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Die gesellschaftspolitische Dimension des bundesdeutschen Fußball-WM-Sieges 1954: Eine Analyse der Kölner Tagespresse

Diplomarbeit 2002 162 Seiten

Sport - Medien und Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Rahmenbedingungen
2.1 Politik und Gesellschaft
2.1.1 Die politische Situation Deutschlands bis zur Gründung der Bundesrepublik (1945-1949)
2.1.2 Die Westintegration der Bundesrepublik und der Weg in die Souveränität (1949-1955)
2.1.3 Die Sonderrolle des Saarlandes
2.1.4 Die wirtschaftliche Konsolidierung der BRD und der Beginn des ‚Wirtschaftswunders‘
2.1.5 Die bundesrepublikanischen Lebensumstände Mitte der 50er Jahre
2.1.6 Die Einstellung der bundesdeutschen Gesellschaft zu Politik, Staat und Demokratie
2.2 Sport
2.2.1 Der Einfluss der Besatzungsmächte auf die Entwicklung des bundesdeutschen Sports nach dem Zweiten Weltkrieg
2.2.2 Die Gründung des Deutschen Sportbundes (DSB)
2.2.3 Die Gründung des bundesdeutschen Nationalen Olympischen Komitees (NOK)
2.3 Fußball
2.3.1 Erste Initiativen zur Wiederbelebung des Spielbetriebes nach dem Zweiten Weltkrieg
2.3.2 Die Wiedergründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)
2.3.3 Der Weg aus der internationalen Isolation
2.3.4 Die Reintegration des DFB in die FIFA
2.4 Medien
2.4.1 Die Alliierte Medienpolitik und ihr Einfluss auf die bundesdeutsche Presselandschaft am Beispiel Nordrhein-Westfalen
2.4.2 Der Kölner Stadt-Anzeiger (KSTA)
2.4.3 Die Kölnische Rundschau (KR)
2.4.4 Die kommunistischen Presse in Nordrhein-Westfalen unter besonderer Berücksichtigung der Volksstimme

3. Analyse der Berichterstattung ausgewählter Kölner Tageszeitungen über die Fußballwelt-meisterschaft 1954
3.1 Im Vorfeld der Weltmeisterschaftsendrunde
3.1.1 Analyseeinheit 1 (24. Mai 1954 – 16. Juni 1954)
3.1.1.1 Die Beurteilung der Erfolgsaussichten des bundesdeutschen Teams
3.1.1.2 Die Berücksichtigung ausländischer Mannschaften
3.1.1.3 Die Auseinandersetzung mit dem Austragungsmodus
3.1.2 Zusammenfassung
3.2 Die Vorrunde
3.2.1 Analyseeinheit 2 (17. Juni 1954 – 24. Juni 1954)
3.2.1.1 Der Weltmeisterschaftsauftakt
3.2.1.2 BR Deutschland – Türkei
3.2.1.3 BR Deutschland – Ungarn
3.2.1.4 Das Foul Liebrichs an Puskas
3.2.1.5 BR Deutschland – Türkei (Entscheidungsspiel)
3.2.2 Zusammenfassung
3.3 Die Finalspiele
3.3.1 Analyseeinheit 3 (25. Juni 1954 - 05. Juli 1954)
3.3.1.1 Vor dem Viertelfinale gegen Jugoslawien
3.3.1.2 BR Deutschland – Jugoslawien
3.3.1.3 Das Skandalspiel Ungarn – Brasilien
3.3.1.4 Vor dem Halbfinale gegen Österreich
3.3.1.5 Das Halbfinale BRD – Österreich
3.3.1.6 Vor dem Endspiel gegen Ungarn
3.3.1.7 Das Endspiel BR Deutschland – Ungarn
3.3.2 Zusammenfassung
3.4 Die Ereignisse nach der WM-Endrunde
3.4.1 Analyseeinheit 4 (06. Juli 1954 – 20. Juli 1954)
3.4.1.1 Die Rede des DFB-Präsidenten Bauwens im Löwenbräukeller
3.4.1.2 Die Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes an die bundesdeutsche Mannschaft durch Bundespräsident Heuss in Berlin
3.4.1.3 Der Film „Fußballweltmeisterschaft 1954“
3.4.1.4 Die Ausschreitungen in Budapest bei der Rückkehr der ungarischen Nationalmannschaft
3.4.2 Zusammenfassung

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft durch die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Juli 1954 in Bern wird in der Retrospektive häufig nicht nur als eine der vielleicht größten sportlichen Sensationen dargestellt, ihm wird auch von vielen Historikern, Journalisten und Politikern eine über den Sport hin-ausreichende, gesellschaftliche und politische Dimension zugeschrieben. Der Sport-journalist Joachim Schweer sieht den WM-Gewinn sogar als eigentliche Ge-burtsstunde der Bundesrepublik Deutschland (BRD) an:

„Die Bundesrepublik feiert[e] zwar erst 1999 ihren 50. Geburtstag, doch es gibt nicht wenige Menschen, die nur fünf Jahre zuvor ihren 40. fest gestellt haben wollen.“[1]

