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Solarstrom aus der Wüste für Deutschland. Die Andasol-Kraftwerke 1-3

Projektarbeit 2013 72 Seiten

Didaktik - Gemeinschaftskunde / Sozialkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Technologie Parabolrinnenkraftwerk
2.1 Grundlagen der Solarthermie
2.1.1 Sonnenenergie
2.1.2 Solarstrahlung
2.1.3 Konzentration von Solarstrahlung
2.1.4 Nutzung der Solarstrahlung
2.2. Schematischer Aufbau eines Parabolrinnenkraftwerkes
2.3. Funktionsprinzip Parabolrinnenkraftwerk
2.3.1 Aufbau einer Parabolrinne
2.3.1.1 Die Parabel
2.3.1.2 Der Glasspiegel
2.3.2 Der Absorber ( Brennpunkt )
2.3.2.1 Wärmeträgermedium
2.3.2.2 Wärmepumpe
2.3.3 Speicher
2.3.4 Dampfturbinenprozess
2.3.4.1 Wärmetauscher
2.3.4.2 Dampfturbine
2.3.4.3 Kondensator
2.3.4.4 Generator

3. Energietransport
3.1 Transportmöglichkeiten der Energie
3.2 Stromarten AC/DC
3.3 Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ)
3.3.1 Einsatzmöglichkeiten
3.3.2 Stromrichterstation
3.3.2.1 Aufbau
3.3.2.2 Transformatoren
3.3.2.3 Stromrichter
3.3.3 Hochspannungs-Gleichstromleitungen
3.3.3.1 Leitungsverlegung
3.3.4 Wirkungsgrad
3.4 Netzstabilität
3.5 Netz der Zukunft

4. Einfluss auf die Umwelt
4.1 Umweltfaktor Solarthermiekraftwerk
4.1.1 Flächen des Solarthermiekraftwerks
4.1.2 Senkung der Treibhausgase durch Solarthermie
4.1.3 Nachhaltige Nutzung der Ressource Wasser
4.2 Umweltfaktor Stromtransport
4.2.1 Umweltauswirkungen durch Freileitungen und Erdkabel
4.3 Landschaftsbild
4.3.1 Landschaftsbild Freileitungen
4.3.2 Landschaftsbild Erdkabel
4.4 Flächenverbrauch
4.4.1 Flächenverbrauch durch Freileitungen
4.4.2 Flächenverbrauch durch Erdkabel
4.5 Elektrische und magnetische Felder
4.5.1 Elektrische und magnetische Felder bei Freileitungen
4.5.2 Elektrische und magnetische Felder bei Erdkabeln
4.6.1 Gefährdungspotential für den Menschen
4.6.2 Gefährdungspotential für Tiere und Pflanzen
4.6.3 Gefährdungspotential für Boden und Grundwasser

5. Einleitung zur politischen Diskussion
5.1. Energie und Klimapolitik der EU
5.1.1 Zielsetzungen der EU
5.1.2 Erhoffte Effekte
5.1.3 Europäische Ebene der Energie Politik
5.2.1 Internationale politische Rahmenbedingungen
5.2.2 Wirtschafts- und Entwicklungspolitik
5.3. Länderinitiative Spanien
5.3.1 Beitrag Regenerativer Energien zur Stromversorgung in Spanien
5.3.2 Staatliche Förderung solarthermischer Anlagen in Spanien
5.4.1 Empfehlung politischer Maßnahmen
5.4.2 Politische Maßnahmen zur Unterstützung solarthermischer Kraftwerke
5.5. Politische Dezentralisierung statt Globalisierung

6. Wirtschaftlichkeit
6.1 Einleitung Wirtschaftlichkeit
6.2 Definition Wirtschaftlichkeit
6.3 Standort einer solarthermischen Anlage
6.4 Stromgestehungskosten
6.4.1 Begriffserklärung
6.4.2 Investitionsausgaben
6.4.3 Laufende Kosten (Jährliche Gesamtkosten)
6.4.4 Selbst errechnete Stromgestehungskosten für Andasol 1
6.5 Finanzierung der Kraftwerke
6.5.1 Allgemeines
6.5.2 Investoren
6.5.3 Subventionen
6.6 Wirkungsgrad Andasol 1-3

7.Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

,,Die Wüsten der Erde empfangen in 6 Stunden mehr Energie von der Sonne als die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht"

Dr. Gerhard Knies (Urheber von DESERTEC)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Solarfeld Andasol

Dieses Zitat gibt den Grundgedanken des DESERTEC Projektes wieder und zeigt, was für ein enormes Potential in der energetischen Nutzung der Sonne steckt.

