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Die Notwendigkeit von Kinderpartizipation

Geschichtliche und politische Hintergründe

Hausarbeit 2012 25 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gemeinwesen und Gemeinwesenarbeit

3. Partizipation

4. Notwendigkeit von Kinderpartizipation

5. Politik für Kinder

6. Beginn der Kindheit

7. Ende der Kindheit

8. Geschichte

9. Entwicklung der Kinderrechte

10. Aufbau der UN-Kinderrechtskonvention

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Geschichte der Kindheit ist ein Alptraum, aus dem wir gerade erst erwachen. Je weiter wir in der Geschichte zurückgehen, desto unzureichender wird die Pflege der Kinder, die Fürsorge für sie, und desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder getötet, ausgesetzt, geschlagen, gequält und sexuell missbraucht wurden. (…) Bei antiken Autoren (gibt es) hunderte von eindeutigen Hinweisen darauf, dass das Umbringen von Kindern eine allgemein akzeptierte alltägliche Erscheinung war. Kinder wurden in Flüsse geworfen, in Misthaufen und Jauchegräben geschleudert, in Gefäßen eingemacht, um sie dann verhungern zu lassen, auf Bergen und an Wegrändern ausgesetzt als Beute für Vögel, Futter für wilde Tiere, die sie zerreißen würden“ (Lloyd de Mause, 1977, S. 12 und 46).

Um eine Gesellschaft am Leben zu erhalten, bedarf es einer heranwachsenden Generation, die für ihre späteren Aufgaben vorbereitet werden müssen.

Kinder, sie sind das wichtigste Gut der Menschheit und bedürfen eines besonderen Schutzes. Als schwächstes Glied der Gesellschaft, müssen ihre Rechte durch Erwachsene verfestigt werden. Man geht von sieben Grundbedürfnissen der Kinder aus. Diese sind das Bedürfnis nach beständigen liebevollen Beziehungen, nach körperlicher Unversehrtheit, Sicherheit und Regulation, das Bedürfnis nach Erfahrungen, die an individuelle Unterschiede angepasst sind, nach entwicklungsgerechten Erfahrungen und das Bedürfnis nach Grenzen und Strukturen. Das Bedürfnis nach stabilen, unterstützenden Gemeinschaften, nach kultureller Kontinuität und nach einer sicheren Zukunft für die Menschheit sind die Grundmauern der Kindheit. Leider wurden Kinder nicht immer so schützend und fördernd umsorgt und als bedeutende Lebewesen betrachtet, was anhand des genannten Zitats von Lloyd de Mause mit wenig Worten auf das grausamste verdeutlicht wurde.

In einer späteren Zeitepoche wurden die Kinder zwar nicht mehr (durch ihre Eltern) getötet, aber deren Ausbeutung nahm andere Formen an, die durch Kinderarbeit, Einsatz in Konfliktgebieten (Kriegen) sowie Kinderhandel umgesetzt wurde.

Kinder wurden als Waren gesehen, die keine Rechte haben. Das änderte sich erst mit der menschlichen Entwicklung und dem Entschluss zur Verankerung von Schutzrechten für Kinder in Menschenrechtspakten, bis zur Verabschiedung von Kinderrechtserklärungen und letztens der UN-Kinderrechtskonvention von 1989, die Schutz- Förder- und Beteiligungsrechte enthält.

Mit dieser Maßnahme ist eine gesetzliche Grundlage geschaffen worden, den Kindern eine sorgenfreie Kindheit und Jugend zu ermöglichen. Sie können sich frei entfalten und die verantwortlichen Akteure auf Bundes-, Regional- und Kommunalebene sind in der Lage Voraussetzungen zu schaffen, die Kinder in ihre Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen und somit Partizipation mit Kindern zu leben.

In dieser Arbeit wird Kinderpartizipation erklärt. Anhand geschichtlicher Gründe, die Notwendigkeit des Schutzes der Kinder aufgezeigt und die daraus entstandenen gesetzlichen Grundlagen beschrieben.

