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Studentenproteste in Südkorea 1960

Inwieweit kann dieses historische Ereignis als Anfang der Minjung-Ideologie angesehen werden?

©2011 Hausarbeit 9 Seiten

Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit werde ich versuchen, die Rolle des ersten Präsidenten Südkoreas Rhee Syngman, auf die Entwicklungen des April 1960 zu projizieren: Bei seiner vierten präsidentiellen Wiederwahl werden Wahlergebnisse verfälscht und die Stelle des Vizepräsidenten durch seinen Protegé Yi Ki-Pung nicht rechtmäßig besetzt. Es folgen Proteste, welche durch Staatspolizei und paramilitärische Organisationen des Präsidenten gewaltsam niedergeschlagen werden.
Nach einer kurzen Skizzierung der Ereignisse widme ich mich im Folgenden meinem Hauptteil, in welchem die Form der autoritären Machtausübung Rhees sowie die in diesem Kontext politisch wirkenden Mechanismen und Strukturen beleuchtet und auf Akteure der Protestbewegung eingegangen wird. Inwiefern kann diese als eine durch Rhee Syngmans Regierungsstil katalysierte Reaktion betrachtet werden? Inwiefern war diese eine Freiheitsbewegung im Sinne der Minjung-Ideologie und inwieweit darf man die Akteure der Protestbewegung 4.1.9 als Minjung-Elemente auffassen?
Eine detaillierte Juxtaposition der an dieser Stelle aufgeworfenen Fragen ergibt sich aufgrund der Kürze der Arbeit als nur bedingt möglich. Ich komme daher nach einer wissenschaftlichen Analyse der behandelten Aspekte in meinem Fazit zu dem positiven Schluss, die Minjung-Ideologie habe in der Tat 1960 ihren Anfang genommen.

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einführung in die semantische Beschaffenheit der thematischen Fragestellung

2. Aprilrevolution – Chronologische Entwicklung

3. Mechanismen der Gewaltausübung
3.1 National Security Law
3.2 Proklamation des Kriegsrechtes
3.3 Ökonomische Gewalt
3.4 Verfassungsänderung
3.5 Assassination

4. Akteure der Studentenbewegung – eine kurze Betrachtung der fffBewegung im Hintergrund der Minjung -Ideologie

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis9

1. Einführung in die semantische Beschaffenheit der thematischen Fragestellung

In der vorliegenden Arbeit werde ich versuchen, die Rolle des ersten Präsidenten Südkoreas Rhee Syngman, auf die Entwicklungen des April 1960 zu projizieren: Bei seiner vierten präsidentiellen Wiederwahl werden Wahlergebnisse verfälscht und die Stelle des Vizepräsidenten durch seinen Protegé Yi Ki - Pung nicht rechtmäßig besetzt. Es folgen Proteste, welche durch Staatspolizei und paramilitärische Organisationen des Präsidenten gewaltsam niedergeschlagen werden.

Nach einer kurzen Skizzierung der Ereignisse widme ich mich im Folgenden meinem Hauptteil, in welchem die Form der autoritären Machtausübung Rhees sowie die in diesem Kontext politisch wirkenden Mechanismen und Strukturen beleuchtet und auf Akteure der Protestbewegung eingegangen wird. Inwiefern kann diese als eine durch Rhee Syngmans Regierungsstil katalysierte Reaktion betrachtet werden? Inwiefern war diese eine Freiheitsbewegung im Sinne der Minjung -Ideologie[1] und inwieweit darf man die Akteure der Protestbewegung 4.1.9[2] als Minjung -Elemente auffassen?

Eine detaillierte Juxtaposition der an dieser Stelle aufgeworfenen Fragen ergibt sich aufgrund der Kürze der Arbeit als nur bedingt möglich. Ich komme daher nach einer wissenschaftlichen Analyse der behandelten Aspekte in meinem Fazit zu dem positiven Schluss, die Minjung -Ideologie habe in der Tat 1960 ihren Anfang genommen.

Bei der Darstellung koreanischer Namen und Begriffe folgt diese Arbeit der jeweils international gebräuchlichsten Schreibweise, da sich im Koreanischen bislang kein Transkriptionssystem als Standard durchsetzen konnte.

2. Aprilrevolution – Chronologische Entwicklung

Rhee Syngman, Präsident Südkoreas, dessen politische Karriere 1960 bereits drei Amtsperioden der Dauer von insgesamt zwölf Jahren zu verzeichnen hat, steht er im März desselben Jahres vor seiner Wiederwahl. Die Opposition ist unter nicht geklärten Umständen ums Leben gekommen[3] (OH 1999: 38 - 39), sodass nur die Option verbleibt, für Rhee oder die verstorbenen Kandidaten zu stimmen. In Folge wird Rhee mit einstimmiger Mehrheit zum Präsidenten gewählt.

