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Bildungswissenschaftler in der Arbeits- und Organisationsentwicklung

Das 4CID-Modell in seiner Anwendung

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das 4CID-Modell in seiner praktischen Anwendung
2.1 Kompetenzanalyse und Fertigkeitenhierarchie
2.2 Tabelle der vereinfachenden Annahmen
2.3 Aufgabenklassen
2.4 Lernaufgaben
2.5 Informationen für den Lernenden
2.5.1 Unterstützende Informationen
2.5.2 Just-in-time Informationen

3 Theorie und mediendidaktische Überlegungen zum 4CID
3.1 Lerntheorien und situiertes Lernen
3.2 Didaktische Szenarien
3.3 Medienauswahl

4 Zusammenfassende Bewertung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Am 22.12.2010 votierten in einer Abstimmung knapp 39% der bayerischen Hausärzte für den Ausstieg aus dem Kassenarztsystem. Die Mehrheit der Ärzte entschied sich also gegen eine Privatisierung ihrer Praxis. Der Grund hierfür lag unter anderem in der Unsicherheit, wie sie als Privatpraxis bestehen könnten, wenn sie ihre Zulassung bei den gesetzlichen Krankenkassen zurückgeben (Müller, 2010).

Nun stellt eine Arztpraxis durchaus einen kleinen Betrieb dar, eine Organisation mit Personal, sozialem Geflecht und insbesondere mit betriebswirtschaftlichen Aspekten. Personal- und Organisationsentwickler werden, aus unterschiedlichen Disziplinen wie z.B. Betriebswirtschaft, Psychologie, Soziologie oder der Bildungswissenschaft kommend, in Weiterbildungsstudiengängen für Beratungen und Management in Betrieben und sozialen Strukturen ausgebildet.

Für die vorliegende Arbeit stellen wir uns einen Bildungswissenschaftler vor, der als künftiger Organisationsentwickler (OE) Ärzte beraten soll, ob und inwieweit sie ihre Praxis von Kassen- auf Privatpraxis umstellen können.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, für unseren OE einen Lehrplan zu erstellen, der ihm die für seine Tätigkeit notwendigen Kompetenzen vermittelt. Hierfür verwenden wir das Vier Komponenten Instruktionsdesign Modell (4CID) von van Merriënboer (van Merriënboer, 1997), ein modernes Instruktionsmodell mit dem Schwerpunkt auf komplexen kognitiven Fertigkeiten und authentischen Lernaufgaben.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird der Lernplan im Rahmen des 4CID erarbeitet. Der zweite Teil erläutert zum einen den lerntheoretischen Hintergrund des Modells und des situierten Lernens, zum anderen werden mediendidaktische Szenarien und Medien vorgestellt, die den Lehrplan untermauern.

Um den Redefluss im Text nicht zu stören, wird die männliche Anredeform verwendet, gemeint sind aber stets beide Geschlechter.

2 Das 4CID-Modell in seiner praktischen Anwendung

Jeroen van Merriënboer entwarf ein Lernmodell, das vornehmlich dem Erwerb komplexer kognitiver Fähigkeiten dienen sollte, das 4CID. Dem Grundgedanken seines Lernmodells nach besteht das effizienteste Training besagter Fähigkeiten in möglichst authentischen und lebensnahen Lernaufgaben, sozusagen in „learning by doing“. Der Theorie hierzu wird, wie eingangs erwähnt, im zweiten Teil der Arbeit nachgegangen.

Was sind nun die vier Komponenten des 4CID, auf denen das Lernmodell basiert und die miteinander in Beziehung stehen? Van Merriënboer und Kirschner (2007, S. 10) nennen hier spezielle Lernaufgaben, unterstützende Informationen, just-in-time Informationen (JIT) und als viertes Teilaufgabenübungen, sogenannte „Part-task Practice“. Diese vier Komponenten führen durch die Erstellung eines Lehrplans.

2.1 Kompetenzanalyse und Fertigkeitenhierarchie

Um sinnvoll einen Lernplan erarbeiten zu können, benötigt man vorab eine exakte Analyse der Kompetenz und Leistung, welche der OE nach erfolgreicher Schulung vorweisen sollte. Van Merriënboer und Kirschner (2007, S. 81) gehen von einem System geordneter Fertigkeiten niederer und höherer Ordnung aus, die als Hierarchie darstellbar sind. Hierzu wird die gewünschte Kompetenz in ihre Fertigkeiten zerlegt. Diese Teilfertigkeiten werden in ihrer temporären Beziehung auf der horizontalen Ebene der Hierarchie angeordnet. Die erste Teilfertigkeit stellt sozusagen die Basis und mit den nachfolgenden den Handlungsablauf dar. Hierbei kann es auch möglich sein, dass Teilfertigkeiten gleichzeitig erfüllt sein müssen. In dieser horizontalen Ebene ist darauf zu achten, dass die weiteren Fertigkeiten erst bearbeitet werden können, wenn die jeweils vorhergehende erledigt ist.

