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Der König der Könige

Xerxes I. und die Schlacht an den Thermopylen in den Historien des Herodot

Seminararbeit 2013 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herodot - der Autor

3. Herodots Historien
3.1 Der Kampf an den Thermopylen - Buch VII
3.2 Die Darstellung des Xerxes in den Historien

4. Kurzbiographie - Xerxes, Großkönig der Perser

5. Kurzbiographie - Leonidas von Sparta

6. Schlussbetrachtungen

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

9. Weiterführende Literatur

10. Abbildungsverzeichnis

11. ANHANG

1. Einleitung

„Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“1

Das berühmte Epigramm (hier von Friedrich Schiller übersetzt), das ursprünglich aus dem 5. Jahrhundert stammte und Simonides zugeschrieben wird, heroisierte den Kampf (und das Scheitern) des spartanischen Königs Leonidas gegen die gewaltige persische Streitkraft an den Thermopylen.2

Herodot, „Vater der Geschichtsschreibung“3, bietet in seinen Historien einen sehr detaillierten Bericht über die gesamten Geschehnisse dessen, was wir heute unter Perserkriegen verstehen. In dieser Arbeit sollen die Historien vorgestellt werden und der Blick des Lesers im besonderen auf eine Passage im siebten Buch der Historien gelenkt werden. In diesem Buch beschreibt Herodot unter anderem die Ursachen, sowie das Drängen verschiedener persischer Parteien, die Hellenen abzustrafen, für die Niederlage bei Marathon gegen die Athener und auch die Besonnenheit des persischen Großkönigs Xerxes, der nicht sofort nach Griechenland aufbricht,um stattdessen Kundschafter zu beschäftigen, um die veränderte Situation dort zu erkunden.4

Zu Beginn dieser Arbeit soll der Autor betrachtet werden, um so ein besseres Verständnis für die Zeit und sein Werk zu bekommen. Nach einer kappen Untersuchung der Historien und seines siebten Buches folgt eine kurze Einordnung der Geschehnisse in den geschichtlichen Kontext, sowie eine Analyse des Führers der persischen Streitkräfte: Xerxes, Großkönig der Perser, wobei hier die Historien die entscheidende Quelle darstellen und etwa der Epiker Aischylos und sein Drama Die Perser nur kurz angerissen werden (können).

Was schreibt Herodot über die beiden Heerführer Leonidas von Sparta und Xerxes von Persien? Gelingt es ihm, eine objektive Sicht der Dinge zu präsentieren oder äußert er sich als Anhänger einer bestimmten Partei? Sind Vörkenntnisse nötig, um die Quelle, die so wichtig für die Erforschung der Perserkriege sind, lesen und verstehen zu können? In welches Licht wird Xerxes gerückt, der gerade in unsere modernen Welt als ein Despot dargestellt wird? Diese Fragen sollen in dieser Arbeit beantwortet werden und so die Möglichkeit offeriert werden, sich in die Thematik einzulesen. Selbstverständlich ist diese Arbeit lediglich ein Einstieg; für eine tiefere Analyse bedarf es einiger Fachliteratur. Eine Auswahl dieser Werke findet sich im Literaturverzeichnis und dem Anmerkungsapparat.

2. Herodot - der Autor

Über Herodots (auch Herodotus) Leben sind so gut wie keine Quellen verfügbar. Das was wir über ihn wissen, stammt größtenteils von ihm selbst.

Herodot stammte aus Kleinasien, genauer aus der Stadt Halikamassos (heute Bodrum in der Türkei). Der Name seines Vater, Lyxes, sowie seines Onkels, Panyassis, der seinerseits ein berühmter Epiker war, sind überliefert.5 Nach Apollodoros war Herodot zum Zeitpunkt der Peloponnesisehen Kriege 53 Jahre alt. Dieses würde einen Rückschluss auf ein Geburtsdatum im Jahre 484 V. Chr. zulassen.

