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Soziale und Emotionale Intelligenz - Begriff: Geschichte, Facetten, Messung

Seminararbeit 2004 29 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Begriffliche Bestimmungen
1.1 Intelligenz
1.2 Emotion
1.3 Emotionale Intelligenz

2 Zur Entstehung der Emotionalen Intelligenz
2.1 Edward Lee Thorndike
2.2 Howard Gardner
2.3 Peter Salovey und John Mayer

3 Komponenten der Emotionalen Intelligenz
3.1 Selbstwahrnehmung
3.2 Selbstregulierung
3.3 Motivation
3.4 Empathie
3.5 Soziale Kompetenz
3.6 Kommunikationsfähigkeit

4 Messung der Emotionalen Intelligenz
4.1 EQ-i Test
4.2 MEIS-Test

5 Emotionale Intelligenz - alter Wein in neuen Schläuchen?

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Bücher

Zeitschriften

Zeitungen

Internet

Abbildungsverzeichnis

„Man sieht nur mit dem Herzen gut,

das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Antoine de Saint - Exupery, Der kleine Prinz

Einleitung

Seit Ende der 90er-Jahre hat ein Begriff weit über die Psychologie als Wissenschaft hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt, der im Rahmen dieser Seminararbeit in seiner Entstehung, seinen Komponenten und seiner Messung einer kritischen Analyse unterzogen werden soll. Die Rede ist von der Emotionalen Intelligenz[1].

Da es uns aufgrund der Begrenztheit dieser Arbeit nicht möglich ist, dieses sehr umfassende Thema auf Vollständigkeit zu bearbeiten, beschränken wir uns auf folgende Punkte:

Im ersten Kapitel werden die beiden Begriffe Intelligenz und Emotion erläutert, um dem Leser eine Abgrenzung zum Konstrukt der Emotionalen Intelligenz zu erleichtern, welches im Anschluss anhand verschiedenster Definitionen veranschaulicht werden soll.

Anschließend wird im zweiten Kapitel auf die Entstehung des Konzepts der Emotionalen Intelligenz und ihre bekanntesten Vertreter eingegangen.

Das dritte Kapitel stellt die Fähigkeiten nach Salovey dar, die einen emotional intelligenten Menschen ausmachen.

Im vierten Kapitel werden die bekanntesten Methoden, mit denen man versucht, dieses Intelligenzkonstrukt quantitativ zu messen, vorgestellt.

Das fünfte Kapitel geht der Frage nach, ob es sich bei der Emotionalen Intelligenz um etwas grundlegend Neues handelt oder ob damit lediglich Bestehendes unter neuem Namen populär gemacht wurde.

1 Begriffliche Bestimmungen

1.1 Intelligenz

Was man sich unter dem Begriff der Intelligenz vorzustellen hat, darüber scheint es im Alltagsgebrauch kaum Missverständnisse zu geben. Auch etymologisch betrachtet, scheint es nicht schwer Intelligenz zu beschreiben. Vom lateinischen „intellegere“abgeleitet, das „wahrnehmen“ und „unterscheiden“ bedeutet, ist unter Intelligenz soviel wie Verständnis, Erkenntnis-, und Denkfähigkeit, Klugheit zu verstehen[2].

In der wissenschaftlichen Psychologie jedoch, konnte man sich bisher auf keine eindeutige Definition einigen. So gab und gibt es unzählige Ansätze dieses Konstrukt zu erklären, was im Folgenden ersichtlich wird.

Wechsler verstand unter Intelligenz

„…ein hypothetisches Konstrukt, […] die zusammengesetzte oder globale Fähigkeit des Individuums zielgerichtet zu handeln, rational zu denken und sich wirkungsvoll mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Sie ist zusammengesetzt oder global, weil sie aus Elementen oder Fähigkeiten besteht, die, obwohl nicht völlig unabhängig, qualitativ unterscheidbar sind"[3].

Bei Binet und Simon (1905) ist sinngemäß Gleiches in deren Definition zu lesen:"die Art der Bewältigung einer aktuellen Situation, […], gut urteilen, gut verstehen und gut denken"[4].

