geben.

I.2 Forschungsstand

In der Forschung findet sich Literatur über unterschiedliche Vereine, deren Entstehung dargestellt wird, wie in Ernst Werner Schneiders Monografie über die „Pioniervereine des Europäischen Fussballs“. (Vgl.: Schneider 2005) Darüber hinaus, finden sich auch Werke über einzelne Vereine wie zum Beispiel, „Immer erste Klasse. Die Geschichte des Hamburger SV“. (Vgl.: Skrentny u. Prüß 2003) Ebenso wurden auch Werke veröffentlicht, welche sich dem Fußball in einer bestimmten Zeit widmen, wie zum Beispiel dem Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus, wobei bei dem Sammelband „Hakenkreuz und Nationalsozialismus“, auch eine Vor- und Nachgeschichte dargestellt werden. (Vgl.: Pfeiffer u. Schulze-Marmeling (Hgg.) 2008) Rudolf Oswald behandelt ebenfalls das Thema des politischen Fußballsports in seinem Werk „Fußball-Volksgemeinschaft“. (Vgl.: Oswald 2008a) Unter dem Titel, „Anti Sozial Front. Vom Fußballfan zum Hooligan“, veröffentlichte Beate Matthesius eine Studie über gewaltbereitschaft von Zuschauern bei Fußballspielen. (Vgl.: Matthesius 1992) Aber innerhalb des Forschungsstandes finden sich auch Publikationen über die positive gesellschaftliche Integrationswirkung des Fußballs, exemplarisch zu nennen ist hier das Sammelwerk, „Der Ball ist bunt“, welches von Blecking und Dembowski herausgeben wurde. (Vgl.: Blecking und Dembowski (Hgg.) 2010)

I.3 Quellen- und Literaturdiskussion

Die in Kapitel IX. verwendeten Quellen, geben lediglich quantitative Auskunft über die Zuschauerzahlen in den höchsten Spielklassen der beiden deutschen Staaten, deshalb ist eine qualitative Aussage über die soziale Zusammensetzung, außer sie würde auf ungenauen Schätzungen beruhen, nicht möglich. Bei den Zahlen für die DDR-Oberliga scheint es evident zu sein, dass diese gerundet wurden, da glatte Zahlen publiziert wurden. In der westdeutschen Bundesliga, stellt sich das Problem, dass nur die verkauften Karten und nicht die reale Zuschauerzahl ermittelt wurde. (Vgl. DFB Homepage (a); Weltfussball Homepage) Die Kritik an der Forschungsliteratur gestaltet sich wesentlich schwieriger und man könnte die Kritik im Wesentlichen darauf beschränken, dass sich zu wenig Historiker und Sozialwissenschaftler mit dem Fußballsport beschäftigt haben. Eine inhaltliche Kritik zu verfassen ist unmöglich, da man regelmäßig den selben Verfassern zum selben Thema begegnet, so zum Beispiel Rudolf Oswald, der den Eklat des DFB-Chefs nach dem WM-Triumph 1954 schilderte, zum einen in einer von ihm verfassten Monografie und zum anderen in einem Sammelbandartikel, da beide Werke aus dem Jahr 2008 stammten, verwundert es kaum, dass es zu keinen inhaltlichen Widersprüchen kam. (Vgl. Oswald 2008 (a) : S. 300 ; Oswald (c) : S. 532)

