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Altenpflege: Veränderungen und Trends in der Bundesrepublik Deutschland

Hausarbeit 2013 20 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Altenpflege in der vorindustriellen Gesellschaft

3 Probleme der Altenpflege in Bezug auf gesellschaftliche Veränderungen .

4 Aktuelle Trends in der Altenpflege

Ambulante Pflegedienste

Generationshäuser

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Onlineverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der Bevölkerung und Altersstruktur in Deutschland bis 2060 (eigene Darstellung nach Zahlen des Statistischen Bundesamts 2009)

Abbildung 2: Einflüsse, die sich auf den Wegfall des familiären Pflegepotentials auswirken (eigene Grafik)

Abbildung 3: Prozess der Abwerbung ausländischer Fachkräfte in der BRD (eigene Grafik) .

1 Einleitung

Die Bundesrepublik Deutschland steht vor einer enormen Herausforderung. Im Zuge des demografischen Wandels wird die Anzahl pflegebedürftiger Menschen künftig immer weiter steigen. Allerdings sind die Voraussetzungen für eine flächendeckende Betreuung derzeit bei Weitem noch nicht gegeben. Aufgrund struktureller Veränderungen innerhalb der Gesellschaft ist es notwendig, die Pflege von Menschen im Alter den aktuellen Gegebenheiten anzupassen und künftig weiterzuentwickeln.

Die vorliegende Hausarbeit soll sich daher mit der Thematik der Altenpflege in Deutschland beschäftigen. Im Zuge des Zeitalters der Modernen haben sich in Bezug auf die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen viele Aspekte geändert. Durch strukturelle Veränderungen innerhalb der Gesellschaft und der individuellen Arbeitsabläufe steht der Bereich der Altenpflege vor großen und diffizilen Herausforderungen. Deren Lösung ist durch das Aufkommen diverser Aspekte nötig geworden, zu denen die Globalisierung, der demografische Wandel, die Urbanisierung und beispielsweise auch die Schichtarbeit in industriellen Gesellschaften gehören. Im weiteren Verlauf der Arbeit sollen an Hand der angeführten Begriffe die Problematiken für die Altenpflege skizziert werden. Die Hauptfrage hierbei lautet: Wie und mit welchen Instrumenten ist es möglich, die Altenpflege an die modernen Gegebenheiten anzupassen, und wie kam es dazu, dass eine Veränderung nötig wurde?

Zunächst wird im weiteren Verlauf der Arbeit im Abschnitt 2 die vorindustrielle Betreuung von Menschen im Alter erörtert. Hier wird ein besonderes Augenmerk auf der gesellschaftli- chen Rolle der Frau liegen und wie sich diese Rolle auf die Pflege von alten Menschen aus- wirkte. Darauf aufbauend werden die zuvor angesprochenen Aspekte der Modernen ange- führt, welche zu einer Veränderung im Bereich der Altenpflege führen und neue soziale In- strumente nötig machen, um der Rückkehr zu veraltetem Rollenverhalten entgegenzuwirken. Diese Skizzierungen erfolgen im Abschnitt 3 und sollen als Beispiele für die derzeitigen Probleme in der Bundesrepublik Deutschland im Bereich der Altenpflege dienen. Da es sich bei dieser Arbeit um eine aktuelle Bestandsaufnahme handeln soll, werden im letzten Ab- schnitt 4 des Hauptteils aktuelle Entwicklungen im Bereich „Soziale Dienste“ in Bezug auf die Altenpflege dargestellt.

Abschließend wird im letzten Abschnitt „Fazit“ ein möglicher Ausblick in Bezug auf die Pflege diskutiert. Wie sieht die Pflege der Zukunft aus und welche Perspektiven werden bereits dafür entwickelt?

