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Das Verhältnis von Didaktik und Methodik in der Erwachsenenbildung

Seminararbeit 1999 11 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Begriffserklärung von Didaktik und Methodik
I.1. Didaktik allgemein
I.1.1. Didaktische Überlegungen in der Erwachsenenbildung
I.2. Der Begriff „Methodik“
I.2.1. Einzelne Methoden und Methodengruppen
I.2.2. Veranstaltungsformen in der Erwachsenenbildung
I.2.3. Der Unterrichtsstil in der Erwachsenenbildung
I.2.4. Unterrichtsmedien als Hilfsmittel
I.2.5. Einsatz der Methoden

II. Das Verhältnis von Didaktik und Methodik

I. Begriffserklärung von Didaktik und Methodik

I.1. Didaktik allgemein

Zunächst soll ein kurzer Einblick in die Überlegungen zum Begriff der Didaktik zum jetzigen Zeitpunkt gegeben werden.

„1. Didaktik als Wissenschaft vom Lehren und Lernen überhaupt (Dolch, Hausmann)
2. Didaktik als „Wissenschaft vom Unterricht“ (Heimann, Schuh) bzw. „Allgemeine Unterrichtslehre“
(Esterhues)
3. Didaktik als Theorie der Bildungsinhalte, ihrer Struktur und Auswahl (Weniger), bzw. der Lehr- und Lernziele

und der ihnen zuzuordnenden Lehr- und Lerninhalte und Aufgaben (Klafki) oder als Theorie der

„Bildungskategorien“(Derbolav) und

4. Didaktik als „Theorie der Steuerung von Lernprozessen“(Frank, v.Cube) bzw. als „Ökonomie der

Vermittlung“(Wilhelm)“1

Klafki unterscheidet vier Dimensionen einer Didaktik:

„Didaktik im weitesten Sinn umfaßt Entscheidungen, Entscheidungsvoraussetzungen und Entscheidungsbegründungen (1) über Ziele (Intentionen) des Unterrichts; (2) über seine Inhalte; (3) über Organisations- und Vollzugsformen unterrichtlichen Lernens (wobei der Zusammenhang zwischen Lehr- und Lernprozessen als Interaktionszusammenhang verstanden werden muß) – dies ist die Perspektive der Methodik; (4) über Medien des Unterrichts“2

Bei Blankertz werden drei Modelle der Didaktik unterschieden:

a. Das bildungstheoretische Modell (Klafki, Derbolav)

Dieses Modell richtet den Blick auf die Wirklichkeit. Im Mittelpunkt der didaktischen Überlegungen steht der Begriff der „Bildung“.

Wichtig für die didaktische Entscheidung ist hier die Bedeutung und Auswahl der Inhalte für den geplanten Bildungsprozeß. Die Kriterien für die Stoffauswahl ergeben sich aus der Pluralität der Gesellschaft, den Forderungen von gesellschaftlich relevanten Gruppen und der Komplexität des vermittelbaren Wissens.

Bei diesem Modell steht die Didaktik über der Methodik.

b. Das lerntheoretische Modell (Berliner Schule, Heimann) der „Berliner Schule“ sieht Didaktik als Theorie oder Wissenschaft vom Unterricht.

Lernen wird hier als Voraussetzung eines Bildungsprozesses gesehen. Indem dieses Modell alle im Unterricht auftretenden Erscheinungen und Bedingungen erfaßt und analysiert, ermöglicht es eine kontrollierbare und rationale Unterrichtsplanung.

Der starke Zusammenhang von Didaktik und Methodik wird bei diesem Modell betont.

c. Das informationstheoretische Modell versteht Didaktik als „Theorie der optimalen Steuerung von Lehr-und Lernprozessen“.3

Es werden für alle Lernziele optimale Handlungsanweisungen erarbeitet, die möglichst differenziert sind. Man geht davon aus, daß die Lerninhalte im voraus entschieden und ausgewählt worden sind.

Im Vordergrund dieses Modells steht die Effektivität und Effizienz des Lernprozesses.1

Die vorhin beschriebenen Modelle haben als Zielgruppe die Schule und können nicht ohne weiteres in der Erwachsenenbildung übernommen werden.

Die Erwachsenenbildung hat nicht wie die Schule ein inhaltlich bestimmtes Pensum, das sie erreichen muß, sie hat keinen Lehrplan. Die Erwachsenenbildung bietet Einzelhilfen, die variabel sind, zumal in der Lerngruppe Menschen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen – Alter, Bildungsniveau, Lernfähigkeit, zeitliche Belastbarkeit, Behaltensleistung, Speicherfähigkeit, Vorwissen, Motivation, psychomotoische Fähigkeit – zusammen kommen.

Der Begriff der Lernfähigkeit muß in der Erwachsenenbildung als Grundlage für die anstehenden Überlegungen verwendet werden.

Die Lernfähigkeit hängt von unterschiedlichen Faktoren wie Bildungsniveau, Vorwissen, Motivation, sozialer Stellung und Berufstätigkeit ab.

Lernfähigkeit ist veränderbar und beeinflußbar.

Didaktische Überlegungen haben entscheidenden Einfluß auf Erfolg und Mißerfolg. Bei Erwachsenen müssen die Inhalte sinnvoll und der Sinnzusammenhang einsichtig sein. Sie müssen an Bekanntes anknüpfen und somit einen Transfer ermöglichen.

