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Das Libet-Experiment, die Willensfreiheit und deren Bedeutung für die Pädagogik

Hausarbeit 2013 15 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Libet-Experiment
2.1 Vorüberlegungen
2.2 Durchführung und Ergebnisse des Experiments
2.3 Interpretation der Ergebnisse

3 Willensfreiheit und Pädagogik
3.1 Dilemma zwischen Willensfreiheit und Erziehung
3.2 Diskussion verschiedener Freiheitsbegriffe

4 Fazit

Literatur

1 Einleitung

Thema dieser Arbeit ist das Libet-Experiment im Kontext der Annahme der Willens- freiheit und den sich daraus ergebenden Konsequenzen für Pädagogik und Erziehung.

Im ersten Teil der Arbeit wird zunächst das Libet-Experiment als Grundlage für die weiteren Überlegungen skizziert. Dabei werden die ausgehende Fragestellung, der Auf- bau und die Durchführung des Experimentes sowie Benjamin Libets Interpretation der Ergebnisse dargestellt. Darüber hinaus erfolgt eine kurze Diskussion bezüglich der In- terpretation der Ergebnisse von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen. Hierbei kristallisiert sich insbesondere die Ansicht führender Hirnforscher heraus, die den Stand- punkt vertreten, dass Menschen als vollständig determiniert anzusehen seien und Wil- lensfreiheit eine reine Illusion sei.

Im zweiten Teil soll der Frage nachgegangen werden, welche Konsequenzen sich aus Überlegungen zur Willensfreiheit für die Erziehung beziehungsweise für die Pädagogik er- geben. Hierbei wird als Ausgangsproblematik zunächst das Dilemma beschrieben, welches sich ergibt, wenn man von der traditionellen Definition von Erziehung und Willensfreiheit ausgeht. Dieses lautet:

”Insofern der Mensch willensfrei ist, kann er nicht erzogen werden. Wenn er aber erziehbar ist, kann er nicht als frei bezeichnet werden.“

(Giesinger,2010, S.421)

Abschließend werden verschiedene Begriffe von Freiheit und Erziehung untersucht, um die Frage zu beantworten, ob es möglich ist, das Dilemma zu lösen und die Annahme der Willensfreiheit mit der Erziehung in Einklang zu bringen. Abschließend werden die Ergebnisse in einem kurzem Fazit diskutiert.

2 Das Libet-Experiment

2.1 Vorüberlegungen

Ausgangspunkt des Libet-Experimentes waren frühere Versuche von Hans Helmut Kornhuber und Lüder Deecke. Diese konnten zeigen, dass sich vor einfachen Hand- oder Fußbewegungen ein Hirnpotential aufbaut, welches sie als Bereitschaftspotential bezeichneten. Der Aufbau dieses Potentials findet ungefähr eine Sekunde vor der eigentlichen Handlung statt (vgl. Kornhuber und Deecke, 1965).

Der allgemeinen Ansicht über bewusste Absicht und freien Willen zufolge würde man er- warten, dass eine bewusste Handlungsabsicht vor dem Bereitschaftspotential, welches die Handlung auslöst, auftritt. Libets Wahrnehmung zufolge war dies jedoch unwahrschein- lich. Seinem Empfinden nach war es nicht der Fall, dass die Zeitspanne, die zwischen einer bewussten Handlungsabsicht und ihrer Ausführung liegt, größer als 550 Millisekun- den ist. Dies würde bedeuten, dass das Bereitschaftspotential zeitlich vor der bewuss- ten Handlungsabsicht auftritt und nicht umgekehrt. Der zeitliche Ablauf von bewusster Handlungsabsicht und dem Aufbau des Bereitschaftspotentials erschien Libet daher von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis des freien Willens (vgl. Libet, 1999, S. 49).

Die Frage hinsichtlich der Existenz des freien Willens ist nach Libet bedeutend für die Thematik, ob Menschen vollständig durch die Gesetzte der Physik determiniert sind und es sich bei ihnen letztlich nur um sehr komplexe Automaten handelt oder ob sie doch unabhängige Wahlmöglichkeiten hinsichtlich ihrer Handlungen haben. Aus diesem Grund entwickelte er das viel diskutierte Libet-Experiment, mit dem er die Frage ”Haben wir einen freien Willen?“ untersuchen wollte (vgl. Libet,1999, S. 47). Für sein Experi- ment suchte Libet eine Definition des ”freien Willens“ ,welche der allgemeinen An sicht entsprechend sollte. Dafür legte er folgende Bedingungen fest: sie eine Handlung ausführen.