Entsprechendes beinhalten auch folgende Auslegungen: "Intelligenz ist die Fähigkeit zur Erfassung und Herstellung von Bedeutungen, Beziehungen und Sinnzusammenhängen"[5]oder

"Intelligenz ist die Fähigkeit des Individuums, anschaulich oder abstrakt in sprachlichen, numerischen oder raum-zeitlichen Beziehungen zu denken; sie ermöglichen erfolgreiche Bewältigung vieler komplexer und mit Hilfe jeweils besonderer Fähigkeitsgruppen auch ganz spezifischer Situationen und Aufgaben"[6].

Stern (1912) legt die Betonung in seiner Definition mehr auf die Neuartigkeit der zu bewältigenden Situationen und Aufgaben, indem er schreibt:

"Intelligenz ist die allgemeine Fähigkeit eines Individuums, sein Denken bewusst auf neue Forderungen einzustellen; sie ist allgemeine geistige Anpassungsfähigkeit an neue Aufgaben und Bedingungen des Lebens"[7]

oder zu einem späteren Zeitpunkt:

"Intelligenz ist die personale Fähigkeit, sich unter zweckmäßiger Verfügung über Denkmittel auf neue Forderungen einzustellen"[8].

Es zeigt sich also, daß es auch für Fachleute nicht einfach ist, eine verbindliche und hinreichend befriedigende Aussage darüber zu machen, was denn nun unter Intelligenz zu verstehen ist. Diese Problematik lässt sich auch aus der Aussage des Harvard Psychologen Boring: „Intelligenz ist das, was Intelligenztests messen.[9]schlussfolgern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass aufgrund der mangelnden Existenz eines klar abgrenzbaren bzw. real bestehenden Phänomens eine einheitliche Definition nicht existiert. Dies ist auch daher unmöglich, da Intelligenz an sich nicht beobachtbar ist, sondern man diese nur aus dem Verhalten einer zu beobachtenden Person erschließen kann.

1.2 Emotion

Über die genaue Bedeutung des Begriffs „Emotion“ diskutieren Psychologen und Philosophen seit über 100 Jahren, ohne zu einer zufrieden stellenden Lösung zu kommen. Emotionen sind unter anderemgefühlsbetonte spontane Grundformen des Erlebens und Denkens, die man bei höheren Tieren und Menschen findet[10], die sich grob in angenehme und unangenehme Gefühle einteilen lassen. Sie haben meist eine Qualität, die die Art der Emotion beschreibt und eine Intensität, mit der die Stärke der Emotion zum Ausdruck kommt.

Es gibt hunderte verschiedener Emotionen, im Folgenden sind die bekanntesten beispielhaft genannt: Trauer, Freude, Ärger, Angst, Mitleid, Enttäuschung, Erleichterung, Stolz, Scham, Schuldgefühl, Neid, Begeisterung, Glück, Liebe, Hass.

In seinem im Jahre 1996 erschienenen Buch "Das Netz der Gefühle" beschreibt Joseph LeDoux Emotionen als "...biologische Funktionen des Nervensystems ..."[11], das heißt, seiner Ansicht nach sind Emotionen abhängig von den jeweils zugrunde liegenden Hirnmechanismen. Vom lateinischen „emovere“, „emotum“ abgeleitet, was soviel wie „herausbewegen“, „erschüttern“ bedeutet, entstand das Wort Emotion, was im heutigen Sprachgebrauch für eine seelische Erregung, eine Gemütsbewegung bzw. –regung steht.

In der Umgangssprache werden Emotionen oft mit Gefühlen gleichgesetzt, jedoch besteht der Unterschied darin, daß eine Emotion eine automatische Reaktion des Körpers auf eine bestimmte Situation darstellt, wobei ein Gefühl erlebt wird, wenn diese Emotionen bewusst wahrgenommen werden[12]. Somit kann man sagen, daß Emotionen unbewusst sind, Gefühle dagegen bewusst.

1.3 Emotionale Intelligenz

In diesem Abschnitt werden wir uns der Bedeutung des Begriffs der Emotionalen Intelligenz widmen, ohne jedoch auf die Entstehung einzugehen, da dies Aufgabe des dritten Kapitels ist.

