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Die Bedeutung der Liebe in Lessings "Emilia Galotti"

Hausarbeit 2013 20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Konzept der Liebe im Kontext der Zeit
2.1. Die Liebe in der Epoche der Aufklärung
2.2. Die Liebe in der Epoche der Empfindsamkeit

3. Einführung in die dramenanalytischen Begriffe der „Konstellation“ und „Konfiguration“

4. Analyse des Liebesbegriffes anhand der Figurenkonfigurationen in Lessings „Emilia Galotti“
4.1 Prinz von Guastalla und Emilia Galotti
4.2 Graf Appiani und Emilia Galotti
4.3 Prinz von Guastalla und Gräfin Orsina
4.4 Odoardo und Claudia Galotti
4.5 Odoardo und Emilia Galotti

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Drama gilt als „die konkreteste Form der Darstellung menschlichen Verhaltens und zwischenmenschlicher Beziehungen.“[1] Ein Beispiel ist Lessings „Emilia Galotti“[2], ein bürgerliches Trauerspiel in fünf Aufzügen. Sein Autor ist einer der großen Repräsentan-ten der Aufklärung. In diesem Trauerspiel wird ein neuer sozialer Stand in den Blick gerückt, der sich noch nicht vollkommen entfaltet hat. Es beleuchtet das Leben einer bürgerlichen Familie, die gleichzeitig mit dem Hof verknüpft ist. Im Mittelpunkt steht Emilia, die Tochter des Offiziers Odoardo, in die sich der Prinz von Guastalla verliebt und die dieser um jeden Preis besitzen will. Emilia ist jedoch bereits verlobt und nur durch eine verhängnisvolle Intrige kann diese Hochzeit verhindert werden. Am Ende des Stückes wird Emilia von ihrem Vater getötet, um ihre Unschuld vor dem Prinzen zu schützen. Die Liebe ist somit einer der leitenden Kräfte dieses Trauerspiels.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung der Liebe im Hinblick auf ihre Entwicklung in Aufklärung und Empfindsamkeit und der Einfluss der Liebe auf die Figu-ren.

Zunächst folgen eine allgemeine Erläuterung zum Thema der Aufklärung und die Entwicklung und die Bedeutung der Liebe in dieser Epoche. Danach wird die Zeit der Empfindsamkeit beleuchtet. Wie kommt es zur Empfindsamkeit und wie verändert sich die Denkweise der Menschen und ihr Begriff der Liebe in dieser Zeit? Der dritte Themenabschnitt befasst sich mit einer kurzen Einführung in die dramenanalytischen Begriffe der „Konstellation“ und „Konfiguration“. Sie bietet einen Überblick darüber, wie die Figuren in einem Drama gestaltet sind und wie verschieden sie aufeinander und miteinander wirken. Schließlich folgt eine Analyse des Trauerspiels. Dabei werden besonders die Figurenkonfigurationen in den Blick genommen, die die Liebe zum The-ma haben. Es soll analysiert werden, wo Liebe auftritt, was sie für die Figuren bedeutet und welche Wirkung sie auf ihr Leben hat. Dabei wird der historische Kontext mit in den Blick genommen, indem untersucht wird, inwieweit die Figuren in diesem Zusammenhang einen alten oder schon neuen Liebesbegriff verwenden. Wie werden der neue Liebesbegriff und die einzelnen Figuren, die von der Liebe betroffen sind, dargestellt und inwieweit kann in der Beziehung zwischen ihnen von Liebe gesprochen werden?

2. Das Konzept der Liebe im Kontext der Zeit

Die Gabe, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, war für die Zeit der Aufklärung das entscheidende Kriterium. Doch welche Rolle spielte die Liebe in diesem Kontext? Die nachfolgenden Abschnitte sollen die Liebe und ihre Wirkung in den Epochen der Aufklärung und der Empfindsamkeit beleuchten.

