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Einkommen, Armut und Reichtum Verteilung in Deutschland: Unterschiede zwischen Ansässigen und Menschen mit Migrationshintergrund

Hausarbeit 2011 50 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

INHALTVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Definition von Begriffen
2.1. Einkommen
2.2. Armut
2.2.1. Dimensionen der Armut
2.2.1.1. Ökonomische Dimension von Armut
2.2.1.2. Die soziologische Dimension von Armut
2.2.1.3. Die kulturelle Dimension von Armut
2.2.2. Typologie der Armut
2.2.2.1. Integrierte Armut
2.2.2.2. Marginale Armut
2.2.2.3. Disqualifizierende Armut
2.2.2.4. Einige klassische Definitionen der Armut
2.2.3. Wie kann man Armut messen?
2.3. Reichtum
2.4. Migranten, Ausländer, Menschen mit Migrationshintergrund
2.5. Ansässige
2.6. Überblick über die Lebenslage der Ausländer in Deutschland

3. Vorstellung der Erhebungsorganisationen
3.1. Das IWG
3.2. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP)

4. Analytischer Teil
4.1. Typ der Erhebung
4.2. Zielgruppen der Untersuchung
4.3. Datenanalyse
4.3.1. Analyse, Vertiefung
4.3.1.1. Einkommen als abhängige Variable
4.3.1.2. Bildung und Berufserfahrung als unabhängige Variable
4.3.2. Veränderung der Zusammensetzung der Bezieher mittlerer Einkommen
4.3.3. Beitrag ausgewählter Bevölkerungsgruppen zur wachsenden Einkommensungleichheit
4.4 Mögliche Gründe für die ungleichmäßige Verteilung des Reichtums zwischen den Ansässigen und Menschen mit Migrationshintergrund
4.4.1. Schlechtere Integrationspolitik im Vergleich zu der Mitte der 1980er Jahre
4.4.2. Sinkende Erwerbstätigkeitsquote von Migranten - steigende von Ansässigen
4.5. Gleiche Akademikerquote – aber geringere Arbeitsmarktchancen
4.6. Diskriminierung von Migranten

5. Schluss

Glossar

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Untersuchung ist eine qualitative Forschungsmethode, die sich mit der Frage des Einkommens, der Armut und des Reichtums in Deutschland beschäftigt. Genauer gesagt, wird hier versucht, die Verteilung des Reichtums Deutschlands zwischen Deutschen und Ansässigen in Deutschland zu erfassen. Zu diesem Zweck werden sekundäre Daten benutzt, die von unterschiedlichen Forschungsinstituten erhoben wurden, nämlich dem Institut für Wirtschaft und Gesellschaft Bonn und dem Sozio-ökonomischen Panel. Diese Daten zeigen die Struktur und die Entwicklung der Einkommensverteilung in Deutschland zwischen 1986 und 2006. Die zur Verfügung stehenden Daten weisen eine ungleiche Verteilung des Reichtums zwischen Deutschen und Menschen mit Migrationshintergrund auf. Im Alltag lässt sich oft hören, dass Menschen mit Migrationshintergrund in der Gesellschaft meist benachteiligt sind und deswegen stärker von Armut betroffen sind als die Ansässigen. Die Frage, die sich dann stellen lässt und gleichzeitig der Schwerpunkt unserer Untersuchung ist, inwieweit diese Aussagen gültig sind. In anderen Wörtern wird in dieser Untersuchung analysiert werden, ob diese Aussagen, nach denen Menschen mit Migrationshintergrund stärker von Armut betroffen sind als die Deutschen, zutreffen.

