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Der Wettbewerb der Nationen - die Standortdiskussion

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 27 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Ursachen für den Wettbewerb der Nationen
2.1 Aus Unternehmenssichtweise
2.2 Aus Nationensichtweise

3 Faktoren der Standortbewertung
3.1 Absatzrelevante Standortfakt oren
3.1.1 Markt und Kundennähe
3.1.2 Kaufkraft der Währung
3.2 Produkt ions- und kost enrelevant e Standor t fakt oren
3.2.1 Volumen und Qualit ät der Produkt ionsf aktoren Rohstoff und Arbei t . .
3.2.2 Kost en der Produkt ionsf aktoren Arbeit und Rohstoffe
3.2.3 Bildung, Forschung und Entwicklung
3.2.4 Infrastruktur
3.2.5 Ordnungspoli tik
3.3 „ Weiche “ Standortfakt oren
3.3.1 Lebensqualität
3.3.2 Image und Kul tur des Standor tes

4 Bewertung der Nationen - Maße für den Wettbewerb
4.1 Wettbewerbmaße aus volkswirtschaftlicher Sicht
4.2 Wettbewerbmaße aus betriebswirtschaftlicher Sicht

5 Fazit

1 Einleitung

Als die Micro Compact Car AG (MCC AG) - ehemals ein Zusammenschluss aus dem Stuttgarter Automobilkonzern Daimler Benz und dem Schweizer Uhrenproduzenten Swat ch im November 1997 die Standort ent scheidung für das hochmoderne Produktionsdorf des neuen Kleinwagens „ Smart“ bekannt gab, war die Enttäuschung in den deutschen potenziellen Standorten groß. Neben den Städten Überherrn (bei Saarlouis) und Vieselbach (bei Erfurt in Thüringen) waren noch La Rochelle an der französischen Atlantikküst e und Hambach in Lothringen in der engeren Wahl gewesen. Letztendlich fiel die Entscheidung zugunsten Hambachs - nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Die Entscheidung wurde mit großem Medienaufkommen verfolgt, kommentiert und diskutiert und war im öffentlichen Bewusstsein dementsprechend präsent.

Die MCC AG begründete ihre Entscheidung mit folgenden Punkten1:

- stark subventionier t e Grundstückspreise
- Lohngefälle von 30% zwischen Deutschland und Frankreich
- flexiblere Tarifver träge und geringere gesetzliche Reglementierungen
- kürzer e Genehmigungsverfahren
- Zweisprachigkei t der Mitarbeiter (französisch und deutsch)

Die Motive für die Entscheidungen der MCC AG liegen der Öffentlichkeit vor. In den meisten Fällen bleiben Standortentscheidungen aber ein Betriebsgeheimnis und damit unveröffentlicht. Die Entscheidungsparameter werden nicht bekannt.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit St andortentscheidungen. Es wird versucht, die Standortdiskussion zu ordnen und zu strukturieren. Nachdem zunächst die Ursachen für den „Wettbewerb der Nationen“ erklärt werden, wird im folgenden Teil auf die St andortfakt oren eingegangen. Im dritten Teil liegt der Schwerpunkt auf den Bemühungen, einen Vergleich einzelner Nationen nach deren Wettbewerbsfähigkeit zu ziehen.

2 Ursachen für den Wettbewerb der Nationen

2.1 Aus Unternehmenssichtweise

Die unternehmerische Entscheidung, an welchem geographischen Ort Sach- oder Dienst leistungen produziert werden sollen, hat für das invest ierende Unternehmen eine besondere Bedeutung. Sie ist in der Regel mit erheblichen Invest itionen verbunden und bindet Unternehmen langfristig an einen Ort. Kurzfristig sind einmal getroffene St andortentscheidungen nicht oder nur mit Verlusten rückgängig zu machen. Daher liegt es auf der Hand, dass die Standortentscheidung auf der einen Seite mit Risiken verbunden ist und daher mit großer Sorgfalt getroffen werden muss. Auf der anderen Seite birgt eine „ gute“ Entscheidung, also eine Entscheidung, die den Konzerngewinn langfristig st eigert, Wachst umspotenziale, die ein expandierendes Unternehmen im Zuge der Globalisierung langfristig nicht ignorieren kann und will.

