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Zeichen der Trauer: Ikonografisches Repertoire und Typologie der Grabmäler des 18. Jahrhunderts in Großbritannien

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen: Grabmal, Grabdenkmal, Epitaph
2.1 Das Grabmal
2.2 Das Grabdenkmal
2.3 Das Epitaph

3. Das Freigrabmal – symbolische Vergegenwärtigung von Tod und Beisetzung
3.1 Das Tumbagrab
3.2 Die Kombination aus Tisch- und Sarkophag- oder Tumbagrabmal
3.3 Das Baldachin-Freigrabmal
3.4 Loggia-Grabmal und Mausoleum

4. Das Wandgrabmal – Steigerung der Repräsentation
4.1 Das einfache Ädikulamonument
4.2 Das Ädikulamonument mit seitlichen Erweiterungen
4.3 Das „Doppeldecker“-Grab

5. Ikonografisches Repertoire
5.1 Die Vanitasdarstellungen
5.2 Die Tugenddarstellungen
5.3 Beruf und Gewerbe

6. Fallbeispiel: Das ikonografische Repertoire eines Admiral-Grabmonuments

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang: Louis François Roubiliac: Monument für Vize-Admiral Sir Peter Warren

1. Einleitung

“It is vanity[1] in those who [...] think to gaine a perpetuitie[2] after death, by erecting of pillars, and such like monuments, to keep their names in remembrance, when as it is onely the Muses work which give unto man immortality.” [3]

Die Thematik des Todes beschäftigt die Menschheit seit jeher, kaum eine andere wirft eine solche Vielzahl an Fragen und Unsicherheiten auf. Jahrtausende überdauerte eine beinahe unveränderliche Einstellung zum Tod: die spontane und naive Fügung ins Schicksal und die Unterwerfung unter den Willen der Natur.

Der Tod wurde als vertrauter Begleiter, als ein akzeptierter Bestandteil des Lebens gesehen. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnte jeder, sogar ein der Familie Unbekannter, das Haus und das Zimmer des Sterbenden betreten. Man starb in der Regel öffentlich, der Sterbende starb – sofern sich der Tod angekündigt hatte - nicht allein, sondern umgeben von seinen Mitmenschen. Die „Modalitäten der Grablegung“[4] waren der Mehrzahl der Bevölkerung bekannt. Diese Einstellung zu den Toten ist für eine bestimmte historische Periode charakteristisch: Sie tritt im 5. Jahrhundert nach Christus in Erscheinung und besteht bis zum Ende des
18. Jahrhunderts.[5] Sie entwickelte sich mit der gegenseitigen Annäherung von Lebenden und Toten, hervorgerufen durch das Eindringen der Friedhöfe in die Städte und Dörfer, in die unmittelbare Nähe der Menschen.

Obwohl die Bewohner der Dörfer mit dem Tod vertraut waren, scheuten sie die direkte Nachbarschaft mit den Toten. Die „Lebensbereiche“ der einen mussten deutlich von denen der anderen getrennt sein, um jegliche Berührung zu vermeiden[6], wie schon das Zwölftafelgesetz besagt: „Kein Toter darf innerhalb der Stadt bestattet oder eingeäschert werden.“[7]

Im 19. Jahrhundert vollzog sich dann ein bedeutender Wandel: Das Sterben und der Tod wurden für die Menschen angsteinflößend und ein Tabu-Thema, das in der modernen, stark an Leistung orientierten Gesellschaft nicht mehr eingeplant wurde.

2. Begriffsbestimmungen: Grabmal, Grabdenkmal, Epitaph

2.1 Das Grabmal

Bevor mit einer Zusammenstellung der verschiedenen Grabmaltypen begonnen wird, sollen zunächst zur besseren Verständlichkeit die Begriffe Grabmal, Grabdenkmal und Epitaph voneinander abgegrenzt und erklärt werden. Laut Olivers Meys bezeichnet der Begriff Grabmal wortwörtlich ein „Mal“, das am eigentlichen Bestattungsort errichtet wurde und dessen Funktion darin besteht, den Ort der Bestattung zu markieren.[8]