Herodot war, wie viele andere antike Philosophen und Dichter auch, durch das Exil geprägt. Nachdem er am geplanten Sturz des Tyrannen Lygdamis beteiligt war, was allerdings misslang, flüchtete Herodot nach Samos. 454 V. Chr. erschien er erneut auf der heimatlichen Bühne und wirkte letztendlich doch am Sturz des Lygdamis mit.

Der griechische Philosoph Eusebios schreibt, dass Herodot zwischen 445/4 V. Chr. in Athen öffentliche Vorlesungen hielt, für die er allem Anschein nach eine üppige Belohnung erhielt. Herodot besuchte auf ausgiebigen Reisen u.a. das Schwarze Meer, Thrakien, Makedonien, um nur einige Ziele zu nennen, deren chronologische Reihenfolge sich nicht mehr nachweisen lässt. Seine Reisen führten ihn auch nach Ägypten und Babylon, nie aber in das eigentliche Perserreich. Herodot ist wahrscheinlich kurz nach dem Erscheinen seines Geschichtswerkes, den Historien, gestorben. Genaueres lässt sich nach aktueller Forschungs- und Quellenlage nicht erkennen.6

3. Herodots Historien

Herodot schrieb seine Historien nieder, „auf daß die menschlichen Werke bei der Nachwelt nicht in Vergessenheit geraten, und damit große und wunderbare Taten der Griechen und der Barbaren nicht ohne Gedenken bleiben.“ 7, später wurde das Werk in neun Bücher eingeteilt. Die Historien sind ein umfassendes Geschichtswerk, das insgesamt einen Zeitraum von 220 Jahren und die Herrschaft der persischen Könige Kyros, Kambyses, Dareios und Xerxes abdeckt.8 Die Bücher VII-IX beschäftigen sich mit Xerxes' Herrschaft und seinen Feldzügen in Griechenland.9 Für diese Arbeit ist besonders das siebte Buch von Bedeutung, in dem der Weg des Feldzuges von Xerxes beschrieben wird, bis es gegen Ende des Buches zum Höhepunkt, der Schlacht an den Thermopylen, kommt. Herodot reiste sehr viel und trug so unzählige Augenzeugenberichte zusammen, weshalb seine Erzählungen als glaubwürdig eingestuft werden können. „Of all wars fought until this time, the Greco-Persian is the best documented, thanks to the creation and survival of Herodotus' Histories. T\iiร, book is also the major source for the Archaemenid Persian Empire especially its western portions.“ 10

Um die Historien zu verstehen, braucht man keinerlei Voraussetzungen, sieht man einmal von der Sprachbarriere ab; Herodot's Original schriften sind auf altgriechisch verfasst, was eine Barriere für den Leser darstellt. Es existieren allerdings auch Übersetzungen des Textes in diverse Sprachen; die vorliegende Arbeit beruht auf der Übersetzung von Josef Feix und einer Teilübersetzung nach Walter Marg aus dem Studienbuch „Geschichte der Antike“. 11

3.1 Der Kampf an den Thermopylen - Buch VII

Der Großkönig Xerxes I plante den massiven Zug gegen den Staatenbund der Griechen, auch als Hellenenbund bezeichnet, als Vergeltungsschlag für die Niederlage, die seinem Vater Dareios 490 V. Chr. bei Marathon durch die Athener beigebracht worden war.12 Herodot schreibt außerdem, das Xerxes keinen anderen Weg sieht. Eine friedliche Koexistenz zwischen Griechen und Persern schließt er kategorisch aus: „Wenn wir uns auch ruhig verhalten, jene werden es doch nicht tun, sondern unser Land erst recht angreifen. [...] Sie haben Sardes niedergebrannt und sind gegen Asien gezogen. Zurück kann also keiner mehr von beiden.“13

Herodot schreibt in seinen Historien von einer rund 5 Millionen Mann starken Armee die Xerxes 480 V. Chr. nach Griechenland führt: „Also führte Xerxes, der Sohn des Dareios, bis nach Sepias und Thermopylai eine Menschenmasse von 5 283 220 Mann.“14 Herodot selbst gibt allerdings zu, bei seinen Zahlen auch auf Schätzungen angewiesen zu sein. Zudem gibt er an, dass die Nebenfrauen, Eunuchen, etc. nicht in diese Zahl eingeschlossen waren. Schon Herodot wundert sich, wie solche Menschenmassen überhaupt ernährt werden konnten15 und in der Tat muss man an diesen Zahlen sehr zweifeln.