Unternehmen st reben nach langfristiger Gewinnmaximierung2. Diese Maxime gilt auch bei Invest itionsentscheidungen. Die Entscheidung über den optimalen Standort wird bei rational handelnden Wirtschaftsubjekten immer nach dieser einen, oberst en Maxime der Gewinnmaximierung fallen. Die Gewinnmaximierung kann erreicht werden durch die Senkung der Kost en auf der einen und/oder durch die Erhöhung der Erträge auf der anderen Seite. St eht ein Unternehmen also vor einer St andortentscheidung, sind die relevanten Standorte oder Nationen dahingehend zu prüfen, welche Gewinnmaximierungsaussichten sie langfristig bieten können.

2.2 Aus Nationensichtweise

Auch aus dem volkswirtschaftlichen Blickwinkel sind Invest itionen, vornehmlich aus dem Ausland, interessant. Mit der Erhöhung des Bruttoinlandsproduktes3 (BIP) der betreffenden Volkswirtschaft bringen ausländische Invest itionen neue Arbeitsplätze, höheres Steueraufkommen, neue Kundschaft für ansässige Unternehmen und vieles mehr mit ins Land. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Invest itionen im eigenen Land von den Regierungen zumindest gerne gesehen werden. In vielen Fällen findet sogar ein regelrechter Wettbewerb um internationale Investitionen statt. Insbesondere Länder mit geringer eigener Wirtschaftskraft, wie z. B. die St aaten des ehemaligen Ostblocks, sehen in ausländischen Invest itionen eine Chance mit dieser Art der „Entwicklungshilfe“ die eigene Wirtschaftskraft zu erhöhen.

3 Faktoren der Standortbewertung

In der Betrachtung werden die Standortfaktoren untergliedert in „harte“ und „ weiche“ Standortfaktoren. Die harten Faktoren teilen sich in absatzrelevantesowie produktions- und kost enrelevante Kriterien auf.

3.1 Absatzrelevante Standortfaktoren

3.1.1 Markt und Kundennähe

Für viele Unternehmen ist eine Invest itionsentscheidung für ein best immtes Land davon abhängig, ob es dort Absatzmöglichkeiten für die Leistungen des Unternehmens geben wird. Eine wichtige Kennzahl ist die Kaufkraft und der Wohlst and der Bewohner, aber auch der Indust rie. Best eht auf dem betreffenden Markt eine Nachfrage, die stark genug ist, dass sich die Invest itionen lohnen? Ist eine solche Nachfrage möglicherweise zu generieren?

Auch interregionale Argumente können hier ausschlaggebend sein. So ist nicht nur das Land oder der Markt an sich relevant, sondern auch die geographische Entfernung zu oder von diesem Markt. Hier können wenige Kilometer ausschlaggebend sein. Beispiele sind: Eisen- und St ahlverhütungsbetriebe (siedeln sich bei Energieversorgern an), Frischwarenhersteller oder die Betriebe der klassischen Zulieferindust rie4. Allerdings verliert das Argument seit langem an Bedeutung, da die Dist anzüberwindungskosten seit Jahrhunderten, insbesondere aber in den letzten Jahren, durch die globale Vernetzung und ausgefeilte Logistiksysteme welt weit gesunken sind5.

3.1.2 Kaufkraft der Währung

Aktuell am Beispiel des Euros erleben wir mit, wie die Kaufkraft einer Währung Auswirkungen auf die Wirtschaft einer Nation nehmen kann. Die deutsche Wirtschaft, z. B. der Anlagenbau, boomt im Augenblick vor allem deswegen, weil sie für den ausländischen Käufer besonders attraktiv ist. Durch den niedrigen Wechselkurs sind deutschen Produkte im nicht europäischen Ausland vergleichsweise günstig zu haben.