I.4 Relevanz und Methode

Diese strukturgeschichtliche Arbeit versteht sich als Beitrag zur deutschen Sozialgeschichte des Sportes im Allgemeinen und des Fußballs im Besonderen. Für ein Seminar über Hafenstädte ist das gewählte Thema, über den deutschen Fußball von seiner „Entdeckung“ bis zum deutsch-deutschen Duell 1974 von einer gewissen Relevanz, denn wie bereits in der Einleitung dargelegt, handelt es sich beim Fußball um eine Sportart, welche durch englische Migranten verbreitet wurde. Es steht fest, dass die britischen Migranten, aufgrund des Mangels an technischen Alternativen des Schiffs und der Insellage, mit mindestens zwei Hafenstädten in Berührung gekommen waren, nämlich dem der Ausreise aus Großbritannien und dem der Einreise auf den Kontinenten. Um dies nicht ganz so abstrakt stehen zu lassen ein kurzes Zitat: „Wenn es in London regnet“, so sagt man noch heute, „spannen die Hamburger die Regenschirme auf“. Ein reger Austausch von Kaufmannssöhnen brachte zwangsläufig den Fußball über die Nordsee.“ (Vgl.: Skrentny u. Prüß : S.13) Dieser Hintergrund lässt im Grunde nur zwei Möglichkeiten zur Untersuchung zu, zum einen wie sich der Fußballsport von England aus verbreitet hat und zum anderen wie er sich in einer anderen Gesellschaft nach seiner Übernahme als soziale Praxis, entwickelte. Der Titel dieser Hausarbeit verrät schon, dass die zweite Variante untersucht wird. Dies wird geschehen, in dem zunächst der Gründung der ersten Vereine und des Deutschen Fußball-Bundes nachgegangen wird. Die beiden hieran anschließenden Kapitel, beschäftigen sich mit dem Fußball zur Zeit des Ersten Weltkriegs und zur Zeit der Weimarer Republik. Bereits im letzten Kapitel zur Weimarer Republik wird der Übergang zum „Dritten Reich“ dargestellt, dem Kapitel über jüdische Vereine, dem Hamburger SV, der Nationalmannschaft und Hooligans gewidmet werden. In der Zeit während des Krieges wird nur auf Länderspiele Bezug genommen. Im folgenden Kapitel werden die Kontinuitäten, das Wunder von Bern und der Eklat des DFB-Vorsitzenden nach dem Berner Weltmeisterschaftsieg dargestellt. Über den Fußball in den 1960er Jahren wird auf Migranten in beiden deutschen Staaten und ihr Bezug zum Spiel eingegangen. Hieran schließen empirische Darstellungen der Zuschauerzahlen der höchsten Spielklassen der DDR und der Bundesrepublik an, um die gesellschaftliche Relevanz des Fußballs herauszustellen, bevor im selben Teil der Arbeit auf das Aufeinandertreffen bei der WM 1974 eingegangen wird. Vor dem abschließenden dreigeteilten Fazit bestehend aus inhaltlichem Fazit, weiteren Forschungsmöglichkeit und Stärken und Schwächen der Arbeit, wird auf die Erinnerung der Fußballvergangenheit eingegangen werden, über den Erinnerungshaushalt des DFBs am Beispiel des Julius-Hirsch-Preis und der Darstellung in Film und Literatur an jeweils einem kurzen Beispiel.

II. Die Gründung der ersten Vereine in Deutschland

Erst gegen Ende der 1880er Jahre entstanden die ersten deutschen Fußballvereine, der älteste heute noch existierende ist der „FC Germania 1888 Berlin“ und er trägt heute seine Spiele in der C-Klasse der Berliner Amateurliga aus. Vor allem englische Kaufleute, Ingenieure, Studenten und Schüler setzten sich für die Gründung von Fußballvereinen in Deutschland ein, dies war in Hamburg, Berlin, Leipzig, Nürnberg und anderen Städten der Fall. (Vgl.: Lindner u. Breuer 1978 : S. 8 u. 9) „Play up Germania“ war einer der Anfeuerungsrufe, der aus England und Schottland stammenden Zuschauer des SC Germania zu Hamburg. Dieser am 15. Februar 1887 gegründete Verein, war einer der wichtigsten Vorläufer des Hamburger SV. Bei dem SC Germania handelte es sich um einen Zusammenschluss zweier Athletikvereine aus Hohenfelde und Wandsbek-Marienthal. Der neue Verein blieb zunächst einzig im Bereich der Athletik, seine Farben waren Schwarz und Blau. Die Öffnung zum Fußball erfolgte, als der Verein unter den Einfluss von Engländern geriet. Hamburg unterhielt zahlreiche Geschäftsbeziehungen nach London und versteht sich auch heute noch als deren Schwesterstadt, dementsprechend lebten viele englische Kaufleute und Akademiker in der Stadt. Diese rege Verbindung der beiden Städte, brachte fast zwangsläufig auch den Fußball über die Nordsee an die Elbe. Im Jahr 1891 traten, laut der Vereinschronik von 1912, die ersten Engländer dem Verein bei. Einem Vereinsmythos nach, wurden sogar einige Versammlungsprotokolle in englischer Sprache verfasst, allerdings existiert hierfür kein Beleg. (Vgl.: Skrentny u. Prüß 2003 : S. 13) Im internationalen Kontext zur Verbreitung von Fußballvereinen, ist das Hamburger Beispiel kein Einzelfall, so wurde von Schweizern und Engländern der FC Barcelona mit ins Leben gerufen. Von dem Geschäftsmann Hans Gamper ist bekannt, dass er sich während seines beruflichen Aufenthalts in der katalanischen Metropole, um die Aufnahme in einen bereits existierenden Verein bemühte. In der Landschaft des europäischen Fußballvereinswesens gibt es noch einige ähnliche Beispiele. (Vgl.: Schulze-Marmeling 2010 : S. 199) Die Modernität des Fußballs war gekennzeichnet durch Migration. Die anglophilen Pioniere der Vereine, zählten zur mobilen Elite und wirkten als Botschafter des Liberalismus, der jede Form des Nationalismus ablehnte. Das moderne Spiel mit dem Ball wurde zu einem zentralen Bestandteil ihres Lebens, auch wenn sie nicht deshalb in andere Länder gezogen waren. Auch die protestantische Religionszugehörigkeit dieser Pioniere spielte eine Rolle. Denn scheinbar entwickelte sich Sport in protestantischen Milieus schneller. (Vgl.: Schulze-Marmeling 2010 : S. 201 – 202)

