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Soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 23 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Definition sozialer Ungleichheit

2. Bereiche sozialer Ungleichheit zwischen den Geschlechtern
2.1 Geschlechterunterschiede im Bildungssektor
2.1.1 Schulbildung
2.1.2 Berufsausbildung
2.1.3 Universität
2.2 Soziale Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt
2.3 Frauen in der Politik
2.4 Familie: Management auf höchstem Nieveau

3. Schluss
3.1 Zusammenfassung und abschließende Diskussion
3.2 Abschließende Gedanken zur Situation der Männer

4. Anhang

4.1 Literaturverzeichnis

4.2 Abbildungen

1. Einleitung

1.1 Vorwort

Die soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist von hoher gesellschaftlicher Brisanz. Keine andere Quelle sozialer Ungleichheit führt zu so heftigen Diskussionen wie die zwischen den Geschlechtern. Eine Ursache hierfür mag sein, dass das Geschlecht einer der Bereiche ist, auf die wir am wenigsten Einfluss haben, da wir mit ihm geboren werden. Gleichzeitig bestehen damit natürlich bereits auf biologischer Ebene Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die im Laufe der Menschheitsgeschichte zu bestimmten gesellschaftlichen Rollenbildern geführt haben.

In den meisten modernen Gesellschaften werden diese Rollenbilder inzwischen als überholt angesehen, Frauen und Männer werden offiziell als gleichberechtigt anerkannt. In der Bunderepublik ist dies im Artikel 3 des Grundgesetzes verankert. Dieser Artikel fordert die Politik außerdem dazu auf durch geeignete Maßnahmen eine Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern und bestehende Unterschiede zwischen den Geschlechtern abzubauen. Gleichberechtigung ist also gesetzlich festgeschrieben und bei Verstoß gegen die Gleichberechtigung darf geklagt werden und insbesondere im Bereich des Arbeitsrechtes wird diese Möglichkeit auch wahrgenommen. Allerdings ist formale, gesetzlich festgelegte Gleichberechtigung genauso wenig mit realer Gleichberechtigung gleichzusetzen wie Gerechtigkeit mit Recht. Es stellt sich daher die Frage, in wie weit Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern in Deutschland bereits realisiert werden konnte und in welchen Bereichen noch Nachholbedarf besteht. In enger Verbindung dazu steht die Frage, welche Möglichkeiten bestehen die sozialen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern weiter abzubauen.

Wir werden uns im Rahmen dieser Arbeit mit verschiedenen Bereichen der Gesellschaft befassen, in denen es in der Vergangenheit soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern gegeben hat und werden untersuchen, in wie weit es sie immer noch gibt. Im Einzelnen sind das das Bildungswesen, der Arbeitsmarkt und der private Bereich der Familie. Wir werden zeigen, dass geschlechtsspezifische Vorurteile immer noch einen großen Einfluss auf die Lebensplanung und den beruflichen Werdegang einzelner Personen haben und dass man in Deutschland noch nicht von einer Verwirklichung des Gleichberechtigungsideals sprechen kann.

Vorweg ist festzuhalten, dass wir uns bewusst entschieden haben uns für den Großteil dieser Arbeit auf die Situation der Frauen zu konzentrieren, da alle von uns verwendeten Quellen ebenfalls diesen Standpunkt einnehmen. Wir sind jedoch der Meinung, dass auch die Situation der Männer in einer Arbeit zu sozialen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern nicht fehlen sollte. Deshalb werden wir im Schlussteil der Arbeit diskutieren, in wie weit die aus Sicht der Frauen dargestellten gesellschaftlichen Phänomene für Männer zu gesellschaftlicher Ungleichheit führen.

1.2 Definition von sozialer Ungleichheit

Damit man das Vorkommen von sozialer Ungleichheit im Geschlechterverhältnis, die Entwicklung dieser Ungleichheit oder andere Punkte zu genannter Materie bearbeiten kann, muss sich zunächst folgende Frage gestellt werden: Was ist soziale Ungleichheit?

Dazu möchten wir im Folgenden zwei Definitionen von sozialer Ungleichheit vorstellen und diese kurz erläutern. Die erste Definition stammt von R. Kreckel, welcher soziale Ungleichheit folgendermaßen bestimmt: „Soziale Ungleichheit im weiteren Sinne liegt überall dort vor, wo die Möglichkeiten des Zugangs zu allgemein verfügbaren und erstrebenswerten sozialen Gütern und/oder zu sozialen Positionen, die mit ungleichen Macht- und/oder Interaktionsmöglichkeiten ausgestattet sind, dauerhafte Einschränkungen erfahren und dadurch die Lebenschancen der betreffenden Individuen, Gruppen oder Gesellschaften beeinträchtigt bzw. begünstigt werden“ (Kreckel 1992, S. 17).