In der vorliegenden Studie soll aufgezeigt werden, ob, und wenn ja in welcher Ausprägung sich diese gesellschaftliche und politische Relevanz bereits während der Fußballweltmeisterschaft und in unmittelbarem Anschluss an diese in der Kölner Tagespresse manifestiert. Dies soll mittels einer qualifizierenden Inhaltsanalyse geschehen, die sowohl diagnostisch auf Einstellungen des Kommunikators, als auch reflektorisch auf Bedürfnisse auf Seiten des Rezipienten Rückschlüsse erlauben soll. Somit geht das Analyseverfahren über das von Reinermann für seine Diplom-Arbeit zum gesellschaftlichen Stellenwert von Fußballweltmeisterschaften gewählte Verfahren einer rein quantifizierenden Inhaltsanalyse hinaus.[2] Reinermann diagnostiziert aufgrund des deutlich gestiegenen Umfangs der Berichterstattung in den von ihm analysierten Untersuchungsobjekten 1998 im Vergleich zu 1954 eine erhöhte gesellschaftliche Bedeutung der Fußball-WM in Deutschland, lässt dabei aber den ebenfalls gestiegenen Gesamtumfang der Untersuchungsobjekte ebenso außer Acht wie die Tatsache, dass sich die Medienlandschaft während dieser Zeitspanne ebenso radikal verändert hat wie die personelle, technische und finanzielle Ausstattung der analysierten Zeitungen. Allerdings legt Reinermann wohl auch ein anderes Verständnis von ‚gesellschaftlichem Stellenwert‘ zu Grunde, mehr im Sinne von Rezipienteninteresse, denn – wie in dieser Untersuchung angedacht – als identitätsstiftenden Faktor mit konkreten gesellschaftspolitischen Auswirkungen. Bezüglich der Ausweitung der Berichterstattung über Fußball-weltmeisterschaften in deutschen Tageszeitungen liefert Lammertz interessantere Ergebnisse, indem er den Umfang der Sportberichterstattung in Relation zum Umfang der Gesamtausgabe der untersuchten Zeitungen setzt und den Anteil der WM-Berichterstattung am Sportteil berechnet.[3]

Als Untersuchungsgegenstände der vorliegenden Arbeit werden mit dem Kölner Stadt-Anzeiger (KSTA), der Kölnischen Rundschau und der Volksstimme drei Kölner Tageszeitungen herangezogen, deren unterschiedliche politische Grundhaltungen und Entstehungsgeschichte eine signifikant unterschiedliche Beurteilung des WM-Sieges der DFB-Auswahl nahelegen. Diese sich sowohl auf quantitativer, in erster Linie aber auf qualitativer Ebene darstellenden Unterschiede aufzuzeigen, soll ein weiteres Ziel dieser Untersuchung sein. In diesem Zusammenhang interessiert auch die Fragestellung, ob sich ganz konkret eine Vermischung von Politik und Sport festmachen lässt, wie sie Heinrich in Teilen der ausländischen und ostdeutschen Presse diagnostiziert[4], oder ob die untersuchten Zeitungen der laut Heinrich unpolitischen westdeutschen Bevölkerung folgend[5] eine konsequente Trennung zwischen Sport und Politik vornehmen und durchhalten. Besonders interessante Ergebnisse bezüglich propagandistischer Tendenzen lässt hier vor allem die Analyse der kommunistischen Volksstimme erwarten.

Ebenfalls ist die Aussage Freis zu überprüfen, der in den zeitgenössischen bundesdeutschen Medien eine Überbetonung des Gemeinschafts- und Zusammen-gehörigkeitsgefühl feststellt, wenn es darum geht, das Erfolgsgeheimnis des deutschen Teams zu umreißen:

„Das Zusammenhalten, gegenseitige Unterstützung, kämpferische Ein-heit – das galt und gilt als das Besondere des deutschen Fußballs, im Gegensatz zum Beispiel zu den Ungarn, den Brasilianern oder Italienern, die immer als Individualisten, Stars oder Zauberer bezeichnet wurden. Dass diese ‚deutschen Tugenden‘ in den frühen fünfziger Jahren noch einen außersportlichen Sinn machten und deswegen von den Journalisten fast schon inflationär beschworen wurden, ist begreiflich: Der Krieg war erst wenige Jahre vorüber; Niederlage, Verluste, Not und Schuld ließen sich mit Gemeinschaftsgeist besser ertragen – und besser zur Seite schie-ben.“[6]

Um den über das rein Sportliche hinausgehenden Stellenwert des deutschen WM-Sieges zu verdeutlichen, ist es von Nöten, das Ereignis in seinem historischen Kontext zu betrachten. Diese Rahmenbedingungen sollen zu Beginn der Arbeit vorgestellt werden. Zunächst wird in diesem Teil der Studie die durch die Besatzungsmächte beeinflusste politische und wirtschaftliche Entwicklung in den drei westlichen Besatzungszonen bzw. der Bundesrepublik Deutschland dargestellt. Es folgt eine Skizzierung der Lebensumstände in der BRD zu Beginn der 50er Jahre, der privatwirtschaftlichen Situation und der politischen Einstellungen der Bevölkerung, insbesondere bezüglich der Akzeptanz des neu geschaffenen Staats-gefüges. Des Weiteren wird auf die Situation und die Reorganisation des west-deutschen Sports nach dem Zweiten Weltkrieg eingegangen, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung im Fußball liegen soll. In diesem Kapitel wird wieder auf den Einfluss der Besatzungsmächte hinzuweisen sein, ebenso wie auf den jahrelangen Ausschluss deutscher Sportorganisationen von den internationalen Verbänden und dem damit verbundenen Wettkampfverbot für deutsche Spitzensportler auf inter-nationaler Ebene. Schließlich wird die Medienpolitik der Alliierten vorgestellt, die die Basis für die Entwicklung der west- bzw. bundesdeutschen Medienlandschaft bildete. Die Skizzierung der historischen Rahmenbedingungen endet mit einer Vor-stellung der drei Untersuchungsobjekte, deren Entstehungsgeschichte und politischen Grundhaltungen.