2. Gemeinwesen und Gemeinwesenarbeit

„Ein Gemeinwesen ist ein soziales Gefüge, in dem Menschen und Systeme gemeinsame Merkmale haben und in Interaktion zueinander stehen. Ein Gemeinwesen kann ein spezieller Stadtteil sein genauso wie die Angehörigen einer bestimmten kategorialen Gruppe (Philippinische Migranten, Obdachlose, AlleinerzieherInnen …) oder einer virtuellen Gemeinschaft (Internetcommunity).“(Schnee)

Gemeinwesenarbeit ist ein Arbeitsprinzip in der Sozialen Arbeit. Sie soll die Selbstorganisation und Selbstregulation eines Sozialraums im Gemeinwesen anregen und unterstützen.

3. Partizipation

Das Wort Partizipation stammt aus dem Lateinischen participare und bedeutet teilnehmen lassen, teilen und teilhaben also das Recht, sich in Entscheidungsprozesse einzubringen und das Recht auf Mitbestimmung.[1]

Partizipation umfasst ein breites Feld an Rechten und trägt zur Integration, zur Freiheit und Würde, sowie zum Fortschritt der Gesellschaft und des Einzelnen bei. Es ist die freiwillige Beteiligung an Prozessen der Gesellschaft und dem Schutz des Menschen vor gesellschaftlichen Konflikten.

Häufig wird unter Partizipation nur die politische Beteiligung gesehen und nicht das gesamte Feld.

Nach der Gründung der Bundesrepublik beschränkte sich Partizipation weitestgehend nur auf die Teilnahme an Wahlen, die sich aber aufgrund der Demokratisierung weiter entwickelte.

Heute kann man unterschiedliche Typen der Partizipation benennen.

die allgemeine Partizipation

In der allgemeinen Partizipation bilden sich die Bürger nach erlangten Informationen ihre eigene Meinung und versuchen Andere während Diskussionen davon zu überzeugen. Dazu sind politische und institutionalisierte Formen zu rechnen.

Bsp.: Bürgerantrag, Einwohnerfragestunden

problemspezifische Partizipation

Zur problemspezifischen Partizipation zählen unter Anderem die Teilnahme an Streiks und an öffentlichen Diskussionen sowie die Mitarbeit in Bürgerinitiativen. Es sind freiwillige ehrenamtliche Tätigkeiten in der Öffentlichkeit.

parteiorientierte Partizipation

Darunter versteht man nicht nur die Mitgliedschaft in einer Partei, sondern die Teilnahme an dessen verbundenen Tätigkeiten. Dazu zählen beispielsweise die Wahlkampfarbeit und die Ausübung des politischen Mandats, sowie die Organisation und Teilnahme an politischen Veranstaltungen.

gewaltförmige Partizipation

Dieser Typ beinhaltet alle Aktionen, die Gewalt gegen Gegenstände oder Personen umfassen. Darunter versteht man unter Anderem Demonstrationen, Anschläge sowie Sabotageakte.

Selbstverwaltung

Die Selbstverwaltung ist noch mehr, als nur die politische Mitbestimmung.[2] Sie steht für Bürgerengagement und lebendiger Demokratie und umfasst konstruktive und konsensorientierte Beratungsprozesse.

Die Selbstverwaltung trägt einen großen Teil zur gesellschaftlichen Stabilität bei.[3]

Kinderpartizipation ist ein konkreter Teil der Partizipation und umfasst das Recht auf Teilhabe und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Gesellschaft.

Durch die Partizipation von Kindern und Jugendlichen soll ihnen ein Recht auf freie Meinungsäußerung in Kindern betreffenden Angelegenheiten zugesichert werden. Diese Meinung soll bei Entscheidungen, von denen Kinder und Jugendliche unmittelbar betroffen sind, aufgegriffen und berücksichtigt werden. Spezielle Interessen der Kinder umzusetzen, Mitbestimmung und Engagement in der Jugendpolitik sowie die Teilhabe an der Stadtentwicklung (Beispiel: bedarfsgerechte Anlagen, Planung Spielflächen und Unterhaltung im Wohnumfeld) umfassen die Integration der Kinder in die Gesellschaft.

Heute ist in der Kommunalplanung die Partizipation von Kindern in deren Lebensumfeld noch vergleichsweise selten, doch gewinnt sie immer mehr an Zuspruch und Interesse. Sie entwickelt sich Zusehens zu einer gern akzeptierten Vorgehensweise bei der Kommune.[4]

Sie verändert die Prozesse von Entscheidungen sowie deren Ergebnisse und hat Auswirkungen auf die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen.