2.2 Das Grabdenkmal

Das Grabdenkmal soll im Unterschied zum Grabmal in erster Linie an die Person des Verstorbenen erinnern. Es muss nicht zwangsläufig am eigentlichen Bestattungsort errichtet sein, steht jedoch meistens in einem räumlichen Zusammenhang mit diesem.[9] Das Grabdenkmal ist unter anderem darauf ausgerichtet, die Aufmerksamkeit des Kirchenbesuchers zu wecken und ihn zum Innehalten und möglicherweise zu einem stillen Gebet einzuladen. Als Synonym zum Begriff des Grabdenkmals wird in der Literatur häufig der des „Grabmonuments“ verwendet.

2.3 Das Epitaph

Der Begriff „Epitaph“ bezeichnete in der Antike die „in dichterischer Form abgefasste Inschrift auf einem Grabstein“[10]. Bis zum 14. Jahrhundert bestand das Epitaph aus zwei Abschnitten: zunächst die Identitätsangabe mit Namen und Todesdatum sowie eventuell ein kurzes Lobeswort und außerdem ein „an Gott gerichtetes Gebet für die Seele des Verstorbenen“[11]. Im Laufe der Verbreitung des Humanismus im 15. Jahrhundert wurde die Bezeichnung „Epitaph“ auf das ganze zur Erinnerung an einen Verstorbenen errichtete Monument übertragen.[12] Die Begriffe „Epitaph“ und „Monument“ wurden zu jener Zeit synonym verwendet, dies wurde jedoch Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben.[13] Heute kennzeichnet das Epitaph im Wesentlichen eine auf einer Art Steinplatte angebrachte Darstellung des meist in betender Haltung abgebildeten Verstorbenen, umgeben von allegorischem oder religiösem Bildwerk sowie einer Inschrift mit Namen und Todesvermerk.[14] Es kann direkt über dem Grab angebracht sein, was jedoch nicht immer der Fall ist. Ein Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen Epitaph und Grabdenkmal stellt daneben die Größe dar: Während die Darstellungen des Verstorbenen bei Erstgenanntem weit unterlebensgroß sind, sind die des Grabdenkmals oft lebensgroß oder größer.[15]

3. Das Freigrabmal – symbolische Vergegenwärtigung von Tod und Beisetzung

Richard Hamann-MacLean definiert das Freigrabmal als ein „frei im geschlossenen Kirchen- oder Mausoleums-Raum aufgestelltes Grabmal mit mindestens drei gleichwertigen Schauseiten“[16][17]. Die Form der liegenden Grabfigur lässt an den Tod selbst und die Beisetzung der Verstorbenen denken, geöffnete Augen spiegeln die Hoffnung auf Auferstehung wider. Im Gegensatz dazu wird der Tote bei Wandgrabmälern häufig stehend oder kniend und betend dargestellt und wirkt somit lebendiger.[18] Unterstützt wird dieser Eindruck durch die Tatsache, dass die Grabfiguren an Freigrabmälern in der Regel lebensgroß und vollplastisch sind. Die häufigste „Tätigkeit“ bei Grabfiguren an Freigrabmälern ist das Gebet.[19] Befindet sich eine kniende Grabfigur am Freigrabmal, spricht man oftmals vom Typus der „ewigen Anbetung“[20], jedoch nur, wenn die Gebetshaltung nicht auf einen zum Denkmal gehörigen Gegenstand bezogen ist.[21] Häufiger kommt es jedoch vor, dass der dargestellte Verstorbene die Hände auf oder neben dem Körper liegen hat.

Die folgende Typologie sowohl der Frei- als auch der Wandgrabmäler versteht sich in hierarchischer Reihenfolge, beginnend bei dem einfachen Tumbagrab bis hin zu architektonisch und gestalterisch aufwendigeren Werken.