In einem zweiten Teil sollen die Analyseergebnisse der Untersuchung präsentiert werden. Aufgrund einer besseren Übersichtlichkeit bietet sich hier eine chronolo-gische Vorgehensweise an, in der die Textanalyse der drei Tageszeitungen parallel durchgeführt und eng an die entsprechenden Ereignisse angelehnt wird. Es finden alle Artikel Berücksichtigung, in denen die Fußballweltmeisterschaft thematisiert wird, unabhängig davon, welchem Ressort sie zugeordnet sind, wobei der Schwer-punkt auf die Berichterstattung rund um das bundesdeutsche Team gelegt werden soll. Auch die von Agenturen übernommene Berichterstattung wird in die Unter-suchung miteinbezogen, da sich alleine in der Veröffentlichung bzw. Ausklam-merung bestimmter Agenturmeldungen politische Positionen festmachen lassen, wie zu zeigen sein wird. Zudem können Veränderungen dieser Artikel von Seiten der Redakteure zumindest auf sprachlicher Ebene nicht ausgeschlossen werden. Als Beginn des Untersuchungszeitraumes bietet sich der Tag nach dem Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen Hannover 96 und dem 1. FC Kaiserslautern am 23. Mai 1954 an, da von diesem Zeitpunkt an eine verstärkte Fokussierung auf die bevorstehende Weltmeisterschaft zu erwarten ist. Das Ende des Untersuchungs-zeitraums soll der 19. Juli 1954 markieren, der Tag nach der Auszeichnung der Weltmeister-Mannschaft mit dem Silbernen Lorbeerblatt durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss im Berliner Olympiastadion. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird der Untersuchungszeitraum in vier größere Abschnitte ge-gliedert. Diese sind:

1. Der Zeitraum vor der Weltmeisterschaft (24. Mai – 16. Juni 1954)
2. Die Vorrundenspiele (17. Juni – 24. Juni 1954)
3. Die Finalspiele (25. Juni – 05. Juli 1954)
4. Die Zeit nach der Weltmeisterschaft (06. Juli – 20. Juli 1954)

Den einzelnen Untersuchungsabschnitten soll jeweils eine kurze Schilderung der wichtigsten Ereignisse vorangestellt werden, um beim Leser eine bessere Verständ-lichkeit zu gewährleisten, wobei von einer ausführlichen Darstellung der Spielverläu-fe aufgrund der relativ geringen Relevanz für die Untersuchung abgesehen wird. Den vier Analyseeinheiten folgt jeweils eine kurze Präsentation der signifikantesten Inter-pretationsresultate dieses Abschnittes nach.

Die Arbeit endet mit einer Schlussbetrachtung, in der die essenziellen Ergebnisse der Analyse zusammengefasst und bewertet werden. Außerdem werden aufgetretene Probleme bei der Bearbeitung des Themas ebenso diskutiert wie neue Frage-stellungen für zukünftige Untersuchungen, die sich aus den gewonnenen Erkennt-nissen ableiten lassen. Abgerundet wird die Studie durch das im Anhang beigefügte Interview mit dem Kölner Journalisten Jupp Müller, der während des Unter-suchungszeitraumes als Sportredakteur für den Kölner Stadt-Anzeiger arbeitete und vor Ort vom Halbfinale der bundesdeutschen Auswahl gegen Österreich berichtete. Seine Ausführungen, die sich größtenteils mit den während der Analyse gewonnenen Erkenntnissen decken, fließen an einigen Stellen in die Beurteilung des Daten-materials ein.

2. Historische Rahmenbedingungen

2.1 Politik und Gesellschaft

2.1.1 Die politische Situation Deutschlands bis zur Gründung der Bundesre-publik 1945-1949

Der 8. Mai 1945 markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der deutschen Geschichte. Bevollmächtigt durch Hitlers Nachfolger als Reichspräsident, Groß-admiral Dönitz, unterzeichnete Generaloberst Jodl an diesem Tag im Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte in Reims die bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Mit dem Zweiten Weltkrieg fand damit der grausamste und blutigste Krieg der menschlichen Geschichte zumindest in Europa sein Ende. Trotz der Tatsache, dass die Kapitulation in ihrem Kern ein rein militärischer Vorgang blieb, bedeutete dieses Datum faktisch auch den politischen Untergang des deutschen Staates. Großadmiral Dönitz und dessen Geschäftsführende Reichsregierung wurden am 23. Mai in Flensburg von britischen Soldaten festgenommen.

Bereits während des Krieges hatten Großbritannien, die USA und die Sowjetunion auf mehreren Konferenzen über die zukünftige Verwaltung eines besiegten Deutschlands diskutiert. Während der Konferenz von Jalta vom 4. bis 11. Februar 1945 einigten sich die Alliierten auf Empfehlung der European Advisory Commission (EAC), die aus Vertretern der drei Siegermächte Großbritannien, USA und Sowjetunion gebildet worden war, auf die Aufteilung Deutschlands in drei Besatzungszonen. Außerdem wurde Frankreich eingeladen, ebenfalls eine Besatzungszone und einen Sitz in dem zu gründenden Kontrollrat zu übernehmen, der aus den Oberbefehlshabern der Besatzungsarmeen bestehen und alle Angelegenheiten regeln sollte, die Deutschland als Ganzes betrafen.

