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Wissensmanagement in Unternehmen

Hausarbeit 2002 30 Seiten

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Problemstellung und Gang der Untersuchung

2. Begriffliche Abgrenzung
2.1. Wissen
2.1.1. Begriff
2.1.2. Wissensarten
2.2. Wissensmanagement
2.2.1. Begriff
2.2.2. Ziele des Wissensmanagements

3. Elemente des Wissensmanagements
3.1. Wissensziele definieren
3.2. Wissensidentifikation
3.3. Wissenserwerb
3.4. Wissensentwicklung
3.5. Wissensverteilung
3.6. Wissensnutzung
3.7. Wissensbewahrung
3.8. Wissensbewertung
3.9. Organisation des Wissensmanagements

4. Problemfelder des Wissensmanagements

5. Einflußgrößen auf das Wissensmanagement
5.1. Unternehmenskultur
5.2. Unternehmensstruktur

6. Praktisches Beispiel

7. Zusammenfassung und Ausblick

Quellenverzeichnis

1.Problemstellung und Gang der Untersuchung

Unternehmen sind dem gegenwärtig rapiden Wandel wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen ausgesetzt. Die zunehmende Komplexität und Dynamik des Unternehmensgeschehens, die Verschärfung des wirtschaftlichen Umfeldes sowie ein Umbruch bestehender Strukturen u.a. durch die zunehmende Globalisierung kennzeichnen die Rahmenbedingungen der heutigen Unternehmung.

Nach Willke ist der überwiegende Teil der Volkswirtschaften diesem globalen Trend folgend zu einer Wissensgesellschaft geworden, da die Wertschöpfungsprozesse der Gesellschaft so von wissensabhängigen Aktivitäten dominiert werden, dass die Ressource Wissen gegenüber anderen Produktionsfaktoren bedeutender geworden ist.[1] Dabei kennzeichnet weniger das Wissen, sondern vielmehr der intelligente Prozess seiner Verarbeitung die Wissensgesellschaft.[2]

Der strukturelle Wandel von arbeits- und kapitalintensiven zu informationsintensiven Aktivitäten führt zu einer Angebotsverlagerung auf wissensintensive Dienstleistungen und intelligente Güter.[3]

Wissen wird zu einer entscheidenden Größe im Wertschöpfungsprozess von Unternehmen. So hat eine Studie des Fraunhofer Instituts für angewandte Informationstechnik (IAO) , bei der 1999 1200 Unternehmen aus verschiedenen Ländern per Fragebogen und über 40 Gesprächspartner persönlich zum Thema Wissensmanagement befragt wurden, ergeben, dass bei der Mehrheit der befragten Unternehmen der Anteil des Produktionsfaktors Wissen an der Wertschöpfung weit mehr als 50 % beträgt.[4]

Angesichts dieser Tatsache erweist sich das Ergebnis der Studie aus 1997 des internationalen Instituts für lernende Organisation und Innovation (ILOI) als überraschend. Zwei Drittel der Befragten gaben an, keinen umfassenden Überblick über das in ihrem Unternehmen vorhandene Wissen zu haben und dass der Anteil des tatsächlich genutzten Wissens lediglich 20 bis 40 % beträgt.[5]

Die erhebliche Diskrepanz zwischen verfügbarem und tatsächlich genutztem Wissen erzeugt großen Bedarf nach einem verbessertem Management dieser Ressource. Da viele Initiativen, wie z.B. Total Quality Management oder Kundenzufriedenheitsprogramme, jeweils nur Teilprobleme behandeln, haben zahlreiche Unternehmen Wissensmanagement-Inititativen eingeführt, die viele Einflußfaktoren der Unternehmensleistung mit einbeziehen.

Dabei existieren keine allgemein gültigen Richtlinien zur Implementierung von Wissensmanagement. Vielmehr bedarf es in verschiedenen Branchen unterschiedlichen Wissensmanagements, in Industriebetrieben anderer Prozesse als in Dienstleistungsbetrieben.

Anders etwa als bei produzierenden Unternehmen, bei denen der Schwerpunkt des Wissensmanagements eher auf das Wissen über neue Techniken und Produktionsprozesse zu legen ist, sind Produkte von Beratungsunternehmen Problemlösungen, die ein vielfältiges Wissen aus den unterschiedlichsten Bereichen voraussetzen, weshalb eine sinnvolle Wissensstrukturierung wesentlich für die geeignete Nutzung in den Beratungsprozessen ist.

Die Ergebnisse der ILOI-Studie ergeben, dass die Bedeutung des Produktionsfaktors Wissen für alle Branchen gleich groß ist.[6] Denn im Kern sind alle Unternehmen Wissensorganisationen, die erfolgsentscheidendes Wissen aufbauen und transferieren müssen, um es in neue Prozesse, Produkte und Dienstleistungen umsetzen zu können.