4. Notwendigkeit von Kinderpartizipation

Kinder und Jugendliche, die aktiv an Entscheidungen der Gestaltung ihrer Umgebung teilnehmen, dabei mitreden, mitgestalten und mitbestimmen dürfen, tragen zur Stärkung von demokratischen Strukturen bei. Sie sind noch nicht in der Lage, komplexe technische, wirtschaftliche oder rechtliche Zusammenhänge richtig einzuschätzen. Kinder und Jugendliche haben aber andere Kompetenzen, Fantasie, Kreativität, Spontanität und Begeisterungsfähigkeit, die Erwachsenen oft verloren gegangen sind. Eine Kommune, die die Ressourcen ihrer Bürger einschließlich Kinder für sich nutzen will, beteiligt auch ihre Schwächsten, die Kinder, an Entscheidungsprozessen ihrer Entwicklung. Die Beteiligung beginnt in den Köpfen der Erwachsenen. Wenn den Kindern die Möglichkeit gegeben wird, gestalterisch und politisch zu Handeln, entwickeln sie soziale Kompetenzen. Partizipation ist eine Grundhaltung von Pädagogik und Politik. Gemeinsames Handeln, Planen und mit Entscheidungen im Alltag zu treffen, ist Partizipation mit Kindern, auch wenn die Folgen für die Erwachsenen unbequem sein können, denn aktive Kinder und Jugendliche sind nicht nur in der Lage, Wünsche zu äußern, sondern auch Veränderungen zu bewirken. Die rechtlichen Grundlagen für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sind zum Beispiel in der UN-Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen in Gesetzesform niedergeschrieben, doch dazu mehr im Abschnitt 8 und 9. Die „Agenda 21“, das Weißbuch „Jugend der Europäischen Union“, die „EU-Equal-Programm-Leitlinien“ und die „Europäische Charta“ des Europarates zur Beteiligung jüngerer Menschen sind weitere rechtliche Grundlagen, um jungen Menschen auf kommunaler, regionaler Ebene an Entscheidungsprozessen teil haben zu lassen. Durch die Teilhabe in unterschiedlichen Angelegenheiten aus der Öffentlichkeit und der Politik, wird unter Anderem einer Politikverdrossenheit vorgebeugt. Das bedeutet, die Bürger bringen ihre Meinungen und Vorschläge ein (Mitbestimmung) und entwickeln dadurch keine negativen Einstellungen zur kommunalen Politik, da sie selbst Akteure sind und sich damit identifizieren.

Mit der Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen an der Planung öffentlicher Anlagen, wie zum Beispiel eines Jugendtreffs, kann beispielsweise Vandalismus (Definition Vandalismus: Zerstörungswut, absichtliches, sinnloses Zerstören)[5] reduziert werden. Die Kinder entwickeln eine eigene Wertvorstellung, die sie schätzen und schützen.

Kinder und Jugendliche gewinnen durch die Partizipation an Kompetenz, Reife und Erfahrung. Sie stärken ihre Urteilsfähigkeit und werden mehr in gesellschaftliche Prozesse integriert.

Kinderpartizipation ist die Chance zur Weiterentwicklung der Betroffenen, der Gesellschaft und zur Annahme weiterer Partizipationsprozesse.

Natürlich kann man als Gegenargument die etwaige Überforderung von Kindern und Jugendlichen in diesem Zusammenhang anbringen, allerdings ist dies nur eine Vermutung und kann nicht auf empirische Daten gestützt werden. Im Gegenteil zeigen diese empirischen Studien die erfolgreiche Annahme der Kinderpartizipation und die hohe Kompetenz der Beteiligten.[6] Im Jahr 2005 hat die Bertelsmann Stiftung eine umfangreiche Studie zur Lage der Kinder- und Jugendpartizipation durchgeführt. Diese Studie, dieses Projekt „mitWirkung“ wurde in 42 Städten und Gemeinden durchgeführt und an 422 Schulen insgesamt 631 Lehrer und 14.378 Schüler zwischen 12 und 18 Jahren zu ihrer Beteiligung im Bereich Familie, Schule und Kommune befragt.[7] Das Ergebnis dieser Befragung gab an, dass 74,6% der Befragten viel oder sehr viel zu Hause mitwirken, 14,5% der Befragten wirken viel oder sehr viel in der Schule mit und 13,6% der Befragten wirken viel oder sehr viel in der Kommune mit.[8]