Am 5. Juni 1945 gaben die mittlerweile vier Siegermächte – Frankreich hatte der Regelung von Jalta zugestimmt – in Berlin die „Erklärung in Anbetracht der Niederlage Deutschlands und der Übernahme der obersten Regierungsgewalt hinsichtlich Deutschlands“[7] bekannt. Deutschland wurde auf der Grundlage der Grenzen vom 31. Dezember 1937 in vier Besatzungszonen unterteilt, die Hauptstadt Berlin in vier Sektoren gegliedert. Ohne Rücksprache mit den anderen Alliierten zu halten, übergab Stalin in der Folge die eigentlich zur sowjetischen Besatzungszone gehörenden Gebiete Ostpreußen, Schlesien und Pommern (bis auf den nördlichen Teil Ostpreußens) an die neu eingesetzte, pro-sowjetische Regierung Polens. Auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 wurde dieses eigenmächtige Vorgehen der Sowjets durch die Amerikaner und Briten unter der Bedingung ge-billigt, dass Stalin sich mit dem amerikanischen Vorschlag zur Reparationsfrage ein-verstanden erklärte. Dieser sah vor, dass jede Siegermacht ihre Reparationsan-sprüche nur aus der eigenen Besatzungszone befriedigen sollte.

Durch die von den Sowjets initiierte Westverschiebung Polens und dem damit einsetzenden Flüchtlingsstrom Richtung Westen erhöhte sich die deutsche Bevöl-kerungszahl in den vier Besatzungszonen von knapp 50 Millionen 1939 auf nun 66 Millionen. Demgegenüber stand ein durch die Bombardements der Alliierten in den letzten Kriegsjahren entstandener eklatanter Wohnungsmangel. Fast 5 Millionen Wohnungen war entweder ganz zerstört oder stark beschädigt worden. Genauso katastrophal stellte sich die Ernährungslage dar. Die Kalorienzahl pro Kopf, die auf Lebensmittelkarten festgelegt wurde, lag 1946 je nach Besatzungszone nur zwischen knapp 1000 und 1330 Kalorien, wobei aufgrund der Nahrungsmittelknappheit oft-mals noch nicht einmal diese Menge ausgegeben werden konnte.

Unter dem Eindruck der französischen Blockadepolitik im Kontrollrat, die jegliche Bildung von zentralen Verwaltungsstellen verhinderte und der eigenmächtigen, auf die Einführung einer sozialistischen Planwirtschaft abzielenden Politik der Sowjets in ihrer Besatzungszone versuchten Großbritannien und die USA der schlechten wirtschaftlichen Situation in Deutschland dadurch Herr zu werden, dass sie ihre Besatzungszonen am 1. Januar 1947 zu einer wirtschaftlichen Einheit, der so genannten Bizone, zusammenlegten.

Auf den beiden ergebnislos verlaufenden Außenministerkonferenzen des Jahres 1947[8] verfestigten sich die gegensätzlichen Standpunkte der Alliierten in der Deutschlandfrage. Der sowjetische Außenminister Molotow verlangte wiederholt die Rücknahme der Entscheidung zur Errichtung der Bizone und forderte utopische Reparationssummen. Für die Amerikaner und Briten bedeutete das Scheitern vor allem der Londoner Konferenz, dass mit der UdSSR eine gemeinsame Deutschlandpolitik zu diesem Zeitpunkt nicht mehr realistisch war. Von da an forcierten sie die Zusammenlegung der drei westlichen Zonen nicht nur zu einer wirtschaftlichen, sondern auch politischen Einheit.

Während der Sechs-Mächtekonferenz in London, die – mit Unterbrechung – vom 23. Februar bis zum 2. Juni 1948 dauerte, beschlossen die teilnehmenden Nationen Großbritannien, USA, Frankreich und die Benelux-Staaten neben einer sicher-heitspolitischen Zusammenarbeit auch die Zusammenlegung der drei westlichen Besatzungszonen und die Gründung eines Weststaates. Die drei westlichen Militär-gouverneure überreichten daraufhin am 1. Juli 1948 den deutschen Ministerpräsi-denten ihrer Besatzungszonen die so genannten Frankfurter Dokumente, in denen die Landesoberhäupter aufgefordert wurden, eine Verfassungsgebende Versammlung einzuberufen, um eine Verfassung für ein föderalistisch organisiertes Staatsgebilde zu erarbeiten. Am 20. Juni 1948 war durch die Währungsreform in den Westzonen bereits die wirtschaftliche Einheit hergestellt worden[9].

Nach einigen Diskussionen zwischen den Ministerpräsidenten und den westlichen Alliierten über Vorgehensweise und Begriffsbestimmungen[10] konstituierte sich am 1. September 1948 in Bonn der Parlamentarische Rat aus Vertretern der einzelnen Landtage, um das Grundgesetz der zukünftigen Bundesrepublik Deutschland zu erarbeiten. Dieses wurde schließlich am 8. Mai 1949 verabschiedet und – nach der Genehmigung durch die drei westlichen Militärgouverneure – am 23. Mai feierlich verkündet. Allerdings war die Bundesrepublik damit noch kein souveräner Staat. In dem so genannten Besatzungsstatut behielten sich die Alliierten wichtige Befugnisse vor, so zum Beispiel auf dem Gebiet der Abrüstung, der Ruhrkontrolle, der Reparationen, des Außenhandels und der Auswärtigen Angelegenheiten. Änderungen des Grundgesetzes konnten nur mit Genehmigung der Besatzungsbehörden erfolgen. Außerdem waren die Besatzungsmächte jederzeit berechtigt, „die Ausübung der vollen Gewalt ganz oder teilweise wieder zu übernehmen, wenn sie dies für unerläßlich erachten für die Sicherheit oder zur Aufrechterhaltung der demokra-tischen Ordnung in Deutschland.“[11] Als Kontrollorgan wurde die Alliierte Hohe Kommission mit jeweils einem Mitglied aus Frankreich, Großbritannien und den USA eingesetzt.[12]