Mit seinem eher populärwissenschaftlichen Buch, mit dem Titel „Emotional Intelligence. Why it can matter more than IQ“, erregte der amerikanische Wissenschaftsjournalist und ehemalige Harvard Psychologe Daniel Goleman im Jahre 1995 viel Aufsehen und sorgte zugleich dafür, dass der Begriff der Emotionalen Intelligenz in die Alltagssprache einging. Damit ergänzte und erweiterte er den herkömmlichen („akademischen“) Intelligenzbegriff, indem er die Gefühle sowie das Einfühlungsvermögen mit einbezog. Da es sich bei diesem Begriff um eine Wortschöpfung handelt, bedarf es einer genaueren Erklärung, wobei bei aller Begeisterung für dieses Intelligenzkonstrukt festzustellen bleibt, daß Goleman in seinem mehrere hundert Seiten umfassenden Buch dem Leser eine verbindliche und vollständige Definition dieses Begriffs schuldig bleibt. Da sich auch andere Fachleute, die sich mit diesem Begriff beschäftigen, auf keine Definition einigen können, bleibt dieser Begriff inhaltlich vage, was anhand der folgenden Beschreibungen deutlich wird.

„Unter Emotionaler Intelligenz versteht man die Gesamtheit von nicht-kognitiven Eigenschaften, Fähigkeiten und Kompetenzen, die den Menschen in die Lage versetzen, erfolgreich und befriedigend mit den Veränderungen und den Anforderungen der Umwelt und Umgebung umzugehen.“[13]

„Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, die Kraft und den Instinkt von Gefühlen als Quelle für menschliche Energie, Informationen, Verbundenheit und Einfluss zu spüren, zu verstehen und effektiv einzusetzen.“[14]

Lediglich zwei Eigenschaften erscheinen in allen Publikationen:

- Die Emotionale Intelligenz ist ein aktives Können und nicht nur ein passives Erfahren. Essentiell ist der Umgang nicht nur mit den eigenen Gefühlen, sondern auch der mit denen Anderer. Die Emotionale Intelligenz stellt eine Ergänzung zur rationalen Intelligenz dar.
- Es handelt sich um die Begabung, die eigenen Empfindungen zu begreifen, damit umzugehen, sie in die Tat umzusetzen um damit Ziele zu erreichen, sich in andere Menschen einzufühlen und die Beziehung zu anderen Menschen zu gestalten. Die Emotionale Intelligenz beinhaltet also eine Vielfalt von Fertigkeiten im Umgang mit sich selbst sowie mit anderen Menschen. Auf diese Fertigkeiten werden wir in Kapitel drei genauer eingehen.

2 Zur Entstehung der Emotionalen Intelligenz

Nachdem Eingangs einige mögliche Definitionen der Emotionalen Intelligenz aufgezeigt wurden, wird ersichtlich, dass es hierbei nicht nur eine allgemeingültige Definition gibt bzw. geben kann. Vielmehr haben verschiedene Wissenschaftler und Forscher im Laufe der Zeit für ein gewisses Repertoire an Sichtweisen und Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Aspekte bei der Suche nach einer treffenden Definition der Sozialen bzw. Emotionalen Intelligenz gesorgt.

In diesem Abschnitt wird nun auf einige bedeutende Vertreter der Sozialen bzw. Emotionalen Intelligenz genauer eingegangen und somit ein kurzer chronologischer Überblick über die Entwicklung des Begriffs der Sozialen bzw. Emotionalen Intelligenz gegeben.

2.1 Edward Lee Thorndike

Die Ursprünge der Sozialen bzw. Emotionalen Intelligenz sind auf das Jahr 1920 zurückzuführen, als der amerikanische Psychologe Edward Lee Thorndike erstmals den Begriff der Sozialen Intelligenz verwendete. Thorndike wird deshalb heutzutage auch des Öfteren im Volksmund als der „Urvater der Sozialen Intelligenz“ bezeichnet. Der Begriff der Emotionalen Intelligenz ging aus dem der Sozialen Intelligenz hervor und fand aus dieser Perspektive betrachtet sozusagen ebenfalls seinen Ursprung bei Edward Lee Thorndike.

Thorndike unterschied grundsätzlich zwischen folgenden drei Arten von Intelligenzen beim Menschen:

Der abstrakten Intelligenz, bekannter wahrscheinlich unter dem Begriff der akademischen Intelligenz, der mechanischen oder praktischen Intelligenz sowie der Sozialen Intelligenz.[15]

Unter abstrakter oder akademischer Intelligenz verstand Thorndike die Fähigkeit eines Individuums, Symbole zu verstehen und richtig zu benutzen[16], so z.B. die Anleitung zum Zusammenbau eines Kleiderschrankes zu verstehen und in Gedanken so umzusetzen, dass man diesen auch ohne Anleitung zusammenbauen könnte.

