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Lesekompetenz

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 16 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Wie läuft der Leseprozess ab?
2.1 Das Strategiemodell von Van Dijk und Kintsch (1983)
2.1.1 Hierarchieniedrige Prozesse
2.1.2 Hierarchiehohe Prozesse
2.1.3 Zusammenfassung

3 Lesertypen
3.1 Der funktional-pragmatische Leser
3.2 Der emotional-fantastische Leser
3.3 Der rational-intellektuelle Leser
3.4 Der literarische Leser
3.5 Zusammenfassung

4 Resümee

5 Literatur

1. Einleitung

Lesen ist ein essentieller Bestandteil unseres Lebens und wird Dank der entstandenen Medienvielfalt und -wichtigkeit in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen.

Um Erfolgreich sein Leben bestreiten zu können, ist ein gewisses Maß an Lesekompetenz unverzichtbar. Alleine schon um sich über gesellschaftliche Dinge informieren zu können oder auch zur einfachen Wissenserweiterung.

Auch spielt das Lesen im lebenslangen Lernen, wie es immer häufiger gefordert wird, eine wichtige Rolle.

Doch auch die „Literatur als Genre bietet die Möglichkeit der Lebensbewältigung, des ästhetischen Erlebens, der Befriedigung von Unterhaltungsbedürfnissen sowie der Sinnfindung und der Persönlichkeitsentfaltung“[1].

Zur Schulung des Denkens ist das Lesen zudem unverzichtbar.

Somit wird das Lesen zu einer „kulturellen Schlüsselqualifikation“. Sie „eröffnet die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und bietet die Möglichkeit der zielorientierten und flexiblen Wissensaneignung“[2].

Doch wie läuft der Leseprozess eigentlich ab und von welchen Teilprozessen ist er Abhängig?

Dieser Frage gehe ich in Punkt 2 nach. Hierbei verwende ich das Strategiemodell von van Dijk und Kintsch aus dem Jahre 1983, das ich im Punkt 2.1 grundlegend erkläre.

In Punkt 2.1.1 erläutere ich die hierarchieniedrigen Prozesse des Lesevorganges, die sich in zwei Unterpunkte unterteilen.

In Punkt 2.1.2 folgen dann die hierarchiehohen Prozesse. Diese unterteilen van Dijk und Kintsch in weitere drei Unterpunkte.

In Punkt 2.1.3 fasse ich kurz die wichtigsten Schlüsse aus den Forschungen über den Leseprozess nach van Dijk und Kintsch zusammen.

Interessant ist zudem, aus welchen Motiven Personen, insbesondere Schüler, auf die Fertigkeiten des Lesens zurückgreifen. Welche Grundantriebe sind hier von Bedeutung?

Dieser Frage werde ich in Punkt 3 nachgehen. Hierbei stütze ich mich auf Lerch (1975).

Lerch nennt vier verschiedene Lesertypen, die ich in den Punkten 3.1 bis 3.4 näher erläutern werde.

Im Punkt 3.5 folgt dann eine kurze Zusammenfassung.

Abschießend ziehe ich im Punkt 4 ein abschließendes Resümee

2. Wie läuft der Leseprozess ab?

Um feststellen zu können, welche Ebenen bei Lesevorgang wie miteinander zusammenwirken, wurde die kognitionspsychologische Lesekompetenzforschung ins Leben gerufen. Sie untersucht „Unterschiede zwischen guten und schlechten Lesern /innen im Hinblick auf kognitionspsychologische Theorien des Lesens und Textverstehens“[3].

Da eine Vielzahl an Theorien zur Erklärung der Ebenen des Leseprozesses existieren, aber „derzeit [die interaktionistischen Ansätze] gerade auch empirisch das deutlich stärkere Gewicht haben“[4] werde ich in dieser Arbeit ausschließlich die Ebenen des Leseprozesses nach van Dijk und Kintsch (1983) darstellen und erläutern.

2.1 Das Strategiemodell von van Dijk und Kintsch (1983)

Das Hauptmerkmal des Strategiemodells von van Dijk und Kintsch ist der Einbezug der Strategie in die 1978 von ihnen entwickelte Propositionsanalyse. Die Definition des Begriffes Strategie in der Psycholinguistik besagt folgendes: Eine Strategie ist ein „zielorientiertes kognitives Verhalten, das der teilweisen Strukturierung des Satzverstehens dient“[5].