2.1.2 Die Westintegration der Bundesrepublik und der Weg in die Souveränität (1949-1955)

Der Zeitraum von der bundesrepublikanischen Staatsgründung 1949 bis zur Mitte der 50er Jahre waren vor allem geprägt durch den sich abzeichnenden wirtschaftlichen Aufschwung und die schrittweise Integration der BRD in das westliche Staatenbündnis, die von der 1949 gewählten und 1953 im Amt bestätigten Regierung unter Bundeskanzler Konrad Adenauer forciert wurde. So trat die Bundesrepublik am 13. Juli 1950 als assoziiertes Mitglied dem Europarat bei, einem losen Staaten-bündnis, das sich 1949 konstituiert hatte und dem Großbritannien, Frankreich, Ita-lien, die Benelux-Staaten, Dänemark, Schweden, Norwegen und Irland angehörten. Ein Jahr später wurde sie vollwertiges Mitglied. Weitere entscheidende Schritte auf dem Weg zu einer gleichberechtigten Partnerschaft mit dem Westen stellte die Mitgliedschaft in der Montanunion[13] und die Revision des Besatzungsstatutes dar, die der Bundesrepublik unter anderem erweiterte Kompetenzen im Bereich der Auswärtigen Beziehungen gestattete. Die endgültige Abschaffung des Besatzungs-statutes und der Alliierten Hohen Kommission und damit die fast vollständige Souveränität der Bundesrepublik wurde zwar am 26. Mai 1952 im so genannten Generalvertrag zwischen Adenauer und den Außenministern der drei westlichen Alliierten beschlossen, trat aber in dieser Form nie in Kraft, da die französische Nationalversammlung 1954 den Vertrag über die Europäische Verteidigungs-gemeinschaft (EVG)[14] ablehnte, und die Gültigkeit des Generalvertrages an das Zustandekommen des EVG-Vertrages gekoppelt war. Somit konnte die vollständige Westintegration der Bundesrepublik und deren Souveränität erst nach weiteren Verhandlungen in London und Paris hergestellt werden. In den Pariser Verträgen vom Oktober 1954 wurde unter anderem die Gründung der Westeuropäischen Union (WEU)[15], der Beitritt der Bundesrepublik zur Northern Atlantic Treaty Organization (NATO) und eine Modifizierung des Generalvertrages beschlossen. Nach der Zustimmung des Deutschen Bundestages traten die Pariser Verträge am 5. Mai 1955 in Kraft: Das Besatzungsstatut verlor seine Gültigkeit, die Bundesrepublik war souverän. Am 07. Mai 1955 wurde sie Mitglied der WEU, zwei Tage später trat sie der NATO bei.[16]

2.1.3 Die Sonderrolle des Saarlandes

Vor allem aus Interesse an den reichen Kohlevorkommen setzten die Franzosen eine Abtrennung des Saarlandes von ihrer Besatzungszone und dessen schrittweise Ein-gliederung in das französische Zoll- und Währungsgebiet durch. Im Dezember 1946 errichteten sie eine Zollgrenze zwischen dem Saarland und dem übrigen Deutsch-land. Am 15. Dezember 1947 verabschiedete der von der pro-französischen Christ-lichen Volkspartei (CVP) dominierte Landtag eine Verfassung, in deren Präambel nicht nur der wirtschaftliche Anschluss an Frankreich festgestellt, sondern auch die Landesverteidigung und die Wahrung der saarländischen Interessen im Ausland in die Hände Frankreichs gelegt wurde. Ab dem 1. April 1948 war das Saarland kom-plett in das französische Zoll- und Währungsgebiet integriert, im Juli 1948 wurde eine eigene saarländische Staatsangehörigkeit eingeführt. Mit dem Verbot der gegen eine zu enge Anlehnung an Frankreich protestierenden Opposition schwand jedoch 1951/52 die Zustimmung der saarländischen Bevölkerung zur Politik der CVP, so dass die Volksabstimmung über das Saarstatut, dass eine Europäisierung des Saar-landes mit starken wirtschaftlichen Bindungen an Frankreich vorsah, am 23.10.1955 eine deutliche Ablehnung dieser Lösung erbrachte. Daraufhin erklärte sich Frankreich bereit, das Saarland wieder mit der BRD zu vereinigen. Im Luxemburger Saarvertrag vom 27. Oktober 1956 wurde die politische Eingliederung zum 1. Januar 1957, die wirtschaftliche Reintegration zum 31. Dezember 1959 beschlossen.[17]

