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Essstörungen

Hausarbeit 2003 22 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlegendes zum Essen und Essstörungen
2.1. Gestörtes Essverhalten
2.2. Einteilung und Definition von Essstörungen
2.3. Essstörungen als behandlungsbedürftige Krankheiten
2.4. Was liegt Essstörungen zugrunde?
2.5. Essstörungen bei Männern
2.6. Welches Gewicht ist „normal“?

3. Anorexia nervosa (Magersucht)
3.1. Definition
3.2. Charakteristika der Anorexia nervosa
3.2.1. Diagnostische Kriterien
3.2.2. Das klinische Bild
3.2.3. Körperliche Folgeschäden

4. Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)
4.1. Definition
4.2. Charakteristika der Bulimia nervosa
4.2.1. Diagnostische Kriterien
4.2.2. Das klinische Bild
4.2.3. Körperliche Folgeschäden

5. Ursachen der Magersucht und Bulimie
5.1. Die Gesellschaft
5.2. Die Familie
5.3. Die Persönlichkeit
5.4. Sexueller Missbrauch als besondere Ursache der Magersucht

6. Therapiemöglichkeiten
6.1. Prävention von Essstörungen
6.2. Allgemeine Aspekte zur Therapie
6.3. Formen der Therapie
6.4. Heilungschancen

7. Schlussbetrachtung

8. Bibliographie

1. Einleitung

Essen ist etwas Alltägliches und immer Wiederkehrendes, etwas scheinbar Selbstverständliches. Es ist ein Bedürfnis, dem alle Menschen folgen müssen. Es dient nicht ausschließlich der Energiezufuhr, sondern erfüllt auch andere wichtige, u.a. gesellschaftliche, kommunikative, oder psychologische Zwecke. Seit Beginn der Menschheit gehört das gemeinsame Essen zum Zusammenleben. Es ist ein Ritual mit langer Tradition und Regeln. Heute, in unserer modernen Industriegesellschaft, gehen aber viele Traditionen verloren. Dies betrifft unser Essen in besonderem Maße. Es zunehmend ungesund und unregelmäßig gegessen. Dies führt zu Störungen des Essverhaltens und im Laufe der Zeit zu Essstörungen. Nicht zu vergessen ist das Streben nach dem Schönheitsideal unserer Zeit. Schlanksein ist für die meisten Frauen gleichbedeutend mit Schönheit, Attraktivität und Erfolgreich sein. Darüber hinaus vergessen die meisten den Sinn der Ernährung, nämlich Genuss und Erhaltung des Lebens.

Gerät unsere Ernährung ins Schwanken, macht uns das krank und kann sogar unser Leben gefährden. Dies ist keine Seltenheit mehr. In den letzten Jahren ist die Zahl der Erkrankten, vorwiegend Frauen, immer mehr gestiegen. Ungefähr zwei Drittel aller weiblichen Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr haben, nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen, mindestens einmal eine Diät zur Gewichtsreduzierung gemacht. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) in Aachen leiden über 100.000 Menschen, insbesondere Frauen zwischen 15 und 35 Jahren, an Magersucht, 600.000 Frauen und Männer an Bulimie. Auch Männer sind immer mehr betroffen. Die Zahl der magersüchtigen Männer liegt im Moment bei fünf bis zehn Prozent, mit deutlich steigender Tendenz. Die Universität Ulm veröffentlichte Zahlen, nach denen etwa 0,5-1%, der weiblichen Bevölkerung, zwischen 15 und 35 Jahren, an Magersucht, 3-4% an Bulimie und ca. 6% an Esssucht erkrankt sind.[1]

In meiner Hausarbeit werde ich zunächst allgemeine Aspekte beleuchten und mich im Folgenden näher mit den Erkrankungen Magersucht und Bulimie beschäftigen.

Ich werde mich mit ihren Ursachen, Symptomen und Therapiemöglichkeiten auseinandersetzen. Außerdem ist mir wichtig, dass deutlich wird wie gefährlich diese Störungen sind und wie jeder etwas dagegen tun kann.

2. Grundlegendes zum Essen und Essstörungen

2.1. Gestörtes Essverhalten.

Bevor ich mich mit den einzelnen Essstörungen beschäftige, möchte ich kurz darauf eingehen was „Essstörung“, oder „gestörtes Essverhalten“ überhaupt bedeutet. Es ist sehr schwierig festzulegen, was normal und was gestört ist. Dies hängt nicht nur von einzelnen Menschen, sondern auch von der Mode, Kultur und Gesellschaft ab. Gerade in den letzten Jahrzehnten hat sich die Auffassung darüber, was normal und was unnormal ist, sehr verändert. Diäten und Fast-Food-Ketten waren früher genauso ungewöhnlich, wie Männer, die auf ihr Gewicht achten. Heute gehört dies zur Normalität. Der Großteil der Bevölkerung klagt über das eigene Gewicht und über Ernährungsschwierigkeiten und damit verbundenen Heißhunger, erfolglose Diäten, Übergewicht oder Mangelerscheinungen. Der Übergang zu einer Essstörung ist dabei fast nahtlos und schwer auszumachen. Kuni Becker nennt in ihrem Buch acht Kriterien, die auf ein gestörtes Essverhalten hinweisen können.