2.1. Die Liebe in der Epoche der Aufklärung

Die Schlüsselbegriffe der deutschen Aufklärung sind Empfindsamkeit, Tugend, Gefühl, Witz, Verstand und Liebe.[3] Durch die Aufklärung wurden Konstruktionen und Modelle einer gerechten, besseren, anderen Welt entworfen, der nichts bedeutsamer war als die Vernunft.[4] In der Aufklärung wurde nach der Lebenssituation des Menschen gefragt, aus dem Vernunftbegriff wurde der gesunde Menschenverstand.[5] Durch den Vernunftbegriff wurden alle Lebensgebiete erfasst und so wurde die Aufklärung zu einer Reformbewegung. Besonders starke Auswirkung hatte sie auf die Religion und die Kirche, aber auch auf den privaten Bereich der Menschen.[6] Dies äußerte sich darin, dass die Aufklärung für das Bürgertum und seine Auseinadersetzung mit dem Absolu-tismus stand.[7] Mit und durch die Aufklärung sollte eine Erziehung des Menschen statt-finden. Mit Hilfe seines Verstandes sollte er zu einer tugendhaften und vernünftigen Lebensführung angeleitet werden, die zu einer Verwirklichung des persönlichen Glücks des Einzelnen werden sollte.[8] Das größte Bedürfnis der Aufklärung war, eine neue Definition der Autorität zu schaffen.[9] Durch ein moralisches Verhalten, welches nicht mehr nur als Dogma angesehen wurde, sollte das Gute im Menschen anerkannt und geschätzt werden. Diese Moral ersetzte die religiösen Gebote und verhalf dem Einzel-nen, seine Interessen mit der Gemeinschaft zu vereinen.[10] Ebenso ist die Aufklärung auch die Epoche des Wissens und der Wissenschaft. Nie vorher wurde die Natur so erforscht, wissenschaftliche Hypothesen getestet und sich mit theoretischen Fragen auseinandergesetzt.[11] Die kirchliche Autorität wurde immer mehr verweltlicht und eine Eintracht zwischen Vernunft und Wahrheit mit der christlichen Offenbarung unternom-men.[12] An Stelle der religiösen Sinnsysteme trat nun eine neue Liebessemantik.[13] Das Außergewöhnlichste in dieser neuen Liebessemantik wurde ihre Exklusivität. Wurde die Liebe vorher nur anerkannt, wenn der Bund der Ehe geschlossen war[14], begriffen sich die Menschen nun ganz neu, waren entwicklungsfähiger und änderbar. Dadurch hielt die Liebe länger an und wurde somit sogar eine weitere Grundlage zum Heira-ten.[15] Die Liebe verlor immer mehr ihre „höfische“ Bedeutung und wurde viel mehr zum Genussmittel.[16] Die Ehe sowie auch die Liebe wurden auf eine emotionale Ebene gebracht, aber waren immer noch stark mit der Tugendhaftigkeit verbunden. Diese gefühlvolle Aufwertung der Liebe erhielt eine weitere Entwicklung mit der „zärtlichen Liebe“.[17] Mittels dieses Aufschubs wurde die Liebe nicht mehr nur unter rationalen Blickpunkten betrachtet, sondern sie wurde mit der Vernunft als Entscheidungskraft gleichgesetzt.[18] Durch Einflüsse wie des Sonnenkönigs Ludwig XIV. wurde es zuneh-mend ein Gebot, viel umfassender von der Liebe zu denken.[19] Die Vernunft wurde immer mehr als menschliche Vernunft angesehen und so wurde die Liebe auch ver-mehrt als eine menschliche Liebe empfunden.[20] Es ist festzuhalten, dass verschiedene Liebesdiskurse entstanden und um eine Dominanz in der Gesellschaft kämpften.[21] Um vor der Unberechenbarkeit der Liebe keine Angst mehr zu haben, versuchten die Auf-klärer, sie mit der Freundschaft zu verbinden[22], um so die Wahrnehmung moralischer Tugenden zuzulassen.[23] Nur unter dem Aspekt der Tugend war es möglich, den neuen Begriff der Liebe, der nun mit Emotionalität und Sexualität verbunden war, zu akzeptie-ren.[24] Durch diese Verbundenheit entstand ein neues romantisches Liebeskonzept, welches wir bis heute kennen und verwenden.[25] In der Aufklärung wurde versucht, den Begriff der Liebe aus seinem rationalen Kontext zu reißen und ihm einen Ausdruck von Gefühl zu verleihen.[26] Die Entfaltung der Liebe und des Glücks, welche über den Verstand und den Willen herrschen, stellt den Fortschritt der rationalen Aufklärung zur Empfindsamkeit dar.[27]

[...]


[1] Esslin, Was ist ein Drama, S.82.

[2] Vgl. Lessing „Emilia Galotti“ [künftig zit. mit Sigel LEG].

[3] Vgl. Schenkel, Dialektik „Emilia Galotti“, S. 169.

[4] Vgl. Jung, Lessing, S. 15.

[5] Vgl. Kaiser, Aufklärung Empfindsamkeit, S. 17f.

[6] Vgl. ebd., S. 20.

[7] Vgl. ebd., S. 39.

[8] Vgl. Alt, Aufklärung, S. 11f.

[9] Vgl. Wurst, Familiale Liebe, S. 1.

[10] Vgl. ebd., S. 2.

[11] Vgl. Alt, Aufklärung, S. 12.

[12] Vgl. ebd., S. 12f.

[13] Vgl. Greis, Liebe im Drama, S. 2.

[14] Vgl. Köhler, Frauen im 18. Jahrhundert, S. 8.

[15] Vgl. Luhmann, Liebe als Passion, S. 126.

[16] Vgl. Kuhn, Liebe, S. 171.

[17] Vgl. Schließman, Liebe im 18 Jahrhundert, S. 10.

[18] Vgl. ebd., S. 10.

[19] Vgl. Kuhn, Liebe, S. 168.

[20] Vgl. ebd., S. 166.

[21] Vgl. Götze, Literaturgeschichte Liebe, S.24 zit. nach: Beck, Ulrich, „Von der gottgefälligen Ehe zum Liebesbündnis auf Zeit: Das Beispiel der Ehe“ S. 72f.

[22] Vgl. ebd., S. 25.

[23] Vgl. Luhmann, Passion der Liebe, S. 145.

[24] Vgl. Götze, Literaturgeschichte Liebe, S. 25 zit. nach: Thomasius, Christian, „Von der Kunst, vernünftig und tugendhaft zu lieben“.

[25] Vgl. ebd., S. 24. zit. nach: Beck, Ulrich, „Von der gottgefälligen Ehe zum Liebesbündnis auf Zeit: Das Beispiel der Ehe“ S. 72f.

[26] Vgl. Kuhn, Liebe, S. 178.

[27] Vgl. Schenkel, Dialektik „Emilia Galotti“, S. 169.

Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656502616
ISBN (Buch)
9783656503170
DOI
10.3239/9783656502616
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233059
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Philosophisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
bedeutung liebe lessings emilia galotti

Autor

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Titel: Die Bedeutung der Liebe in Lessings "Emilia Galotti"