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Analyse einer Literaturverfilmung: Frankenstein

Ein Vergleich der Darstellung der "Erschaffungsszene" im Roman "Frankenstein or The Modern Pometheus" von Mary Shelley von 1818 und im Film "Frankenstein" von James Whale von 1931

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung der Autorin und des Regisseurs
2.1 Mary Shelley
2.2 James Whale

3. Vergleich der unterschiedlichen Handlungsfuhrungen und Analyse der Abweichungen
3.1 Kurze Inhaltsangabe des Romans
3.2 Handlungsverlauf des gewahlten Filmausschnitts im Vergleich zum entsprechenden Kapitel im Roman

4. Mediale Analyse anhand des ausgewahlten Kapitels des Romans und des ausgewahlten Filmabschnitts
4.1 Analyse ausgewahlter literarischer Mittel des gewahlten Romanausschnitt
4.1.1 Die Gestaltung der Erzahlsituation
4.1.2 Die Raumgestaltung
4.1.3 Die Handlungsfuhrung
4.2 Analyse der Mittel bei der filmischen Umsetzung des ausgewahlten Romanausschnitts
4.2.1 Die Analyse des Narrativen
4.2.2 Analyse des Visuellen
4.2.3 Analyse des Akustischen

„To move in the laboratory of cinema. is to live“1

1. Einleitung

Literaturverfilmungen stellen, bereits seit kurz nach der Vorstellung der ersten „bewegten Bilder“ im Jahre 1895 durch die Bruder Lumiere2, eine wichtige Schnittstelle zwischen dem Medium „Film“ und der literarischen Vorlage, dem „Buch“, dar. Gerade zu Beginn der Filmproduktion wurde vielfach auf bekannte Klassiker der Literatur zuruckgegriffen.

Eine gelungene Literaturverfilmung zu schaffen ist ein herausforderndes und spannendes Unterfangen. So kann der Leser beim Lesen eines Romans seine Fantasie ohne Einschrankungen entfalten und den durch Worter entstandenen Raum selbst gestalten. Doch versucht nun jemand diesen entstandenen Raum durch einen Film mit seinen eigenen Eindrucken und Bildern zu fullen, wird oft nicht jeder Leser damit zufriedengestellt. Noch wichtiger sind die handelnden, dargestellten Personen. Eine Atmosphare „nur“ mit filmischen Mitteln so darzustellen wie man sie in einer literarischen Vorlage wahrnimmt, bedarf eines gewissen Geschicks. Sind im Roman beispielsweise die Gedanken und Sorgen einer Figur beschrieben, so muss dies in einem Film durch entsprechende Handlungen, Mimik oder Verhalten umgesetzt werden. Oftmals nimmt sich der Regisseur hierfur Freiheiten und Abanderungen heraus, um eine moglichst entsprechende Atmosphare zu schaffen, wie er sie subjektiv beim Lesen des Romans wahrgenommen hat.

Diese Arbeit will dies am Beispiel der „Erschaffungsszene“ in Mary Shelleys3 Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“4 und anhand des Filmes „Frankenstein“5 von James Whale6 untersuchen. Die Wahl fiel auf diese Verfilmung, da sie die erste populare Tonverfilmung des Romans darstellt, die auf einem gleichnamigen Buhnenstuck von Peggy Webling7 basiert.

Gerade in dieser Verfilmung gibt es starke, jedoch interessante Abweichungen von der literarischen Vorlage, da sich hier auf ausgewahlte Handlungsstrange konzentriert wurde. Hierdurch konnten interessante Darstellungsweisen entstanden sein:

Erzahlt der Film die Geschichte so, wie sie von Mary Shelley in ihrem Roman angelegt wurde? 1st es moglich durch die unterschiedlichen medialen Darstellungsformen eine ubereinstimmende Atmosphare hervorzurufen? Diese Arbeit untersucht die Fragen zur Schaffung der filmischen sowie der literarischen Atmosphare.

Basis der Untersuchung stellen primar der Originaltext des Romans „Frankenstein or The Modern Prometheus“ von Mary Shelley von 1818 in Englischer Sprache und der Film „Frankenstein“ des Regisseurs James Whale von 1931 dar. Um auf eine genaue Analyse eingehen zu konnen, der dem Rahmen dieser Arbeit entspricht, beschrankt sich diese Arbeit auf die Kapitel bzw. Szene der Erschaffung der Kreatur durch den Protagonisten Frankenstein.