2 Altenpflege in der vorindustriellen Gesellschaft

Im vorindustriellen Zeitalter lebten Familien noch sehr viel enger zusammen als heutzutage. Dieser Aspekt ist einer der entscheidenden Kriterien um zu verstehen was sich im Bereich der Pflege von älteren pflegebedürftigen Menschen verändert hat. Die häusliche Pflege war somit das gängige Modell, wodurch ein Outsourcing pflegerischer Tätigkeiten durch Fachkräfte nicht erforderlich war. Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass es sich hierbei keinesfalls um eine qualitativ bessere Versorgung handeln musste, die quantitative Versorgung kann jedoch stets als gegeben vorausgesetzt werden.1

Dass die Ressource Pflegekraft als gegeben vorausgesetzt werden konnte, liegt vor allem an einem speziellen Faktor. Dieser Faktor kann bei der gesellschaftlichen Rolle der Frauen ver- ortet werden. Die Aufgabe der Pflege von alten Menschen war grundsätzlicher Bestandteil der vorindustriellen Arbeitsteilung, die beinhaltete, dass Frauen für die Pflege zuständig waren.

„ Private Arbeit in Form von Kinder- und Elternbetreuung und -pflege wurden von diesen Frauen als soziale Norm wahrgenommen [ … ]. Alle nahmen die Elternpflege als eine Selbstverst ändlichkeit im Sinne der Familiensolidarit ät an bzw. hatten ein Versprechen gegenüber den Eltern abgelegt, die Pflege zuübernehmen. “ 2

Das gängige Rollenbild, das die Pflege alter und gebrechlicher Familienmitglieder als Frauen- arbeit verstand, ist somit ein wichtiger Indikator für die Veränderung innerhalb der Pflege in unserer Gesellschaft. Es ist anzumerken, dass es sich bei der Darstellung der Fakten nicht um eine Wertung im Sinne des Prinzips „Früher war alles besser“ handelt. Vielmehr geht es da- rum, aufzuzeigen, wie es zu Veränderungen im Bereich der Pflege kam und welchen Aspek- ten dabei eine entscheidende Bedeutung zukommt. Diesbezüglich ließe sich auch der Betreu- ung von Kindern mit anführen, was jedoch nicht Bestandteil dieser Arbeit sein soll, allerdings auch auf diese übertragbar wäre.

Im Zuge der Emanzipation der Frauen und die vermehrte Aufnahme von Beschäftigungsver- hältnissen außerhalb des eigenen Haushalts fiel der angesprochene Aspekt der gesicherten innerfamiliären Altenpflege zunehmend weg. Dies lässt sich beispielsweise daran erkennen, dass soziale Dienstleister zunehmend Instrumente entwickelten, um dem „Wegfall“ der kon- stant gegebenen Pflegekraft Frau entgegenzuwirken. Die erste spezielle Ausbildung wurde in Deutschland mit dem Beginn der 60er Jahre von Wohlfahrtsverbänden wie Arbeiterwohlfahrt, Caritas und Diakonie entworfen. In der Mitte der 1960er wurden schließlich vom Deutschen Verein3 ein Berufsbild Altenpflegerin ausgearbeitet und in diesem Zusammenhang der Altenpflegeberuf als ein sozialpflegerischer Beruf definiert.4

Wie der Begriff der „Altenpflegerin“ verdeutlicht, wurde auch hier die Pflege eher der Frau zugeordnet. In wie weit man von einer reinen Verschiebung und Aufwertung sprechen kann, soll im letzten Abschnitt „Fazit“ dieser Arbeit noch einmal genauer diskutiert werden. Zusammenfassend lassen sich für diesen Abschnitt vier wichtige Punkte herausstellen:

1. Pflege von alten Menschen war vor allem in der vorindustriellen Zeit als Frauenarbeit gekennzeichnet.
2. Diese Annahme resultierte aus dem zu dieser Zeit gängigen Modell der Rollenverteilung.
3. Durch die Emanzipation der Frauen und eine vermehrte Aufnahme beruflicher Tätigkeiten fiel die Ressource Pflegekraft weitgehend weg.
4. Soziale Dienste wirkten dieser gesellschaftlichen Veränderung durch die Entwicklung des Berufs „AltenpflegerIn“ entgegen.

Im folgenden Abschnitt 3 werden diese vier Aspekte, welche die moderne Gesellschaft prägen, in die Diskussion mit aufgenommen. Die Reihenfolge der Punkte beinhaltet keine Gewichtung und ist zufällig getroffen. An Hand dieser Aspekte werden die aktuellen Probleme innerhalb der Altenpflege dargestellt und im weiteren Verlauf der Arbeit mit möglichen Handlungsempfehlungen und derzeitigen Projekten verknüpft.