2.1.4 Die wirtschaftliche Konsolidierung der BRD und der Beginn des ‚Wirt-schaftswunders‘

Nach anfänglichen Schwierigkeiten als direkter Folge der Währungsreform[18] entwickelte sich auch die bundesdeutsche Wirtschaftspolitik in den 50er Jahren immer mehr zur Erfolgsstory. Die Arbeitslosenzahlen sanken ab 1950 kontinuierlich, die Industrieproduktion erreichte ebenfalls 1950 erstmals wieder den Wert von 1936 und 1952 wurde zum ersten Mal ein Außenhandelsüberschuss erwirtschaftet. Diese rasante Entwicklung, die bis Mitte der 60er Jahre anhielt, muß in einem multi-kausalen Zusammenhang gesehen werden. Neben der Marshallplan -Hilfe[19] kam der deutschen Wirtschaft vor allem der 1950 beginnende Korea-Krieg[20] zu Gute. Mit ihm stieg die weltweite Nachfrage nach den aufgrund der geringen Produ-ktionskosten günstigen Rohstoffen aus Deutschland. Die durch Kriegsschäden und alliierte Demontagen unbrauchbaren deutschen Industrieanlagen wurden nun mit staatlicher Unterstützung wieder aufgebaut und hatten dadurch den entscheidenden Modernitätsvorteil gegenüber der ausländischen Konkurrenz. Ein weiterer Grund für den wirtschaftlichen Aufschwung ergab sich aus der Situation der Vertriebenen. Die aus Pommern, Schlesien, Ostpreußen und der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) geflohenen Deutschen stellten billige Arbeitskräfte dar, die aufgrund ihrer Entwurzelung leichter dort angesiedelt werden konnten, wo sie von der Wirtschaft gebraucht wurden.[21]

2.1.5 Die bundesrepublikanischen Lebensumstände Mitte der 50er Jahre

Trotz der wirtschaftlichen Konsolidierung ist es verfrüht, die bundesrepublikanischen Lebensumstände Mitte der fünfziger Jahre als die einer Wohlstandsgesellschaft zu kennzeichnen, wie folgende Fakten verdeutlichen sollen: So erreichte die durch-schnittlich pro Bundesbürger zur Verfügung stehende Kalorienzahl erst 1953/54 wie-der den Stand der Vorkriegsjahre. Der Konsumschwerpunkt lag dementsprechend auf dem Einkauf von Nahrungsmitteln, Kleidern und elementaren Haushalts-gegenständen. An den Erwerb von Luxusgütern wie Fernsehgeräten oder Autos war in den meisten Haushalten zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken. 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung lebte 1955 noch immer in Haushalten mit einem Ein-kommen von weniger als 250 DM im Monat und damit am Rande des Existenz-minimus. Über die Hälfte der Bevölkerung hatte zum selben Zeitpunkt inklusive Bad und Küche nur drei Wohnräume zur Verfügung, nur ein Zehntel besaß einen Kühlschrank und nur jeder Fünfte hatte seit Einführung der DM eine Auslandsreise unternommen, wobei sich dies zudem in den meisten Fällen auf einen Urlaub in benachbarten Ländern beschränkte. Der Weg in die Wohlstandsgesellschaft zeichnete sich erst in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre mit einer stark zu-nehmenden Penetration der Bevölkerung mit PKWs, TV-Geräten und anderen Luxusgütern ab.[22]

2.1.6 Die Einstellung der bundesdeutschen Gesellschaft zu Politik, Staat und Demokratie

Die Identifikation mit dem neu geschaffenen Staatsgefüge Bundesrepublik Deutschland fiel einem Großteil der westlichen Bevölkerung lange Zeit schwer. Dies lag zum einen an der Tatsache, dass die meisten Deutschen Anfang der 50er Jahre die Teilung Deutschlands nur für einen kurzfristigen Zustand hielten, der mit einem zu vereinbarendem Friedensvertrag sein baldiges Ende finden würde. Der provi-sorische Charakter des Staatsgebildes wurde ja auch ganz bewusst von den Politikern in der Benennung der ausgearbeiteten Verfassung als Grundgesetz dokumentiert und in der dortigen Präambel festgehalten.[23] Hinderlich für eine bessere Akzeptanz der BRD in der Bevölkerung war zudem, dass die Staatsgründung in den Augen vieler als von den westlichen Besatzungsmächten oktroyiert und nicht dem Willen der Bevölkerung entsprechend angesehen wurde. Für die ca. sechs Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Grenze und den volks-deutschen Siedlungsgebieten in Südost- und Osteuropa wurde dieser Identifi-zierungsprozess aufgrund des Verlustes der Heimat noch erschwert. Einen empi-rischen Beleg für die Aktzeptanzprobleme der jungen Bundesrepublik liefert eine Studie des Instituts für Demoskopie, die für die frühen 50er Jahre einen extrem niedrigen Prozentsatz an Bundesbürgern ausweist, die die Frage, wann es Deutschland im 20. Jahrhundert am besten gegangen sei, mit ‚gegenwärtig‘ beantworteten[24], wobei hier sicherlich auch die im vorangegangenen Kapitel 2.1.5 geschilderten, gravierenden privatwirtschaftlichen Probleme zu berücksichtigen sind.

