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Unterrichtsstörungen und Maßnahmen zur Prävention

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind Unterrichtsstörungen?

3. Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen

4. Unterrichtsstörungen aus Lehrersicht bzw, Schülersicht

5. Warum stören die Schüler/innen den Unterricht?

6. Präventionsmaßnahmen bei Unterrichtsstörungen
6.1. Prävention durch effiziente Klassenführung
6.1.1. Allgegenwärtigkeit und Überlappung
6.1.2. Reibungslosigkeit und Schwung
6.1.3. Aufrechterhaltung des Gruppenfokus
6.1.4. Programmierte Überdrussvermeidung
6.2. Prävention durch klare Regeln
6.2.1. Regelfindung
6.2.2. Einführung von Regeln
6.3. Prävention durch gute Lehrer-Schüler-Beziehung

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Menschen necken, Tiere quälen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen, Das ist freilich angenehmer Und dazu auch viel bequemer, Als in Kirche oder Schule Festzusitzen auf dem Stuhle.

- Wilhelm Busch, Max und Moritz

Unterricht stellt ein sehr komplexes System dar, bei dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, Bedürfnissen und Zielen gemeinsam, innerhalb eines festen Rahmens an einem Lemgegenstand arbeiten. Dabei konmit es immer wieder zu Störungen des von der Lehrkraft geplanten Unterrichtsverlaufs. In einer Schulklasse eine angenehme und möglichst störungsarme Lernatmosphäre herzustellen, ist daher für die Lehrkraft wohl eine der größten Herausforderungen (vgl. Wollenweber 2011).

Eine Unterrichtsstudie hat ermittelt, dass in Deutschland eine Unterrichtsstunde zu 65 Prozent aus Lehr- und Lerntätigkeiten besteht (vgl. Keller 2008). Die restlichen 35 Prozent werden darauf verwendet, für die Disziplin und Ruhe zu sorgen. Wenn es schuljährlich 635 Millionen Unterrichtsstunden an 45.000 Schulen in Deutschland sind, sind sozusagen 222 Millionen Unterrichtsstunden ineffektiv. Wenn man davon ausgeht, dass eine Unterrichtsstunde 75 Euro kostet, beläuft sich der unterrichtliche Qualitätsverlust auf 16,9 Milliarden Euro pro Schuljahr (vgl. ebd.: 28).

Störungen im Unterricht belasten die Lehrkraft, verringern die Effektivität des Unterrichts und viel echte Lernzeit sowie Geld werden verschwendet. Daher ist es notwendig, einen guten Unterricht zu schaffen, wobei möglichst wenig Störungen im Unterricht auftreten.

Die vorliegende Arbeit widmet sich der Frage, was ein Lehrer tun soll, um Unterrichtsstörungen von vonherein möglichst gering zu halten. Der Schwerpunkt hegt dabei auf den „proaktiven Strategien“ (Lohmann 2010: 12) seitens des Lehrers, d.h. auf welche Weise man verhindert, dass Unterrichtsstörungen überhaupt auftreten, da „ein Gramm Prävention mehr als ein Pfund Intervention [wiegt] “ (ebd.).

Der erste Teil wird sich mit der Definition von „ Unterrichtsstörungen “ beschäftigen. Danach werden Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen gezeigt. Weiterhin werden die Unterschiede in der Erklärung und dem Empfinden von Unterrichtsstörungen zwischen Lehrer und Schülern behandelt. Daran anschließend wird dargestellt, warum die Schüler/innen den Unterricht stören. Zu präventiven Maßnahmen von Unterrichtsstörungen gibt es bisher kein einheitliches Konzept. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden jedoch drei Möglichkeiten zur Prävention von Unterrichtsstörungen vorgestellt, nämlich Prävention durch effektive Klassenführung, Prävention durch klare Regeln und Prävention durch gute Lehrer-Schüler-Beziehung.

2. Was sind Unterrichtsstörungen?

Wer sich mit dem Thema Unterrichtsstörungen beschäftigt, muss sich zunächst mit der Frage auseinandersetzen, wie sich Unterrichtsstörungen definieren lassen.