Das griechische Heer bestand aus mehr als nur „Griechen“; zumal es ein einheitliches Wort für das, was wir Griechenland nennen, nicht gab.16 Herodot schreibt, es es seien 300 Spartaner gewesen, 1000 Schwerbewaffnete aus Tegea und Mantineia, insgesamt 1120 Männer stammten aus Arkadien. Korinth stellte 400 Mann, Philus 200 und Mykene 80 Mann. Schließlich schlossen sich noch 700 Mann aus Thespiai und 400 Thebaner dem panhellenischen Landheer an. Den Oberbefehl über all diese Männer übernahm Leonidas, König der Spartaner, wenn gleich die Griechen auch noch andere Befehlshaber hatten; Herodot listet eine Reihe von Namen auf. 17

Herodot thematisiert an dieser Stelle auch die keineswegs gesicherte Bündnispartnerschaft der Griechen.18 So schreibt er Leonidas habe sich entschlossen, gemeinsam mit den Thebanern an die Thermopylen voraus zu ziehen, weil man sie verdächtigte, perserfreundlich zu sein und man so ihre Treue den Griechen gegenüber testen wollte. 19

Thebaner und Spartaner zogen also gemeinsam gegen die Perser, während der Rest des griechischen Heeres zurückblieb.

Das persische Heer teilte sich auf, um auf dem See- und Landweg den Hellenenbund anzugreifen. Um den Persern den Zugang zum Zentrum Griechenlands zu verwehren, blockierten die griechischen Streitkräfte die Thermopylen (der Name bedeutet übersetzt „Heiße Tore“20 ) und Artemisium. Wie Lawrence Tritte in seinem Aufsatz „Warfare in Herodotus“ schreibt: „While Artemisium, the initial sea battle, has been all forgotten, the land battle, Thermopylae, has gone down in legend in the same way as Roland at Roncevalles and the defence of the Alamo.“ 21

Nach Tagen andauernden Kämpfen erkannte Leonidas, dass die Position, die er mit seinen Männern verteidigte, auf Dauer nicht haltbar war und ermöglichte es, dass die meisten Griechen, ohnehin schwer verwundet und müde von tagelangen Kämpfen, entkommen konnten, indem er sich mit seinen eigenen Kämpfern, den legendären 300, der persischen Obermacht entgegen stellte.22 (Herodot merkt später in seiner Erzählung an, dass er gehört hatte, es seien nur 298 der 300 Männer wirklich gefallen, da zwei entkommen seien; der eine durch „feige Flucht“23, der andere, weil er „als Bote nach Thessalien geschickt worden war“24 )

Seither diskutieren Historiker um die Frage, warum er das tat. Eine Theorie ist, dass Leonidas keine Wahl hatte. Er wollte den geflohenen Männern Zeit verschaffen, die durch die persische Kavallerie einfach nieder geritten worden wären, über die Motive des Leonidas lässt sich nach wie vor nur spekulieren. Einige Historiker führten militärische Einfähigkeit an, andere die Fehleinschätzung der Lage durch Leonidas.25 Es kann allerdings ausgeschlossen werden, dass dieser wirklich glaubte, er könne den Pass halten.26