(vgl. Libet, 1999, S. 47)

Ziel des Libet-Experimentes war es den zeitlichen Ablauf des Einsetzens der bewussten Handlungsabsicht, des Aufbaus des Bereitschaftspotentials und der ausgelösten Handlung zu ermitteln. Um dieses Ziel zu erreichen war es notwendig die genauen Zeitpunkte der jeweiligen Ereignisse während des Experimentes zu bestimmen. Für die Messung des Zeit- punktes, zu dem die bewusste Handlungsabsicht einsetzt, wählte Libet die Verwendung einer Oszilloskop-Uhr (vgl. Libet, 1999, S. 49). Libet verfolgte mit seinem Experiment ausdrücklich das Ziel die Willensfreiheit zu beweisen (vgl. Roth, 2004, S. 219).

2.2 Durchführung und Ergebnisse des Experiments

Die Versuchsanordnung des Libet-Experimentes gestaltete sich relativ einfach. Die Pro- banden sollten innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne nach eigenem Wunsch einen Finger bzw. das Handgelenk der rechten Hand bewegen (vgl. Speck, 2009, S. 36). Durch das Experiment sollte der zeitliche Ablauf vom Aufbau des Bereitschaftspotential, des bewusst Werdens der Handlungsabsicht und des Zeitpunktes der Handlung bestimmt werden. Zu diesem Zweck war es das Ziel während der Versuchsdurchführung die Zeit- punkte zu denen die jeweiligen Ereignisse auftreten exakt zu bestimmten (vgl. Libet, 1999, S. 49).

Die Messung des Zeitpunktes, zu dem sich das Bereitschaftspotential aufbaut, erfolg- te mit Hilfe eines EEGs (Elektroenzephalogramm) an der Kopfhaut. Der Beginn der Muskelaktivität wurde mit Hilfe eines EMGs (Elektromyogramm) registriert (vgl. Speck, 2009, S. 36 f). Die Messung des Zeitpunktes, zu welchem der Versuchsperson der Hand- lungswille bewusst wird, gestaltete sich ein wenig komplizierter. Libet verwendete eine Oszilloskop-Uhr, auf der mit einer Umlaufzeit von 2,56 Sekunden ein Punkt rotierte. Die Versuchspersonen sollten sich die Position des Punktes auf der Oszilloskop-Uhr für den Zeitpunkt merken, zu dem ihnen die Handlungsabsicht bewusst wurde. Zur Überprüfung der Genauigkeit der Methode wurden die Probanden einer leichten elektrischen Stimula- tion ausgesetzt und sollten mit Hilfe der Oszilloskop-Uhr den Zeitpunkt der Stimulation bestimmen. Dabei traten Abweichungen von 50 Millisekunden zur objektiven Stimulati- onszeit auf(vgl. Libet, 1999, S. 50 f).

Im eigentlichen Experiment wurde der Zeitpunkt des Aufbaus des Bereitschaftspoten- tials dann durch die Mittelung der Messungen aus 40 Versuchsdurchführungen gewon- nen, bei denen die Versuchsteilnehmer jeweils zu einem selbst gewählten Zeitpunkt eine willkürliche Bewegung des Handgelenkes ausführten. Nach jeder Durchführung des Ver- suches teilten die Versuchsteilnehmer den Zeitpunkt W mit, der der Position auf der Uhr entsprach, bei der ihnen die Handlungsabsicht bewusst wurde (vgl. Libet, 1999, S. 49 f).

Die gemittelten Ergebnisse der Ausführungen des Experimentes sind in Abbildung 1 dargestellt. S stellt den Zeitpunkt der Muskelaktivität, gemessen durch das EMG, dar und wird als Zeitpunkt 0 gewählt. Die anderen Ereignisse werden in Relation zu S darge- stellt. W stellt den Zeitpunkt dar, den die Versuchspersonen für das bewusst Werden der Handlungsabsicht angeben. Dieser tritt im Schnitt 200 Millisekunden vor der Handlung ein. Beim Aufbau des Bereitschaftspotentials werden zwei Fälle unterschieden. Die Fälle, in denen die Versuchspersonen vor dem Experiment bereits Überlegungen über den Zeit- punkt ihrer Handlung angestellt hatten, und die, in denen sie dies nicht getan hatten. Im Falle der vorherigen Überlegungen (RP I) baute sich das Bereitschaftspotential bereits 1 Sekunde vor der Handlung auf, im Falle ohne diese Überlegungen (RP II) baute es sich 550 Millisekunden vor der Handlung auf. Korrigiert man den Zeitpunkt W um den aus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zeitlicher Ablauf der Ereignisse beim Libet-Experiment (Libet, 1999, S. 51)

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Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656489795
ISBN (Buch)
9783656490623
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232421
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Humanwissenschaftliche Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Libet-Experiment Willensfreiheit Pädagogik Erziehen Libet Freiheit Dilemma

Autor

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