Diese Arbeit ist in mehrere Kapitel unterteilt. Im ersten Teil werden Begriffe definiert, die für ein besseres Verständnis dieser Untersuchung notwendig sind. Im zweiten Teil werden die Forschungsinstitute vorgestellt, die die zu analysierenden Daten zur Verfügung gestellt haben. Der dritte Teil ist der analytische Teil. Zunächst werden der Typ der Erhebung, die Untersuchungsgruppe und die verschiedenen Variablen vorgestellt, dann werden die Daten beschrieben, analysiert und interpretiert. Zum Abschluss der Arbeit werden Schlussfolgerungen gezogen, die Antworten zu unserer Fragestellung enthalten.

2. Definition von Begriffen

Dieser Teil beschäftigt sich zunächst einmal mit der Definition der wichtigen Begriffe, die in der folgenden Arbeit benutzt werden.

2.1. Einkommen

Als Einkommen werden alle Einnahmen einer Person bezeichnet. Es besteht aus Personenbruttoeinkommen und Haushaltsbruttoeinkommen. Das Personenbruttoeinkommen sind Einkünfte aus unselbstständiger Tätigkeit in Form von Geld oder geldwerten Sachleistungen oder in Form von Sachleistungen. Dazu zählen auch das Arbeitslosengeld, Leistungen der Arbeitsförderung, Alters- und Hinterbliebenenleistungen, das Krankengeld, die Invaliditätsleistungen sowie ausbildungsbezogene Leistungen. Als Haushaltsbruttoeinkommen werden alle Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung bezeichnet, ferner alle Familienleistungen (Kindergeld zum Beispiel) und Wohnungsbeihilfen. Zu dieser Einkommensart zählen auch Sozialgeld, Sozialhilfe, die bedarfsorientierte Grundsicherung, regelmäßig empfangene Geldtransfers, Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Kapitalanlagen sowie Einkünfte von Haushaltsmitgliedern unter 16 Jahren.[1] Nach Abzügen von Steuern und sozialen Ausgaben bekommt man das Nettoeinkommen.

Im wissenschaftlichen Diskurs sowie im Alltagsgebrauch wird das Einkommen als Maßstab der Armut benutzt. Das Äquivalenzeinkommen wird zum Beispiel oft genutzt, um die Armutsgefährdungsquote zu berechnen. Es berücksichtigt den unterschiedlichen Bedarf jedes privaten Haushalts im Bezug auf die Struktur dieser Haushalte und ermittelt so repräsentative Ergebnisse.

Die Grundlage der Berechnung des Äquivalenzeinkommens ist eine Äquivalenzskala, die festlegt, welches Bedarfsgewicht jedem einzelnen Haushaltsmitglied zuzuordnen ist. Früher haben sich mehrere Statistiken an der Oxfordskala orientiert, die darauf beruht, dass der erste Erwachsene des Haushalts als ein Konsumhaushalt gezählt wird, alle weiteren als 0,7 Konsumeinheiten und Kinder unter 14 Jahren zählten als 0,5 Konsumeinheiten. Heute ist diese Skala nicht mehr angemessen, weil sie die heutige Skalenökonomie der Haushalte unterschätzt, denn heutzutage wird zum Beispiel mehr Geld für Wohnung als für Lebensmittel ausgegeben. Die Wohnungskosten steigen weniger mit Zunahme der Haushaltsgröße, somit sinkt die Konsumeinheit. Die neue, modifizierte Skala, die sogenannte OECD-Skala, beruht auf 1 für den ersten Erwachsenen, 0,5 für Haushaltsmitglieder, die älter als 14 sind, und 0,3 für Kinder unterhalb von 14 Jahren.[2] Das Problem bei dieser Methode ist, dass sie eine zu generelle Definition von Konsum festlegt, was eigentlich nicht möglich ist, da Menschen unterschiedliche Konsumbedürfnisse haben. Es gibt je nach Haushaltszusammensetzung unterschiedliche Äquivalenzeinkommen. Das Haushaltsnettoeinkommen, dividiert durch das gesamte Gewicht für den Haushalt, ergibt das für alle Personen des Haushalts geltende Nettoäquivalenzeinkommen.

