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Schulische Bildung von Arbeiter- und Akademikerkindern: Chancengleichheit oder Chancenungleichheit?

Wie ließe sich Chancengleichheit herstellen?

von Estella Maribel (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 19 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Fragestellung

2. Klärung der Begrifflichkeiten Chancenungleichheit und Arbeiter - bzw. Akademikerfamilien

3. Gegenwärtige Situation an deutschen Schulen

4. Gründe und Risikofaktoren im Elternhaus: Entscheidungsverhalten der Eltern

5. Gründe und Risikofaktoren für das Entscheidungsverhalten bei Abiturienten: Die finanzielle Situation

6. Gründe und Risikofaktoren auf das Entscheidungsverhalten: Äußere Einflüsse

7. Das Verhindern von Chancenungleichheit bei Nicht-Akademikerfamilien - Was Eltern tun können

8. Das Verhindern von Chancenungleichheit bei Nicht-Akademikerfamilien - Was Behörden und Schulen tun können

9. Privatschulen und guter Unterricht als Lösungsansatz?

10. Fazit

11. Quellenverzeichnis

12. Anhang

1. Einleitung und Fragestellung

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, beziehungsweise Geld kommt zum Geld sind zwei sprichwortähnliche Aussagen, die man in der heutigen Gesellschaft oft vorfindet, besonders wenn es um schulische Bildung geht. Die Medien berichten häufig über die Problematik arm gegen reich, beziehungsweise bildungsarm gegen gebildet.

2010 wurde seitens Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck ein Schüler-Bafög für nicht gut situierte Familien geplant[1], ein Beispiel aus den Medien ist und dies wurde darüber hinaus am Beispiel von Alexander von Witzleben bekräftigt, dem Vorstandsvorsitzende des Jenoptik-Konzerns. Diesem hätte seine wohlhabende Familie ein Studium ermöglichen können, auch wenn er nicht besonders klug oder begabt gewesen wäre[2]. Außerdem besagt eine Studie von 1995, dass „(…) 82 Prozent der Führungskräfte in Deutschland selber einen Chef zum Vater haben (…)“[3].

Auf der anderen Seite gibt es auch einige Beispiele, wie etwa die damalige Bundesbildungs-ministerin Edelgard Buhlmann, die anhand ihrer Karriere zeigte, dass man es als Tochter aus eher einfachen Familienverhältnissen „(…) von ganz unten nach ganz oben(…)“[4] schaffen kann.

Um noch einmal auf die oben genannten Aussprüche einzugehen; ist das wirklich so, dass die meisten einfachen Menschen keine Möglichkeit haben, aufzusteigen? Und, vielmehr noch, herrscht tatsächlich Chancenungleichheit an deutschen Schulen? Haben es Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien schwerer, als solche aus Akademikerfamilien, wenn es um den sozialen Aufstieg geht, oder sind diese Meinungen basierend auf rein subjektiver Wahrnehmung?

Aus diesen Überlegungen heraus, habe ich meine Fragestellung erarbeitet und möchte dies in der nachfolgenden wissenschaftlichen Arbeit näher beleuchten:

Herrscht Chancengleichheit oder Chancenungleichheit zwischen Arbeiter- und Akademiker-kindern, wenn es um schulische Bildung geht bzw. wie ließe sich Chancengleichheit herstellen?

In der nachfolgenden wissenschaftlichen Arbeit geht es um die Darstellung der Chancengleichheit, beziehungsweise -ungleichheit während der schulischen Laufbahn in Deutschland und der Klärung der Farge, ob es einen Unterschied in der Bildungsbeteiligung zwischen Arbeiter- und Akademikerkindern. Auch die Gründe sollen beleuchtet werden; davor sollen Begrifflichkeiten geklärt, sowie ein Überblick über die gegenwärtige Situation in Deutschland mithilfe von Medienberichten und Studien gegeben werden. Anschließend wird nach Gründen für die aktuelle Situation während des Bildungsweges an deutschen Schulen gesucht und mögliche Lösungsvorschläge gemacht, die sich darauf beziehen, was Eltern und Behörden tun können, damit Kinder nicht aufgrund ihrer sozialen Herkunft benachteiligt werden. Bevor ich zu meinem Fazit komme, werde ich auf die Frage eingehen, ob Privatschulen eine mögliche Lösung wären, um allgemein mehr Bildung zu erreichen und welche Konsequenzem möglicherweise daraus resultieren, dass man wohl situierte Kinder verstärkt auf Privatschulen schickt.

2. Klärung der Begrifflichkeiten Chancenungleichheit und Arbeiter - bzw. Akademikerfamilien

Bevor jedoch weiter auf die Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem eingegangen wird, muss geklärt werden, was überhaupt unter Chancenungleichheit, beziehungsweise unter Arbeiter- bzw. Akademikerfamilien zu verstehen ist. Man spricht von Chancenungleichheit, wenn es darum geht, dass man als Kind aus einer nicht gut situierten Familie keine Chance hat aufzusteigen, sondern, dass die Nachteile aufgrund der soziale Herkunft weiter gegeben werden.

In der 19. Sozialerhebung 2009 (Kurzfassung), geht es auch um eine Studierchance: Je nachdem welche Abschlüss die Eltern haben, desto höher, beziehungsweise niedriger sind die Chancen für ihr Kind, eine universitäre Laufbahn einzuschlagen. Man kann besipielsweise sagen, dass bei 337.000 Arbeiterkindern, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben, nur 20 Prozent zu studieren beginnen, hingegen 22 Prozent der 103.000 Kinder von Arbeitern mit Hochschulabschluss sich an einer Hochschule immatrikulieren[5]. Im Jahr 2007 haben sich 75 Prozent an einer Hochschule immatrikuliert, deren Eltern selber eine Hochschulreife hatten, dafür aber nur 20 Prozent derjenigen, deren Eltern mit dem Hauptschulabschluss die Schule beendeten[6].