Der Energieverbrauch der Menschheit wird immer größer und die fossilen Ressourcen sind auf der Erde begrenzt vorhanden. Es ist daher von großer Wichtigkeit neue Energiequellen zu erschließen.

DESERTEC ist ein Konzept zur Erzeugung von Ökostrom an energiereichen Standorten der Welt und dessen Übertragung zu den Verbrauchszentren. Das Projekt wurde von einem Netzwerk von Politikern, Wissenschaftlern und Ökonomen rund um das Mittelmeer entwickelt. Es zeigt einen Weg um Klimaschutz, Energiesicherheit und Entwicklung zu gewährleisten, indem energiereiche Standorte mit ausreichender Infrastruktur genutzt werden, um nachhaltig Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren.

In unserer Projektarbeit behandeln wir die Frage „Ist DESERTEC ein realisierbares Projekt für Deutschland?“

Diese Projektarbeit bezieht sich, auf Grund der enormen Größe des DESERTEC Projektes, ausschließlich auf die, in der Provinz Granada (Süd Spanien) errichteten, Parabolrinnenkraftwerke Andasol (1,2 und 3) und den Energietransport nach Deutschland. Die Projektarbeit geht auf die Technologien der Kraftwerke und Übertragungstechniken ein, darüber hinaus werden politische, umwelttechnische und wirtschaftliche Aspekte betrachtet. Anhand dieser Daten wird die Realisierung des DESERTEC Projektes für Deutschland überprüft.

2. Technologie Parabolrinnenkraftwerk

Im nachfolgenden Kapitel wird die Technologie und Funktionsweise der Andasolkraftwerke 1,2 und 3 beschrieben.

2.1 Grundlagen der Solarthermie

In den folgenden Abschnitten werden die Begriffe Sonnenenergie, Solarstrahlung und Konzentration beschrieben. Es wird beschrieben, welche Art der Solarstrahlung von Parabolspiegelkraftwerken und mit Hilfe welcher Komponenten sie genutzt wird. Die Andasol Kraftwerke 1,2 und 3 arbeiten nach dem Prinzip der Sonnenthermie. Unter Sonnenthermie versteht man die Umwandlung der einfallenden Sonnenstrahlung in Wärmeenergie.

2.1.1 Sonnenenergie

Die bei weitem größte erneuerbare Energiequelle ist die Sonne. Sie existiert seit ca. 4,5 Milliarden Jahren und wird noch ca. weitere 4 Milliarden Jahre existieren[1]. Bei der Sonne handelt es sich um eine autonome Energiequelle, die kontinuierlich über sehr lange Zeiträume eine konstante Strahlungsmenge abgibt.[2] Die Energiemenge der Sonne, welche die Erdoberfläche in einem Jahr erreicht (Durchschnittswert, ohne Sonnenstürme und etc.), entspricht etwa dem 10.000 fachen des Weltprimärenergiebedarfs eines Jahres. Die Sonne ist ein typischer Fixstern mit einer Oberflächentemperatur von 5760 Kelvin[3]. Sonnenenergie wird in direkte und indirekte Sonnenenergie eingeteilt. Die direkte Sonnenenergie wird von Solarkraftwerken genützt. Als indirekte Sonnenenergie bezeichnet man Energien die durch eine natürliche Umwandlung in andere Energieformen verändert werden wie Wind, Wasser der Flüsse oder Pflanzenwachstum. Die Basis aller Solar-, Wind-, und Wasserkraftwerke ist somit die Sonne.[4]

