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Krankheiten des Alters im Hinblick auf Demenz und unter besonderer Fokussierung der Alzheimer Krankheit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 38 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Der Begriff der Demenz in frühzeitlicher Geschichte
2.2 Der Begriff der Demenz in der Neuzeit und die Bestimmung der Alzheimerkrankheit
2.2.1 Mythos und Wahrheiten der Entstehung von Senilität
2.2.2 Die heute Unterscheidung der ätiolgischen Hauptgruppen: primäre und sekundäre Demenzen
2.3 Definitionen

3. Die Alzheimer´sche Krankheit
3.1 Grundlagen der Alzheimer Erkrankung
3.2 Typische Verhaltensänderungen im Verlauf der Erkrankung
3.3 Die cerebralen Merkmale der Alzheimer´schen Krankheit
3.3.1 Physiologische Folgen der cerebralen Veränderungen und direkte Todesursache der Alzheimer Krankheit

4. Umgang mit Demenzkranken
4.1 8 Punkte eines personenzentrierten Umganges mit Dementen
4.2 Die Validation nach Naomi Feil
4.3 Häuslicher Umgang und Pflege durch Angehörige
4.3.1 Kriterien für einen annehmenden, situationsgerechten Umgang mit Dementen in häuslicher Pflege

5. Professionelle Therapieansätze bei dementiellen Degenerationen insbesondere der Alzheimer´schen Erkrankung
5.1 Die Kunsttherapie
5.1.1 Ziele der Kunsttherapie in der Arbeit mit altersverwirrten Menschen
5.1.2 Die systematische Wahrnehmungsstimulation (SW) als Instrument in der
Kunsttherapie
5.2 Die Realitäts-Orientierungs-Therapie (ROT)
5.3 Der Verhaltenstherapeutische Ansatz
5.3.1 Instrumente der Verhaltenstherapie
5.3.1.1 Aktivitätenaufbau
5.3.1.2 Modifikation dysfunktionaler Kognitionen

6. Schlusswort

1. Einleitung

Nur einem verschwindend geringem Teil von uns bleibt es vergönnt, ein unbeschadetes, hohes und höchstes Alter zu erfahren. Neue medizinische Fortschritte sowie fortführender Erfolg in lebenserhaltenden Maßnahmen und technischen Errungenschaften versuchen unserem, durch Dystress, Hektik und ungesunder Lebensweise gekennzeichneten Alltag und der dadurch allgemein nicht gut bestellten Lebenserwartung entgegen zu wirken. Tatsächlich ist auch, in den letzten Jahrzehnten, eine konstant ansteigende Lebensspanne in unserer modernen Gesellschaft beobachten. Jedoch bedeutet hohes und höchstes Alter auch ein steigendes Ausmaß an Erkrankungen, insbesondere von Hirnleistungsstörungen wie den verschiedenen dementen Erscheinungsformen.

In dieser Arbeit möchte ich mich diesen dementen Hirnleistungsstörungen, vor allem der Alzheimer´schen Erkrankung, zuwenden, welche in der Bundesrepublik als eine der Hauptursachen für Pflegebedürftigkeit im Alter zählen.

´Unvernunft´ oder ´ohne Geist´, bedeutet die wörtliche Übersetzung des Begriffes der Demenz aus dem lateinischen Ursprung.(vgl. Füsgen, S.21) Dies deutet bereits auf die wesentlichen Merkmale dieser Erkrankung hin. Eine Demenz ist jedoch weit mehr als eine einfache Gedächtnisstörung. Sie zieht in der Tat das ganze Sein des Menschen in Mitleidenschaft, also seine Wahrnehmung, sein Verhalten sowie seine Erlebniswelt.

Für die Betroffenen bedeutet die Diagnose einer Demenz somit zunehmende Unselbstständigkeit durch den schleichend voranschreitenden Gedächtnisverlust und sie sind mehr und mehr auf die Hilfe anderer angewiesen.

Ungefähr 80 % (Angabe des Ministeriums für Gesundheit und soz. Sicherung) der Demenzerkrankten werden von Angehörigen gepflegt. Eine äußerst schwierige Aufgabe an der so mancher zerbricht, denn Pflegende sind, vor allem bei fortgeschrittener Erkrankung rund um die Uhr gefordert.

Somit kommt mit der Diagnose ´Demenz´ nicht nur auf den Betroffenen sondern auch auf die Angehörigen große Belastungen zu, denn die ganz Familie und auch Freunde werden nun hinsichtlich des Verständnisses, des Einfühlungsvermögen und der Pflegekompetenz gefordert. Auf der einen Seite darauf angewiesen, eine enge Gefühlsbindung zu dem kranken Menschen aufrecht zu erhalten, so müssen sie doch andererseits täglich auch ein kleines Stück von dem Menschen Abschied nehmen, der der dement Erkrankte einmal war.