2. Vorstellung der Autorin und des Regisseurs

2.1 Mary Shelley

Die Autorin des Romans, Mary Shelley, wurde am 30. August 1797 in London, England geboren und verstarb am 1. Februar 1851. Sie war die Tochter des Sozialphilosophen William Godwin und seiner Ehefrau, der Schriftstellerin Mary Wollstonecraft, die grundlegende Schriften zur Frauenrechtsbewegung verfasste. Als 16jahrige begleitete sie, gemeinsam mit ihrer Schwester, den verheirateten Percy B. Shelley - einem Anhanger der politischen Ideen ihres Vaters - auf eine Reise nach Italien. Sie kehrte schwanger nach England zuruck und lebte einige Jahre mit P.B. Shelley unverheiratet zusammen. Sie heirateten erst nach dem Tod von Shelleys Frau im Jahr 1816. Dadurch waren sie Aubenseiter des formellen Londoner gesellschaftlichen Lebens. Das Paar war jedoch Mitglied einer Gruppe unkonventionell lebender Intellektueller, zu der auch der bekannte Literat Lord Byron gehorte. Mary Shelley vertrat Zeit Ihres Lebens radikale politische Ideen und lebte ein fur ihre Zeit sehr unkonventionelles Leben. Sie dokumentierte in ihren literarischen Arbeiten die Meinung, dass gesellschaftliche Veranderungen auch durch kooperatives Zusammenwirken mit Frauen herbeigefuhrt werden konnten. Es wird angenommen, dass die Entstehung Ihres Romans „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ auf Erlebnisse und Gesprache wahrend ihres Aufenthaltes in der Schweiz am Genfer See 1816 zuruckgeht. Der Roman erschien ohne Nennung des Verfassers 1818 und war ihrem Vater gewidmet. Das Vorwort schrieb Ihr Mann Percy B. Shelley, der daher lange auch als der Verfasser angesehen wurde.

2.2 James Whale

Der Regisseur des Films, James Whale, wurde 1889 in England geboren und starb 1957 im Alter von 67 Jahren. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er als Cartoonist bei einer Zeitschrift. Als Unteroffizier verbrachte er 1917 in deutscher Kriegsgefangenschaft, wo er seine Leidenschaft fur das Theater entdeckte. Er begann als Schauspieler, arbeitete aber bald als Regisseur. Als Regisseur und Gestalter des Buhnenbildes gelang ihm 1928 in London ein groBer Theatererfolg mit dem Antikriegsdrama „Journey’s End“, mit dem spater bekannten Schauspieler Laurence Olivier.1930 begann er seine Karriere als Filmregisseur in Hollywood mit der Verfilmung des Erfolgstheaterstucks „Journey’s End“. 1931 wurde ihm die Verfilmung des Theaterstucks „Frankenstein“ von Peggy Web ling angetragen. Dies sollte ursprunglich durch Robert Florey erfolgen, der bereits das Drehbuch auf der Basis des Theaterstucks geschrieben hatte. Der Film „Frankenstein“ wurde mehrfach geschnitten, was die Darstellung und Aussage veranderte. Der Film stellt bis heute - auch durch die Neuerungen in Maske und Make-up-Effekte- einen Klassiker des Genres „Horrorfilm“ dar.

3. Vergleich der unterschiedlichen Handlungsfuhrungen und Analyse der Abweichungen

3.1 Kurze Inhaltsangabe des Romans

Die Handlungsvermittlung im Roman „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ erfolgt durch Ich-Erzahlungen der Protagonisten, auBerdem in Briefform. Zu Beginn der Geschichte berichtet Dr. Frankenstein auf einem Expeditionsschiff dem Kapitan Robert Walton von Ereignissen seines Lebens. Walton wiederum halt diese in Briefen an seine Schwester fest.

