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Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen. Schwerpunkt: Frauen bei Fontane - (Magda)Lene Nimptsch

Seminararbeit 1998 22 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

I. Inhalt

II. Einleitung
II.1. Kurzer Einblick in die Entstehungsgeschichte des Romans
II.2. Zur Struktur des Romans und zum Aufbau der Arbeit.

III. Der Roman: „Irrungen Wirrungen”
III.1. Der erste Handlungsteil: Das Verhältnis Lene - Botho
III.1.1. Exposition (Kapitel 1-5).
III.1.2. Konfliktsteigerung (Kapitel 6-13).
III.1.3. Wendepunkt (Kapitel 14-16)
III.2. Der zweite und dritte Handlungsteil: Das Verhältnis Botho - Käthe Das Verhältnis Lene - Gideon
III.2.1. Fallender Spannungsbogen (Kapitel 16-23)
III.2.2. Schluß (Kapitel 24-26).

IV. Zusammenfassung: (Magda)Lene Nimptsch - Das Frauenbild Fontanes in „Irrungen, Wirrungen”

V. Literaturverzeichnis

II. Einleitung

1. Kurzer Einblick in die Entstehungsgeschichte des Romans

Die erste Tagebuchnotiz Fontanes, die Zeugnis von seiner Arbeit an „Irrungen, Wirrungen” ablegt, fand man unter dem Datum des 12. Dezember 1882. Darin ist von einem Novellenstoff mit dem Arbeitstitel „Irrt, Wirrt” die Rede.[1] Im Mai 1884 entstand dann der Anfang des Werkes in Hankels Ablage bei Königswusterhausen. Anschließend ließ Fontane den Stoff ruhen. Erst 1886 erfolgte eine Neuaufnahme der Arbeit, bis 1887 der fertige Roman unter dem Namen „Irrungen, Wirrungen” als Fortsetzungsroman in der „Vossischen Zeitung” erschien und 1888 die erste Buchausgabe erhältlich war.

Sofort bei seinem Erscheinen löste der Roman große Entrüstung aus. Die gesellschaftliche Oberschicht Deutschlands war durch den schnell zur „Hurengeschichte” deklarierten Roman in ihrer Eitelkeit empfindlich getroffen worden. Zum ersten mal wurde in einem Roman Fontanes nicht nur die gesellschaftliche Oberschicht geschildert, sondern unter Einbeziehung des Volkes kontrastierend die Oberflächlichkeit des Adels entlarvt.[2]

2. Zur Struktur des Romans und zum Aufbau der Arbeit

Der Roman „Irrungen, Wirrungen” ließe sich grundsätzlich in zwei Teile trennen. Im ersten Teil würde die Beziehung der Magdalene Nimptsch - von Fontane und auch im folgenden in dieser Arbeit nur Lene genannt - und Botho von Rienäcker geschildert, die nicht von langer Dauer und mit der Hochzeit Bothos mit Käthe von Sellenthin beendet ist. Der zweite Handlungsteil gäbe Einblicke in Bothos Eheleben und wäre mit der Heirat von Lene und Gideon Franke beendet.

Es ist aber möglich aufgrund des strengen, dramenähnlichen Aufbaus des Romans drei große Handlungsteile auszumachen, denen sich mehrere kleinere, der Dramentheorie entsprechende Teile zuordnen lassen.

Zur Exposition gehören dementsprechend die Kapitel 1 bis 5 in denen in das Verhältnis Lenes zu Botho, welches gleichzeitig den ersten großen Handlungsteil darstellt, eingeführt wird. Dazu gesellen sich die Kapitel 6 bis 13, in denen die Unmöglichkeit dieser Beziehung immer deutlicher wird, als Konfliktsteigerung und die Kapitel 14 und 15 als Wendepunkt. Die Beziehung zerbricht.

Mit dem Bruch der Beziehung zwischen Lene und Botho setzen zwei weitere Handlungsteile ein. Der eine behandelt die Ehe Bothos mit Käthe und der andere die Beziehung Lenes zu Gideon. Beide Teile sind zunächst nur äußerlich getrennt, innerlich aber ineinander dadurch verwoben, daß es sowohl Lene als auch Botho nicht gelingt, sich aus der emotionalen Bindung zu lösen. Diesen Handlungsteilen ordnen sich Kapitel 16 bis 23 als abfallender Spannungsbogen unter. Kapitel 24 bis 26 gehören ebenso dazu. Sie bilden den Schluß des Romans, der dramentheoretisch weder eindeutig der Tragödie noch dem Happy - End zuzuordnen ist, weil sich beide Hauptfiguren mit ihrem neuen Leben arrangieren und sich mit einem limierten, bescheideneren Glück als dem der „großen Liebe” zufriedengeben. Die letzten zwei Handlungsteile funktionieren jetzt im wesentlichen getrennt, also unabhängig voneinander.