2.1.2 Solarstrahlung

Abbildung 2: Unterschied von Solarstrahlungsarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Solarstrahlung unterscheidet man zwischen der direkten und der diffusen Strahlung. Bei der direkten Strahlung trifft die Solarstrahlung ohne Reflexion oder Streuung auf die Erdoberfläche und strahlt genau aus der Richtung der Sonne. Die direkte Strahlung die durch Wolken oder Partikel in der Atmosphäre reflektiert oder gestreut wird nennt man diffuse Strahlung. Das Licht der diffusen Strahlung besitzt im Gegensatz zur direkten Strahlung keine definierte Richtung.[5]

2.1.3 Konzentration von Solarstrahlung

Parabolrinnenkraftwerke brauchen für ihren Betrieb höhere Temperaturen (ca. 300°C bis 400°C), die man ohne Konzentration von Solarstrahlung nicht erreichen kann. Für eine hohe Konzentration wird parallel einfallendes Licht benötigt.[6] Daher eignet sich die diffuse Solarstrahlung nicht für Parabolrinnenkraftwerke. Nur der direkte Anteil der Solarstrahlung ist konzentrierbar, dadurch wird der Einsatz vor allem in sonnenreichen Regionen der Erde, wie zum Beispiel die Andasolkraftwerke in der spanischen Wüste bei Granada in Andalusien, interessant. Die Strahlung der Sonne auf der Erde lässt sich theoretisch um das etwas 46.000 fache konzentrieren. Damit lassen sich im Brennpunkt Temperaturen von ca. 5500°C erzielen. Bisher wurden in der Praxis Konzentrationskaktoren bei Sonnenöfen von über 10.000 und Temperaturen von weit über 1000°C erreicht. Die Parabolrinnen der Andasolkraftwerke 1,2 und 3 konzentrieren die Solarstrahlung auf das etwa 80fache und erreichen somit eine Temperatur um die 400°C. Das Bündel der direkten Solarstrahlung wird auch als " Concentrated Solar Power " (CSP) bezeichnet.

2.1.4 Nutzung der Solarstrahlung

Abbildung 3: Senkrechter Strahlungseinfall der DNI aufgrund der Nachführung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Parabolrinnenkraftwerke nutzen nur die direkte Solarstrahlung (Direct Normal Irradiation, DNI). Die Solarstrahlung wird von einem Parabolspiegel auf einen Absorber der in der Mitte des Parabolspiegel liegt konzentriert. Dieser Absorber wird durch die Solarstrahlung auf ca. 400°C erhitzt und liefert somit die Energie für das Kraftwerk. Trifft die Solarstrahlung genau senkrecht auf die Fläche des Parabolspiegels, ist der Energiegewinn am größten.[7] Die Parabolrinnen müssen somit für ihren Betrieb der Sonne nachgeführt werden, um zu jedem Zeitpunkt einen möglichst senkrechten Strahlungseinfall zu erreichen und dadurch das Sonnenlicht optimal zu konzentrieren.[8] Die Parabolrinnen der Andasolkraftwerke werden parallel in Nord-Süd Richtung aufgestellt, durch ihre einachsige Nachführung Folgen sie dem Sonnenverlauf von Osten nach Westen um jederzeit die beste Ausrichtung zur Sonne zu haben. Die Parabolrinnen der Andasolkraftwerke werden einachsig nachgeführt, da eine zweiachsige Nachführung technisch sehr aufwendig dazu kostspielig ist und bei der Parabolrinne, aufgrund der auf eine "Linie" konzentrierten Strahlung, keinen Einfluss auf die Wirkleistung hat.

2.2. Schematischer Aufbau eines Parabolrinnenkraftwerkes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Aufbau Andasolkraftwerke

1. Solarfeld
2. Flüssigsalzspeicher (Wärmespeicher)
3. Wärmetauscher
4. Dampfturbine und Stromgenerator
5. Kondensator

2.3. Funktionsprinzip Parabolrinnenkraftwerk

Die Solarstrahlung wird mittels eines einachsig nachgeführten Parabolspiegels auf ein Absorberrohr in dem Brennpunkt der Parabel konzentriert. In den Absorberrohren zirkuliert ein Wärmeträgermedium welches über Wärmetauscher Dampf für einen konventionellen Dampfturbinenprozess erzeugt. Bei einem Überangebot an Wärme können mit der überschüssigen Wärme Wärmespeicher beladen werden, welche nachts oder bei starker Bewölkung wieder entladen werden können.