Der Begriff „Unterrichtsstörung“ wurde vor den 1990er-Jahren in der pädagogischen Literatur vergleichsweise selten verwendet (vgl. Winkel 2006). Begriffe wie „Disziplinschwierigkeiten“ und „Verhaltensstörungen“ bzw. „Verhaltensauffälligkeiten“ herrschten stattdessen vor. Allerdings werden bei diesen begrifflichen Fassungen Ursachen und Auslöser eher den Schülern zugeschrieben. Sie gefährden gleichsam durch ihre Verhaltensmängel den reibungslosen Ablauf des Unterrichts. Dabei wird aber die Komplexität störungsverursachender Faktoren vernachlässigt. Mit dem Begriff Unterrichtsstörungen scheinen die weitesten Möglichkeiten gegeben, die Erscheinungen vom Lehr- und Lernprozess her zu sehen und Lehrer und Schüler gemeinsam als Verstehende und Konfliktlösende zu betrachten.

Winkel fordert, die Unterrichtsstörungen vom Unterricht her zu interpretieren und nicht nur von Schülern oder Lehrern her, denn eine solche Interpretation könnte willkürlich sein und zu neuen Konflikten führen (vgl. Winkel 2006: 29). Nach ihm liegt eine Unterrichtsstörung vor, „wenn der Unterricht gestört ist, d.h. wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird“ (ebd.). Mit anderen Worten definiert Lohmann Unterrichtsstörungen als „Ereignisse, die den Lehr-Lern-Prozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen“ (Lohmann 2010: 14).

3. Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen

Unterrichtsstörungen sind nach Bewusstheitsgrad, Intensität, Häufigkeit und Effekten verschieden, sodass sich zahlreiche Formen abweichenden Verhaltens, die das Lehren und Lernen mehr oder weniger stark beeinträchtigen, beobachten lassen (vgl. Keller 2008: 21).

Von schulpsychologischen Erkenntnissen und Beobachtungen auszugehen, sind nach Keller (2008) fünf typische Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen zu unterscheiden :

- Akustische Störungen, wie Z.B. Schwätzen mit dem Banknachbarn, Zwischenrufe, Sunmien, Singen, Schreien, Grölen, Handy, Uhrenalarm, etc.
- Motorische Störungen, wie Z.B. Schaukeln, Zappeln, mit Arbeitsmitteln spielen, mit dem Stuhl kippen, Herumlaufen, etc.
- Aggressives Verhalten, wie Z.B. Mitschüler/Lehrer verbal provozieren bzw. körperlich angreifen, fremde Sachen wegnehmen, Sachen beschädigen, zerstören, Wutausbruch, etc.
- Geistige Abwesenheit, wie Z.B. stofffremde Arbeiten erledigen, zum Fenster hinausschauen, Tagträumen, Schlafen, etc.
- Verweigerung, wie Z.B. fehlende Unterrichtsmaterialien, unerledigte Arbeitsaufträge, fehlende Hausaufgaben, Mitarbeitsverweigerung, Zuspätkonmien, etc.
- Verstöße gegen die Hausordnung, wie Z.B. Essen, Trinken, Beschmutzen, etc. (ebd.: 21f.)

Welche dieser unterschiedlichen Störformen als besonders störend erlebt werden, ist bisher erstaunlich selten empirisch untersucht worden. Ein paar Erkenntnisse kann man bei Tückes (2005) finden. Er hat aufgezeigt, dass sich Lehrpersonen besonders gestört fühlen, wenn Schülerinnen und Schüler miteinander streiten, stattdessen werden aus der Schülerperspektive akustische Störungen als besonders unangenehm empfimden (vgl. Tückes 2005: 408f.).

4. Unterrichtsstörungen aus Lehrersicht bzw, Schülersicht

Jürgens (2000) ist der Meinung, dass Schüler und Lehrer Unterrichtsstörungen sehr verschieden erklären und sie sehr unterschiedlich empfinden.

Aus der Lehrerperspektive hängen Unterrichtsstörungen gewissermaßen mit den Disziplinkonflikten zusanmien. Dabei wird störendes Schülerverhalten häufig als Mangel an Disziplin angesehen. Mit Disziplin wird ein sich an vorgegebene Regeln und Normen orientiertes Verhalten bezeichnet (vgl. Lohmann 2010: 14). Im Schulalltag begegnen uns immer wieder Regeln und Normen, die den reibungslosen Ablauf des Schul- und Unterrichtsalltags gewährleisten sollen. Diese sind meist von der Schulleitung bzw. dem Lehrer vorgegeben. Konmit es von Schülerseite zur Verletzung dieser Nomien und Regeln, spricht man von einem Disziplinkonflikt. Diese sogenannten Disziplinkonflrkte sind unausweichlicher Bestandteil schulischen Lebens, da Lehrer und Schüler sehr unterschiedliche Erwartungen und Normvorstellungen haben: „Je weiter diese jeweiligen Normen voneinander abweichen, umso höher ist das Konfliktpotenzial“ (ebd.).