Ein weiteres signifikantes Merkmal der bundesrepublikanischen Gesellschaft der 50er Jahre war die unpolitische Grundhaltung weiter Teile der Bevölkerung. Neben der Tatsache, dass für die meisten zunächst die reine Existenzsicherung im Vor-dergrund stand, spielten hier vor allen Dingen die Negativerfahrungen derer eine Rolle, die sich in der Weimarer Republik oder der Nazizeit politisch engagiert hatten und dafür benachteiligt oder verfolgt wurden. So lag die Quote derjenigen, die die Frage, ob man sich für Politik interessiere, positiv beantworteten, Anfang der 50er Jahre bei unter 30 Prozent.[25] Die Generation der in den 20er Jahren Geborenen wurde zudem nach zwölf Jahren Diktatur zum ersten Mal mit einer demokratischen Staatsform konfrontiert, was zunächst bei vielen zu einer abwartenden, skeptischen Grundhaltung führte. Diese Skepsis dokumentiert sich exemplarisch in der Tatsache, dass zu Beginn der 50er Jahre weniger als die Hälfte der Bundesbürger die Arbeit des Bundestages als positiv einstuften.[26]

Ebenfalls von Relevanz für die vorliegende Studie ist die Selbstwahrnehmung der Bevölkerung bezüglich der internationalen Beziehungen und des bundesdeutschen Status im Ausland. So gaben 1951 nur 8% der Bundesbürger an, die Bundesrepublik sei als vollwertiges Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft anzusehen. Diese Zahl ist als Indiz für die von den eigenen Bürgern subjektiv empfundene und erlebte Außenseiter Rolle des jungen bundesdeutschen Staates zu werten.[27]

Der geistigen, in vielen Fällen auch geografischen Entwurzelung und der Orientierungslosigkeit durch den Wegfall lange Zeit gültiger Normen und Werte wurde mit einem Rückzug ins Private und einer von Besessenheit gekennzeichneten Konzentration auf die zu leistende Aufbauarbeit und der Bekämpfung der finanziellen und wirtschaftlichen Notlage begegnet. Der Publizist Paul Schallück spricht in diesem Zusammenhang von einem „Taumel maßloser Tüchtigkeit“[28]. Ent-sprechend der harten, oftmals physisch erschöpfenden Arbeit und der Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit, die der zurückliegenden, kriegsbedingten Zwangsmobilität entsprang, war die karge Freizeit größtenteils durch häusliche, familiäre Aktivitäten (bzw. Passivitäten) geprägt. Daneben war ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis festzu-stellen verbunden mit der Angst vor einem erneuten Weltkrieg oder einer neuerlichen Wirtschaftskrise. Dies offenbarte sich beispielsweise in der Tatsache, dass der Zu-wachs an Sparrücklagen den der Lohnsteigerung trotz der vielerorts bestehenden materiellen Armut übertraf.[29]

[...]


[1] J. Schweer, ‚Der Sieg von Bern‘ V. Fußballweltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, Kassel 1994, S. 11.

[2] Vgl. S. Reinermann, Der gesellschaftliche Stellenwert von Fußballweltmeisterschaften im Wan-del der Zeit: Ein Vergleich der Turniere von 1954 und 1998, Diplom-Arbeit DSHS Köln, Köln 1999, S. 36-43.

[3] Vgl. C. Lammertz, Die Berichterstattung der Tageszeitung über die Fußballweltmeisterschaften 1954, ´74 und ´90, Dipl.-Arbeit DSHS Köln, Köln 1995, S. 51-55.

[4] Vgl. A. Heinrich, Tooor! Toor! Tor! 40 Jahre 3:2, Nördlingen 1994, S.108-133.

[5] Vgl. Heinrich, Tor!, S. 14.

[6] A. Frei, Finale Grande 1954 – Die Rückkehr der Fußballweltmeister, Berlin 1994, S. 28-29.

[7] „Erklärung in Anbetracht der Niederlage Deutschlands und der Übernahme der obersten Regie-rungsgewalt hinsichtlich Deutschlands“, in: Amtsblatt der Militärregierung Deutschland. Britisches Kontrollgebiet Nr. 5, [o.O.u.J.] (Da es sich bei der recherchierten Quelle allem An-schein nach um eine im Format von der Originalausgabe abweichende Zusammenstellung mehrer-er Amtsblätter handelt, soll an dieser Stelle und bei allen folgenden Literaturangaben, die sich auf Verordnungen der Besatzungsmächte beziehen, auf eine Seitenangabe verzichtet werden, um Missverständnisse auszuschließen.).

[8] Moskauer Außenministerkonferenz vom 10. März. bis 24. April 1947, Londoner Außenmini-sterkonferenz vom 25. November bis 12. Dezember 1947.

[9] In Zusammenarbeit mit deutschen Experten hatten die westlichen Alliierten einen Plan aus-gearbeitet, der die Ablösung der inflationären Reichsmark durch die Deutsche Mark vorsah. 40 Reichsmark konnten sofort in 40 Deutsche Mark (DM) umgetauscht werden, einen Monat später erhielt jeder Bewohner der westlichen Zonen nochmals 20 DM. Während Löhne, Gehälter und Renten im Verhältnis 1:1 umgewandelt wurden, wurden Guthaben zu einer Hälfte im Verhältnis 100:10, die andere Hälfte im Verhältnis 100:6,5 getauscht, um die umlaufende Geldmenge zu reduzieren. Die Obergrenze des sich in Umlauf befindlichen Geldes wurde auf 10 Milliarden DM festgelegt.

[10] Die Ministerpräsidenten wollten den provisorischen Charakter der Staatsgründung betonen und setzten daher die Umbenenunng der Verfassungsgebenden Versammlung in Parlamentarischen Rat durch. Dieser sollte auch keine Verfassung erarbeiten, sondern ein so genanntes ‚ Grund-gesetz ‘. Außerdem wurde das Grundgesetz nicht durch eine Volksabstimmung verabschiedet, son-dern von den Landtagen ratifiziert.