Die zweite Definition ist von B. Schäfers und bezeichnet soziale Ungleichheit als „jenen Zustand der sozialen Differenzierung, in dem die ungleiche Verteilung von ökonomischen und sonstigen Ressourcen, sozialen Positionen und Rängen als ungerecht angesehen wird“ (Schäfers 1995, S.366).

Nach Kreckel ist demnach von sozialer Ungleichheit zu sprechen, wenn einzelne Personen oder Gruppen bei der Vergabe von Gütern oder sozialen Positionen benachteiligt werden und dadurch andauernde Einschränkungen ertragen müssen.

Da die Bezeichnung soziale Ungleichheit relativ wertbehaftet ist, geht Schäfers Definition hingegen von sozialer Differenzierung aus. Insgesamt spricht er aber wie Kreckel ebenso von einer ungleichen Verteilung von Ressourcen und Rängen.

Man kann also sagen, dass soziale Ungleichheit bzw. soziale Differenzierung in einer Gesellschaft zum einen die ungleiche Verteilung von Positionen und sozialem Status sowie die damit verbundene Möglichkeit der Ausführung von Herrschaft oder eben Nichtausführung von Herrschaft ist. Es sich andererseits dabei aber auch um die ungleiche Verteilung von Ressourcen wie Einkommen oder Eigentum handelt. Auch der Faktor der Lebenschancen darf bei der Betrachtung von sozialer Ungleichheit nicht vergessen werden. Dabei muss es auch nicht immer um Lebenschancen im Sinne von Geld, Einfluss und Macht gehen, sowie zu ihrer Steigerung, sondern auch die Möglichkeit, sein Leben nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten, ist von großer Bedeutung.

2. Bereiche sozialer Ungleichheit zwischen den Geschlechtern

2.1 Geschlechterunterschiede im Bildungssektor

Bei der Betrachtung von sozialer Ungleichheit ist es sinnvoll mit dem Bildungssektor zu beginnen, da dieser, wie in den meisten modernen Gesellschaften, in Deutschland die gesellschaftliche Funktion der Zuweisung für Chancen für das spätere Berufsleben und das Leben im Allgemeinen hat. Eine gute Bildung ist in der Regel Voraussetzung für einen gut bezahlten Beruf und insgesamt für ein erfülltes Leben. Der französische Soziologie Pierre Bourdieu spricht vom kulturellen Kapital, dem nach Bourdieu dieselbe Bedeutung zukommt wie dem wirtschaftlichen und sozialen Kapital.

Benachteiligungen im Bildungsbereich ziehen sich oft durch die gesamte Biographie einer Person und können nur schwer wieder korrigiert werden, da bereits mit der Entscheidung welche Schulform man nach der 4. oder 6. Klasse besucht eine Entscheidung für das spätere Leben getroffen wird.

Vorweg lässt sich hier allerdings nehmen, dass man im Bildungssektor in Deutschland mittlerweile davon ausgeht, dass für Mädchen und Jungen die gleichen Möglichkeiten und Chancen gegeben sind. Trotzdem ist eine differenzierte Untersuchung der jeweiligen Bildungs- und insbesondere Ausbildungsbereiche angebracht, da diese Annahme auch nicht für jeden Bereich der Bildung zutrifft und insgesamt oft nur von einer formalen aber keiner realen Chancengleichheit gesprochen werden kann.

2.1.1 Schulbildung

Zugang zu allgemeinbildenden Schulen wird sowohl Jungen wie auch Mädchen in gleichem Maße gewährt und inzwischen wird die Bildung von Jungen von den meisten Eltern auch nicht mehr als wichtiger angesehen als die von Mädchen.

Diese Entwicklung zur Gleichstellung im Bildungsbereich fand jedoch in der DDR und der BRD zu unterschiedlichen Zeitpunkten statt. In der DDR gehörte die „Gleichstellung der Frau von Anbeginn zu den offiziellen Zielen der sozialistischen Gesellschaftspolitik“ (Geißler 2008, S. 301). Es gab also eine „Emanzipation von oben“ (Geißler 2008, S. 301). In der BRD hingegen wurde erst in den 60er Jahren nach „besseren und gleichen Bildungschancen für Mädchen“ verlangt (vgl. Geißler 1996 zitiert in Zierold 1999, S. 10). Extrem wichtig für diese Entwicklung Richtung Gleichberechtigung war zudem auch die Einführung des koeduktativen Schulsystems, wodurch gleichen Bildungsmöglichkeiten für beide Geschlechter sichergestellt wurden (vgl. Zierold 1999, S. 10).