Wenn eine Störung im Unterricht auftritt, neigen Lehrer meistens dazu, die Störungen der Schüler/innen auf eine vorliegende Verhaltensstörung zurückzuführen, suchen nach weiteren Gründen in deren Elternhaus und in der elterlichen Erziehung und ziehen daraus für sich die Konsequenz, zu ermahnen, zu strafen, unfreundlich zu sein und sich bei der Unterrichtsgestaltung weniger Mühe zu geben (vgl. Wiater 2007: 271). Die Folge davon ist ein negativer Interaktionskreislauf und oft ein selffülfilling-prophecy-Effekt (= der freche, faule, unbeliebte Schüler) (vgl. Bründcl/Simon 2003).

Die Schüler/innen nehmen das Unterrichtsgeschehen ganz anders wahr und sehen in ihm zahlreiche Störungen aus lösende Faktoren wie ständiger Leistungsdruck, langweiliger Unterrichtsverlauf, keine wirklichen Mitentscheidungsrechte, negativ empfundene Etikettierungen, Beschimpfungen und Bloßstellungen durch Lehrer, Lehrerautorität bei der Durchsetzung von Lehrinteressen und Ordnungen sowie die Behinderung der für sie besonders wichtigen Interaktionsbedürfnisse mit Gleichaltrigen im Unterricht, (vgl. Winkel 2006)

Da sich die Interpretation von Unterrichtsstörungen zwischen Lehrer und Schüler so deutlich unterscheiden lässt, hat Winkel (2006) gewissermaßen Recht, Unterrichtsstörungen nicht nur von Lehrer oder Schüler her zu betrachten, sondern noch den ganzen Lehr-Lern-Prozess mit einzubeziehen, um einen genaueren Einblick über die Thematik zu verschaffen.

5. Warum stören die Schüler/innen den Unterricht?

Unterrichtsstörungen, von seiten der Schüler, werden durch ihre individuellen Interessen, Erwartungen, Wünsche, Meinungen und Emotionen gelenkt. Die meisten Unterrichtsstörungen sind sozusagen Signale des Schülers, die etwas mitteilen wollen, Z.B.: dass der Unterricht langweilig oder uninteressant ist; dass man ganz andere (Lern-, Lebensoder Beziehungs)-Probleme hat, dass die Normen des Lehrers fragwürdig sind; dass man zwar lernen möchte, aber eben anderes auf andere Weise; dass einem der Sinn des schulischen Unterrichts fehlt, usw. Mit störendem Verhalten wollen die Schüler bestimmte Ziele verfolgen, die sich im Folgenden nennen lassen:

- Sie wollen Aufmerksamkeit erregen, Z.B. durch Zwischenrufe, kluge Beiträgen Clownereien, etc.
- Sie wollen Macht demonstrieren, Z.B. durch Streitsucht, Widersprechen, Trödeln, Ungehorsam, Uneinsichtigkeit, etc.
- Sie wollen Rache nehmen, Z.B. durch hinterhältiges, rohes oder brutales Vorgehen gegen andere, aggressive Passivität oder Freude bei Gewalt und Arglist.
- Sie wollen ihr Prestige schützen, Z.B. sie zeigen offen eigene Mängel oder das eigene Unvermögen durch Minderwertigkeitsbezeugungen, Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit
- Sie wollen eigene Mängel entschuldigen bzw. vertuschen.
- Sie wollen Unterlegungen vermeiden und Überlegenheit gewinnen.
- Sie wollen zeigen, dass sie nicht gezwungenermaßen in der Schule sein möchten und
- Sie wollen Liebe gewinnen, (vgl. Wiater 2007: 272)

Die Lehrperson sollte Störverhalten der Schüler, ihre Ursachen bzw. Ziele verstehen, um eine schülergemäße bzw. effektive Problemlösung finden zu können.

6. Präventionsmaßnahmen bei Unterrichtsstörungen

Vorbeugen ist besser als Heilen. Was der Medizin recht ist, müsste der Pädagogik billig sein.

- Wolfgang Memmert.1

[...]


1 Zit. n. Keller (2010: 73).

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656508618
ISBN (Buch)
9783656508656
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v233631
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Lehrstuhl für Schulpädagogik
Note
1,3
Schlagworte
unterrichtsstörungen maßnahmen prävention

Autor

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Titel: Unterrichtsstörungen und Maßnahmen zur Prävention