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Medien und europäische Identität

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 42 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Europa
2.1 Was ist Europa?
2.2 Was soll Europa sein?

3 Identität
3.1 Kollektive Identität

4 Europäische Identität
4.1 Was ist europäische Identität?
4.2 Nationale und europäische Identität innerhalb der EU?
4.3 Wofür Europäische Identität?

5 Medien
5.1 Was sind Medien?
5.2 Verschiedene Arten von Medien
5.3 Massenmedien
5.4 Verschiedene Arten von Massenmedien
5.5 Funktionen der Massenmedien
5.5.1 Informationsfunktion
5.5.2 Funktionen für den Einzelnen
5.5.3 Funktionen für das politische System
5.5.4 Funktionen für die Gesellschaft

6 Medien und europäische Identität

7 Abbildungsverzeichnis

8 Register

9 Bibliografie

1 Einleitung

Medien und Europa – zwei große Schlagworte der heutigen Zeit, die so manche Diskussion heraufbeschwören und bestimmen.

Besonders im Zuge der EU-Osterweiterung, die am 1. Mai 2004 in Europa ins Haus steht, gewinnen Sie weiter an Bedeutung und mit ihnen rückt der Begriff der europäischen Identität ins Rampenlicht. Die Gemeinschaft wächst quasi über Nacht von 15 auf 25 Mitgliedsstaaten, von 375 Millionen Einwohnern auf 450 Millionen Einwohner.

Der stern schreibt hierzu:

„Faszination Europa. Ein Kontinent besinnt sich auf seine Stärken. Jahrhundertelang war Europa zerrissen zwischen widerstreitenden Mächten. In den Weltkriegen entlud sich der Hass der Nationen. Ein vereintes Europa schien unvorstellbar. Doch die Utopie wurde Wirklichkeit. Zunächst im Westen. 15 Jahre nach dem Mauerfall folgen nun die Länder des Ostens. Die EU-Erweiterung am 1. Mai könnte der Beginn eines modernen Märchens werden“ (Stern, 2004: 74).

Doch was ist das Rezept für das Gelingen dieses Unternehmens?

Sicherlich wird man vergeblich nach solch einem Rezept Ausschau halten. Auf rechtlicher sowie auf politischer Ebene wächst Europa im Rahmen der Europäischen Union u. a. durch den Entwurf einer gemeinsamen Verfassung immer fester zusammen, doch das ist noch lange kein Garant dafür, dass Europa durch Einigkeit das wird, was es sein soll.

Doch wenn die Idee Europa nicht stagnieren soll, so ist eine europäische Identität zumindest eine existentielle Zutat, die zum Gelingen beitragen kann, indem ein Einigkeits- und Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt wird. Nur wenn die Europäer bereit sind, füreinander und für Europa einzustehen, kann das Staatengebilde als Ganzes sprechen.

Aber was ist diese europäische Identität, was ist Europa und was tragen die Medien zu einer europäischen Identität bei?

2 Europa

„Faszination Europa“ titelt im März 2004 das Magazin „Stern“ und man glaubt zu wissen, worum sich der Leitartikel drehen wird. Doch ist es so einfach? Sicherlich nicht.

Möchte man sich mit europäischer Identität beschäftigen, so stellt sich zunächst die Frage, was Europa denn genau ist, wo seine Grenzen liegen und wie sich Europa in Zukunft entwickeln wird.

2.1 Was ist Europa?

Bei der Beantwortung dieser Frage ist wohl zunächst festzustellen, dass es keine eindeutige Antwort geben wird, denn weder unter Geografen noch unter Historikern herrscht diesbezüglich Einigkeit.

Eine Tatsache ist jedoch, dass Europa mit seinen supranationalen Zusammenschlüssen, wie z.B. die EU, eine notwendige Alternative zum überholten Modell des Nationalstaats darstellt. Doch wirft die Europäische Union Fragen auf, die in der Form bisher noch nicht gestellt wurden. Demos[1] und Ethnos[2], die in den Nationalstaaten lange Zeit als deckungsgleich unterstellt wurden (was in Zeiten der Migration allerdings mehr als fragwürdig ist), werden in der Europäischen Union eindeutig voneinander abgelöst und die EU wird zu einem Demos mit vielen Demoi.