Diese Arbeit befaßt sich allgemein mit dem Prozess des Wissensmanagements in Unternehmen, wobei die verschiedenen Anforderungen in unterschiedlichen Unternehmen vorerst nicht berücksichtigt werden. Nachdem die Begriffe Wissen und Wissensmanagement im zweiten Abschnitt erläutert wurden, werden im dritten Kapitel die zur Einführung des Wissensmanagements notwendigen Elemente sowie der Organisationsaspekt untersucht. Der Wissensmanagementprozess kann durch verschiedene Barrieren und Hemmnisse erschwert werden. Einige werden innerhalb des vierten Kapitels erläutert, wobei auch auf Lösungsansätze zu den Problemfeldern eingegangen wird. Die Unternehmenskultur und –struktur sind wesentliche Faktoren, die zur Überwindung von Barrieren beitragen können, wie das fünfte Kapitel zeigen soll. Im sechsten Kapitel wird abschließend die Einführung einer Wissensmanagement-Initiative am praktischen Beispiel von Hewlett Packard Consulting gezeigt.

2. Begriffliche Abgrenzung

2.1. Wissen

Um den Prozess des Wissensmanagements nachvollziehen zu können, ist es sinnvoll, den Begriff des Wissens näher zu erläutern.

2.1.1. Wissensbegriff

Eine allgemein akzeptierte Wissensdefinition gibt es in der Literatur nicht. Nach Davenport und Prusak ist Wissen „eine fließende Mischung aus strukturierten Erfahrungen, Wertvorstellungen, Kontextinformationen und Spezialkenntnissen, die in ihrer Gesamtheit einen Strukturrahmen zur Beurteilung und Eingliederung neuer Erfahrungen und Informationen bietet.“[7]

Eine Abgrenzung zu den verwandten Begriffen der Daten und Informationen erscheint hierbei sinnvoll, da diese Begriffe z.T. fälschlicherweise als Synonyme benutzt werden.

Unter Daten versteht man nach DIN 44300 eine Folge von Zeichen, die zur Verarbeitung dargestellt werden.[8] Sie beschreiben einzelne objektive Fakten zu bestimmten Ereignissen oder Vorgängen und enthalten keinerlei Werturteil oder Interpretationen. Daten stellen das entscheidende Rohmaterial zur Schaffung von Informationen bereit.[9]

Im Unterschied zu Daten stehen Informationen im Kontext eines Problemzusammenhangs. Es handelt sich um Nachrichten, die von einem Sender an einen Empfänger übermittelt werden. Daten werden zu Informationen, wenn der Sender den Daten einen Bedeutungsgehalt hinzufügt.[10]

Wissen entsteht nach Güldenberg durch Lernprozesse, in denen Daten als Informationen wahrgenommen, verarbeitet und in Wissensspeichern abgelegt werden.[11] Informationen sind Bausteine des Wissens, aber noch nicht das Wissen selbst. Sie werden demnach zu Wissen, wenn sie in Erfahrungs- und Handlungshorizonte eingebunden werden.[12]

Im Unterschied zur Information ist Wissen im Kopf des Wissensträgers vorhanden und somit für diese Person immer anwendbar. Wissen ist also personengebunden und unterliegt daher menschlicher Komplexität und Unvorhersagbarkeit.

2.1.2. Wissensarten

Wissen kann viele Formen annehmen. Es existiert eine Vielzahl von Einteilungsschemata. Nonaka und Takeuchi z.B. unterscheiden in Anlehnung an Polany zwischen explizitem und implizitem Wissen.[13]

Explizites Wissen zeichnet sich dadurch aus, dass es systematisierbar und dokumentierbar ist und eine Speicherung, Verarbeitung und Übertragung dieses Wissens durch Informations- und Kommunikationstechnik möglich ist.[14]

Demgegenüber läßt sich implizites Wissen nicht ohne weiteres verbalisieren oder visualisieren. Dieses Wissen beruht auf persönlichen Erfahrungen und betrifft nicht einfach in Worte fassbare Faktoren wie Überzeugungen und Wertsysteme und ist somit schwer von einer auf die andere Person übertragbar[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Learning by doing

Abbildung 1: Interaktion zwischen explizitem und implizitem Wissen[16]

Im Modell der Spirale des Wissens eignet sich ein Individuum im ersten Schritt implizites Wissen an (Sozialisation). Der zweite Schritt besteht darin, das eigene, zumeist implizite Wissen in explizites und damit kommunizierbares Wissen umzuwandeln (Externalisierung). Anschließend wird das kommunizierte Wissen von Dritten typitisiert und normiert (Kombination). Zum Abschluß führen die Erfahrungen bei der Anwendung dieses Wissens zu einer Vertiefung der impliziten Wissensbasis (Internalisierung). Diese Internalisierung setzt die Wissensspirale wiederum erneut in Gang, diesmal jedoch auf höherem Niveau.[17]

Die Wissensspirale beginnt jedoch erst, wenn Personen und Organisationen komplementär Wissen generieren, nutzen und sich gegenseitig zur Verfügung stellen.