Der gebotene Lehrstoff muß übersichtlich geordnet und in kleine Einheiten aufgeteilt sein.2

I.1.1. Didaktische Überlegungen in der Erwachsenenbildung

Ausgangspunkt der didaktischen Überlegungen in der Erwachsenenbildung ist der Mensch in seiner besonderen privaten, beruflichen, gesellschaftlichen und politischen Situation mit seinen unterschiedlichen Bedürfnissen, Interessen und Unvollkommenheiten.

Die Erwachsenendidaktik muß sich zunächst fragen, welche Lern- und Bildungsinhalte für den Menschen oder die Gruppe bedeutend sind.

Die Lernerwartung des lernenden Erwachsenen muß in die Bildungsangebote eingebracht werden. Die Inhalte müssen konkret und praxisorientiert auf die Bereiche Person, Familie, Gesellschaft, Freizeit und Beruf bezogen sein.3

Die Didaktik der Erwachsenenbildung muß subjektive und objektive Faktoren beachten und ihre Zusammenhänge deutlich machen. Entsprechend muß sie Ziele, Zielgruppen, Lerninhalte, Methoden und Medien begründen.4

Die didaktischen Entscheidungen in der Erwachsenenbildung treffen die Leiter der jeweiligen Bildungseinrichtung. Sie sind jedoch stark abhängig von gesellschaftlich relevanten Gruppen und vom Träger der Bildungseinrichtung. Bei den didaktischen Überlegungen sollten die Teilnehmer der Veranstaltungen mit einbezogen werden.

K. Mollenhauer spricht von einem „kommunikative[n] Erziehungsverständnis“ als Vorbild für Lernprozesse in der Erwachsenenbildung im Gegensatz zu einem manipulativen Lernverständnis.1

Auch bei P. Freire finden wir den Begriff des „kommunikativen Lernverständnisses“. Für ihn ist Lernen „die Bewußtmachung der eigenen Lebenssituation als Problem und die Bewältigung dieses Problems in Reflexion und Aktion.“2

Siebert sagt, daß Erwachsene selbständige und eigenwillige Lerner sind mit eigenen Erfahrungen, eigener Lerngeschichte, eigenen Interessen und Deutungsmustern. Deshalb sollte sich die Erwachsenenbildung an den Teilnehmern orientieren, d.h. auf didaktische Teilhabe und Verständigung ausgerichtet sein.

Der Lehrer soll nicht das Wissen „einbleuen“, sondern Prozesse in Gang setzen, die zur selbsttätigen und selbständigen Wissenserschließung und –aneignung führen.3

An der Planung sollten weiter Fachwissenschaftler, Dozenten und pädagogische Mitarbeiter und Dozenten beteiligt werden.

In der Erwachsenenbildung können grundsätzlich alle Stoffe, Probleme und Themen als Lern- und Bildungsinhalte gewählt werden..

Die Auswahl hängt jedoch von vielen äußeren Faktoren ab: z.B. finanzielle Mittel, Lehrkräfte, Lehrmittel, Unterrichtsräume, usw.

Diese Faktoren müssen jedoch den einzelnen Inhaltsentscheidungen untergeordnet werden.

[...]


1 Lexikon der Pädagogik, Herder Verlag, Band 3, S. 229 in: Kuypers Harald/Leyendecker Bernd: Erwachsenenbildung in der Praxis. Didaktik und Methodik Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn, Obb. , 1982, S.10

2 Klafki Wolfgang: Zum Verhältnis von Didaktik und Methodik, in: ders./Otto G./Schulz W.: Didaktik und Praxis, Weinheim, 2 1979, S.13-4o, zit. in Arnold Rolf: Deutungsmuster und pädagogisches Handeln in der Erwachsenenbildung und einer erwachsenen pädagogischen Handlungstheorie, Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn, Obb., 1985, S. 100

3 cf. Blankertz A., Theorien und Modelle der Didaktik, München 1969, in: Kuypers Harald, op. cit., S.10-11

1 cf. Kuypers, op. cit., S.11

2 cf. Kuypers, op. cit., S. 12 ss.

3 cf. Kuypers, op. cit., S. 15

4 cf. Arnold Rolf, Deutungsmuster und pädagogisches Handeln in der Erwachsenenbildung. Aspekte einer Sozialpsychologie der Erwachsenenbildung und einer erwachsenenpädagogischen Handlungstheorie, Verlag Julius Klinkhardt Bad Heilbrunn, Obb., 1985, S. 101

1 Mollenhauer K., Einige erziehungswissenschaftliche Probleme im Zusammenhang mit der Erforschung von „Alltagswelten Jugendlicher“, in: Pädagogik und Alltag. Lenzen, D. (Hrsg.), S. 97-111, Stuttgart, 1980, in: Arnold R.: Erwachsenenbildung. Eine Einführung in Grundlagen, Probleme und Perspektiven, Päd. Verlag Burgbücherei Schneider GmbH, Baltmannsweiler, 1988, S. 85

2 Freire P., Pädagogik der Unterdrückten. Bildung als Praxis der Freiheit, Reinbek, 1979, in: Arnold R., Erwachsenenbildung, op. cit., S. 86

3 cf. Siebert Horst, Lernen als Konstruktion von Lebenswelt. Entwurf einer konstruktivistischen Didaktik. Hrsg. Von Joseph Dehler und Gerd Michelsen, Reihe: Wissenschaft und gesellschaftliche Verantwortung, Verlag für Akademische Schriften (VAS), Frankfurt/M., 1994, S. 76

Details

Seiten
11
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638266086
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23495
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Verhältnis Didaktik Methodik Erwachsenenbildung Konstruktivistische

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