3.2 Produktions- und kostenrelevante Standortfaktoren

3.2.1 Volumen und Qualität der Produktionsfaktoren Rohstoff und Arbeit

Ein wichtiges Kriterium zur Standortwahl, ist das Rohstoffvorkommen des jeweiligen Landes. Das produzierende Gewerbe beansprucht in jedem Falle Roh- Hilfs- und Betriebsst offe, um die Leistungserstellung aufnehmen zu können. Teilweise sind die benötigt en Materialien nur in best immten Regionen der Erde erhältlich, was ein Unternehmen vor die Frage st ellt:

Produktionsst ättenansiedlung in der „Rohst offregion“ oder Inkaufnahme des Transportes der Rohstoffe zur Unternehmung? Früher war das Argument vor Ort verfügbarer Produktionsf aktoren wesentlich ausschlaggebender für die St andortwahl, heute allerdings kommt auch hier die globale Vernetzung und der erleichterte Transport von Produktionsf aktoren, insbesondere des Fakt ors Rohstoff, zum tragen.

Zur Produktion benötigt man neben Rohstoffen auch Arbeitskräfte. Beim Faktor Arbeit muss berücksicht igt werden, dass dieser nicht unbegrenzt mobil ist und der Arbeitsmarkt nicht unter den Bedingungen vollkommenen Wettbewerbs funktioniert6. Deshalb beeinflussen die vorhandenen Arbeit skräf t e eines Landes dessen Att rakt ivit ät für Investit ionen. Das Arbeitsangebot ist dabei, unter Berücksichtigung der Unterschiede in den Fähigkeiten, der Produktivität, der Zuverlässigkeit und der Vielseitigkeit, ein „ sehr komplexes Puzzle von Einheitlichkeit und Vielfalt im Raum“7.

Of tmals ist eine Spezialisierung der Arbeitskräfte in eine best immte Richtung für eine ganze Nation spezifisch8. So verbindet man derzeit Indien ]sehr stark mit gut ausgebildeten Computerspezialisten.

Immer mehr Unternehmensstrategien erfordern ein hohes Qualifikations-, Motivations- und Integrationsniveau der Arbeitskräfte, sind also stark humankapitalorientiert9. Für einen Großteil der Indust rieunternehmen tritt immer mehr die Einstellung der Arbeitskräfte und deren Arbeitsbeziehungen in den Vordergrund und wird von ihnen höher als der Standortfaktor „ Arbeitkräfteverfügbarkei t “ an sich bewertet10. Das Handeln von Menschen im Rahmen ihres kulturellen und gesellschaftlichen Umfelds entscheidet somit neben der Menge und der Qualifikation der vorhandenen Arbeitskräfte über die Standortqualität einer Nation. So bietet z. B. Europa mit seiner weitgehend individualistisch orientierten Bevölkerung einen anderen Menschentypus als der asiatische Wirtschaftsraum, wo eher gemeinschaftsorientierte Gesellschaftsst rukt uren vorherrschen11.

Erwähnenswert ist, dass sowohl Unternehmen, als auch - und vor allem - die Nationen dazu beitragen können, ihre Arbeitskräfte frühzeitig auf zukünftige Anforderungen der Wirtschaft vorzubereiten.

3.2.2 Kosten der Produktionsfaktoren Arbeit und Rohstoffe

In den westlichen Industrienationen nehmen die Personalkosten12 in der Kost enst rukt ur eine zentrale Rolle ein. In den meisten Ländern st ellen die Personalaufwendungen sogar den größten Kost enblock dar13. Aus diesem Grund sind Überlegungen, wie die Attraktivität eines St andortes gest eigert werden kann, im Bereich Personal von großer Wichtigkeit für die invest ierenden Unternehmen.