2.2. Wissensmanagement

In der Praxis gestalten sich die Übergänge zwischen implizitem und explizitem Wissen häufig schwierig. Der Vorgang, implizites, personengebundenes Wissen in explizites, verallgemeinertes und reproduzierbares Wissen zu transferieren und in strukturierter Form zu speichern, bedarf geplanter und gesteuerter Abläufe, bedarf Wissensmanagements.[18]

2.2.1. Begriff

Dass die Bedeutung des Wissens als Unternehmensressource als sehr hoch anzusehen ist, ist nicht erst in den letzten Jahren erkannt worden. Das Konzept des Wissensmanagements beschreibt jedoch keinen vollständig neuen Managementansatz, vielmehr ist darin die Verknüpfung von verschiedenen Wissenstechniken zu sehen.

Wissensmanagement wird von verschiedenen Autoren unterschiedlich begriffen, und es gibt eine Vielzahl von Wissensmanagementansätzen. So definiert Willke Wissensmanagement als „Gesamtheit aller organisationaler Strategien zur Schaffung einer intelligenten Organisation“.[19]

Mit der Intention, verschiedene Aspekte in die Definition mit einzubeziehen, bezeichnet Stoeber Wissensmanagement als „alle Gestaltungen, Lenkungen und Entwicklungen..., die sich mit Prozessen, Organisationen und Strategien rund um die Ressource Wissen beschäftigen zur Verbesserung der optimalen Erreichung des Organisationsziels.“[20]

Wissen muß gezielt beeinflusst, genutzt und entwickelt werden, damit der Organisationszweck erfüllt werden kann. Wissensmanagement bietet ein Konzept zur Gestaltung der organisationalen Wissensbasis, der individuellen und kollektiven Wissensbestände eines Unternehmens..

Wissensmanagement bietet Lösungen, Möglichkeiten, Methoden und praktikable Instrumente, unternehmensrelevantes Wissen permanent neu zu erschließen, unter den Mitarbeitern zu teilen, zu kombinieren und in Geschäftsprozesse und Produkte zu überführen.

[...]


[1] Vgl. Willke, H., Systemisches Wissensmanagement, Stuttgart 1998, (im Folgenden zitiert als Willke (1998) ), S. 353 ff.

[2] Vgl. Wendt, W.R., Soziales Wissensmanagement, Baden-Baden 1998, S. 21 ff.

[3] Vgl. Wilke 1998, a.a.O, S. 1 ff.

[4] Vgl. . Bullinger, H.J./Wagner, K./Ohlhausen, P., Intellektuelles Kapital als wesentlicher Bestandteil des Wissensmanagements, In : Krallmann, H. (Hrsg.), Wettbewerbsvorteile durch Wissensmanagement – Methodik und Anwendungen des Knowledge Management, Stuttgart 2000, S. 77 f.

[5] Vgl. Von Felbert, D., Einsatz, Gestaltung und Nutzen unternehmerischen Wissensmanagements, in: Hill, H. (Hrsg.), Wissensmanagement, Köln/Berlin/Bonn/München, 1997, S. 111 ff.

[6] Vgl. von Felbert, a.a.O., S. 110

[7] Vgl. Davenport, T./Prusak, L.H., Wenn ihr Unternehmen wüßte, was es alles weiß - Das Praxisbuch zum Wissensmanagement, Landsberg 1998, S. 32

[8] Vgl. Rehäuser, J./Krcmar, H., Wissensmanagement in Unternehmen, in : Schreyögg, G./Conrad, P.(Hrsg.), Wissensmanagement, Managementforschung Bd. 6, Berlin 1996, S. 4

[9] Vgl. Davenport/Prusak, a.a.O., S.27 ff.

[10] ebenda

[11] Vgl. Güldenberg, S., Wissensmanagement und Wissenscontrolling in lernenden Organisationen, 2.durchgesehene Auflage, Wiesbaden 1998, S. 161

[12] Vgl. Bullinger,/Wagner./Ohlhausen a.a.O., S. 75

[13] Vgl. Nonaka, I./Takeuchi, H.,Die Organisation des Wissens - Wie japanische Unternehmen eine brachliegende Ressource nutzbar machen, Frankfurt am Main / New York 1997, S 8 ff.

[14] Vgl. Kaltwasser, A., Wissenserwerb für Forschung und Entwicklung, Wiesbaden 1997,S. 14

[15] Vgl. Nonaka/Takeuchi, a.a.O., S. 8f.

[16] In Anlehnung an Nonaka,/Takeuchi, a.a.O., S.84

[17] Vgl. Abbildung 2

[18] Vgl. Palass, B./Servatius, H.-G., Wissenswert – Mit Knowledge-Management erfolgreich im E-Business, Stuttgart, 2001, S. 11 f.

[19] Vgl. Willke (1998), a.a.O., S. 39

[20] Vgl. Stoeber, M. ,Knowledge Management – Methoden, Strukturen und Technologien zur Etablierung eines zielgerichteten und ganzheitlichen Knowledge Management, Diss, Bochum 2000, elektronische Ressource, einzusehen bei: http://hhas17.rrz.uni-hamburg.de:8080/DB=1/SET=1/TTL=1/SHW?FRST=1, S. 51 ff.

Details

Seiten
30
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638263894
DOI
10.3239/9783638263894
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik)
Erscheinungsdatum
2004 (März)
Note
1,75
Schlagworte
Wissensmanagement Unternehmen

Autor

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Titel: Wissensmanagement in Unternehmen