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Realismus und Neorealismus in den Internationalen Beziehungen

Seminararbeit 2004 16 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Realismus und Neorealismus
2.1. Realismus nach Hans J. Morgenthau
2.1.1. Historischer Hintergrund
2.1.2. Gegenstand und Akteure
2.1.3. Probleme und Lösungen
2.1.4. Kritik am Realismus
2.2. Neorealismus nach Kenneth Waltz
2.2.1. Historischer Hintergrund
2.2.2. Gegenstand und Akteure
2.2.3. Probleme und Lösungen
2.2.4. Kritik am Neo-Realismus
2.3. Realismus und Neo-Realismus im Vergleich
2.3.1. Historischer Hintergrund
2.3.2. Gegenstand und Akteure
2.3.3. Probleme und Lösungen

3. Schlußbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Seminararbeit werden der Realismus nach Hans J. Morgenthau und der Neorealismus nach Kenneth Waltz behandelt. Hierzu sollen in den ersten zwei Kapiteln zuerst die beiden Theorieansätze für sich beschrieben werden und im dritten Kapitel in ihren zentralen Aussagen verglichen werden.

Die Beschäftigung mit dem Realismus und Neorealismus in den internationalen Beziehungen in dieser Arbeit rührt aus der ständigen Aktualität der Theorien her, da sie sich beide mit den internationalen Beziehungen aus einer realistischen Perspektive beschäftigen. Diese beiden Theorien haben auch durch die veränderte Weltlage nach dem Ende des Kalten Krieges in ihren grundsätzlichen Aussagen nicht an Bedeutung verloren.

Dadurch kann auch eine Herangehensweise an das Thema mittels eines gleichschenkligen Aufbaus gewählt werden, der die zentralen Punkte beleuchtet und die historischen Hintergründe, die Akteure und den Gegenstand, so wie Probleme und Lösungen in den beiden Ansätzen in ihren grundsätzlichen Aussagen und Thesen vergleicht, was auch durch die Reduzierung der hohen Abstraktionsebene erreicht werden soll. Dies lässt einen Vergleich der wichtigsten Aussagen zu und verhindert ein Abgleiten in eine zu detaillierte Darstellung. Zusätzlich soll durch einen kurzen Überblick über die häufigsten Kritikpunkte das Bild abgerundet werden.

Die Begrenzung des Themas in dieser Arbeit ergibt sich durch diese Herangehensweise, die explizit versucht, einen schlanken Vergleich in zentralen Aussagen zu liefern, der auch die Möglichkeit bietet, ohne vorherige nähere Beschäftigung mit dem Thema die zentralen Aussagen der beiden Theorien zu verstehen und die Unterschiede zu erkennen. Die Sekundärliteratur zu den Ansätzen von Morgenthau und Waltz ist relativ dürftig, wenn man sich ausschließlich mit den beiden Ansätzen beschäftigt. Allerdings werden die verschiedenen Theorien im Realismus jedoch von anderen Theoretikern immer wieder aufgegriffen und nehmen Bezug auf Morgenthau und Waltz, zu nennen sind hier unter anderem Herz oder Bull. Zudem wird das Thema relativ ausführlich in Einführungswerken in die Internationale Politik behandelt, was zwar einen Überblick verschafft, jedoch nicht zu sehr in die Tiefe geht. Daher liegt der Schwerpunkt der Analyse auf den Werken „Macht und Frieden“ von Hans J. Morgenthau und „Theory of International Politics“ von Kenneth Waltz als Primärliteratur.

2. Realismus und Neorealismus

2.1. Realismus nach Hans J. Morgenthau

Im ersten Kapitel dieser Arbeit sollen die wichtigsten Aussagen der Realismustheorie von Hans J. Morgenthau dargestellt werden, die dort diskutierten Probleme und Lösungen beleuchtet werden und durch Einordnung in den historischen Kontext, sowie die Darstellung einiger wichtiger Kritikpunkte zum Realismus Morgenthaus ein abgerundetes Bild geschaffen werden.