II.1 Gründung des Deutschen Fußball-Bundes

Am 27. Januar 1900 tagte in der Gaststätte „Mariengarten“ in Leipzig der erste Allgemeine Deutsche Fußballtag. Mit 64 zu 22 Stimmen, wurde die Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beschlossen. Zu den Befürwortern dieses Gründungsaktes zählten zwei Söhne des jüdischen Kaufmanns Manning aus Frankfurt am Main. Die Namensgebung DFB erfolgt auf Vorschlag eines weiteren jüdisch-deutschen, Walther Bensemann. Die Leitung des Verbands wurde zunächst von einem elfköpfigen Ausschuss unter Vorsitz von Ferdinand Hueppe übernommen. Hueppe war Wissenschaftler mit dem Fachgebiet Hygiene und verfasste mehrere Publikationen zum Thema Rassenhygiene. Die Berliner Vertreter in dieser Versammlung plädierten dafür, zunächst nur „reichsdeutsche“ Vereine aufzunehmen. Doch die Versammlung votierte mit 69:16 für eine „alldeutsche Variante“, was auch die Klubs Österreich/Ungarns einschloss. Die sportlichen Ziele lagen bei der Einrichtung von Landesverbänden und in der Schaffung von allgemeinverbindlichen Regeln. (Vgl.: Pfeifer u. Schulze-Marmeling 2008 : S. 16 u. 17) Das politische und gesellschaftliche Hauptziel des DFBs, lag in der Schaffung der Akzeptanz für den Fußballsport, denn Fußball war aus dem Blickwinkel vieler Zeitgenossen mit einem Makel behaftet. Das Spiel hatte seinen Ursprung in England, dem Land des größten außenpolitischen und militärischen Rivalen. Der Verband regierte darauf nicht mit eigenen Ideen, sondern mit Anpassung und der Suche nach Anschluss an die wilhelminischen Eliten. Funktionäre und Theoretiker ergingen in Patriotismus und Militarismus. Des Weiteren versuchte sich der DFB im autoritären wilhelminischen Staat anzubiedern, indem er immer wieder Danksagungen an das Herrscherhaus der Hohenzollern-Monarchie richtete. Auch in der Sprache des Spiels, wurde eine fast schon zwanghafte „Germanisierung“ betrieben. So wurde aus dem free-kick der Freistoß und aus dem heißen Match, die Schlacht. Der DFB fühlte sich in diesem Betreiben bestätigt, als 1907 der kaiserliche Thronfolger den „Kronprinzenpokal“ stiftete. (Vgl.: Oswald 2008b : S. 45 – 48)

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Details

Seiten
25
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656475804
ISBN (Buch)
9783656476764
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v231814
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Geschichte
Schlagworte
sozialgeschichte fußballs entdeckung duell

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