Van Dijk und Kintsch erweiterten diese Definition beträchtlich auf alle Ebenen der Textverarbeitung und andere kognitive Prozesse. Folglich wurde eine Strategie „ein kognitiver Prozess, der darüber befindet, mit welchen Operationen ein Handlungsziel anzustreben ist“[6].

Der Leser benötigt somit ein Situationsmodell, das ihm das Verstehen der Situation in einem Text ermöglicht. Dieses Situationsmodell muss so beschaffen sein, dass der Leser sich die im Textgeschehen vorkommenden Objekte, Personen, Orte und Ereignisse vorstellen kann. Dies ist nach van Dijk und Kintsch nur möglich, wenn der Leser über das entsprechende Weltwissen verfügt. Dieses Wissen muss der Leser nun noch mit der Situation im Text in einen logischen Zusammenhang bringen, um das benötigte Situationsmodell bereitstellen zu können.

Weiterhin unterteilen van Dijk und Kintsch den Leseprozess in fünf Teilprozesse, die dann in hierarchieniedrige und hierarchiehohe Prozessebenen untergliedert werden.

Da das hier vorgestellte Modell ein interaktionistisches Modell ist, wird angenommen, dass die verschiedenen Teilprozesse des Lesens parallel oder auch in zeitlicher Überlappung zueinander ablaufen. Somit ist es klar, dass auch hierarchiehohe Prozesse anlaufen oder ablaufen können, wenn die hierarchieniedrigen Prozesse noch nicht vollständig abgeschlossen sind.

2.1.1 hierarchieniedrige Prozesse

1. Aufbau einer propositionalen Textrepräsentation

Um einen Text lesen zu können, ist zunächst die visuelle Aufnahme von Buchstaben und Wörtern von entscheidender Bedeutung. Hierzu werde ich in diesem Zusammenhang aber nicht weiter eingehen.

Eine weitere „Voraussetzung für den Aufbau einer propositionalen Textrepräsentation ist die Worterkennung sowie die Verbindung von Wortfolgen auf der Grundlage von semantischen und syntaktischen Relationen von Sätzen“[7].

Nach neuesten Erkenntnissen identifiziert das Gehirn während des Lesens nicht einzelne Buchstaben, sondern abstrakte Buchstabeneinheiten, die auch parallel verarbeitet werden können.

Weiterhin kommt der Kenntnis von Wörtern, die zu identifizieren sind, eine entscheidende Rolle im Leseprozess zu. Somit sind Wörter, die dem Leser bekannt sind, leichter zu identifizieren als unbekannte oder zusammengesetzte Wörter.

Natürlich werden Wörter im Lesevorgang vom Leser nicht isoliert betrachtet und analysiert, sondern in einem sinnsuchenden Zusammenhang. Bewiesen wurde, dass die Wortidentifikation schneller abläuft, wenn die gelesenen Wörter in einem sinnhaften Kontext zueinander stehen. Dabei können Fehler schneller überlesen werden, Wörter durch den Kontext schneller vorhergesagt werden und die Fixationsdauer der einzelnen Wörter ist geringer.

[...]


[1] Hurrelmann, B.(1994): Leseförderung. In: Praxis Deutsch, 127, 17-127

[2] Artelt, Stanat, Schneider, Schiefele: Lesekompetenz: Textkonzeption und Ergebnisse. In: Deutsches Pisa-Konsortium (Hrsg.): Pisa 2000. Opladen 2001

[3] Richter, Tobias & Christmann, Ursula: Lesekompetenz: Prozessebenen und interindividuelle Unterschiede. In: Groeben, Norbert; Hurrelmann, Bettina (Hrsg.): Lesekompetenz – Bedingungen, Dimensionen, Funktionen. Weinheim und München 2002, S. 26

[4] Richter, Christmann 2002 S.28

[5] Rickheit, G., Strohner, H.: Grundlagen der kognitiven Sprachverarbeitung. Tübingen 1993, S.75

[6] Rickheit, Strohner 1993; S.75

[7] Richter, Christmann 2002; S.28

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638275156
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24703
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Germanistik/Didaktik
Note
2,0
Schlagworte
Lesekompetenz Pisa-Studie

Autor

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Titel: Lesekompetenz