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Jugendsprache im Wandel

Hausarbeit 2012 10 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist Jugendsprache?

3. Jugendsprache im Wandel
3.1 Ein kurzer Überblick über die Geschichte der Jugendsprache
3.2 Wandel der Jugendsprache in den letzten zwei Jahrzehnten
3.3 Semantischer Wandel am Beispiel von geil und chillen
3.4 Sprachliche Innovationen: Vom Szenewort zur Umgangssprache

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ich hör es gern, wenn auch die Jugend plappert; Das Neue klingt, das Alte klappert.“

–Johann Wolfgang von Goethe

Innerhalb der Jugendkultur übernimmt neben Kleidung, Habitus und Besitztum auch die Ausprägung eines bestimmten Sprachstils eine sozial markierende Funktion. Mit ihrer eigenen Sprache grenzen sich Jugendliche nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von anderen Jugendgruppen oder –Szenen ab. Prinzipiell findet man Jugendsprache immer dort, wo Jugendlichen genügend Freiräume zur Entfaltung geboten werden. Sie ist durchaus keine Modeerscheinung – Heranwachsende haben auch schon zu früheren Zeiten einen eigenen Sprachstil ausgebildet, und dies schon seit dem 16. Jahrhundert. Natürlich verändert sich die Jugendsprache im Laufe der Jahre, so wie es die Hochsprache auch tut. Was einst als typisch Jugendsprachliches Wort galt, kann sich heute in unserem „normalen“ Sprachgebrauch befinden. So gehören Begriffe der Studentensprache des 18. und 19. Jahrhunderts (z.B. flott oder Kneipe) heute zur Alltagssprache (Androutsopoulos 2005: 3). Auch Wörter wie toll und prima waren noch vor 60 Jahren jugendtypische Wörter und als „bedeutungslose Wertungen verpönt“ (Heinemann 1990: 18), heute sind sie Bestandteil des Wortschatzes von Erwachsenen.

In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, wie sich die Sprache der Jugend im Laufe der Jahre ändert. Zur Einführung soll zunächst geklärt werden, was Jugendsprache ist um anschließend einen Überblick über ihre Geschichte und ihren Wandel zu geben. Abschließend wird anhand des Wortes chillen ein Einblick in die Innovationen der Sprache gegeben. Es soll auch auf die zunehmende Anglisierung der Sprache und deren Auswirkungen eingegangen werden.

2. Was ist Jugendsprache?

Seit Ende der 1970er Jahre hat sich die Sprache der Jugend zum internationalen Phänomen entwickelt (Bußmann 2008: 315) und somit die Aufmerksamkeit der linguistischen Forschung auf sich gezogen. Jugendsprache ist die zusammenfassende Bezeichnung für ein breites Spektrum alterstypischer und sozial geprägter Sprechweisen (ebd.). Allerdings ist der Begriff Jugendsprache insoweit irreleitend, „als das soziale Alter "Jugend" nur die Folie bildet für komplexere soziolinguistische Unterscheidungen, bei denen Kriterien wie z.B. Geschlecht, Wohnort, Lebensstil, Hobbys und Musikgeschmack ausschlaggebend sind“ (Androutsopoulos 2001: 12).

Da „Jugend“ ein schwammiger Begriff ist, kann der Zeitraum in dem sie stattfindet nur schwer eingegrenzt werden. Fest steht jedoch, dass sie die Übergangsphase zwischen dem Kindes- und dem Erwachsenenalter ist. Junge Sprecher machen nicht nur Gebrauch von der Jugendsprache um sich von Erwachsenen abzuheben, sie können sich durch ihren Sprachgebrauch auch von Gleichaltrigen differenzieren. So findet man in verschiedenen Szenen verschiedene, szenetypische Wörter die in Gebrauch sind. Es kann durchaus sein, dass Jugendliche aus der Hip Hop Szene Gleichaltrige aus der Technoszene nicht verstehen wenn sie „szenenintern“ sprechen.

Mit dem Eintritt ins Berufsleben, wenn die Sprecher anfangen sich „nach neuen Prototypen zu orientieren“ (Androutsopoulos 2001: 23f) ändert sich zumeist auch die Sprechweise und die Jugendsprache wird aufgegeben. Dieser Prozess findet größtenteils graduell statt, kann aber auch abrupt von statten gehen, meist in Folge eines traumatischen Ereignisses im Leben des Jugendlichen (ebd. 21).

3. Jugendsprache im Wandel

Erste Anfänge einer deutschen Jugend- beziehungsweise Studentensprache zeigten sich bereits Anfang des 16. Jahrhunderts, allerdings ist die Quellenlage bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts nur dürftig (Neuland 2008: 89). Dass Jugendliche von heute jedoch nicht mehr sprechen wie die Jugendlichen zur Zeit Galileos scheint selbstredend – der Sprachwandel ist ein natürliches Phänomen des Sprachgebrauchs und Zeichen einer jeden Sprachgemeinschaft. So wandeln sich nicht nur die deutsche Hochsprache, sondern auch ihre Varietäten. Die jeweiligen aktuellen „sprach- und kulturgeschichtlichen Verhältnisse“ werden in der Sprache der Jugend widergespiegelt (Neuland 2003: 95). Was vor 20 Jahren noch stark war ist heute krass, wer früher am abhängen war, der chillt heute und wem es vor einigen Jahren an Coolness mangelte, der lebt heute ohne Swag. Im Folgenden soll anhand einiger Beispiele auf die geschichtliche Entwicklung der Jugendsprache eingegangen werden.