Damit man Aussagen treffen kann, die repräsentativ sind, wird oft der Median dieses Nettoäquivalenzeinkommens benutzt. Dieser ist gegen extreme Werte, die sogenannten Ausreißer, unempfindlich. Nach den EU-Konventionen stellen 60% des Medians des Nettoäquivalenzeinkommens der Bevölkerung den Schwellenwert für die Armutsgefährdung in der Bevölkerung dar.

2.2. Armut

Dieser Begriff wird oft in einem falschen Sinn benutzt. Im alltäglichen Gebrauch wird er meistens benutzt, um den Zustand von jemandem zu beschreiben, der nicht genug zu essen hat und dem es schwerfällt, seine Grundbedürfnisse zu erfüllen. Diese Definition umfasst aber nur eine einzelne Dimension. Armut ist ein mehrdimensionales Problem, das ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte umfasst.[3]

2.2.1. Dimensionen der Armut

2.2.1.1. Ökonomische Dimension von Armut

Im ökonomischen Verständnis unterscheidet man zwischen absoluter, extremer Armut oder existenzieller Armut und relativer Armut.

Die absolute Armut bedeutet, dass die Menschen nicht in der Lage sind, ihre Grundbedürfnisse zu erfüllen. Das heißt, sie haben nur wenig oder kaum Zugang zu Essen, Bildung, angemessenem Wohnraum und Gesundheit.

Die extreme Armut wiegt noch schwerer als die absolute Armut und heißt nur, dass es dem Individuum an den notwendigen Elementen für sein Überleben fehlt. Eine solche Form von Armut, die zu einem frühzeitigen Tod führt, ist in Deutschland kaum zu finden.[4] Besonders betroffen bei Armut sind Kinder und ältere Menschen aus Arbeiterfamilien mit Migrationshintergrund oder Illegale, die keine Transferleistungen bekommen.[5]

Im Gegensatz zu den vorherigen Formen von Armut, wird bei der relativen Armut das physische Leben nicht bedroht, sondern die soziokulturelle Existenz. Nach einer Interpretation der Europäischen Union im Jahr 1980 spricht man von relativer Armut, wenn ein Mensch so wenig zu Verfügung hat, dass er von der Lebensweise ausgeschlossen ist, die im jeweiligen Land als Minimum annehmbar gilt.[6] So wird man zum Beispiel als arm betrachtet, wenn man nicht in der Lage ist, mindestens einmal pro Jahr essen zu gehen.

2.2.1.2. Die soziologische Dimension von Armut

Nach der sozialwissenschaftlichen Relativitätstheorie kann Armut nicht ohne ihr jeweiliges soziales Umfeld begriffen werden, sondern nur, wenn man das spezifische Verhältnis berücksichtigt, in dem der Betroffene zu seinen Mitbürgern und deren Verhaltensweise steht.[7] Das heißt, wenn es keine Reichen gäbe, dann würde man auch nicht merken, dass man arm ist. Nach Christoph Butterwegge sei Armut deswegen in reichen Ländern weniger ertragbar als in armen Ländern.[8] Diese These lässt sich empirisch nicht immer verifizieren.

2.2.1.3. Die kulturelle Dimension von Armut

Wichtig ist hier, dass man im Kopf behält, dass es keine allgemeine Definition von Armut gibt. Diese Definition variiert je nach Gesellschaft. So ist zum Beispiel in einigen afrikanischen Ländern die Möglichkeit, jeden Tag Fleisch zu essen, ein Zeichnen für Reichtum, während dies in Deutschland nicht so ist.

Nach dieser Definition wird Armut nach dem verfügbaren Einkommen für einen Haushalt gemessen. Als Armutsgrenze werden konventionell festgelegte Prozentsätze des durchschnittlich verfügbaren Einkommens oder das offizielle Existenzminimum herangezogen.

2.2.2. Typologie der Armut

Es gibt drei elementare Formen von Armut: die integrierte Armut, die marginale Armut und die disqualifizierende Armut.

