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Die pädagogischen Chancen und Nachteile behavioristischer und neobehavioristischer Lerntheorien

Hausarbeit 2003 23 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Gliederung
1.2. Einleitung

2. Behavioristische und Neobehavioristische Lerntheorien
2.1. Darstellung der behavioristischen und der neobehavioristischen
Lerntheorie
2.1.1. Der Behaviorismus
2.1.2. Der Neobehaviorismus
2.2. Pädagogische Chancen und Nachteile neo-/ behavioristischer
Lerntheorien
2.2.1. Chancen
2.2.2. Nachteile

3. Die neo-/ behavioristischen Lerntheorie aus dem Blickwinkel der Systemtheorie
3.1. Klassische Erkenntnistheorie
3.2. Systemtheoretische Erkenntnistheorie
3.3. Neo-/ Behavioristische Lerntheorien aus dem Blickwinkel der
Systemtheorie

4. Konklusion

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einführung

1.1. Gliederung

Die Arbeitsweise zur Darstellung der pädagogischen Chancen und Nachteile von Neo-/ Behavioristischen Lerntheorien ist hermeneutisch. Die Grobgliederung der Arbeit umfasst vier Teile, die Einführung mit der Gliederung und einer Einleitung in die Thematik, einen zweiteiligen Hauptteil und den Punkt vier als Schlussteil. Der Hauptteil ist zweifach untergliedert, wobei zum einen eine Darstellung der Theorien der behavioristischen und der neobehavioristischen Theorien anhand ihrer wichtigsten Vertreter und zum anderen eine Gegenüberstellung mit den lerntheoretischen Ansätzen der Systemtheorie erfolgt. Der Schlussteil befasst sich mit einer abschließenden Bewertung der zuvor erarbeiteten Vor- und Nachteile von Neo-/ Behavioristischen Lerntheorien im Hinblick auf die systemtheoretischen Möglichkeiten.

1.2. Einleitung

Der Behaviorismus und der Neobehaviorismus als seine nächste „Evolutionsstufe“ können mit Sicherheit als eine der wichtigsten lernpsychologischen Theorien für die Pädagogik angesehen werden. Trotz ihrer Begründung schon um die Wende des 19./ 20. Jahrhunderts, lassen sich noch heute in den vielfältigsten Bereichen von Lernen die Ansätze dieser beiden Theorien finden.

Diese Arbeit will sich nun zum einen mit den Ideen der Psychologen Watson und Hull als Stellvertreter beschäftigen, um die Begründung der Ansätze zu verdeutlichen, zum anderen die Frage nach der Anwendbarkeit und Aktualität für die Pädagogik zu beleuchten. Hierbei sei noch erwähnt, dass die beiden genannten Personen keinesfalls als Urheber der Theorien anzusehen sind, sondern lediglich als deren anschaulichste Stellvertreter. Viele andere Zeitgenossen wie Guthrie, Thorndike, Skinner, Spence und Hebb haben ihrerseits Variationen und Abwandlungen entwickelt, die vorzustellen jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

2. Behavioristische und Neobehavioristische Lerntheorien

2.1. Darstellung der neo-/ behavioristischen Lerntheorie

2.1.1. Der Behaviorismus

Der Behaviorismus ist eine der einflussreichsten und verbreitesten Schulen in der amerikanischen und angelsächsischen Psychologie. Er dominierte dort vorwiegend zwischen den 20er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Im deutschsprachigen Raum gewann er erst nach dem zweiten Weltkrieg an Bedeutung, behauptete sich hier aber bis in die späten 70er Jahre als das vorherrschende Forschungsparadigma. Erst dann wurde er in Deutschland im Zuge der „kognitiven Wende“, die eine stärkere Subjektbetrachtung des Menschen einführte, abgelöst.

Als einer der wichtigsten Begründer dieser Theorie gilt John B. Watson. Er stützte sich bei der Formulierungseiner Theorie auf Ergebnisse von Pawlow, der im Vorhinein wichtige Grundlagen für die Formulierung von Lerntheorien im Stimulus (S) – Reaktions (R) – Schema durch seine Erforschung des klassischen Konditionierens gelegt hatte. Pawlow hatte zuvor allerdings mehr Wert auf die Physiologie des erlernten, konditionierten Stimulus bei seinen Forschungen gelegt[1]. Watson war im Gegensatz dazu eher an dem Ursache – Wirkung – Prinzip, also dem Warum und Wie, anstelle des Was eines Lernprozesses interessiert. Watsons Beitrag in der „Psychological Review“ von 1913, „Psychology as the Behaviorist views it“, gilt als einer der elementarsten und revolutionärsten Beiträge der Psychologie im 20. Jahrhundert. Hier beschreibt er die wichtigsten Ansätze seiner Theorie.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: John B. Watson (1878 – 1958)

Ein wichtiges Kennzeichen des Behaviorismus ist das Interesse des Forschers an einer beobachtbaren, sichtbaren und deshalb empirisch erfassbaren Reaktion eines Probandens und deren Beziehung zu einer vorherigen Reizgegebenheit. Nicht sichtbare, innere Motivationen oder gar biochemische Prozesse werden außer acht gelassen, liegen nicht im Interesse des Beobachters[2]. Ein streng behavioristisch orientierter Psychologe benutzt als verwertbare Daten lediglich solche, die als „offen“ gelten. Die auftretende Verhaltensreaktion muss quantifizierbar sein, beispielsweise der Lidschlagreflex oder das Drücken eines Hebels. Ziel des Behaviorismus ist es nun, den gemessenen Reaktionen entsprechende Reize oder Stimuli zuzuordnen und den kausalen Wirkungszusammenhang zwischen einem Stimulus und einer bedingten Reaktion aufzuzeigen und zu belegen. Watson fasste die behavioristischen Untersuchungsinteressen in einem „ABC´s of psychology“[3] zusammen:

- Antecedent conditions that precede the behaviour
- The Behavioural response
- The Consequences that follow from it

Dieser empirische Ansatz des Behaviorismus wird auch als „molekulare Analyseebene“ bezeichnet. Watson sah die Psychologie immer als eine Teil- oder Subdisziplin der strengen und harten Naturwissenschaften, die ihre Messungen und Ergebnisfindung meist im quantitativen M-K-S (Meter – Kilo – Sekunde) System durchführten. „Molekular“ an diesem Ansatz ist, dass die Analyseeinheiten, mit denen gemessen wird, viel feiner sind als die anzunehmenden innern Bedürfnisse oder Abwehrreaktionen in einem psychodynamischen Modell. Anders gesagt werden deterministisch für gemessene oder beobachtete Reaktionen sowie neu aufgebaute Verhaltensmuster, ganz spezielle Lernprinzipien beschrieben. Hieran lässt sich sehr gut der lerntheoretische Ansatz des Behaviorismus erkennen. Durch einen Lernprozess wird Verhalten generiert, welches durch Erfahrung entsteht. Das Verhalten ist vollständig durch Umwelteinflüsse determiniert, kann also durch entsprechende Versuchsanordnungen manipuliert werden[4]. Folgerichtig ist die Richtung, in die sich ein Mensch entwickelt, nicht ein Ergebnis von Vererbung, sondern von einer Mixtur der unterschiedlichen Umwelteinflüsse. Die unterschiedlichen Ausprägungen von Verhalten rechtfertigte Watson mit einer intervenierenden Variable, dem so genannten Reflex. Dieser ist bei den Menschen anscheinend unterschiedlich ausgeprägt. Er ist jedoch nicht von Interesse für die behavioristische Forschung, da er in der geschlossenen, introvertierten „Black Box“ stattfindet. Watson mutmaßte zwar, dass es Vorgänge im Menschen selber geben könnte, die vielleicht sogar ursächlich für eine auftretende Reaktion sein könnten, sah aber deren Beweisbarkeit nicht gegeben und lehnte deshalb die Konstruktion eines psychodynamischen Modells kategorisch ab. Er ging also mangels empirischer Nachweisbarkeit von einem Modell der „Black Box“ aus, in dem alle Ursachen für Verhalten lägen[5].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Wirkung von S auf R

Behavioristische Forscher belegten ihre Theorien klassischer Weise in Form von Tierexperimenten unter Laborbedingungen. Hier ließ sich am besten die Wirkung eines Stimulus durch Variieren der Umgebung kontrollieren und die Wirkung von anderen Reizen weitestgehend vermeiden. Die Versuchsanordnung entsprach dem typischen Aufbau eines quantitativen Experiments. Der gewünschte Stimulus wurde als Unabhängige Variable (UV) unter weittestmöglicher Ausklammerung von Intervenierenden und Störvariablen (IV, SV) anhand einer bestimmten Reaktion des Probanden, also der Abhängigen Variable (AV), determiniert. Oft wurden für diese Versuchsanordnungen Tiere genutzt, da bei diesen die Kontrolle sämtlicher Bedingungen leichter fällt als beim Menschen. Für den Behavioristen sind die Ergebnisse solcher lerntheoretischer Tierversuche unbedingt auf den Menschen übertragbar, da es für Lernen generelle Prinzipien gibt, die artübergreifend als Verständnisschlüssel genutzt werden können[6].

2.1.2. Der Neobehaviorismus

Im Gegensatz zum vorher beschriebenen behavioristischen Ansatz, versucht der Neobehaviorismus, Licht in die so genannte Black Box zu bringen[7]. Der wichtigste Vertreter dieser neuen Theorie war Clark Hull. Er erweiterte das alte, in den Grundsätzen noch auf Pawlow zurückreichende, Reiz – Reaktion – Schema um eine weitere Variable. Er behauptete, dass der Organismus bestimmte Eigengesetzlichkeiten mit ins Spiel brächte, die bewirken, dass bei gleichen Reizkonfigurationen verschiedene Reaktionen erfolgen können[8]

[...]


[1] vgl.: Leonhard, H.-W.: „Behaviorismus und Pädagogik“. S. 19 - 25

[2] vgl.: Correl, W.: „Lernpsychologie“. S. 19 - 25

[3] Zimbardo, P. G., Gerrig, R. J.: “Psychologie”. S. 12

[4] vgl.: Angermeier, W. F., u.a. (Hrsg.): „Operantes Lernen“. S. 26 - 30

[5] vgl.: Spada, H. (Hrsg.): „Lehrbuch Allgemeine Psychologie“. S. 332 - 340

[6] vgl.: Leonhard, H.-W.: „Behaviorismus und Pädagogik“. S. 28 - 35

[7] vgl.: Eichstaedt, J.: „Motivation & Emotion“. S. 8

[8] Thomae, H., Feger, H.: „Hauptströmungen der modernen Psychologie“. S. 44f

Details

Seiten
23
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638274227
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24578
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Professur für Allgemeine Pädagogik unter besonderer Berücksichtigung systematischer Grundlagen
Note
1.3
Schlagworte
Chancen Nachteile Lerntheorien

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Titel: Die pädagogischen Chancen und Nachteile behavioristischer und neobehavioristischer Lerntheorien