Viktor Frankenstein erzahlt, wie er als junger Mann seine Heimat in der Schweiz verlieB um sich in Ingolstadt dem Studium der Naturwissenschaften zu widmen. Hier machte er die schicksalhafte Entdeckung, wie man tote Materie wieder zum Leben erweckt. Daraufhin erschuf Frankenstein eine lebende Kreatur, welche er aus Leichenteilen zusammensetzte. Doch bei dem Anblick seiner Schopfung packte Frankenstein der Ekel und er erkrankte an einem Nervenfieber, das monatelang anhielt. Die Kreatur konnte unterdessen fliehen, lebte fortan in der Wildnis und machte sich erst wieder durch den Mord an Viktor Frankensteins kleinem Bruder Wilhelm bemerkbar. Da jedoch nur Viktor den Morder kannte, wurde Justine, eine Freundin der Familie Frankenstein, fur schuldig befunden und dafur gehangt. In seine Heimat zuruckgekehrt und von erneuten Schuldgefuhlen gepackt, durchstreifte Viktor die umliegende Berglandschaft, in der er schon bald auf seine Schopfung traf. Es berichtete ihm, wie es uberlebt hatte und wie es durch Beobachtung einer Bauernfamilie sprechen gelernt hatte. Auch erzahlte es, dass nur aufgrund der Ablehnung der Menschen durch sein entstelltes Auberes das Bose in ihm gewachsen sei. So forderte es von Viktor eine weitere, ebenso entstellte Kreatur -eine Partnerin fur ihn- zu erschaffen. Es konnte durch sie endlich Liebe und Zuneigung erfahren und sie wurden fern von der Menschheit ein friedliches Leben fuhren. Viktor willigte ein und unternahm sodann eine Reise zur Fertigstellung nach England und Schottland mit seinem langjahrigen Studienfreund Henry Clerval, der jedoch nichts von seinem Vorhaben wusste. Als Viktor allerdings seine Arbeit nahezu fertiggestellt hatte, bekam er Zweifel und zerstorte sein Werk vor den Augen der Kreatur. Diese verfiel in eine solche Wut, dass es aus Rache Henry Clerval erwurgte und schwor, Viktor in seiner Hochzeitsnacht heimzusuchen. Viktor reiste sogleich zuruck nach Genf und heiratete, trotz der Drohungen der Kreatur, seine geliebte Elisabeth. Die Kreatur machte seine Versprechung wahr und erlaubte Viktor nicht eine solche Liebe zu empfinden, wahrend ihm diese verweigert bliebe, und totete Elisabeth ebenfalls. Daraufhin floh die Kreatur, und achtete darauf, dass Viktor ihm folgen konnte. Als sie schliefilich das endlose Eis der Arktis erreichten, traf Viktor, dem Tod nahe, auf Kapitan Walton mit seinem Schiff, dem er seine Geschichte erzahlte. Als Viktor mit seinen Erzahlungen fertig war, verstarb er. Als die Kreatur seinen Schopfer tot vorfand, nahm es sich das Leben, indem es sich selbst auf einem Scheiterhaufen im Eis verbrannte. Der Kapitan beschloss darauf seine Expedition abzubrechen und in die Heimat zuruck zu segeln.

3.2 Handlungsverlauf des gewahlten Filmausschnitts im Vergleich zum entsprechenden Kapitel im Roman

Der Film von James Whale beschrankt sich auf eine sehr verkurzte Handlung des Buches. Hierauf wird spater noch eingegangen. Der zu untersuchende Abschnitt des Filmes beschrankt sich auf die Spielzeit von 13:36 Min. bis 24:16 Min.8

Grundlegend lasst sich erkennen, dass die vorkommenden Figuren im Film stark von denen im Roman abweichen. So ist bereits in der ersten Szene des Filmes ein Helfer Frankensteins namens „Fritz“ zu sehen, der auf dem Dach eines Turmes die entsprechenden Maschinen vorbereitet.

[...]


1 Schor, Esther: Frankenstein and film, in: Cambridge Companion to Mary Shelley, Cambridge University Press, 2003 S. 67

2 Bruder Lumiere, Auguste Marie Louis Lumiere (1892-1954) u. Louis Jean Lumiere (1864-1948) Urheber des ersten Filmprojektors

3 Shelley, Mary, 1797-1851, britische Schriftstellerin

4 Shelley, Mary: Frankenstein or The Modern Prometheus, 1818,2. Aufl, Hervordshire: Wordsworth-Verlag,1993

5 Whale, James: Frankenstein, 1931, USA: Universal, 2010 (DVD)

6 Whale, James, 1889-1957, britischer Regisseur

7 Webling, Peggy, 1871-1949, britische Regisseurin, Schriftstellerin, Dichterin

8 Whale, James: Frankenstein, 1931, USA: Universal, 2010 (DVD)

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656498483
ISBN (Buch)
9783656499930
Dateigröße
962 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v232930
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Schlagworte
Frankenstein Literaturverfilmung Verfilmung Literatur Vergleich Film Mary Shelley James Whale Mediale Analyse Prometheus Roman Analyse Literaturanalyse Filmanalyse

Autor

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Titel: Analyse einer Literaturverfilmung: Frankenstein