In der öffentlichen Diskussion in Deutschland sind die hohen Löhne und Gehälter ein immer wieder genannter Punkt der Kritik. Vielzitiert ist die These, in Deutschland seien die Löhne zu hoch. Of tmals wird in der Beschäftigung mit diesem Thema aber der Punkt der Arbeitsprodukt ivität14 in die Überlegungen nicht mit einbezogen. Die Lohnkosten sind demnach allein kein aussagekräftiger Entscheidungsparameter für Invest itionsentscheidungen. Nach Ansicht u. a. der Autoren Pfähler und Lorz sind sogar „hohe Lohnkosten bzw.

[...]


1 Vgl. Hehn, „Die Grenzen des Saarvoir vivre“, in: DIE WELT vom 29.05.1997, S. 3.

2 Vgl. u. a. Wöhe, „Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“, 19. Aufl., Saarbrücken 1996, S. 42.

3 Zur Berechnung des BIP siehe z. B. Samuelson, Nordhaus „Volkswirtschaftslehre“, 15. Aufl., Wien 1998, S. 473ff.

4 Vgl. o. V., „Kundennähe entscheidet den Konzentrationsprozess“, in: Wirtschaftskurier Ausgabe Juni 2000, S. 12.

5 Vgl. Dicken, Lloyd, „Standort und Raum - Theoretische Perspektiven in der Wirtschaftsgeographie“, Stuttgart 1999, S. 117-120.

6 Vgl. Dicken, Lloyd, a. a. O., S. 131.

7 Vgl. Dicken, Lloyd, a. a. O., S. 128.

8 Vgl. Härtel, „Standortqualität, Wirtschaftswachstum und internationale Wettbewerbsfähigkeit“, in: Kantzenbach, Mayer (Hrsg.), „Deutschland im internationalen Standortwettbewerb“, Baden-Baden 1994/95, S. 17.

9 Vgl. Streeck, „Industrielle Beziehungen in einer internationalisierten Wirtschaft“, in: Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung, „Globalisierung der Wirtschaft, Standortwettbewerb und Mitbestimmung“, Bonn 1996, S. 53-64.

10 Vgl. Dicken, Lloyd, a. a. O., S. 131.

11 Vgl. Koerber, „Der Standort Europa im Wettbewerb der Systeme“, in: Iglhaut (Hrsg.), „Wirtschaftsstandort Deutschland mit Zukunft“, Wiesbaden 1994, S. 82ff.

12 Personalkosten umfassen neben den Löhnen und Gehältern auch die Personalzusatzkosten. Diese setzen sich aus drei großen Kostengruppen zusammen: den gesetzlichen Leistungen, tariflichen Leistungen und den freiwilligen betrieblichen Sozialleistungen. Ebenfalls einzubeziehen sind Humankapitalinvestitionen, wie Rekrutierungskosten, Schulungen und Fortbildungen, Motivation der Mitarbeiter, soziale Sicherungen mit dem Ziel der stärkeren Bindung an das Unternehmen und weitere mit der Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer zusammenhängende Kosten. Vgl. hierzu: Dr. Brinkmann, „Human Capital in der Rechnungslegung“, in: Lücke, Nissen-Baudewig (Hrsg.), „Internationale Wettbewerbsfähigkeit“, Wiesbaden 1993, S. 16ff.

13 Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft, „IDW Internationale Wirtschaftszahlen“, Köln 1993, S. 89-90.

14 Zur Berechnung verschiedener Produktivitätsvarianten vgl. Wöhe, a. a. O., S. 489ff.

Details

Seiten
27
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638114288
ISBN (Buch)
9783638676151
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2328
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Lehrstuhl für empirische Wirtschaftsforschung
Note
1,0
Schlagworte
Wettbewerb Vergleich Nationen Direktinvestitionen

Autor

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Titel: Der Wettbewerb der Nationen - die Standortdiskussion