3 Probleme der Altenpflege in Bezug auf gesellschaftliche Veränderungen

Der soziale Wandel mitsamt seinen Veränderungen stellt die Altenpflege vor große Probleme. Gerade die Bundesrepublik Deutschland als globalisierter kapitalistischer Staat ist von diesen Gesichtspunkten stark betroffen. Der Begriff des sozialen Wandels beinhaltet verschiedene Aspekte, die eine Veränderung auf dem Pflegesektor herbeiführen und eine Lösung verlan- gen. Wie bereits kurz in der Einleitung erwähnt, sind diese Aspekte beispielsweise der demo- grafische Wandel, die Urbanisierung, die Globalisierung sowie die Veränderung der Arbeits- zeiten hin zur Schichtarbeit. Gerade aufgrund einer sinkenden Fruchtbarkeits- sowie Gebur- tenrate wird die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschlands in den nächsten Jahrzehnten weiter rückgängig sein. Dabei wird sich die Altersstruktur in Richtung der Altersklasse älterer Menschen verschieben.5 Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts lässt sich dies zahlenmäßig wie folgt untermauern: Lag die Geburtenrate im Jahr 1965 für die BRD noch bei 17,5 Kindern pro 1.000 Einwohner, sank dieser Wert im Jahr 2011 auf lediglich 8,1 Geburten pro 1.000 Einwohner. Gleichzeitig sank die Sterberate von Menschen in Deutschland. Lag die Sterberate im Jahr 1965 noch bei 12,0 Sterbefällen pro 1.000 Einwohner, verringerte sich dieser Wert im Jahr 2011 auf 10,4 Sterbefälle pro 1.000 Einwohner.6 Eine sinkende Geburten- rate kombiniert mit einer sinkenden Sterberate führt demografisch gesehen zwangsläufig zu einem Rückgang der Bevölkerung.

Derzeit sind in Deutschland etwa 16 Millionen Menschen der Gesamtbevölkerung älter als 65 Jahre. Bereits im Jahr 2030 wird sich die Zahl auf 22 Millionen Menschen erhöhen. Der An- teil der Menschen, die ein Alter von mehr als 80 Jahre erreichen, wird bis zum Jahr 2040 zu- dem stark ansteigen.7 Es liegen zwar Erkenntnisse vor, dass Menschen in zunehmendem Alter länger gesund bleiben, dennoch ist die Dominanz der Alterung durch die Menschen über 80 Jahre für die Pflegeversicherung besonders bedeutsam, denn diese werden vor allem Hilfe und Pflegeleistungen in Anspruch nehmen.

[...]


1 Vgl. Beck-Gernsheim: Was kommt nach der Familie? Alte Leitbilder und neue Lebensformen. München 2010 S. 95-96.

2 Bauer/Büscher (Hrsg.): Soziale Ungleichheit und Pflege: Beiträge sozialwissenschaftlich orientierter Pflegeforschung. Wiesbaden 2008, S. 278.

3 Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. (kurz Deutscher Verein) mit Sitz in Berlin (früher Frankfurt am Main) ist der Zusammenschluss u. a. der öffentlichen und freien Träger sozialer Arbeit.

4 Vgl. Plümpe, Johannes: Berufskunde Altenpflege: Lehrbuch für die Altenpflegeausbildung. Hannover 2000, S. 31.

5 Vgl. Robert Bosch Stiftung: Pflege neu denken: Zur Zukunft der Pflegeausbildung. Stuttgart 2000, S. 141.

6 Statistisches Bundesamt: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit: Natürliche Bevölkerungsbewegung. Wiesbaden 2013, S. 29. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/Bevoelkerungsbewegung/Be- voelkerungsbewegung2010110117004.pdf?__blob=publicationFile (Abgerufen am 20.04.2013).

7 Vgl. Statistisches Bundesamt: Datenreport 2008 - Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2008, Seite 21 ff. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Datenreport/Downloads/Datenreport2008.pdf?__ blob=publicationFile (Abgerufen am 18.03.2013).

Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656487326
ISBN (Buch)
9783656490777
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232104
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung
Note
13,0
Schlagworte
altenpflege veränderungen trends bundesrepublik deutschland

Autor

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Titel: Altenpflege: Veränderungen und Trends in der Bundesrepublik Deutschland