Da dieser 1960 bereits das Alter von fünfundachtzig Jahren erreicht hat, wird allgemein prognostiziert, er werde die neue Amtszeit nicht überleben; ist somit die politisch entscheidendere Wahl die für kommenden Monat angesetzte Elektion des Vizepräsidenten. Es ist indes ein Konkurrenzkampf zwischen Rhee Syngmans Protegé und designierten Nachfolger Yi Ki - Pung und John Chang, einem Politiker römisch-katholischen Glaubens, der weit breitere Beliebtheit unter dem Volke erfährt (CUMINGS 2005: 347).

Das Wahlprozedere wird manipuliert[4] und Yi Ki - Pung zum Vizepräsidenten proklamiert. Der Zorn der Wähler in Anbetracht des unverhohlenen Betrugs eskaliert schließlich am 11. April, als ein siebzehnjähriger Jugendlicher Kim Ju-Yul, der sich an gegen die Wahlen gerichteten Demonstrationen beteiligt hatte, im Hafen der Stadt Masan tot aufgefunden wird. Wie Ermittlungen ergeben, ist dies ein Verschulden der Staatspolizei. Dieses Ereignis hat zahlreiche Aufstände in ganz Masan zur Folge, welche bereits am 18. April die Hauptstadt erreichen und sich in weiteren Metropolen des Landes ausbreiten. Allein in Seoul gehen tausende Studenten auf die Straßen, um Protest zu üben, werden jedoch von der Anticommunist Youth Corps, einer durch den Präsidenten ins Leben gerufene, paramilitärischen Organisation, brachial niedergeschlagen.

Am 19. April marschieren rund 30.000 Studenten und Schüler zum Präsidentensitz im Herzen Seouls. Sie stoßen auf Widerstand seitens der Staatspolizei, welche diese zusammenschlägt. Der durch Rhee initiierte Beschuss der unbewaffneten, friedlichen Bürger beraubt das Regime seiner letzten Legitimationsbasis nun endgültig. (CUMINGS 2005: 349)

Am darauf folgenden Tag wird das Kriegsrecht ausgerufen, doch sympathisiert das mit der Niederschlagung der Aufstände beauftragte 25. Bataillon unverkennbar mit den Protestierenden. Am 25. April versammeln sich 300 Universitätsprofessoren, Studenten und andere sozialfunktionale Körper vor der National Assembly, dem Nationalen Rat, und fordern Rhees Rücktritt.

Am 26. April Tag legt der Präsident sein Amt nieder, die Macht wird provisorisch an Außenminister Ho Chong übertragen. Rhee Syngman verlässt mit seiner Familie Korea und begibt sich ins Exil nach Hawaii.

3. Mechanismen der Gewaltausübung

In wissenschaftlichen Kreisen eurozentrisches Profils trägt Rhee Syngman die Reputation eines despotischen Autokraten und in der Tat ähnelte er in seinem absoluten Machtanspruch und Bedürfnis nach Machtausübung eher einem Monarchen der späten Choseon-Dynastie als einem Präsidenten einer modernen demokratischen Republik (OH 1999: 40). Gleich nach Amtantritt 1948 modellierte Rhee das von der amerikanischen Regierung übernommene Staatsgebilde neu. Für diesen Prozess der Umgestaltung politischer Strukturen gemäß seinen eigenen Vorstellungen bediente er sich dabei diverser machtpolitischer Mechanismen.

[...]


[1] In den siebziger Jahren in Südkorea entstandene stark politische Volksbewegung

[2] Es handelt sich hierbei um die koreanische Bezeichnung der Protestbewegung, welche sich am 19. April ereignete. Die Zahl „vier“ steht für den vierten Monat des gregorianischen Kalenders, 1.9 ist eine stilisierte Schreibweise des 19. Monatstages.

[3] Es besteht wissenschaftlicher Konsens, jene politischen Gegner Rhees seien auf sein Geheiß assassiniert worden.

[4] Die Ergebnisse waren schon vor Wahlbeginn durch die präsidentielle Nomenklatur festgelegt worden.

Details

Seiten
9
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656500216
ISBN (Buch)
9783656499510
DOI
10.3239/9783656500216
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Erscheinungsdatum
2013 (September)
Note
1,7
Schlagworte
studentenproteste südkorea inwieweit ereignis anfang minjung-ideologie

Autor

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Titel: Studentenproteste in Südkorea 1960