2.1.1. Historischer Hintergrund

Zur Betrachtung einer politischen Theorie ist es wichtig, den Hintergrund zu kennen, der auf den Autor eingewirkt hat. Im Falle von Hans J. Morgenthau war dies der Zweite Weltkrieg und die damit verbundene Politik des nationalsozialistischen Deutschlands. 1904 in Coburg geboren prägten ihn schon frühzeitig persönliche Erfahrungen des Antisemitismus in Deutschland. Um dem zu entrinnen suchte er nach Stellen im Ausland und kehrte bedingt durch die veränderte politische Situation nicht mehr nach Deutschland zurück.1 So entstand bis 1948 hauptsächlich unter diesen Eindrücken, jedoch auch unter denen des aufkeimenden Ost- West Konfliktes das Werk „Politics among Nations“, in dem er die hier im Folgenden bearbeitete Theorie entwickelt.

2.1.2. Gegenstand und Akteure

Morgenthau befasst sich in seiner Theorie mit den politischen Beziehungen zwischen den Staaten. Seine Intention ist es hierbei, sich mit der Realität auseinanderzusetzen und ein Bild zu zeichnen, wie es wirklich ist und dieses mit Tatsachen zu belegen, ohne dabei zu stark zu abstrahieren.

Für die Erklärung seines politischen Realismus benutzt Morgenthau sechs Grundsätze, die seine Theorie belegen.

Sein erster Ausgangspunkt ist, dass Politik objektiven Gesetzen entspringt, die auf die menschliche Natur zurückzuführen sind. Diese haben sich in der Geschichte nicht verändert und so muss der Realismus den Tatsachen und Ereignissen durch Vernunft Sinn verleihen.2 In der Konsequenz wählt Morgenthau nunmehr den Staatsmann als Akteur in den Internationalen Beziehungen, aus dessen Perspektive er ein spezifisches Problem angeht.

Davon ausgehend unterstellt er dem Staatsmann, dass dieser interessenorientiert handelt, wobei dies ein Interesse im Sinne von Macht ist. „ Wenn von Macht gesprochen wird, ist die Herrschaft von Menschenüber das Denken und Handeln anderer Menschen gemeint “ 3 Die Art und Ausprägung des spezifischen Interesses hängt jedoch noch von den Umständen ab unter denen die außenpolitische Entwicklung entsteht und ist nicht festgelegt.4 Daraufhin geht Morgenthau auf die sittlichen und moralischen Aspekte des politischen Realismus ein. „ Der Realismus vertritt den Standpunkt, dass allgemeine sittliche Grunds Ätze in abstrakter, allgemeingültiger Formulierung auf staatliches Handeln nicht angewendet werden können, sondern dass sie im Lichte der konkreten Umst Ände von

Zeit und Ort gesehen werden müssen5. Er spricht hier auf die Verantwortung und das Erkennen und Abwägen der Folgen politischen Handelns an und geht im nächsten Teil noch deutlicher darauf ein, indem er allen Staaten vorwirft, ihr Handeln mit sittlichen Zielen zu tarnen, dies jedoch keine Rückschlüsse auf eine Unterscheidung von Gut und Böse zulässt. Zugleich erkennt er jedoch einen mäßigenden Charakter des im Sinne der Macht verstandenen Interesses an.6 In seiner Vorstellung des politischen Realismus kommt diesem eine eigene Rolle neben Wirtschaft, Recht und Moral zu, welches in die Frage mündet, welche Wirkung eine spezielle Politik auf die Macht des Staates ausübt.7

Gerade im internationalen Staatensystem zeigt sich deutlich, dass die Politik hier eine Konkurrenz um Macht in verschiedenen Ausprägungen ist. Die Ziele unterteilt er hier in drei Arten: Erstens die Machterhaltung als Politik des Status Quo, zweitens die Machterweiterung als imperialistische Politik und drittens die Demonstration der Macht als Prestigepolitik.8