2.2.2.1. Integrierte Armut

Diese Definition verweist mehr auf die soziale Frage von Armut im traditionellen Sinne als auf die soziale Ausgrenzung. Hier wird eine große Anzahl an Leuten oder eine Region als arm bezeichnet. Dadurch, dass die Armut in diesen Regionen sehr prägnant ist, sehen sich die Menschen, die dort leben, nicht mehr als arm an. Zum Beispiel betrachtet sich ein Kind, das in einer Gesellschaft lebt, in der sich die Menschen generell nur eine Mahlzeit pro Tag leisten können, nicht als arm.

2.2.2.2. Marginale Armut

Im Gegensatz zur integrierten Armut werden hier die als arm bezeichneten Menschen von der Gesellschaft abgegrenzt und stigmatisiert. Im gesellschaftlichen Bewusstsein gelten sie gewissermaßen als die Stiefkindern der modernen Zivilisation, die mit dem Wachstum nicht Schritt halten und sich auch nicht an die normativen Vorgaben der industriellen Entwicklung anpassen konnten.[9]

2.2.2.3. Disqualifizierende Armut

Nach dieser Definition wird Armut nicht als ein Zustand betrachtet, sondern als ein Prozess, in dessen Verlauf es zu Umwälzungen in der Organisation des Alltagslebens kommen kann. Zum Beispiel kann der Verlust einer Arbeitsstelle zu einem niedrigen Einkommen führen, zu einer bedürftigen Wohnsituation, um nur einige Probleme zu nennen. Hier wird der „arme Mensch“ durch seine Situation sehr frustriert, vor allem, wenn er noch nie die Erfahrung von Armut gemacht hat. Er wird von der Gesellschaft nicht stigmatisiert, so wie es bei den anderen Formen der Fall ist, sondern ihm gegenüber wird Mitleid empfunden.

2.2.2.4. Einige klassische Definitionen der Armut

Schon in früheren Jahrhunderten gab es in der Sozialwissenschaft einen Diskurs über Armut. Diese klassischen Definitionen lassen sich bis heute im sozialwissenschaftlichen Diskurs über Armut wiederverwenden. Nach dem französischen Soziologen Alexis de Tocqueville, sind arm “ diejenigen, die auf die Unterstützung ihrer Mitmenschen angewiesen sind und auf deren Kosten leben.“[10]

Während Tocqueville die Ursache von Armut in der Politik sieht, betrachtet Karl Marx sie als das Resultat der kapitalistischen Akkumulation, die auf der grundsätzlichen Ungleichverteilung des Eigentums und der schrankenlosen Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die Inhaber der Produktionsmittel beruht.[11]

In Simmels Verständnis ist Armut nicht nur relativ, sondern gesellschaftlich konstruiert.[12] Das heißt, dass Armut nicht von Beginn an gegeben ist. Es ist erst von Armut die Rede, wenn derjenige, der sich in einer schwierigen Lage befindet, anfängt, Unterstützung zu bekommen.

2.2.3. Wie kann man Armut messen?

Wie bereits zu lesen war, ist Armut ein sehr komplexes Thema, das sich schwer exakt definieren und messen lässt.

Es existieren grundsätzlich drei Ansätze, um Armut zu messen: der monetäre Ansatz, der subjektive Ansatz und der Lebenslageansatz.

Der monetäre Ansatz wird am häufigsten benutzt und besteht darin, dass man die Gesamtheit der Haushaltseinkommen zugrunde legt und versucht, die angemessene Schwelle zu definieren. Diese Schwelle entspricht einem bestimmten Prozentsatz des durchschnittlichen oder mittleren Einkommens. Ein Haushalt gilt als arm, wenn sein Einkommen pro Konsumeinheit unterhalb dieser Schwelle liegt (Erklärungen über das Einkommen-pro-Konsum-Einheit wurden bereits in dem Kapitel über die Definition von Einkommen gegeben).