[11] „Besatzungstatut“, in: Amtsblatt der Hohen Alliierten Kommission in Deutschland, Nr. 1, Bonn 23. September 1949.

[12] Vgl. zu diesem Kapitel P. Borowsky, Deutschland 1945-1969, Hannover 1993, S. 11-79.

[13] Mitglieder der am 24. Juli 1952 entstandenen Montanunion, auch Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS ) genannt, waren neben der Bundesrepublik Frankreich, Italien und die Benelux-Staaten. Für den Handel zwischen den Mitgliedsländern mit Kohle, Eisen und Stahl entfielen fortan die Zollbeschränkungen. Durch die deutsche Mitgliedschaft endete auch jegliche Kontrolle und Einflußnahme der westlichen Alliierten im Bereich der deutschen Schwerindustrie.

[14] Die EVG ging auf einen Vorschlag des französischen Verteidigungsminister Rene Pleven zur Etablierung einer europäischen Armee zurück. An ihrer (vorläufigen) Gründung am 27. Mai 1952 beteiligten sich neben Frankreich und der Bundesrepublik auch Italien und die Benelux-Staaten.

[15] Die WEU war die Nachfolgeorganisation des am 17. März 1948 von Frankreich, Großbritannien und den Benelux-Staaten gegründeten Brüsseler Paktes zur gegenseitigen militärischen Unter-stützung im Falle eines feindlichen Angriffs.

[16] Vgl. zu diesem Kapitel Borowsky, Deutschland 1945-1969, S. 135-152.

[17] Vgl. zu diesem Kapitel Borowsky, Deutschland 1945-1969, S. 34-35 und S. 155-156; vgl. ebenso Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Die Teilung Deutschlands 1945-1955 (= Informationen zur politischen Bildung, Band 232), München 1991, S. 14.

[18] Nach der Etablierung der Währungsreform konnten nur noch solche Arbeitnehmer beschäftigt werden, die auch produktiv einsetzbar waren. Somit stieg die Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent im Juni 1948 auf 12,2 Prozent Anfang 1950.

[19] Der Marshall-Plan, auch European Recovery Program (ERP) genannt, ging auf eine Idee des da-maligen US-Außenministers George C. Marshall zurück, der den vom Krieg gebeutelten euro-päischen Nationen finanzielle Unterstützung beim wirtschaftlichen Wiederaufbau zukommen las-sen wollte, um neue Handelspartner zu gewinnen und gleichzeitig den Einfluss des Kommunismus in Europa einzudämmen. Insgesamt erhielten die 17 beteiligten Nationen in den Jahren der Mar-shall-Plan -Hilfe von 1948-1952 Zuwendungen im Wert von 12,4 Mrd. Dollar, der Anteil der Bun-desrepublik betrug ca. 1,5 Mrd. Dollar.

[20] Am 25. Juni 1950 kam es zwischen dem kommunistischen Norden und dem Süden Koreas zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Nachdem nordkoreanische Truppen die südkoreanische Stadt Seoul besetzt hatten, entsandte der Sicherheitsrat der UNO von den US-Amerikanern dominierte Truppen zur Befreiung des Südens. Gegen den Willen der südkoreanischen Führung und nach zähen Verhandlungen wurde schließlich am 27. Juli 1953 vom amerikanischen und nordkoreanischen Chefdelegierten ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet.

[21] Vgl. zu diesem Kapitel Borowsky, Deutschland 1945-1969, S. 85-94.

[22] Vgl. zu diesm Kapitel Borowsky, Deutschland 1945-1969, S. 117.

[23] Vgl. F. Giese/E. Schunck (Hrsg.), Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt am Main 1970, S. 10-11.

[24] Vgl. E. Noelle-Neumann/E. Piehl (Hrsg.), Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie 1978-1983, Band VIII, München 1983, S. 187.

[25] Vgl. H.O. Luthe/H. Meulemann (Hrsg.), Wertwandel – Faktum oder Fiktion?, Frankfurt am Main – NewYork 1988, S. 61.

[26] Vgl. EMNID (Hrsg.), EMNID-Informationen, 4/1983, [o.O.] 1983, S. 11.

[27] Vgl. EMNID (Hrsg.), EMNID-Informationen, 2-3/1987, [o.O.] 1987, S. 31-35.

[28] P. Schallück, „Von deutscher Tüchtigkeit“, in: P. Schallück, Zum Beispiel. Essays, Frankfurt am Main 1962, S. 10.

[29] Vgl. zu diesem Kapitel F.Ph. Lutz, „Empirisches Datenmaterial zum historisch-politischen Be-wußtsein“, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Bundesrepublik Deutschland. Geschichte · Bewußtsein (= Studien zur Geschichte und Politik, Band 273) Bonn 1989, S. 150-169; vgl. ebenso A. Schildt, „Massenmedien im Umbruch der fünfziger Jahre“, in: Jürgen Wilke (Hrsg.), Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland (= Studien zur Geschichte und Politik, Band 361) Bonn 1999, S. 633-648.

Details

Seiten
162
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638271530
ISBN (Buch)
9783656069003
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24238
Institution / Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln – Institut für Sportgeschichte
Note
1,3
Schlagworte
Dimension Fußball-WM-Sieges Eine Analyse Kölner Tagespresse

Autor

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Titel: Die gesellschaftspolitische Dimension des bundesdeutschen Fußball-WM-Sieges 1954: Eine Analyse der Kölner Tagespresse