2.3.1 Aufbau einer Parabolrinne

Abbildung 5: Aufbau Parabolrinne

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Parabolrinne besteht aus mehreren gebogenen Glasspiegel, die zusammen montiert die Form eine Parabel haben. Im Brennpunkt der Parabel verläuft der Wärmeträgermedium durchflossene Absorber.

2.3.1.1 Die Parabel

Parabeln zählen in der Mathematik zu den Kegelschnitten und sind Kurven zweier Ordnungen.

f (x) = ax² + bx + c

Eine Parabel besteht definitionsgemäß aus genau allen Punkten P, deren Abstand von einem festen Punkt F (Brennpunkt) und einer festen Geraden L (Leitlinie) gleich ist.[9]

Abbildung 6: Die Parabel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Parabel reflektiert auf Grund ihrer Form alle parallel zur Symmetrieachse verlaufenden Strahlen so, dass sich diese im Brennpunkt treffen. Daher eignet sich die Parabelform ausgezeichnet für die Konzentration von Sonnenstrahlung.

2.3.1.2 Der Glasspiegel

Die Glasspiegel der Parabolrinnen bestehen aus vier Millimeter dickem, silberbeschichteten, in Form einer Parabel, gebogenem Weißglas. Zum Schutz gegen äußere Einflüsse ist die Silberschicht zusätzlich mit weiteren Schutzschichten überzogen. Die Spiegel der Andasol Kraftwerke 1 und 2 besitzen einen Reflektionsgrad von ca. 93 % und die Spiegel von Andasol 3 besitzen einen Reflektionsgrad von ca. 95 %.

2.3.2 Der Absorber ( Brennpunkt )

Die parabelförmigen Spiegel konzentrieren die Sonnenstrahlen auf die Absorberrohre, die im Brennpunkt der Parabel liegen, durch welche ein Wärmeträgermedium zirkuliert. Der linienförmige Absorber besteht aus einem Glas ummantelten Stahlrohr welches mit einer strahlungsselektiven Absorberschicht versehen ist. Die Außenhaut des Absorberrohres wird gegenüber dem Wärmeträgermedium stets eine Übertemperatur aufweisen, was thermodynamisch ungünstig ist, da die Abstrahlverluste mit der Temperatur in der vierten Potenz steigen.[10] Um die Verluste möglichst gering zu halten, ist das Absorberrohr von einem evakuierten Glasrohr umgeben. Mit dieser Absorberschicht könnte man in einem Arbeitsbereich von 550 °C bis 600 °C arbeiten und das Potenzial der Direktverdampfung ausschöpfen.[11]

Es wurde noch kein geeignetes Wärmeträgermedium gefunden, welches den Arbeitsbedingungen in diesem hohen Temperaturbereich standhält und zugleich wirtschaftlich sinnvoll ist.

2.3.2.1 Wärmeträgermedium

Als Wärmeträgermedium wird ein temperaturbeständiges synthetisches Thermoöl eingesetzt.[12] Bei den Anasolkraftwerken 1,2 und 3 wird ein Zweikreissystem eingesetzt. Das Thermoöl wird dabei in den Absorberrohren erhitzt und durch Wärmetauscher gepumpt.

Die maximale Arbeitstemperatur des Thermalöls liegt auf Grund der thermischen Stabilität des eingesetzten Öls bei 390 °C. Um das Überhitzen des Wärmeträgermediums zu vermeiden, sind in den Systemen Thermoelemente eingebracht die die Temperatur überwachen, um gegeben falls die Parabolspiegel zu drehen und somit die Konzentration der Sonnenstrahlung abzubrechen. Das Thermoölkonzept hat sich während des jahrelangen Einsatzes, in Parabolrinnenkraftwerken, in Kalifornien im Prozess bewährt.[13]

2.3.2.2 Wärmepumpe

Die Wärmepumpe befördert, in einem geschlossenen Kreislauf, das erhitzte Wärmeträgermedium, zum Teil in den Wärmetauscher der Dampferzeugung und teilweise wird das Wärmeträgermedium eingesetzt um die Speicher der Kraftwerke mit Wärme zu versorgen. Dies kann über Ventile in der Rohrleitung des Wärmeträgermediums verstellt werden.