3.1 Ein kurzer Überblick über die Geschichte der Jugendsprache

Neuland (2008: 89-132) gliedert die Geschichte der Jugendsprache in frühe Formen und Formen in der jüngeren Sprachgeschichte nach 1945. Letztere beinhalten das „Halbstarken-Chinesisch“ der fünfziger Jahre, (ebd. 112ff), das „Teenagerdeutsch“ der sechziger Jahre (ebd. 116ff), „APO-[1] “ und „Szene-Sprachen“ der siebziger Jahre (ebd. 120) sowie die „Sponti-Sprache“ der achtziger Jahre, welche „ein erstes Gegenstandsfeld einer linguistisch orientierten Jugendsprachforschung“ darstellt (ebd. 126).

Eine deutschlandweit (mehr oder weniger) einheitliche Jugendsprache gibt es erst seit der Verbreitung der Massenmedien, vor allem des Fernsehens und des Internets. Als der Fernseher zur Zeit der 60er Jahre immer populärer wurde und erste jugendliche Printmedien auf dem Markt erschienen (z.B. Bravo 1956) tauchten bereits die ersten Wörterbücher über die Sprache der Jugend auf. Vorher war eine Verbreitung des Wortschatzes einer Jugendgruppe regional sehr beschränkt, da Jugendliche zu früheren Zeiten im Vergleich zu heute weitaus weniger überregionale Kontakte hegten. Heute haben die meisten Jugendlichen Zugriff auf TV und vor allem das Internet und können sich dadurch national sowie international austauschen.

3.2 Wandel der Jugendsprache in den letzten zwei Jahrzehnten

Die Jugendsprache ist sehr schnelllebig, Trends ändern sich ständig. Mit der rapiden Entwicklung von Medien und Kommunikationsformen (Computer, Internet, Smartphones) veränderte sich auch die Sprache der Jugend in den letzten 20 Jahren. Wie bereits angemerkt ist dies eine durchaus normale Charaktereigenschaft von Jugendsprache sowie der Sprache im Allgemeinen. Wurde die Jugendsprache früher jedoch noch von Dingen wie Politik und Wirtschaft beeinflusst, so wachsen heutige Kinder und Jugendliche unter dem ständigen Einfluss des Internets und der globalen Vernetzung auf. Aus neuen Kommunikationsformen resultiert meist ein neues Kommunikationsverhalten – es entwickelt sich nicht nur eine „Chatsprache“, die von Abkürzungen, Tippfehlern, Dialekten und Begriffen aus der Jugendsprache geprägt ist, sondern die jugendkulturellen Szenen globalisieren sich zusätzlich über den anglo-amerikanischen Markt (Neuland 2003: 155) und machen immer mehr Gebrauch von der englischen Sprache. Nach dem einloggen surft man im Internet oder chattet mit Freunden und der Download von Musik und Filmen gehört zum Alltag.

Der Zufluss von Fremdwörtern war früher zeitlich sowie regional begrenzt, heutzutage ist es schwierig einen Tag zu verbringen an dem man nicht auf Anglizismen stößt. Ein Beispiel hierfür ist Reklame im Fernsehen – nicht nur hört man englische Wörter in beinahe jeder Werbepause, seit einiger Zeit kann man auch eine komplette Werbung sehen, die nicht wie üblicherweise deutsch synchronisiert wurde, sondern durchgehend im englischen Original ausgestrahlt wird. Die Spot-Reihe „What Else?“ von Nespresso markiert so einen Trend in der TV-Werbung der sich zunehmender Beliebtheit zu erfreuen scheint. Bei all diesem medialen Einfluss und ausgehend von den Interessen und Lebensgewohnheiten von Jugendlichen ist es naheliegend, dass ihr Sprachverhalten beeinflusst wird und sich somit allmählich ändert. So spiegelt sich der Einfluss der englischen Sprache vor allem auch am „Jugendwort des Jahres“[2] wider, welches von einer Jury aus Jugendlichen und Journalisten gewählt wird und letztes Jahr zum ersten Mal seit Beginn dieses „Wettbewerbs“ vor fünf Jahren ein englisches Wort war. Es handelt sich um das bereits erwähnte Swag, was so viel bedeutet wie beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung. Das zweitplatzierten Wort ist ebenfalls ein englisches – Fail oder auch Epic Fail steht für einen groben Fehler oder Versagen.

[...]


[1] Außenparlamentarische Opposition

[2] www.jugendwort.de

Details

Seiten
10
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656484066
ISBN (Buch)
9783656484431
Dateigröße
856 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232052
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
Schlagworte
Jugendsprache Kiezdeutsch Linguistik Sprachwandel sprachliche Innovation

Autor

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Titel: Jugendsprache im Wandel