Jachtenfuchs und Kohler-Koch bringen das Problem auf den Punkt:

„Die Problemdiagnose veränderter Staatlichkeit ist relativ einfach: Die – historisch zumindest annäherungsweise gegebene – territoriale Kongruenz von politischer Herrschaft, Wirtschaftsorganisation, rechtlicher Verfassung und gesellschaftlicher Selbstdefinition, die das Modell des Nationalstaats ausmacht, löst sich langsam auf“ (Jachtenfuchs & Kohler-Koch, 1996a)

Kleinsteuber und Rossmann zeigen hingegen die Schwierigkeit auf, Europa geografisch oder historisch abzugrenzen und definieren es über eine in den Köpfen der Menschen geschaffene Identität.

Einen Versuch, Europa mit greifbaren Merkmalen zu erfassen, nimmt Settekorn mit seinem Ansatz der Inklusion und Exklusion vor, wobei er verschiedene Ebenen betrachtet und nach Gemeinsamkeiten der europäischen Länder sowie den Unterschieden, die sie von anderen Staaten abgrenzen, fragt.

Abb. 1 Versuch einer Abgrenzung Europas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Nach: Settekorn, 2000: 24)

Die hier aufgeführten geografischen Grenzen haben in der heutigen technologisierten Welt für die Menschen und ihr Leben innerhalb dieser Grenzen keine Bedeutung mehr, und während die Bedeutung der Landesgrenzen der EU-Staaten zueinander durch einen gemeinsamen Binnenmarkt und das Schengener Abkommen[3] immer weiter abnimmt, nimmt die der Außengrenzen der Union zu.

Auch die religiösen Grenzen werden immer bedeutungsloser, da die Religion zum einen in der westlichen Welt eine immer geringere Rolle spielt und da zum anderen die EU-Osterweiterung vor allem in Richtung der Türkei der Islam Einzug in die europäische

Gemeinschaft erhält und so das Christentum als Eingrenzung Europas ausschließt. Vor allen Dingen durch diesen Zugang des Islams werden Grenzen verschoben und alte Definitionen aufgeweicht.

Eine kulturell-summative Abgrenzung ist ebenso schwierig, da eine zunehmende Amerikanisierung und eine Vermischung der vielseitigen Kulturen innerhalb Europas Grenzen nur schwer erkennen lassen. Doch ist die Kultur der Mitgliedsstaaten Teil des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft:

„Die Gemeinschaft leistet einen Beitrag zur Entfaltung der Kulturen der Mitgliedstaaten unter Wahrung ihrer nationalen und regionalen Vielfalt sowie gleichzeitiger Hervorhebung des gemeinsamen kulturellen Erbes.“ (Europäische Union, 2002: Artikel 151)

Auch eine linguistische Grenzziehung ist nicht unproblematisch, denn Europa spricht nicht eine, sondern elf und nach der Osterweiterung sogar 20 Sprachen.

Abb. 2 Europas Sprachenvielfalt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(In: Allemann-Ghionda, 2004: 85)

Aber genau diese europäischen Sprachen werden auch in anderen Gebieten der Welt gesprochen, so ist Brasilien größtenteils portugiesischsprachig, Südamerika zu weiten

Teilen spanischsprachig und in Nordamerika und Australien wird Englisch gesprochen. Zwar bildet sich Englisch nach und nach als die Verkehrssprache der EU heraus, aber dies ist wohl eher ein globaler als lediglich ein europäischer Trend.

Politisch hat die Europäische Union mit der Europäischen Kommission, dem Europaparlament und dem Europarat einen gemeinsamen institutionellen Rahmen geschaffen und wird so zu einem mehrdimensionalen politischen System. Doch ist nicht zu übersehen, dass auch eine Vielzahl an politischen und gänzlich unpolitischen Institutionen auch über die Grenzen der Mitgliedsstaaten hinaus agieren.

Analog ist auch der mediale Rahmen nur schwer zu stecken, da das Programm der Fernsehsender zu einem großen Teil aus amerikanischen Produktionen und zu einem anderen Teil aus nationalen Produktionen zusammengestellt ist.