2.1.3. Probleme und Lösungen

Die Probleme im internationalen Staatensystem ergeben sich aus den oben genannten Gründen. Der Kampf um die Macht impliziert in der heutigen Zeit ständige Gefahr der Gewaltanwendung und Instabilität, was jedoch nicht unabänderlich ist.9 Zudem ist in Morgenthaus Theorie die Vorstellung eines Nullsummenspiels zu erkennen, welches die Staaten im internationalen System geradezu immer wieder zum Handeln zwingt. Er sieht hier einen ständigen Interessenvergleich zwischen den Staaten, den es zu bewältigen gibt. Im Rahmen dieses Interessenvergleichs gibt es mehrere Möglichkeiten, welche Situation entstehen kann. Ein Aspekt ist es der direkte Interessengegensatz oder der Wettstreit zweier Staaten um Macht. Diese Problematik führt zwangsweise zum Gleichgewicht der Mächte, welches als stabilisierender Faktor in den internationalen Beziehungen gesehen wird, aber nur durch das Machtstreben der einzelnen Staaten hervorgerufen wird und keine Alternative zulässt.10 Zusätzlich profitieren kleine Staaten davon in ihrer Unabhängigkeit. Als Hilfsmittel für das Funktionieren dieses Gleichgewichts sieht Morgenthau hier die Prinzipien Teilen und Herrschen, Ausgleichspolitik, Bündnispolitik und Rüstungspolitik an. Der Ausgangspunkt ist zudem nicht ein System homogener Staaten, sondern die verschiedenen Möglichkeiten münden in ein komplexes System von Balance of Power, welches zudem von hegemonialen Abhängigkeiten bestimmt wird. Dieses System ist in höchstem Maße instabil und sein Funktionieren hängt von vielen Faktoren ab.

2.1.4. Kritik am Realismus

Der erste Kritikpunkt an Morgenthaus Realismustheorie ist methodischer Art. Die Gleichsetzung des Machtstrebens einzelner Individuen mit dem der Staaten ist fragwürdig. Da es nur bedingt einen kollektiven Willen gibt, kann nicht ohne weiteres angenommen werden, dass dieser auch in der Außenpolitik eines Staates analog zum Willen des einzelnen Individuums in gleicher Weise vorhanden ist.11 Zudem ist die Anwendung streng (natur-)wissenschaftlicher Methoden auf die internationalen Beziehungen, in der Grundannahme, dass alle Handlungsweisen auf die menschliche Natur zurückzuführen sind, als äußerst kritisch zu betrachten.12 Weiterhin ist die Gleichsetzung von Macht und Interesse insofern problematisch, als dass das Interesse wesentlich vielschichtiger ist, welches politische Ideen und Werte beinhaltet, die bei Morgenthau jedoch keine Beachtung finden.13

[...]


1 Vgl. Gert Krell, Weltbilder und Weltordnung, Baden-Baden 2000, S. 104. 3

2 Vgl. Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden, Gütersloh 1963, S. 49.

3 Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden, Gütersloh 1963, S. 71.

4 Vgl. Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden, Gütersloh 1963, S. 54. 4

5 Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden, Gütersloh 1963, S. 56.

6 Vgl. Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden, Gütersloh 1963, S. 56f.

7 Vgl. Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden, Gütersloh 1963, S. 57.

8 Vgl. Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden, Gütersloh 1963, S. 81.

9 Vgl. Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden, Gütersloh 1963, S. 55. 5

10 Vgl. Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden, Gütersloh 1963, S. 145.

11 Vgl. Jürgen Hartmann, Internationale Beziehungen, Opladen 2001, S. 27.

12 Vgl. Scott Burchill, Realism and Neo-Realism in: Scott Burchill,Andrew Linklater (Hrsg.), Theory of International Relations, Houndmills, Basingstoke: Macmillan 1996, S. 77.

13 Vgl. Jürgen Hartmann, Internationale Beziehungen, Opladen 2001, S. 28.

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638273794
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24526
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Institut für Innenpolitik und Vergleichende Regierungslehre
Note
1,7
Schlagworte
Realismus Neorealismus Internationalen Beziehungen

Autor

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Titel: Realismus und Neorealismus in den Internationalen Beziehungen