Es wird bereits hier deutlich, was unter einem Arbeiterkind bzw. Nicht-Akademikerkind zu verstehen ist: hierzu zählen alle Kinder, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben und, wie der Name schon sagt, nur Arbeiter, beziehungsweise Angestellte. Dies ist keinesfalls abwertend gemeint, es besagt lediglich, dass die soziale Herkunft nicht akademischer Natur ist, muss aber nicht bedeuten, dass die Familie finanziell schlecht situiert sei. Andererseits gibt es Akademikerkinder: diese entstammen einer Familie, in der mindestens ein Mitglied einen Hochschulabschluss hat[7].

3. Gegenwärtige Situation an deutschen Schulen

Es ist wichtig, die gegenwärtige Situation in Deutschland darzustellen, was die Schulen anbelangt: Wie sind die für Möglichkeiten Arbeiterkinder, verglichen mit Akademiker-kindern, eine Hochschule oder überhaupt erst ein Gymnasium zu besuchen? Haben sie die gleichen Chancen wie Akademikerkinder, oder werden sie benachteiligt?

Dazu ist vorab zu sagen, dass eine Chancenungleichheit schon in der Grundschule zu finden ist: Neben der Tatsache, dass in Bayern Kinder aus der Oberschicht eine 6,65 Mal so große Chance haben, auf ein Gymnasium zu gehen, als Schüler aus einem Arbeiterhaushalt[8], beginnt die soziale Selektion schon vor dem Übergang auf eine weiterführende Schulen: „Jede dritte Grundschullehrer-Empfehlung über die weitere Schullaufbahn nach Klasse vier ist nicht optimal (…)“[9]. Das bedeutet, es spielt für Grundschullehrer eine entscheidende Rolle, welche Herkunft der Schüler hat und ob seine Eltern nur einfache Arbeiter, beziehungsweise Angestellte sind, oder ob sie aus einer besser situierten Familie stammen. Akademikerkinder haben sogar eine „(…) fast drei mal so große Chance, (…) eine Empfehlung für den Besuch des Gymnasiums zu bekommen (…)“[10]. als Kinder aus der Mittel- und Unterschicht, obwohl sie über die gleiche Intelligenz betreffend schulischer Leistungen verfügen.

Für viele Eltern ist die Empfehlung entscheidend für die weitere Schulwahl[11]. Erstaunlich ist allerdings, dass 36,5 Prozent der Eltern, deren Kinder eine Gymnasialempfehlung bekommen haben, diese freiwillig nicht beachten und ihr Kind auf eine Haupt-oder Realschule schicken[12]. Betreffend des Übergangs in die Sekundarstufe II, schaffen es, laut dem Bildungstrichter 2007, etwa nur 45 Prozent der Nicht-Akademikerkinder diese Hürde zu nehmen und 81 Prozent der Akademikerkinder[13]. Von diesen 45 Prozent, die es bis in die gymnasiale Oberstufe geschafft haben und deren Eltern keinen akademischen Hintergrund haben, schaffen nur 24 Prozent den Hochschulzugang, wohingegen noch 71 Prozent der Akademikerkindern es auf eine Universität schaffen[14].

Die Ergebnisse zeigen, dass die Kinder, die aus einer gebildeten Umgebung kommen, klüger zu sein scheinen und deshalb eher auf ein Gymnasium und schließlich auf eine Hochschule gehen. Jedoch lediglich die Erkenntnis über unzureichende und möglicherweise auch nicht immer vorurteilsfreie Grundschullehrerempfehlungen, lassen bereits erkennen, dass dies nicht der einzige Grund sein kann, warum weniger Arbeiter-, als Akademikerkinder den Sprung in eine bessere schulische Karriere schaffen.

4. Gründe und Risikofaktoren im Elternhaus: Entscheidungsverhalten der Eltern

Einige Gründe und Risikofaktoren hängen bei der gegenwärtigen Situation an deutschen Schulen und Universitäten zusammen. Neben der sozialen Selektion durch die bereits erwähnten Grundschullehrerempfehlungen, spielt der familiäre Hintergrund eine große Rolle, was die schulische Zukunft des Kindes anbelangt; dieser kann sich entweder hemmend oder fördernd auswirken. 36,5 Prozent der Eltern, deren Kinder eine Gymnasialempfehlung bekommen haben, lehnen diese ab und schicken die Kinder eher auf eine Haupt- oder Realschule[15].

[...]


[1] Die Welt 2010

[2] Die Welt 2010

[3] Die Welt 2010

[4] Die Welt 2010

[5] Isserstedt, W. et al 2010: 9

[6] Isserstedt, W. et al 2010: 10.

[7] Isserstedt, W. et al 2010: 17ff.

[8] Frankfurter Allgemeine 2005

[9] Die Welt 2010

[10] Die Welt 2010

[11] Die Welt 2010

[12] Deißner 2010

[13] Vgl. Abbildung 1 im Anhang

[14] Vgl. Abbildung 1 im Anhang

[15] Deißner 2010

Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656489658
ISBN (Buch)
9783656490708
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232505
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Sozialwissenschaften
Note
1,1
Schlagworte
Chancengleichheit Chancenungleichheit Arbeiter Akademiker Familie Beruf Bildung Gesetze Reformen Politik Didaktik Soziologie Sozialwissenschaften Hartmann

Autor

  • Estella Maribel (Autor)

    3 Titel veröffentlicht

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Titel: Schulische Bildung von Arbeiter- und Akademikerkindern: Chancengleichheit oder Chancenungleichheit?