- Der Umgang mit Essen wird als schwierig empfunden. Anstelle von Spaß und Genuss steht vor allem Angst und Unsicherheit im Vordergrund.
- Das Essverhalten orientiert sich nicht an inneren Signalen (Hunger, Sättigung), sondern an äußeren Bedingungen (Gelegenheit, Uhrzeit, Ort etc.).
- Das Essverhalten wird übermäßig kontrolliert und manipuliert. Lebensmittel werden in „erlaubt" und „verboten“ eingeteilt. Der Umgang mit Essen ist unentspannt und unflexibel.
- Das Essverhalten ist strukturlos und chaotisch. Entweder wird auf einen Essensrhythmus verzichtet oder man ist unfähig eine klare Mahlzeitenstruktur herzustellen.
- Das Essverhalten ist abwechselnd streng und chaotisch. Das stark kontrollierte Essverhalten wird zum Beispiel unterbrochen durch Heißhungeranfälle, denen man scheinbar hilflos ausgeliefert ist.
- Das Essen wird dazu benutzt um mit Stresssituationen und intensiven Gefühlen fertig zu werden. Auf Stimmungsschwankungen mit Mehr- bzw. Weniger- Essen reagiert.
- Das Essen ist abhängig vom Gewicht und wird somit mit Angst und Zwang belastet. Bei geringer Gewichtszunahme entstehen entweder Resignation und Essanfälle oder Gegenmaßnahmen (Sport, Erbrechen, Fasten).
- Die Gedanken werden kontrolliert durch ständiges Überlegen, was gegessen werden darf und was nicht. Diese Beschäftigung fordert Aufmerksamkeit und Energie, so dass andere Aktivitäten zu kurz kommen.[2]

2.2. Einteilung und Definition von Essstörungen.

Oft wird gemeinhin von und über Essstörungen gesprochen. Doch welche Krankheitsbilder gehören in den Bereich der Essstörungen?

Betroffene einer Essstörung leiden entweder an Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder Esssucht. Es ist nicht immer einfach herauszufinden, welche Essstörung in einem konkreten Fall vorliegt. Wie bereits erwähnt sind die Übergänge oft fließend, überschneiden sich, oder wechseln sich sogar ab. So ist es zum Beispiel möglich, dass Phasen des Hungerns, also Symptomen der Magersucht, von „Fressattacken“, einem Zeichen für Esssucht, abgewechselt werden. Selbst die Experten sind sich nicht einig, wie man „normales“, oder „gestörtes“ Essverhalten beurteilen kann.

Die Symptome der verschiedenen Essstörungen sind sehr unterschiedlich und ich werde im Folgenden noch näher auf sie eingehen. Jedoch ein gemeinsames Merkmal aller Essstörungen ist die Sehnsucht nach Perfektion, d.h. der, oft zwanghafte, Wunsch einem Idealbild zu entsprechen. Oft haben Essgestörte mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Dies muss aber keineswegs auf eine Essstörung hinweisen. Entscheidend ist hierfür nicht nur von Menge des Essens, sondern auch wie wichtig einem das Essen im Leben ist.

2.3. Essstörungen als behandlungsbedürftige Krankheiten.

Normalerweise geht man, wenn man krank ist, oder sich so fühlt, zu einem Arzt und lässt sich dort behandeln. Für Essgestörte trifft dies nicht zu. Oft wird die Diagnose viel zu spät gestellt und selbst dann ist der Weg in eine Therapie sehr lang. Dr. Monika Gerlinghoff schätzt, dass durchschnittlich vier bis fünf Jahre vergehen bis eine Therapie stattfindet. Nicht nur die Kranken selbst, sondern auch die Angehörigen sträuben sich oft gegen eine Behandlung. Die Gründe sind hierbei unterschiedlich. Vor allem die Väter sehen die Probleme ihrer Töchter oft als „Schlankheitsticks, oder Pubertätskrise [...] in Verbindung mit der irrigen Annahme, dass sie sich irgendwann von selbst wieder ‚in Wohlgefallen’ auflösen wird.“[3] Außerdem sehen Eltern eine Psychotherapie oft als eine Art Versagen und Schwäche ihrer Seite.

Die Erkrankten selber wollen ebenso nichts von einer Behandlung, oder überhaupt einer Krankheit, wissen. Hungern ist für sie der tägliche, sichtbare Beweis von Leistung, Stärke und Macht über den eigenen Körper und die Umwelt. Leider bedeutet die Verweigerung einer Therapie „aber nicht nur ein Verharren in einem kranken Zustand [...], sondern auch das Verhindern eines natürlichen Entwicklungsprozesses, nämlich des Erwachsenwerdens.“[4]

Essstörungen sind schwere psychische Krankheiten. Die besten Chancen zur Heilung sind nur durch eine Psychotherapie gegeben. Alle Versuche die Probleme in der Familie, oder alleine, bzw. durch einfach pädagogische und medizinische Maßnahmen zu lösen, haben wenig Aussicht auf Erfolg.[5]

2.4. Was liegt Essstörungen zugrunde?

Essstörungen sind Krankheiten, die es wahrscheinlich schon immer gegeben hat. Bereits Ende des 19 Jahrhunderts wurde die „Erscheinung“ Magersucht in England und Frankreich fast zeitgleich beschrieben. Essstörungen kommen heutzutage fast ausschließlich in den Industrieländern vor. In meiner Einleitung habe ich bereits die Zahl der Betroffenen genannt. Dem ist nur noch hinzuzufügen, dass solche Zahlen stets geschätzt sind. Die „Dunkelziffer“ ist mit Sicherheit noch höher einzuschätzen.