Die Partizipation ist bedeutend für die Integration von Kindern und Jugendlichen in die Gesellschaft auch im Hinblick des Migrationshintergrundes und schafft einen Bezug zwischen ihnen und ihrer Lebensumwelt. Sie stärkt das Selbstbewusstsein und ihre gesellschaftliche Identifikation. Die Umwelt wird sorg voller wahrgenommen und das Verantwortungsgefühl ihr gegenüber steigt. Somit kann die Partizipation von Kindern und Jugendlichen als eine kreativ mitwirkende Einfügung der jungen Menschen in die soziale Lebensumwelt derer bezeichnet werden.

Sie ist durch einen ständigen Lernprozess der Grundstein für eine erfolgreiche Bildung. Die Kinder und Jugendlichen erleben Demokratie hautnah. Sie kommunizieren sozusagen Generationsübergreifend, dadurch lernen Erwachsene Ideen, Visionen und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen kennen und können somit finanzielle Mittel zielgerichtet einsetzen. Die Politik in den Kommunen, die Partizipation so verstehen, ermöglicht den Kindern sich politisch zu beteiligen. Aus diesen Gründen sollten alle Kinder und Jugendliche unabhängig von Geschlecht, Glaubenszugehörigkeit, Bildungsniveau, Wohnort und sozialer Herkunft von Partizipationsangeboten erreicht werden.

5. Politik für Kinder

Ein Beispiel, wie von Bundesebene aus Kinder für Politik begeistert werden sollen. www.HanisauLand.de ist ein Internetportal, eingerichtet von der Bundeszentrale für politische Bildung, mit dem Thema Politik für Kinder im Alter von 8 – 14 Jahren. Mit diesem Angebot sollen die Kinder auf eine unterhaltsame Weise mit den Grundlagen der Politik vertraut gemacht werden. Mit Hilfe einer interaktiven Comicgeschichte, die monatlich fortgesetzt wird, soll den Kindern und Jugendlichen der Aufbau eines demokratischen Landes (HanisauLand) verständlich erklärt werden. Bärbel, eine ideenreiche Nilpferddame ist Kanzlerin in diesem Land. Sie versucht gemeinsam mit Rainer einen cleveren Hasen, Egon ein furchtloses Wildschwein und anderen Tieren im HanisauLand eine Demokratie aufzubauen und müssen dabei viele Hürden überwinden. Weiter können die Kinder über ein Politiklexikon mit über 700 Begriffen verfügen und zeitnah Fragen stellen, die von einer Redaktion beantwortet werden. Die Seite ist nicht nur Kindergerecht bunt gestaltet, übersichtlich, leicht verständlich, sondern sehr umfangreich und bietet die Möglichkeit, einige Folgen in Englisch zu schauen.

Politik für Kinder kann so schön sein.[9]

[...]


[1] Vgl. http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/pocket-politik/16528/partizipation

[2] Vgl.: www.dochost.de – Was bedeutet Partizipation?

[3] Vgl.: www.gkv-spitzenverband.de/Selbstverwaltung.gkvnet

[4] Vgl.: www.dochost.de/index.php?option=com_content&task=view&id=121&Itemid=95

[5] Vgl.: de.thefreedictionary.com/Vandalismus

[6] Fatke, Reinhard/Schneider, Helmut (2005): Kinder- und Jugendpartizipation in Deutschland. Daten, Fakten, Perspektiven. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Gütersloh)

[7] Vgl.: www.afs60.de/webcontent/files/AFS-Partizipationswerkstatt_Einfuehrung_Koopmann.pdf; S.9

[8] Vgl.: www.afs60.de/webcontent/files/AFS-Partizipationswerkstatt_Einfuehrung_Koopmann.pdf, S.9

[9] Vgl.: www.hanisauland.de

Details

Seiten
25
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656486879
ISBN (Buch)
9783656493426
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232041
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
Schlagworte
notwendigkeit kinderpartizipation geschichtliche hintergründe

Autor

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