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Ganzheitliches und Soziales Lernen am Beispiel der Montessori-Pädagogik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 20 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Ganzheitliches Lernen
2.1 Allgemeine Einschätzung
2.2 Begriffsklärung
2.3 Konkretisierung
2.3.1 Die Farbtäfelchen
2.3.2 Die Kommode mit 6 Schubladen
2.3.3 Die roten Stäbe

3. Soziales Lernen
3.1 Allgemeine Einschätzung
3.2 Begriffsklärung
3.3 Konkretisierung

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

Ganzheitliches und Soziales Lernen

am Beispiel der Montessori-Pädagogik

1. Einleitung

Die gegenwärtigen Bildungs- und Erziehungsinstitutionen geraten weltweit immer mehr unter Druck, da auch die gesellschaftlichen Herausforderungen steigen, die an das Individuum gestellt werden. Man sucht nach Bewältigungsstrategien, die die internationalen Probleme auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt beseitigen sollen. Dementsprechend entwickelt und entwickelte man alternative und reformpädagogische Ansätze wie das ganzheitliche und soziale Lernen, was die Schüler und Schülerinnen wieder zu mehr Eigeninitiative und verhelfen sollte.

„Ganzheitliches Lehren und Lernen heißt alle Lernbereiche ansprechen und entwickeln. Es gilt nicht nur kognitives Wissen, sondern auch psychomotorische und affektiv/ soziale Aspekte zu fördern (Seitz, 1970, 727) “[1]

Im Literaturunterricht dominiert häufig das fragend-entwickelnde Unterrichtsgespräch, wo der Gesprächsverlauf bereits durch eine spezielle Strukturierung vom Lehrer vorgegeben wird. Das Ziel ist es, dabei stets auf eine bestimmte Lösung hinzuarbeiten, was sich sowohl kognitiv anregend als auch einschränkend äußern kann. Die Schülerinnen und Schüler sollen jedoch durch produktionsorientierte Methoden und eine subjektive Rezeptionsweise zur Selbstständigkeit angeregt werden. Erreicht werden kann das beispielsweise durch die in dieser Hausarbeit thematisierten Konzepte des „Ganzheitlichen Lernens“ und des „Sozialen Lernens“. Die Ziele von ganzheitlichem und sozialem Lernen belaufen sich sowohl auf die Öffnung des Unterrichts als auch auf eine Lern-, Inhalts-, Prozess- und Produktionsorientierung. Artverwandte didaktische Konzepte und Methoden neben dem „Ganzheitlichen und Sozialen Lernen“ wären beispielsweise „Freie Arbeit“, „Praktisches Lernen“, „Offener Unterricht“, „Entdeckendes Lernen“, „Projektunterricht“. „Lernzielunterricht“ oder „Erfahrungsbezogener Unterricht“.[2]

Ich werde mich in dieser Hausarbeit auf die Montessori-Pädagogik stützen und das ganzheitliche und soziale Lernen an dieser Pädagogik veranschaulichen. Ich habe in meinem Lehramt-Studium mein Sozialpraktikum in der Kindertagesstätte „Klabautermann“ und mein Orientierungspraktikum an der „Maria Montessori“ Grundschule in Stralsund absolvieren dürfen. Im Zuge dieser Praktika habe ich viele Eindrücke zu dieser Reformpädagogik sowie zum ganzheitlichen und sozialen Lernen gewinnen können, weshalb ich mich in dieser Hausarbeit auf diese Eindrücke stützen möchte. Zunächst werde ich mich allgemein zu den beiden Konzepten äußern, im Anschluss daran eine Begriffsklärung vornehmen und zum Abschluss die Konzepte im Kontext der Montessori-Pädagogik konkretisieren.

Am Ende dieser Hausarbeit werde ich die wichtigsten Punkten noch einmal zusammenfassen und persönlich Stellung beziehen.