Im Folgenden werden nun diese drei großen Handlungsteile genauer untersucht werden. Dabei wird sich zeigen, daß die dramentheoretische Subunterteilung den Vorteil der größeren Übersichtlichkeit des Stoffes aufweist. Der Aufbau der Arbeit erfolgt demnach auch an diesen Subunterteilungen orientiert.

III. Der Roman „Irrungen, Wirrungen”

1. Der erste Handlungsteil: Das Verhältnis Lene - Botho

1.1. Exposition (Kapitel 1-5)

Theodor Fontane läßt seinen Roman mit einer genauen Ortsbenennung beginnen. Es wird ebenso die Zeit auf eine Woche nach Pfingsten in der Mitte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts bestimmt.

„An dem Schnittpunkt von Kurfürstendamm und Kurfürstenstraße, schräg gegenüber dem ‘Zoologischen’, befand sich Mitte der siebziger Jahre noch eine große, feldeinwärts sich erstreckende Gärtnerei, deren kleines, dreifenstriges, in einem Vorgärtchen um etwa hundert Schritte zurückgelegenes Wohnhaus, trotz aller Kleinheit und Zurückgezogenheit, von der vorübergehenden Straße sehr wohl erkannt werden konnte. Was aber noch zu dem Gesamtgewese der Gärtnerei gehörte, ja die recht eigentliche Hauptsache der selben ausmachte, war durch ebendieses Wohnhaus wie eine Kulisse versteckt, und nur ein rot und grün gestrichenes Holztürmchen mit einem halb weggebrochenen Ziffernblatt unter der Turmspitze (von Uhr keine Rede) ließ vermuten, daß hinter dieser Kulisse noch etwas anderes verborgen sein müsse, (...). Es war die Woche nach Pfingsten, die Zeit der Langen Tage, deren blendendes Licht mitunter kein Ende nehmen wollte.”[3]

Doch bereits der Anfang des Werkes deutet an, daß in dieser Gärtnerei etwas im Verborgenen geschehen muß, was den neugierigen Blicken der Vorübergehenden noch entgeht, aber durchaus entdeckt werden könnte.

Hier zeigt sich auch schon Fontanes Sinn fürs Detail: Die zerbrochene Uhr weist darauf hin, daß, was immer dort auch vorgeht, nicht von großer Haltbarkeit sein wird. Damit wird gleich von Beginn an auf die Brüchigkeit der nahezu unmöglichen Beziehung zwischen der einfachen Plätterin Lene Nimptsch und dem Adligen Botho von Rienäcker hingewiesen, noch bevor der Leser wenig später von dieser Beziehung erfährt.

Im Laufe des Romans werden die Zeichen immer eindeutiger und die anfängliche Vorahnung eines nichtglücklichen Ausgangs wird bald zur Gewißheit. Bilder wie ein Schuttberg oder ein Sumpf[4] verdeutlichen das gefährliche Terrain, auf dem man sich bewegt und nehmen die Beziehungstrümmer vorweg. Sie machen die Lebenssituation der Romanfiguren blitzartig in ihrer ganzen Komplexität klar. Fontane selbst bewunderte den Roman „Irrungen, Wirrungen” für diese Finessen und wies immer wieder auf sie hin.[5]

[...]


[1] R. Brinkmann in Grawe, Christian: Interpretationen. Fontanes Novellen und Romane, Reclam, Stuttgart, 1995, Seite 154

[2] Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen, Hamburger Lesehefte Verlag, Husum/Nordsee, S. 136, im Folgenden zitiert als Fontane

[3] Fontane, Kap. 1, S.3

[4] Fontane, Kap.9, S.41

[5] Fontane, Nachwort S.137

Details

Seiten
22
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638274579
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24628
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) – Kulturwissenschaftliche Fakultät
Note
2,0
Schlagworte
Theodor Fontane Irrungen Wirrungen Schwerpunkt Frauen Nimptsch Gender Emanzipation Roman Weiblichkeit

Autor

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Titel: Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen. Schwerpunkt: Frauen bei Fontane - (Magda)Lene Nimptsch