Kommt es doch zu einer Überforderung, bleibt meist nur noch der Weg in ein Pflegeheim und dieser Schritt gehört wahrscheinlich zu den schwersten Entscheidungen der Angehörigen überhaupt. Da jedoch unter einer, die Kräfte der Familie oder des Angehörigen, übersteigenden Belastung in der Betreuung, der dement Erkrankte ebenso leidet, ist der Entschluss der Heimunterbringung wohl nicht immer als schlecht für den Krankheitsverlauf eines Betroffenen zu betrachten.

Um Demenzkranke angemessen zu betreuen, muss man zunächst verstehen was Demenz überhaupt ist und in welchen Stadien und Formen sie auftritt. Wie entsteht dabei die, mit dementen Erkrankungen oft verwendete, Bezeichnung der ´Verwirrung´, was versteht man darunter und in welchen verschiedenen Facetten tritt sie auf? Wie wird diese Verwirrung von den Kranken und von ihrer Umwelt erlebt? Wie sieht, als Betreuender, der optimale Umgang mit dem Erkrankten und sich selbst aus? Diese Hausarbeit versucht im Folgenden, Antworten auf diese Fragen zu geben und darüber hinaus.

2. Grundlagen

2.1 Der Begriff der Demenz in frühzeitlicher Geschichte

Erstmals in der Geschichte wird über die Altersdemenz in alten ägyptischen Papyrusniederschriften des Ptahhotep berichtet (3000 bis 2155 v.Chr.). Er beschreibt dort die Lebensphase des Alterns wie folgt:

“Die Glieder sind hinfällig, die Schwäche nimmt zu.

Die Kraft schwindet dahin, wenn das Herz müde geworden ist.

Der Mund ist stumm, er kann nicht mehr sprechen.

Die Augen sind matt, die Ohren taub….

Der Geist ist vergesslich, er kann sich nicht mehr an Gestern erinnern.

Die Knochen tun weh im Alter.

Was einmal gut war, ist schlecht geworden.

Was das Alter aus dem Menschen macht, ist der Übel ärgstes.“ (Wettstein, S.19)

Eine etwas positivere Ansicht über den Zustand des Altwerdens wird, ebenfalls bereits in alter ägyptischer Überlieferung, dem Papyrus Insinger zuteil. Dort wird geschrieben:

“Die ganze Lebenszeit beträgt hundert Jahre, wovon fast die hälfte verloren geht. Der Mensch verbringt zehn Jahre als Kind, bevor er herausgefunden hat, was das Leben ist und was der Tod. Während zehn weiteren Jahren erlernt er das Handwerk, von dem er leben kann, während nochmals zehn Jahren erspart er ein Vermögen und nach abermals zehn Jahren hat er das Alter erreicht, in dem sein Herz vernünftig ist. So bleiben sechzig Jahre übrig von der ganzen Lebenszeit, die Toth dem Gottesfürchtigen gewährt. Auch nur einer unter Millionen erlebt sie, wenn Gott ihn segnet und das Schicksal günstig ist.“ (Wettstein, S. 19)

Auch der griechischen Mythologie ist der Prozess der Demenz im Alter ein Begriff. So wird im Aphrodite Hymnus aus dem 8. Jahrhundert v.Chr. von Tithonos berichtet, welcher von seiner Gemahlin wohl die Unsterblichkeit geschenkt bekam und welche jedoch versäumte, einhergehend die ewige Jugend für ihn zu bestimmen. Tithonos war somit dem körperlichen Verfall preisgegeben, konnte nach und nach Glieder nicht mehr bewegen, war der Fütterung und Hegung wie ein kleines Kind bedürftig und “seine Stimme floß unablässig“, was ein klares Merkmal einer dementiellen Altersstörung darstellt.

An anderer Stelle schreibt der griechische Lyriker Mimnermos:

“Wie der Felsen des Tantalos schwebt das Alter über unserem Haupt. Arg, hässlich, widerwärtig, gestaltlos, sorgenvoll, als Siechtum mit geblendeten Augen und mit Schwachsinn.“

Jedoch gab es auch hier immer gegensätzliche Ansichten des Alterns und dessen Auswirkungen. Wo Mimnernos von sich behauptet, einem plötzlichen Tod mit 60 Jahren entgegenzueifern, widerspricht der athenische Staatsmann Solon mit dem Hinweis, dass er weit jenseits der 60 Jahre fortgeschritten sei, doch jeden neuen Tag dazulerne und dadurch jung bliebe. (Wettstein, S.20)

Die Meinungen und Weltanschauungen bezüglich des Altersprozesses waren somit schon seit Beginn des intelligenten Lebens widersprüchlich und stark subjektiv im Empfinden.

2.2 Der Begriff der Demenz in der Neuzeit und die Bestimmung der Alzheimerkrankheit

Die Demenz als Begriff wurde erstmals von dem französischen Arzt und Psychiater Philippine Pinell (Anfang 19. Jh.) publiziert, um eine von vier Grundformen der Geistesstörungen zu bezeichnen und er nannte die Demenz auch eine “Abschlaffung des Denkens“. Der Begriff wird später von Esquirol, welcher mit Pinell zusammenarbeitete, fortgeführt und als ´senile Demenz´ von ihm publiziert.