Der subjektive Ansatz hingegen stützt sich auf die Meinung der befragten Personen hinsichtlich ihrer eigenen finanziellen Situation und ihres Wohlstands, um die Armutsschwelle zu definieren.

Laut dem Lebenslageansatz wird Armut nicht nach dem Mangel an materiellen Gütern definiert, sondern nach der Kumulierung von Mangellagen. Hier werden Kriterien ausgewählt, die mit der Definition von Wohlstand und gesellschaftlicher Teilhabe der Bevölkerungsmehrheit einhergehen. Der Soziologe Peter Townsend hat zwölf Kriterien aufgelistet, die Hinweise bezüglich der Lebenslage eines Individuums geben können. Diese sind Ernährung, Kleidung, Heizung und Elektrizität, Haushaltsausstattung, Gesundheit, Bildung, Umwelt, Wohnsituation, familiäre Aktivitäten, Freizeitbeschäftigungen und soziale Beziehungen.[13] Diese Methode ist geeignet, um die komplexe soziale Realität abzubilden, sie macht aber keine Abgrenzung zwischen Armut und sozialer Ungleichheit.

Die folgende Tabelle fasst die Typen von Armut zusammen.

Tabelle 1: Allgemeine Kennzeichen der Armut

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Paugam, Serge: Die elementaren Formen der Armut, 2008, S. 114.

2.3. Reichtum

Der folgende Abschnitt befasst sich mit der Definition von Reichtum. Wie Christoph Butterwegge in seinem Buch Armut in einem reichen Land betont, sind „Armut und Reichtum zwei Seiten der gleichen Medaille“. Das heißt, dass beide Begriffe fest zueinander gehören. Man könne Reichtum nicht erkennen, wenn es keine Armut gebe. Einige Soziologen argumentieren sogar, dass Armut durch Reichtum entstehe.[14] Diese Aussage ist nicht ausreichend repräsentativ.

So wie Armut ist auch Reichtum ein sehr komplexer Begriff. Nach dem dritten Armuts- und Reichtumsbericht der deutschen Bundesregierung verbinden einige Leute Reichtum mit dem finanziellen Vermögen, während andere eine gute Gesundheit oder eine gute Bildung als das wichtigste Merkmal für Reichtum betrachten (Jugendliche assoziieren Reichtum meist mit Luxuskonsum, während die Älteren Gesundheit als das wichtigste Merkmal des Reichtums bezeichnen). So wie beim Begriff „Armut“ gibt es auch einen relativen und integrierten Reichtum. Ein Mensch ist relativ reich, wenn er über ein Nettoäquivalenzeinkommen verfügt, das mindestens doppelt so hoch ist, wie das mittlere Einkommen in der Gesellschaft. Die Gewichte betragen 1 für den Haushaltsvorstand, 0,5 für jede weitere Person im Haushalt im Alter von mindestens 14 Jahren und 0,3 für jede Person jünger als 14 Jahre.[15] 2006 lebten in Deutschland 15 % der Bevölkerung mit einem überdurchschnittlichen Einkommen.

Mit einem guten Einkommen kann man sich eine bessere Lebenslage schaffen. Man kann sich zum Beispiel ein Auto kaufen oder eine gute Bildung. Jedoch genügt die monetäre Definition von Reichtum allein nicht. Man kann zwar ein großes Vermögen haben, aber wenn man keinen guten Bildungsgrad hat, kann man seinen Reichtum nicht dauerhaft erhalten. Studenten zum Beispiel leben meist unter dem Existenzminimum, aber dadurch, dass sie studieren, werden sie mit den geeigneten Mitteln ausgestattet, die zu Reichtum führen können.

2.4. Migranten, Ausländer, Menschen mit Migrationshintergrund

Zunächst werden wir uns mit dem Begriff „Migrant“ beschäftigen. Es gibt im alltäglichen Gebrauch viele Synonyme für das Wort „Migrant“. Dazu gehören der Ausdruck „Mensch mit Migrationshintergrund“ sowie die Bezeichnungen „Einwanderer“ oder „Ausländer“.