2.3.3 Speicher

Die Andasol Kraftwerke verfügen über thermische Speicher, mit dem die Kraftwerke auch nach Sonnenuntergang oder bei starker Bewölkung weiter betrieben werden können. Die dazu benötigte Wärme wird in einem Flüssigsalzgemisch aus 60 % Natriumnitrat (NaNO3) und 40 % Kaliumnitrat (KNO3) gespeichert. Die Flüssigsalzspeicher arbeiten bei Atmosphärendruck und bestehen pro Kraftwerk aus zwei Tanks von 14 m Höhe und 36 m Durchmesser.[14] Die Tanks sind thermisch Isoliert, damit der Verlust der Wärmeenergie, durch die Abstrahlung an die Umgebung, gering gehalten werden kann.

Das Flüssigsalzgemisch wird tagsüber auf eine hohe Temperatur (ca. 380°C) mit Hilfe des erhitzten Wärmeträgermediums aufgeheizt und in einem "Heiß" Tank gelagert. Über Nacht oder bei starker Bewölkung wird das heiße Flüssigsalzgemisch aus dem "Heißen" Tank entnommen und über einen Wärmetauscher geleitet, wobei ein Teil der gespeicherten Wärme zur Gewinnung von Elektrizität mittels Dampfturbinenprozess verbraucht wird. Dabei kühlt sich das Gemisch auf eine niedrigere Temperatur (ca. 290°C) ab und wird in einem "Kalt" Tank bei konstanter Temperatur gelagert. Tagsüber wird das "Kalte" Gemisch durch das Zugeleitete Wärmeträgermedium wieder auf ca. 380°C erhitzt und in den "Heiß" Tank überführt und der Zyklus kann sich wiederholen.[15]

Das Flüssigsalzgemisch muss, aufgrund des Schmelzpunktes von ca. 250°C, auf einer hohen Temperatur gehalten werden (mind. 260°C). Ansonsten würde das Gemisch gefrieren und die Anlagen beschädigen.

2.3.4 Dampfturbinenprozess

Abbildung 7: Dampfturbinenprozess

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In einem Dampfturbinenprozess wird Wasser durch eine Pumpe auf ein hohes Druckniveau gebracht (1 und 2) und anschließend durch den wärmeträgermedium durchflossenen Wärmetauscher erwärmt und verdampft.[16] Dieser Hochdruckwasserdampf treibt die Dampfturbine an (3 bis 4), wodurch dessen potentielle Energie in kinetische Energie einer rotierenden Welle umgewandelt wird.[17] Zur Erzeugung von elektrischer Leistung wird die mechanische Energie in einem Generator umgewandelt. Der Niederdruckwasserdampf, der aus der Turbine austritt, wird nun in einem Kondensator vollständig verflüssigt (4 bis 1). Dazu ist ein Kühlkreislauf erforderlich, der dem Wasserdampf die Wärmeenergie entzieht. Anschließend erfolgt eine Druckerhöhung in der Pumpe und der Kreislauf beginnt erneut.

2.3.4.1 Wärmetauscher

Das Prinzip des Wärmetauschers ist es, die Wärme eines geschlossenen Systems an ein zweites System zu übertragen.

Das geschlossene Rohrsystem ist mit dem erhitzten Wärmeträgermedium gefüllt. Dieses Medium wird durch mehrfach geschlungene Leitungen in ein geschlossenes Becken geführt. Bedingt durch die große Oberfläche der Rohre, wird die Wärme des im Rohrsystem befindlichen Mediums an das Wasserbecken des Dampfkraftprozess, oder an die Flüssigsalzbecken der Wärmespeicher, abgegeben.

2.3.4.2 Dampfturbine

Die Aufgabe der Dampfturbine besteht in erster Linie darin die Energie des Wasserdampfes, also die Energie, die in Wärme und Druck des Wasserdampfes vorhanden ist, in eine Rotationsenergie umzuformen.[18] Die Umformung erfolgt über die Entspannung des Wasserdampfes, das heißt, dass in jeder Turbinenstufe eine Druckdifferenz abgebaut wird bis der Druck nicht weiter entspannt werden kann. Bei der Entspannung entsteht Energie in Form von Strömungsgeschwindigkeiten, den sich die Turbine zu nutzen macht.