Doch worin liegen die Ursachen der Essstörungen. Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn junge Mädchen den Wunsch äußern abzunehmen. Jeder hat mal das Gefühl nicht zufrieden mit sich selbst, seinem Aussehen und seinem Gewicht zu sein. Spätestens nach erreichen des Wunschgewichts kehren die meisten zu ihrem gewohnten Essverhalten zurück, bzw. lockern ihre Diätvorschriften und Nahrungseinschränkungen. Statt mit dem ereichten Idealgewicht zufrieden sein, hungern, bzw. fressen/brechen Essgestörte weiter. Sie stellen sich immer neue Ziele und verringern ihr Wunschgewicht immer weiter. Wenn sie dieses wieder erreichen fühlen sie sich gut und sind stolz auf ihre Leistungen. Laut Dr. Gerlinghoff und Dr. Backmund muss „viel zusammenkommen, damit ein junges Mädchen, das Schlankheitskuren macht, magersüchtig, oder bulimisch wird.“[6] Bestimmend sind hierbei biologische, familiäre und soziokulturelle Faktoren. Häufig wirken bestimmte einschneidende Ereignisse, wie z.B. der Verlust einer wichtigen Person, als Auslöser.[7] Unter Punkt 5 werde ich noch näher auf Ursachen von Essstörungen eingehen. Im Folgenden werde ich mich näher mit der Magersucht und der Bulimie auseinandersetzen.

2.5. Essstörungen bei Männern.

In den letzten Jahren steigt die Zahl der an Magersucht erkrankten Männern. Essstörungen sind allgemein immer schwerer aufzudecken. Selbst Ärzte und Krankenschwestern diagnostizieren oft nur sehr schwere und fortgeschrittene, also deutlich sichtbare, Fälle. Das Krankheitsbild an sich ist dem der Frauen auffallend ähnlich. Männer beschäftigen sich weniger mit strenger Kontrolle des Gewichtes und sind weniger depressiv. Ebenfalls benutzen sie seltener Hilfsmittel, wie zu Beispiel Abführmittel. Männliche Bulimie-Erkrankten ist es oft peinlich sich in eine Behandlung zu begeben. Schließlich ist das doch eine Frauenkrankheit. Bis jetzt gibt es nur wenige Studien von Männern mit Essstörungen. Allgemein ist zu sagen, dass die „Behandlungsmodalitäten, die bei Frauen und Männern angewendet werden, ziemlich ähnlich [sind].“[8]

2.6. Welches Gewicht ist „normal“?

Um sich im Folgenden ausführlich mit Essstörungen auseinandersetzen zu können, halte ich es für zunächst für notwendig, deutlich zu machen welches Gewicht denn nun „normal“ ist. Ansatzpunkt zur Berechnung des Normalgewichts muss stets die Körpergröße sein.

Als Bezugsgrößen kann man drei verschiedene Möglichkeiten benutzen.

- Die Gewichtsverteilung in der Bevölkerung:
- Personen werden als normalgewichtig bezeichnet, die so viel wiegen wie der Durchschnitt der Bevölkerung.
- Die Körperfettmassen:
- Normalgewicht hat eine Person, wenn Fettzellen und fettfreie Masse in einem günstigen Verhältnis stehen.
- Das gesundheitliche Risiko: Resultiert aus dem Über- bzw. Untergewicht keine Gefährdung der Gesundheit gilt die Person als normalgewichtig.

[...]


[1] Hungrig-Online e.V. Zahlen und Fakten zu Essstörungen. http://www.hungrig-online.de/presse/presseinformationen/Zahlen_und_Fakten_Essstoerungen.pdf 21.09.2003.

[2] Becker, Kuni. Die perfekte Frau und ihr Geheimnis. Berlin: Rowohlt Verlag 1994.

[3] Gerlinghoff, Dr. med. Monika. Backmund, Dr. med. Herbert. Wege aus der Essstörung. Dritte Auflage. Stuttgart: Verlag Trias 1999. S. 18.

[4] Ebd. S. 20.

[5] Vgl. Ebd.

[6] Gerlinghoff, Dr. med. M.. Backmund, Dr. med. H.. Wege aus der Essstörung. Stuttgart: 1999. S. 15

[7] Vgl. Ebd.

[8] Hungrig-Online e.V.. http://www.magersucht-online.de/anbeiman.htm. Nedoschill, Dr. med. Jan. 22.10.2003.

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638267960
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23734
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Erziehungswissenschaften
Note
1
Schlagworte
Essstörungen

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