Die Entwicklung der Gleichstellung im Bildungsbereich lässt sich gut im Diagramm (siehe Anhang Abbildung 1: Anteile der Schülerinnen und Schüler an Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien 1960/61 bis 2004/05) erkennen. Machten die Jungen in den 60er Jahren noch 60% auf den Gymnasien aus, sind es im Jahr 2004 nur noch 46%. Die Mädchen machen somit mittlerweile sogar den größeren prozentualen Anteil auf den Gymnasien aus. Gegensätzlich dazu verhält es sich bei den Hauptschulen. War 1960 der Anteil an Jungen und Mädchen relativ gleich, sind es heute in etwa nur noch 44% Mädchen und 56% Jungen. Bei den Realschulen schließlich ist die Anzahl an Mädchen und Jungen heutzutage so gut wie ausgeglichen, wobei hier die Mädchen in der Vergangenheit den größeren Kontingent stellten (vgl. bmfsfj.de 1).

Inzwischen kann man sogar davon sprechen, dass Jungen ein leichtes Bildungsdefizit gegenüber Mädchen haben, die in der Regel die besseren Noten haben und die allgemeinbildenden Schulen somit in Durchschnitt mit einer höheren Qualifikation verlassen als Jungen. Junge Frauen verlassen die Schule also mit rein formal besseren Voraussetzungen für den Einstieg in die Berufsausbildung oder ein Studium.

2.1.2 Berufsausbildung

Die allgemeine Situation in den Ausbildungsberufen ist zurzeit für Frauen und Männer gleichermaßen schlecht. Gab es in den 90er Jahren noch mehr Angebote an Ausbildungsplätzen als Interessenten, ist die Lage heute genau andersherum. So gibt es seit 2002 weitaus mehr Nachfragen als vorhandene Ausbildungsplätze. Hierbei wäre noch wichtig zu erwähnen, dass es im Hinblick auf die Wahl der Ausbildungsberufe eine klare Geschlechtersegregation gibt. Wählen Frauen eher Berufe im sozialen und Dienstleistungsbereich, sind Männer leichter für industrielle und technische Berufe zu begeistern (vgl. bmfsfj.de 2).

Aus dieser geschlechtsspezifischen Wahl von Ausbildungsplätzen ergeben für Frauen gegenüber Männern zusätzliche Probleme. So sind Frauen unter den Bewerbern auf die traditionellen Frauenberufe sehr stark vertreten und gerade diese Berufe werden häufig in Vollzeitschulen gelehrt, die in vielen Fällen deutlich höhere Kosten verursachen als eine Ausbildung in einem Industriebetrieb ohne dabei einen höheren Verdienst zu ermöglichen (vgl. Geißler 2008, S. 305). Ein weiterer Nachteil der von Frauen bevorzugten Ausbildungsberufe ist ebenfalls, dass sie recht häufig keine oder nur wenig Aufstiegschancen bieten. Man könnte von einer selbst gewählten Benachteiligung sprechen, da die Wahl eines Ausbildungsberufes formal keinen Beschränkungen unterliegt. Allerdings haben Frauen bei der Bewerbung auf eine Lehrstelle in einem Industrie- oder Handwerksbetrieb oft noch mit alten Vorurteilen zu kämpfen und werden häufiger abgelehnt als ihre männlichen Mitbewerber. Ähnliches lässt sich dann auch bei der Bewerbung auf einen Beruf nach abgeschlossener Ausbildung feststellen (vgl. Geißler 2008, S. 305).

Im Bereich der Berufsausbildung kann also nicht davon gesprochen werden, dass keine soziale Ungleichheit mehr bestehen würde und hier liegt die erste Ursache für die im Berufsleben zu beobachtende Benachteiligung von Frauen.

Es stellt sich allerdings auch die Frage in wie weit man über politische Mechanismen Einfluss auf diese Situation nehmen kann und ob es überhaupt sinnvoll ist in einen Prozess einzugreifen, der zu einem großen Teil durch die eigenen Entscheidungen der betroffenen Personen bestimmt ist. Auf der anderen Seite ist der psychologische Druck nicht zu unterschätzen, der auf Frauen lastet, die sich für ein männerdominiertes Berufsfeld entscheiden.

2.1.3 Universitäten

Da wie erwähnt der Anteil an Gymnasiastinnen seit 1960 stark zugenommen hat, ist logischerweise auch die Zahl der Studienanfängerinnen gestiegen. Somit hat sich die Anzahl der Frauen im Studium seit 1980 verdoppelt. Jedoch ist gleichzeitig auch die Anzahl der Männer die studieren weiter angestiegen, sodass es 2004 erstmals mehr 2 Millionen Studierende gab. Die Frauen stellten 51% aller Studierenden im Jahr 2004, 53% in den neuen Bundesländern (vgl. Geißler 2008, S. 302). Das heißt man kann sagen, dass auch an den Universitäten ein relativ ausgeglichenes Verhältnis im Bezug auf die Anzahl der studierenden Frauen und Männer herrscht. Allerdings gibt es wie bei den Ausbildungsberufen auch bei der Studienfachwahl geschlechtsspezifische Vorlieben.

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Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656489047
ISBN (Buch)
9783656491309
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232502
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,7
Schlagworte
soziale ungleichheit geschlechtern

Autor

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