2.3.4.3 Kondensator

Der Kondensator hat die Aufgabe den Wasserdampf, welcher aus der Dampfturbine kommt, soweit abzukühlen, dass er wieder zu Wasser kondensiert und dem System wieder zugeführt werden kann. Der Kondensator ist wie ein Wärmetauscher aufgebaut. Der Dampf strömt an den kühlwasserdurchflossenen Rohren des Kondensators vorbei, wobei der Wasserdampf herunter gekühlt wird und kondensiert.[19]

2.3.4.4 Generator

Der Stromgenerator wandelt mechanische Energie in elektrische Energie um. Im Generator wird der Rotor (auch Läufer genannt) in Inneren des Generators gegenüber dem feststehenden Stator-Gehäuse (auch Ständer genannt) gedreht. Durch das vom Rotor mit einem Dauermagnet oder einem Elektromagnet erzeugte, umlaufende magnetische Gleichfeld wird in den Leitern oder Leiterwicklungen des Stators durch die Lorenzkraft (Kraft die ein magnetisches oder elektrisches Feld auf eine Bewegte elektrische Ladung ausübt) elektrische Spannung induziert.

3. Energietransport

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Energietransport des DESERTEC-Projektes. Die Energie wird wie im Kapitel zuvor beschrieben generiert. „Damit diese Energie jedoch den Europäischen Verbrauchern zur Verfügung steht, muss diese über große Entfernung möglichst verlustfrei transportiert werden.“[20]

Daher ist der Transport eines der Hauptaufgaben, die es zu lösen gilt, um das DESERTEC-Projekt verwirklichen zu können. Auch hier ist es unabdinglich das Gleichgewicht zwischen effizienter neuer Technik und den Kosten für diese zu erhalten.

Im Folgenden wird auf die verschiedenen Transportmöglichkeiten eingegangen und erläutert, welche für Möglichkeiten die Technik zum aktuellen Zeitpunkt bietet. Zudem wird auf die maßgebende Technik für das DESERTEC-Projekt, der Hochspannungs-Gleichstromübertragung, näher eingegangen. Dabei spielt die Analyse der Funktion eine wichtige Rolle. Die Vorteile der Hochspannungs-Gleichstromübertragung, ebenso wie ihre Nachteile werden beleuchtet. Schließlich soll erörtert werden, ob es transporttechnisch überhaupt möglich ist, ein solch ehrgeiziges Projekt wie DESERTEC umzusetzen. Die Werte und Erfahrungen beziehen sich auf die Andasol Anlage 1,2 und 3 in Spanien, Granada, die bereits in Betrieb ist.

3.1 Transportmöglichkeiten der Energie

Es gibt zwei Möglichkeiten um die durch Solaranlagen generierte Energie zu transportieren. Zum einem kann in einem chemischen Prozess Wasserstoff hergestellt werden, welcher dann per Tanks transportiert wird. Die andere Möglichkeit besteht darin die Energie in elektrischer Form zu belassen und sie über Stromleitungen weiter zu transportieren. „Der Transport von Solarstrom über eine Umwandlung in Wasserstoff ist technisch realisierbar, bei diesem Prozess würde jedoch etwa 75% der Energie verloren gehen.“[21] Aus diesem Grund werden Stromleitungen zur Übertragung der Energie benutzt, zumindest so lange bis sich die Herstellung von Wasserstoff effizienter als gestaltet wird.

Um möglichst viel Energie auf einem Leiter übertragen zu können, muss entweder der Strom oder die Spannung möglichst hoch gewählt werden. Da jedoch die Verlustleistung auf den Leitungen quadratisch zur Stromstärke ansteigt, sollte ein möglichst kleiner Strom gewählt werden. Damit die Leistung dennoch übertragen werden kann, ist es also notwendig, eine möglichst hohe Spannung zu wählen. Je weiter die Strecke ist, umso höher sollte die Spannung gewählt werden.[22]