Konditionale Fertigkeiten werden auf der vertikalen Ebene aufgeführt. Dies bedeutet, eine in der Hierarchie unten aufgelistete Fertigkeit ist Bedingung für die Ausübung einer darüber angeordneten Fertigkeit (Bastiaens et al., 2010, S. 95).

Ist die Kompetenz in ihren Teilen analysiert, können die Teilfertigkeiten als Leistungsziele formuliert in einer Fertigkeitenhierarchie graphisch dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Fertigkeitenhierarchie des Bildungswissenschaftlers in der Personal- und Organisationsentwicklung

Wie aus Abbildung 1 zu erkennen ist, bedeutet dies für unseren OE, der einen Arzt objektiv beraten will, dass er in erster Linie einen Überblick über das aktuelle Gesundheitssystem samt seiner Entwicklung haben muss. Hierfür ist es unabdingbar, dass der OE die unterschiedliche Honorarsituation zwischen gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen und desweiteren deren Entwicklung durch die Gesundheitspolitik kennt. Erst dann kann er Verständnis für die finanzielle Lage des Arztes entwickeln. Dies sollte auch in der Hinsicht erfolgen, ob die Behandlung von Kassenpatienten überhaupt noch kostendeckend honoriert und über welche Einnahmen aus privatärztlicher Behandlung gemäß der Gebührenordnung verfügt werden kann. Danach schließt sich die Abwägung an, inwieweit eine reine Privatpraxis profitabel wäre. Hierzu muss der OE aber exakte Kenntnisse über das Verhältnis Kassen- und Privatpatienten im Einzugsgebiet der Praxis erwerben. Um dem Arzt letztendlich eine fundierte Entscheidung nahezulegen, sollte der OE eine detaillierte und objektive Prognose bei einer geplanten Privatisierung erstellen können, abgeleitet aus einer Berechnung der potentiellen Privathonorare.

Im 4CID werden Leistungsziele in wiederkehrende und nicht-wiederkehrende Fertigkeiten klassifiziert. Bei wiederkehrenden Fertigkeiten ist eine gewisse Automatisierung, eine Handlung ohne darüber weiter nachdenken zu müssen, verlangt und sie werden später im Rahmen des Lernprogramms mit repetierenden Übungen einstudiert. Nicht-wiederkehrende Fertigkeiten dagegen erlangt der Lernende erst durch die Beschäftigung mit einer Aufgabe und deren Lösung (Bastiaens, Deimann, Schrader & Orth, 2010, S. 90). Diese kann er aber, je nach Ähnlichkeit, auf andere Problemlösungsprozesse übertragen. In unserem Lehrauftrag entfallen die wiederkehrenden Fertigkeiten inklusive der Part-task Practice, da der OE in seiner speziellen Tätigkeit auf in jedem Beratungsfall neue, jedoch ähnlich gelagerte Probleme stösst. So ist die Honorarsituation von Bundesland zu Bundesland verschieden, ebenso die Patientenstruktur von Region zu Region. Nicht zu vergessen, dass gesundheitspolitische Festlegungen von permanenten Änderungen betroffen sind, was ebenso einer Automatisierung der Fertigkeiten widerspricht.

2.2 Tabelle der vereinfachenden Annahmen

Das 4CID sieht vor, dass der angehende Experte gleich zu Beginn vor die ganzheitliche Komplexität seiner zu lernenden Kompetenz gestellt wird und dies mit authentischen statt theorielastigen Lernaufgaben für erforderliche Teilfertigkeiten.

Die Auflistung der sogenannten vereinfachenden Annahmen stellt quasi eine „to-do“-Liste dar und eine Darstellung, mit welchen Störfaktoren er später als Experte umgehen können muss. Um ihn nicht zu überfordern, werden diese Annahmen nach dem Sequenzprinzip ausgehend von leichter in steigender Schwierigkeit dargeboten. Vor Erstellung der Lernaufgaben muss somit eine Aussage getroffen werden, was sie leicht und schwer macht, aber gleichzeitig die Kompetenz in ihrer Komplexität wiedergibt (Bastiaens et al., 2010, S. 96).

Stellen wir uns also unseren OE vor, der einen niedergelassenen Arzt kompetent beraten soll, in dessen Praxis eventuell nur noch Privatpatienten zu behandeln. Was macht diese Fertigkeit, die kompetente Beratung, leicht und was bedeutet erhöhte Schwierigkeit? Eine Beantwortung dieser Frage wird in die Tabelle der vereinfachenden Annahmen in Form von Aufgabenklassen eingebaut.

Tabelle 1

Vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Aufgabenklassen

Unser OE soll schrittweise an die Problemlösung und somit an die zu erlernende Kompetenz herangeführt werden. Die Aufgabenklassen in Tabelle 1 beschreiben den Schwierigkeitsgrad der zu erfüllenden Aufgabe, wobei Aufgabenklasse 1 den niedrigsten und Aufgabenklasse 3 den höchsten Schwierigkeitsgrad bedeutet.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656495383
ISBN (Buch)
9783656495574
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233274
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Bildungswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
bildungswissenschaftler arbeits- organisationsentwicklung anwendung

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Titel: Bildungswissenschaftler in der Arbeits- und Organisationsentwicklung