Im nachfolgenden Schlachtgetümmel wurde Leonidas tödlich verwundet und zwei Brüder des Xerxes fielen. Es entbrannte ein Kampf um den Leichnam des Leonidas.27 An dieser Stelle sei die viel diskutierte Parallele zum homerischen Kampf um die Leiche des Patrokles erwähnt. Mancher Historiker argumentierte, Herodot haben sich unter Umständen zu sehr von Homer inspirieren lassen und kreierte so eine fiktionale Szene nach mythischen Vorbild. Sehr wahrscheinlicher ist allerdings, dass Herodot hier eine reale Szene beschreibt, wie er sie auf seinen Reisen erfahren haben könnte. Auch Leonidas und seine Männer kannten die Geschichte des Helden Achilles und dessen Kampf um die Leiche des geliebten Vetters, ebenso wie Herodot.28

[...]


1 Fischer, Josef, Die Perserkriege, ร.156., Darmstadt 2013.

2 Vgl. Rebenich, Stefan, Leonidas und die Thermopylen. Zum Sparta-Bild in der deutschen Altertumswissenschaft, in: Luther, Andreas/MEIER, Mischa/THOMMEN, Lukas (Hrsg.), Das frühe Sparta, ร. 194, München 2006.

3 Dewald, Carolyn/ Mermcola, John, The Cambridge Companion to Herodotus, ร. 1, Cambridge 2006.

4 Vgl. Herodot, 7, 5F.

5 Vgl. Günther, Linda-Marie, Herodot, ร. 10-11,Tübingen 2012.

6 Vgl. Der Neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, Сажж, Hubert/ Schneider, Helmuth (Hrsg.), Band 5,Sp. 469470,1998 Stuttgart.

7 Herodot, 1,1.

8 Vgl. Herodot, Historien, 2. Band, Bücher VI - IX, Fek, Josef (Hrsg.), ร. 1431-1434, München 1988.

9 Ebenda.

10 Cline, Eric H./ Graham Mark พ., Ancient Empires - From Mesopotamia to the Rise of Islam, ร. 118, Cambridge 2011.

11 Die Schlacht an den Thermopylen, übersetzt nach Maro, Walter, in: Geschichte der Antike - Quellenband, Gehrke, Hans-Joachim/ Schneider, Helmuth, ร.72-73, Stuttgart 2007.

12 Vgl. Tritle, Lawrence, Warfare in Herodotus, in: The Cambridge Companion to Herodotus, Dewald, Carolyn/ Mermcola, John (Hrsg.), ร. 215, Cambridge 2006.

13 Herodot, 7,11.

14 Herodot, 7,186.

15 Herodot, 7, 187.

16 Vgl. Harrison, Thomas, The Greeks, in: Erskine, Andrew (Hrsg.),A Companion to Ancient History, ร. 21322, Oxford 2009.

17 Herodot, 7, 202-205.

18 Vgl. Will, Wolfgang, Die Perserkriege, ร. 65-67, München 2010.

19 Herodot, 7, 205-206.

20 Fischer, Josef, Die Perserkriege, ร. 149, Darmstadt 2013.

21 Tritle, Lawrence, Warfare in Herodotus, in: The Cambridge Companion to Herodotus, Dewald, Carolyn & Marincola, John (Hrsg.), ร.215, Cambridge 2006.

22 Herodot, 7,221-222.

23 Herodot, 7,229.

24 Herodot, 7, 232.

25 Vgl. Fischer, Josef, Die Perserkriege, ร. 157, Darmstadt 2013.

26 Vgl. Will, Wolfgang, Die Perserkiege, München 2010, ร.80-82.

27 Herodot, 7, 225.

28 Vgl. Marincola, John, The Persian Wars in Fourth-Century Oratory and Historiography, in: Bridges, Emma, Hall, Edith, Rhodes, p. J., Cultural Responses to the Persian Wars, ร. 117,Oxford u.a. 2007.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656500957
ISBN (Buch)
9783656501251
Dateigröße
710 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233610
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Schlagworte
könig könige xerxes schlacht thermopylen historien herodot

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