Ein Migrant ist eine Person, die ihren Lebensmittelpunkt räumlich verlagert hat.[16] Die Verlagerung kann innerhalb des gleichen Landes geschehen (Binnenmigration) oder über Staatsgrenzen hinweg (internationale Migration). Der Begriff „Migrant“ umfasst sowohl Zuwanderung als auch Abwanderung. Der Unterschied zwischen Abwanderung und Zuwanderung hängt davon ab, von welcher Perspektive aus er betrachtet wird. Wenn man es aus der Perspektive des Landes, das einen Migranten aufnimmt, sieht, dann spricht man von einem Zuwanderer. Umgekehrt spricht man von einem Abwanderer, wenn das Ganze aus der Perspektive des Heimatlandes betrachtet wird. Hier verlässt das Individuum sein Heimatland, um in einem fremden Land zu leben. Es gibt zwei große Formen von Migration: die legale und die illegale Migration. Wie die beiden Begriffe bereits erkennen lassen, bedeutet die legale Migrationsform, dass das Individuum alle Voraussetzungen erfüllt hat, um sich in einem Land aufhalten zu dürfen. Mit anderen Worten heißt das, dass das Individuum ein sogenanntes „Visum“ besitzt. Falls es ein solches Visum nicht besitzt, ist das Individuum ein illegaler Einwanderer.

Im Unterschied zu dem Begriff „Migrant“ bezieht sich der Begriff „Ausländer“, der oft in dem gleichen Sinn verwendet wird, auf die Staatsangehörigkeit. Alle Menschen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, gelten als Ausländer. Jedoch ist es wichtig anzumerken, dass nicht alle Migranten Ausländer sind. Viele lassen sich nach einigen Jahren des Aufenthalts im Einreiseland einbürgern. Außerdem werden Menschen manchmal als „Ausländer“ bezeichnet, die gar keine Ausländer sind, nur weil sie dem „deutschen Bild“ nicht entsprechen. Das heißt, dass ein Kind, das in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, weder als Ausländer betrachtet werden kann, auch wenn er eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt,[17] noch als Migrant, da es selbst ja nicht aus- bzw. eingewandert ist. Solche Menschen nennt man Menschen mit Migrationshintergrund.

Es gibt unterschiedliche Gruppen von Migranten und jede Gruppe genießt unterschiedliche Vorteile in der Gesellschaft.

EU-Bürger und ihre Familien dürfen in den EU-Ländern ohne Genehmigung leben, wenn sie über einen sicheren Lebensunterhalt verfügen. Es gibt ferner die Gastarbeiter. Bei dieser Form verlässt das Individuum seine Heimat, um eine Erwerbstätigkeit in einem anderen Land anzunehmen. Diese Form von Migration war in Deutschland zu Zeiten des „Wirtschaftswunders“ sehr prägnant. Auf diese Weise sind viele türkische Familien nach Deutschland eingereist. Der Aussiedler bzw. Spätaussiedler zählt ebenfalls zu den Migranten. Hierbei geht es um Menschen, die als deutsche Minderheit teilweise seit Generationen in Ost- und Südosteuropa gelebt haben, und um Deutsche, die nach dem zweiten Weltkrieg zwangsweise in den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion bleiben mussten. Der Asylbewerber ist jemand, der aufgrund von Verfolgungen oder aus anderen politischen Gründen aus seinem Land ausgewandert ist. Seit 1993 müssen solchen Menschen beweisen, dass sie aufgrund der politischen Lage nicht mehr in ihren Heimatländern leben können. Flüchtlinge sind Menschen, die aufgrund von Verfolgungen wegen ihrer Rasse, ihrer Religion oder Nationalität ihre Länder verlassen müssen, um Schutz in einem anderen Land zu suchen.