3.1 Das Tumbagrab

Der Typus des Tumbagrabes stellt die häufigste Form des Freigrabmals dar.[22] Es ist sowohl mit als auch ohne Grabfigur anzutreffen, letzteres jedoch seltener.[23] Die Tumba kann ebenso wie der Sarkophag einen architektonischen Überbau (Baldachin) besitzen. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Tumbagrab häufig auch eine Art „Scheinsarg“ ohne Leichnam (im Unterschied zum Sarkophag, der immer einen Leichnam birgt). Die Deckplatte ist meist mit einem Bildnis des Verstorbenen geschmückt. Eine Variation des Tumbagrabes stellt das Tischgrabmal dar: Bei diesem Typus ruht die Deckplatte mit dem Gisant[24] auf mehreren Stützen auf, anstatt auf einem massiven Kasten zu stehen, wie dies beim Tumbagrabmal der Fall ist.[25] So entsteht unter der Deckplatte ein Freiraum und die Massivität des Baus wird etwas aufgelockert. Durch die liegende und meist schlafend mit gefalteten Händen dargestellte Grabfigur soll der Moment der Aufbahrung des Leichnams in Erinnerung gerufen werden.

Um dem Grabmal als Standes-Denkmal gerecht zu werden, besteht eine der Hauptaufgaben des Bildhauers darin, Inschriften und Wappen gut wahrnehmbar am Grabmal anzubringen. Dies ruft beim Typus des Tischgrabmals Schwierigkeiten hervor, da das Augenmerk des Betrachters durch die Tischkonstruktion vor allem auf die Grabfiguren gelenkt wird. Eine Möglichkeit ist, die Inschriften umlaufend auf dem schrägen Grabplatten-Rand anzubringen. Zudem können sie auf ein zusätzliches Wanddenkmal verlagert werden.[26] Bei den Inschriften handelt es sich teilweise um Bibelzitate, andere Male auch um die eigentlichen Grabinschriften wie Name und Todesvermerk.[27]

[...]


[1] Eitelkeit

[2] Ewigkeit

[3] Esdaile, Katherine: English church monuments. 1510 to 1840, London 1946.

[4] Ariès, Philippe: Geschichte des Todes. München ³1987, S. 43.

[5] Vgl. Ariès, Philippe: Geschichte des Todes, S.43.

[6] Vgl. ebd.

[7] Zwölftafelgesetz, zitiert nach: Ariès, Philippe: Geschichte des Todes, S. 44.

[8] Vgl. ebd., S. 82.

[9] Vgl. ebd.

[10] Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte 5, 1967, S. 872-921 in: Meys, Oliver: Memoria und Bekenntnis, 2009, S. 83.

[11] Ariès, Philippe: Geschichte des Todes, ³1987, S. 280.

[12] Vgl. Meys, Oliver: Memoria und Bekenntnis, S.83.

[13] Vgl. ebd.

[14] RDK 5, 1967, S. 872-921 in: Meys, Oliver: Memoria und Bekenntnis, München 2009, S. 83

[15] Vgl. Meys, Oliver: Memoria und Bekenntnis, 2009, S. 84.

[16] Vgl. ebd., S. 88.

[17] Meys, Oliver: Memoria und Bekenntnis, S. 87. In: Hamann-MacLean, Richard: Das Freigrab. In: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaften 30, 1976, S. 95-136.

[18] Vgl. Meys, Oliver: Memoria und Bekenntnis, 2009, S. 88.

[19] Vgl. ebd.

[20] Bruns, Leo: Das Motiv der Ewigen Anbetung in der römischen Grabplastik des 16., 17. und 18. Jahrhunderts. In: Römisches Jahrbuch für Kunstgeschichte 4, 1940, S. 253 – 432. In: Meys, Oliver: Memoria und Bekenntnis, 2009, S. 107.

[21] Vgl. Meys, Oliver: Memoria und Bekenntnis, 2009, S. 107.

[22] Vgl. ebd., S. 91.

[23] Vgl. Esdaile, Katherine: English church monuments, S. 54.

[24] Als Gisant wird die plastische, liegende Darstellung des Toten bezeichnet.

[25] Vgl. Meys, Oliver: Memoria und Bekenntnis, 2009, S. 93.

[26] Vgl. ebd., S. 95.

[27] Vgl. ebd., S. 98.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656487302
ISBN (Buch)
9783656491477
Dateigröße
704 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232120
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Schlagworte
zeichen trauer ikonografisches repertoire typologie grabmäler jahrhunderts großbritannien

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