Jedoch ist wichtig anzumerken, dass die Massenmedien die Aufgabe erfüllen müssen, die Bürger zu informieren, damit das System „Europäische Union“ überhaupt funktionieren kann.

Abb. 3 Politisches Beziehungsdreieck

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Nach: Meyer, 2002: 66)

Zwar legt die Europäische Union die Regeln für Medien und Kommunikation in ihrem Rahmen fest, jedoch ist sie als Kommunikationsraum kein starrer Bereich, denn

Kommunikationsräume kennen - besonders in der heutigen medialen Welt, die von IuK-Technologien geprägt ist – keine Ländergrenzen.

Doch ist Europa nicht nur ein Gebilde mit geografischen Grenzen, einer teils gemeinsamen Politik oder mit gemeinsamen sportlichen Wettkämpfen. Europa ist vor allem etwas Gewachsenes, die Idee eines gemeinsamen starken Europas, als Gegengewicht zur Weltmacht USA oder als Zusammenhalt der „alten Welt“, ein Europa, das irgendwann mit den dann stark erweiterten Grenzen der Europäischen Union konform gehen soll, ist nicht zu erklären durch die Ostgrenze im Ural oder den Atlantik im Westen. Die Idee Europa gründet sich nicht auf den gemeinsamen Binnenmarkt oder den vorherrschenden christlichen Glauben. „Europa ist historisch gesehen nicht von den Territorialherren und ihrer nationalstaatlichen Enge begründet worden, sondern ist ihnen zum Trotz in den Köpfen der miteinander kommunizierenden Bürger entstanden“ (Kleinsteuber & Rossmann, 1994: 51).

Delanty vertritt die Ansicht, dass ´Europa´ als ein kulturelles Konstrukt betrachtet werden kann, das von einer Ambivalenz gekennzeichnet ist: Europa ist keine selbstverständliche Einheit, es ist sowohl eine Idee, als auch eine Realität. Als eine zentrale und organisierende Metapher einer komplexen Gesellschaft drückt die europäische Idee den kulturellen Kampf mit Widersprüchen und Konflikten aus. Die Diskussion um Europa als ambivalentes Phänomen liegt darin begründet, weil es nicht nur um Einheit und Inklusion geht, sondern auch um Ausschließung und die Konstruktion von Unterschieden, die auf den Normen von Exklusion basieren.

Die Aufgabe einer kritisch betrachtenden Theorie von Europa ist es zu zeigen, dass kulturelle und politische Verschiedenheit und die Heterogenität von sozialen Milieus neben der hauptsächlichen Ideologie liegen. Somit ist die europäische Idee nach Delanty nicht nur eine hegemoniale Idee, sondern sie sollte als eine vollständige Idee gesehen werden, die an dem Punkt scheitert, an dem sie hegemonial wird.

Die europäische Idee muss im globalen Kontext von Weltansichten und Staatsnationen gesehen werden, weit davon entfernt, dass Nationen Feinde sind. Erst dadurch ist die Idee von Europa möglich. Die europäische Idee hat, so Delanty, in Wirklichkeit vielmehr die Ideologie von Nationalität untermauert, als sie untergraben.

[...]


[1] „Volk“ im Sinne einer politisch definierten Gemeinschaft des öffentlichen Gesprächs sowie des Konflikt- und Interessenausgleichs

[2] „Volk“ im Sinne einer imaginären Gemeinschaft der Abstammung und Affiliation

[3] Internationales Abkommen zwischen den Mitgliedstaaten der EU über den Abbau der Grenzkontrollen sowie über eine gemeinsame Sicherheits- und Asylpolitik. Das Schengen-I-Abkommen wird am 14.06.1985 zwischen Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden geschlossen. Es sieht den Verzicht auf alle Personen-, Waren- und Fahrzeugkontrollen an den gemeinsamen Grenzen vor. Dem Abkommen treten später auch Italien, Portugal, Spanien, Griechenland und Österreich bei.

Details

Seiten
42
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638274180
Dateigröße
1008 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24573
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Pädagogisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Medien Identität Interkulturalität

Autor

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Titel: Medien und europäische Identität