2.5. Ansässige

Man bezeichnet ein Individuum als Ansässigen einer Region, wenn diese Region seine Heimat ist. Zu den Synonymen von „ansässig“ gehören die Wörter „autochthon, “beheimatet“, „bodenständig“, „eingeboren“, „einheimisch“, „erbeingesessen“, „heimisch“ und „niedergelassen“. Nach dem § 4 StAG (Staatsangehörigkeitsgesetz) ist man durch Geburt Deutscher, sofern man deutsche Eltern oder einen deutschen Elternteil hat. Unter bestimmten Kriterien, die vom Bund geregelt sind, ist es für Ausländer möglich, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erhalten.

2.6. Überblick über die Lebenslage der Ausländer in Deutschland

Es gibt in Deutschland eine ungerechte Verteilung der Ressourcen, besonders zwischen Ansässigen und Migranten, und diese wird immer größer. Die Lebenslage der in Deutschland lebenden Bevölkerung hat sich von 1998 bis 2003 relativ verschlechtert. In Bezug auf diese Situation sagte Prof. Dr. Meinhard Miegel, der Leiter des ehemaligen Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG) Bonn, in einem Spiegel-Artikel: „Diejenigen, die am lautesten über den Abstieg lamentieren, zählen nicht zu den bemitleidenswerten Verlierern. Betroffen sind in erster Linie Menschen mit Migrationshintergrund und alleinerziehende Deutsche.“[18] Das bedeutet, dass es in Deutschland eine ungleichmäßige Einkommensverteilung zwischen den Menschen mit Migrationshintergrund und den Ansässigen gibt. Nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Verbindung mit dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) lebten 2003 „28 % der Jugendlichen und Kinder mit Migrationshintergrund im Alter von unter 20 Jahren in prekären Verhältnissen [...]. Bei den gleichaltrigen „Einheimischen“ waren es deutlich weniger [...].“[19]

[...]


[1] Statistisches Bundesamt (2009): Leben in Europa (EU-SILC), Einkommen und Lebensbedingungen in Deutschland und der Europäischen Union.

[2] Ebd., S. 9.

[3] Butterwegge, Christoph (2009): Armut in einem reichen Land, S. 17.

[4] Hauser, Richard (2007): Armut in Deutschland: versagt der Sozialstaat?, S. 173.

[5] Butterwegge (2009), S. 90.

[6] Hradil, Stefan (2020): Der deutsche Armutsdiskurs.

[7] Butterwegge (2009), S. 19.

[8] Ebd., S. 20.

[9] Butterwegge (2009), S. 114-115.

[10] Paugam, Serge (2008): Die elementaren Formen der Armut, S. 39.

[11] Ebd., S. 51.

[12] Ebd., S. 55.

[13] Ebd., S. 11.

[14] Ebd., S. 32.

[15] Ebd., S. 15.

[16] Butterwegge, Carolin (2010): Armut von Kindern mit Migrationshintergrund, S. 21.

[17] Butterwegge (2010), S. 22.

[18] Kröger, Michael (2008): Wen Armut in Deutschland wirklich bedroht. Online unter: http://www.iwg-bonn.de/fileadmin/user_upload/pdf/WenArmutwirklichbedrocht-spiegel.pdf

[19] DIW Berlin (2005): Einkommensarmut bei Zuwanderern überdurchschnittlich gestiegen. Online unter: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.42868.de/05-5-1.pdf

Details

Seiten
50
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656519614
ISBN (Buch)
9783656519133
Dateigröße
7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232860
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Politikwissenschaft & Soziologie (Ökonomische Politik Bildung)
Note
1,3
Schlagworte
einkommen armut reichtum verteilung deutschland unterschiede migranten menschen migrationshintergrund

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Titel: Einkommen, Armut und Reichtum Verteilung in Deutschland: Unterschiede zwischen Ansässigen und Menschen mit Migrationshintergrund