2. Ganzheitliches Lernen

2.1 Allgemeine Einschätzung

Ganzheitlichkeit, handlungsorientierter Unterricht und Lernen durch Bewegung ermöglichen ganzheitliches Lernen. Spätestens seit den PISA Studien wird dazu angeregt, neben dem allgemeinen Fachunterricht auch fächerübergreifende Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen bei den Schülern zu fördern. Sie sollen die Schüler dazu veranlassen, sich eigenständig mit Informationen und Wissensinhalten auseinander zu setzen, motiviert zu lernen und Gelerntes öffentlich darzulegen.

2.2 Begriffsklärung

Das Ziel des ganzheitlichen Lernen besteht darin, das „Lernen zu lernen“ und bildet die Formel: „Ganzheitliches Lernen = Wissen x Können x Wollen.“[3]

Pädagogen, Psychologen und Philosophen sprachen dem ganzheitlichen Lernen schon frühzeitig eine große Bedeutung zu, da die mannigfachen Sinneserfahrungen für die Kindesentwicklung bedeutsam sind.

Bereits Johann Amos Comenius, einer der ersten Pädagogen, war davon überzeugt, dass sich das Wissen auf die Sinneserfahrungen stützt. Ebenso äußerte sich der Philosoph John Locke dazu wie folgt: „Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war.“[4]

Nach dem Pädagogen Rolf Arnold ist das Ganzheitliche Lernen „ein Lernen, das endprofessionalisiert, lebensnah, praktisch und natürlich ist (Arnold, 1991, 89).“[5]

Daneben wird gegenwärtig noch immer der Spruch von Johann Heinrich Pestalozzi zitiert: „Lernen mit Kopf, Herz und Hand.“[6]

Die Forderung nach fächerübergreifendem, handlungsorientiertem, entdeckendem Lernen und Projektlernen, um das Kind am Lernprozess zu beteiligen, wird immer lauter. Es soll eine Einheit zwischen Körper, Geist und Seele des Menschen bestehen.

Der Offene Unterricht, eine internationale Bewegung aus den frühen 70-er Jahren, ermöglichte ganzheitliches Lernen.

„Lernen im Offenen Unterricht ist darüber hinaus ganzheitliches Lernen. Es bezieht die Erfahrungswelt der Kinder mit ein und ermöglicht es den Schülern und Schülerinnen, Erfahrungen aus erster Hand zu machen. Es ist also Ziel des Offenen Unterrichts, die Kluft zwischen Schule und Leben zu verkleinern.“[7]

Diese Form des Unterrichts hatte folgende Wegbereiter:

„die Schwedin Ellen Key (1849-1926), den Deutschen Berthold Otto (1859-1933) und Peter Petersen (1888-1952), die Italienerin Maria Montessori (1870-1952), der Franzose Cèlestin Freinet (1896-1966) und die Amerikanerin Helen Parkhurst (1886-1973)“.[8]

Das Kind und dessen Schöpferkraft sollte nach den Reformpädagogen stets im Zentrum der Betrachtung stehen.

„Sie wandten sich gegen die herkömmliche Struktur der Pauk-, Buch- und Wortschule“[9]

und setzten Maßstäbe für einen lebendigen und handlungsorientierten Unterricht, der auf die Lebenswelt bezogen ist.

Maria Montessori legte sehr viel Wert auf die freie und selbstständige Entfaltung der Schüler und Schülerinnen. Was Offener Unterricht erreichen möchte, findet sich im Leitsatz Maria Montessoris „Hilf mir, es selbst zu tun!“ wieder.

Für Maria Montessori ist die Erziehung eines Kindes und ganzheitliches Lernen nur durch Gewährung bestimmter Freiheiten und eine vorbereitende Umgebung realisierbar, was ich im Folgenden konkretisieren werde.

2.3 Konkretisierung

Der Begriff der Freiarbeit wurde in der Zeit der Reformpädagogik geprägt und integrierte sich hauptsächlich in den Elementarschulen zu einem bedeutenden Bestandteil des Unterrichts. Die Freiarbeit soll sich an den Entwicklungsphasen des Kindes orientieren.