Als mechanische oder praktische Intelligenz hingegen bezeichnete Thorndike die Fähigkeit, physikalische Objekte zu verstehen und zu benutzen[17], also dementsprechend geschickt im praktischen Umgang mit Werkzeug zu sein sowie, um beim Beispiel zu bleiben, den Kleiderschrank auch tatsächlich richtig zusammenbauen zu können.

Als Soziale Intelligenz definierte Edward Lee Thorndike schließlich:„The ability to understand and manage men and women, boys and girls - to act wisely in human relations“[18], was sinngemäß ins Deutsche übersetzt soviel bedeutet wie „die Fähigkeit, Männer und Frauen, Jungen und Mädchen zu verstehen und zu leiten - in menschlichen Situationen klug zu handeln“.

Bei genauerer Betrachtungsweise seiner Definition von Sozialer Intelligenz ging es Thorndike also um einen Wahrnehmungs- und einen Handlungsaspekt:„To understand“, das Wahrnehmen bzw. Verstehen sowie das„to manage“, das daraus resultierende Handeln, waren hier die Kernkompetenzen, an denen Thorndike Sozial intelligentes Verhalten festmachte.

In der Ausprägung der Sozialen Intelligenz spiegelte sich laut Thorndike demzufolge vor allem der Grad der Fähigkeit eines Individuums wieder, Kontakt zu Anderen aufzunehmen und mit diesen dann auch zu kommunizieren[19], d.h. Soziale Intelligenz war bei Thorndike eng verwandt mit der Fähigkeit und dem Willen eines Menschen, sich kommunikativ und aufgeschlossen gegenüber anderen Menschen zu verhalten.

Thorndikes Definition von Sozialer Intelligenz stieß bereits zur damaligen Zeit auf erhebliches Interesse in der Öffentlichkeit und wurde schon bald von anderen Forschern aufgegriffen, die seine Definition zu operationalisieren versuchten. Zudem entwickelte sich auf dem Gebiet der Personenwahrnehmung und –beurteilung zu dieser Zeit ein Forschungsdrang, der ähnliche Fähigkeiten, wie sie Thorndike in seiner Definition von Sozialer Intelligenz festmachte, untersuchen wollte. Letztendlich gelang Thorndike jedoch trotzdem kein „Durchbruch“ mit seiner Definition der Sozialen Intelligenz, die damaligen Wissenschaftler und Forscher waren sich zwar weitgehend einig, dass es eine derartige Intelligenz bei den Menschen geben müsse, bei der Definition dieser Intelligenz gingen die Meinungen jedoch weit auseinander.

Thorndike erschuf keine universell gültige und allgemein akzeptierte Definition von Sozialer Intelligenz, womit sich auch keine forschungsüberschreitende einheitliche Strategie bei der Untersuchung und Bewertung Sozialer Intelligenz auf den verschiedenen Feldern der Wissenschaft und Forschung zur damaligen Zeit ergab.

[...]


[1]Die Begriffe „Emotionale / Soziale Intelligenz“ werten wir in dieser Arbeit als stehende Begriffe

und werden sie daher stets groß schreiben.

[2]vgl. Brockhaus: http://www.xipolis.net

[3]Wechsler, 1964, S. 13.

[4]Binet/Simon nach Amelang/ bartussek 1994, S. 177.

[5]Wenzl, 1957, S. 14.

[6]Groffmann, 1964, S. 190.

[7]Stern, 1912, S. 3.

[8]Stern, 1950, S. 424.

[9]http://www.psychologie.de/newsticker/artikel.php?nummer=3706

[10]http://de.wikipedia.org/wiki/Emotion

[11]LeDoux, 1996, S. 14 f.

[12]Klein, Stefan, 2003, S. 35

[13]Reuven Bar-On, 2000

[14]Robert K.Cooper & Ayman Sawaf, Emotionale Intelligenz für Manager, München 1999

[15]vgl. Thorndike, E.L. (1920), 140/1920, S. 227-235.

[16]vgl. ebd., S. 227-235.

[17]vgl. ebd., S. 227-235.

[18]ebd., Seite 228.

[19]vgl. ebd., S. 227-235.

Details

Seiten
29
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638272209
Dateigröße
686 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24322
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Lehrstuhl für Personalwesen
Note
2,3
Schlagworte
Soziale Emotionale Intelligenz Begriff Geschichte Facetten Messung Sozialkompetenz Emotionsarbeit

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