Für den Transport über so große Strecken wie in diesem Projekt, kommen nur die Höchstspannungstechniken in Frage. Bei diesen Verfahren wird die Trägerspannung auf über 220kV transformiert, um die Verlustleistung auf den Leitungen zu verringern.[23] Es gibt zwei Höchstspannungstechniken. Die Erste ist die Hochspannungs-Drehstromübertragung (HDÜ). In Deutschland wird die HDÜ am häufigsten benutzt, da sie für Strecken im Bereich unter 1000 Km geeignet ist. Die zweite Technik ist die Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ). Diese findet seltener Anwendung, da sie sich erst ab großen Strecken finanziell rechnet. Was der Grund für die verschiedenen Einsatzgebiete der beiden Techniken ist, wird später noch genauer erläutert werden.

[...]


[1] Hadamovsky, Hans-Friedrich; Jonas, Dieter: Solarstrom / Solarthermie, Vogel Business Media, 2007, S.21

[2] Goetzberger, Adolf; Wittwer, Volker: Sonnenenergie / Thermische Nutzung, Teubner, 1993 S.30

[3] ebd.

[4] Quaschning, Volker: Regenerative Energiesysteme, Carl Hanser Verlag, München, 2009, S.49

[5] Vgl. Quaschning, Volker: Regenerative Energiesysteme, Carl Hanser Verlag, München 2009, S.59

[6] Quaschning, Volker: Regenerative Energiesysteme, Carl Hanser Verlag, München, 2011, S. 133

[7] Vgl. Hadamovsky, Hans-Friedrich; Jonas, Dieter: Solarstrom / Solarthermie, Vogel Business Media, 2007, S.24

[8] Vgl. Khartchenko, Nikolai: Thermische Solaranlagen, VWF, 2004, S.393

[9] http://did.mat.uni-bayreuth.de/~wn/ws_03_04/Seminar_RS/Parabeln_II/Parabeln.pdf ( 16.02.2013 )

[10] Hamann, Simon: Entwicklung einer Messvorrichtung zur Erfassung der Partikeltemperatur in einem Fallvorgang, Hochschule für Technik Berlin, 2010, S. 10

[11] Tressner, Benedikt: Technologievergleich solarthermischer Stromerzeugung, Fachhochschule Köln, Köln, 2007, S. 18

[12] Vgl. http://idblog.hdm-stuttgart.de/interaktive_infografiken/files/2010/06/andasol.jpg ( 13.02.2013 )

[13] Tressner, Benedikt: Technologievergleich solarthermischer Stromerzeugung, Fachhochschule Köln, Köln, 2007, S. 17

[14] Solar Millennium AG: Die Parabolrinnen Kraftwerke Andasol 1 bis 3, Studie, 2011, S. 18

[15] Vgl. http://www.patent-de.com/20080925/DE102007014230A1.html ( 25.02.2013 )

[16] Vgl. http://www.abwaermeatlas-sachsen.de/Technologien/Technologien/Stromerzeugung/ Stromerzeugungsmethoden/Dampfturbinenprozess.html ( 17.02.2013 )

[17] Vgl. Dietzel, Fritz: Dampfturbinen, Carl Hanser Verlag, 1980, S. 19

[18] Vgl. http://opus.haw-hamburg.de/volltexte/2012/1654/pdf/Diplomarbeit.pdf ( 27.02.2013 )

[19] J. Spatz, D. Armbruster, T. Kachel : Solarthermische Kraftwerke, Parabolrinnenkraftwerk, GRIN Verlag, 2011

[20] Die Vision vom Wüstenstrom: Jan Zacharias: AVM-Verlag: München 2010: Seite 18

[21] Die Vision vom Wüstenstrom: Jan Zacharias: AVM-Verlag: München 2010: Seite 6

[22] Vgl Die Zukunft der Stromversorgung, Alfred Voß, Verlags-und Wirtschaftsgesellschaft der Elektrizitätswerke m.b.H., Frankfurt am Main 1992; Seite124

[23] Vgl. ebd.

Details

Seiten
72
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656582571
ISBN (Buch)
9783656581031
Dateigröße
2.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233078
Note
1,3
Schlagworte
solarstrom wüste deutschland andasol-kraftwerke

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Titel: Solarstrom aus der Wüste für Deutschland. Die Andasol-Kraftwerke 1-3