„Die Freiheit ist dann erlangt, wenn das Kind sich seinen inneren Gesetzen nach, den Bedürfnissen seiner Entwicklung entsprechend, entfalten kann.“[10]

Freiarbeit wird oft als Synonym für die freie Arbeit verwendet. Zur freien Arbeit gehören nach Montessori drei „relative“ Freiheiten, die sich gegenseitig bedingen sollen:

1. „Freiheit des Interesses,
2. Freiheit der Kooperation,
3. Freiheit der Zeit“[11]

Die „Freiheit des Interesses“ eröffnet den Schülern die Möglichkeit, Aufgabenstellungen je nach persönlichem Interesse selbst zu wählen. Im Anschluss sollen sie ihre gelösten Aufgaben gegebenenfalls selbst kontrollieren können.[12]

Die „Freiheit der Kooperation“ beinhaltet, dass es dem Schüler freigestellt ist, ob er Gruppen- oder Einzelarbeit vorziehen würde. Die Gruppenarbeit fördert das Gemeinschaftsgefühl unter den Schülern, durch Rücksichtnahme auf schwächere Mitschüler. Sie lernen besser aufeinander einzugehen, sich zu helfen und zeigen Bereitschaft zur Zusammenarbeit.[13]

Bei der „Freiheit der Zeit“ wird den Schülern eine angemessene Zeit zur Aufgabenbearbeitung bereitgestellt.

[...]


[1] Ott, Bernd: Ganzheitliche Berufsbildung. Theorie und Praxis handlungsorientierter Techniklehre in Schule und Betrieb. Stuttgart: Steiner Verlag 1995. S. 55.

[2] Baecker, Roland: Reformpädagogische Praxis. Texte zur Theorie und Geschichte der Bildung. Münster: LIT Verlag 2000. S. 137.

[3] Ott, Bernd: Ganzheitliche Berufsbildung. Theorie und Praxis handlungsorientierter Techniklehre in Schule und Betrieb. Stuttgart: Steiner Verlag 1995. S. 57.

[4] Nohl, Herman: Einführung in die Philosophie. Frankfurt am Main: G. Schulte- Bulmke Verlag 1977. S. 52.

[5] Ott, Bernd: Ganzheitliche Berufsbildung. Theorie und Praxis handlungsorientierter Techniklehre in Schule und Betrieb. Stuttgart: Steiner Verlag 1995. S. 55.

[6] Zitzlsperger, Helga: Ganzheitliches Lernen. Welterschließung über alle Sinne. In: Zeitschrift für Pädagogik 25 (1979), S. 727-747. 2. Aufl. Bern 1991. S. 202.

[7] Knauf, Tassilo: Einführung in die Grundschuldidaktik. Lernen, Entwicklungsförderung und Erfahrungswelten in der Primarstufe. Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2009. S. 110.

[8] Knauf, Tassilo: Einführung in die Grundschuldidaktik. Lernen, Entwicklungsförderung und Erfahrungswelten in der Primarstufe. Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2009. S. 110.

[9] Knauf, Tassilo: Einführung in die Grundschuldidaktik. Lernen, Entwicklungsförderung und Erfahrungswelten in der Primarstufe. Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2009. S. 110.

[10] Montessori, Maria: Grundlagen meiner Pädagogik. Heidelberg: 1985. S. 23.

[11] vgl. Holtstiege, Harald: Maria Montessoris Neue Pädagogik. Prinzip Freiheit-Freie Arbeit. Freiburg: 1987. S. 104.

[12] vgl. Holtstiege, Harald: Maria Montessoris Neue Pädagogik. Prinzip Freiheit-Freie Arbeit. Freiburg:1987. S. 104.

[13] vgl. Holtstiege, Harald: Maria Montessoris Neue Pädagogik. Prinzip Freiheit-Freie Arbeit. Freiburg:1987. S. 104.

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656504580
ISBN (Buch)
9783656504788
Dateigröße
648 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233480
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
ganzheitliches soziales lernen beispiel montessori-pädagogik

Autor

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