Emil Kraepelin übernahm 1890 in seiner Arbeit diesen Begriff der senilen Demenz und sah diese als einen Symptomkomplex von progredienter (fortschreitender) psychischer Schwäche mit Gedächtnisverlust und Aufmerksamkeitsstörungen in Verbindung mit möglichen Gemütsstörungen und Wahnvorstellungen. Damit war er einer der ersten Psychiater welcher die auch heute noch geltenden Leitsymptome des zunehmenden Gedächtnis- und Merkfähigkeitsverlustes beschreibt. (vgl. Zaudig, S. 39-44, Werner S.20-21, Wettstein S.32-36)

Ferner formte Kraepelin erstmals den Begriff der Alzheimer´schen Hirnleistungsstörung, welche inhaltlich vorher von Alois Alzheimer, der lange Zeit mit Emil Kraepelin in München zusammenarbeite, beschrieben wurde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alois Alzheimer

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Emil Kraepelin

“Langsame Entwicklung eines ungemein schweren geistigen Siechtums mit verwaschener Erscheinung einer organischen Gehirnerkrankung. Die Kranken gehen im Laufe einiger Jahre allmählich geistig zurück, werden gedächtnisschwach, gedankenarm, verwirrt, unklar, finden sich nicht mehr zurecht, verkennen die Personen, verschenken ihre Sachen. Die Kranken schwatzen viel, werden unreinlich. Sie verstehen keine Aufforderungen und Gebärden, erkennen Gegenstände und Bilder nicht. Sehr tiefgreifend sind vor allem die Störungen der Sprache; die Kranken vermögen wohl noch einzelne Worte oder Sätze hervorzubringen. Schließlich entwickelt sich der denkbar höchste Grad von Verblödung.“ (Wettstein S. 35)

2.2.1 Mythos und Wahrheiten der Entstehung von Senilität

Die langjährig gefestigte Vorstellung, dass die Verhärtung der Blutgefäße (Arteriosklerose), verantwortlich für Senilität und Demenz ist, genießt auch heute noch große Popularität. Obwohl auf eine Verkettung von Schlussfolgerungen, basierend auf unzureichenden Versuchen und Forschungen gefestigt.

Das Auftreten von arteriosklerotischen Veränderungen steigt tatsächlich mit zunehmendem Alter an. Ein direkter Zusammenhang mit den Verengungen und Verhärtungen der Blutgefäße, welche die Arteriosklerose ausmachen, besteht jedoch in hauptsächlicher Korrelation zu einem erhöhten Herzinfarkt- und Apoplexrisiko und somit natürlich auch der Multi Infarkt Demenz, welche folgend noch näher beschrieben wird.

Der eigentliche Ursprung von Alterssenilität und auch der Alzheimer´schen Erkrankung ist hier jedoch nicht zu finden.

Lange jedoch wurde das Auftreten von Senilität mit eben diesen arteriosklerotischen cerebralen Gefäßveränderungen erklärt, jedoch ohne den entsprechend adäquaten Forschungshintergrund.

Nachdem in den sechziger Jahren einige tiefgreifenderen Forschungen hinsichtlich des Zusammenspiels der Senilität und Arteriosklerose begannen, die den Inhalt hatten Blutgefäße von Verstorbenen mit und ohne Demenz zu untersuchen, gerieten die bisherigen Vorstellungen hinsichtlich der Entstehung von Senilität langsam ins Wanken. Bereits hier bestand das Ergebnis darin, dass bei beiden Untersuchungsgruppen eine ungefähr gleiche arteriosklerotische Veränderung der Gefäße zu beobachten war.

Schließlich revolutionierte die Forschung der englischen Wissenschaftler Tomlinson, Blessed und Roth das traditionelle Denken bezüglich der Senilität.

Sie beobachteten fünfzig demente Personen. Nach dem Tod dieser dement Betroffenen wurde eine Autopsie an Deren Gehirnen vorgenommen und mit den Befunden von 28 Gehirnen, verstorbener, nicht dementer Personen verglichen.

Das Ergebnis dieser Studie zeigte eine Erkrankung von mehr als 50% des dementen Personenkreises an Alzheimer und falsifizierte somit die bis dahin stehende Theorie des Entstehungsprozesses der senilen Demenz, die bis dato als alleinigen Grund die arteriosklerotischen Veränderungen cerebraler Blutgefäße sah. (vgl. Reisberg, S. 29-33)

Jedoch spielt die Arteriosklerose einen bedeutenderen Part in der Entstehung anderer Demenzformen und Ursachen. Die Gefäßveränderungen bekommen ihr Gewicht tatsächlich nicht unwesentlich bei einer anderen dementiellen Erkrankungsform, nämlich der so genannten Multi-Infarkt-Demenz, abgekürzt MID. Ihr liegt eine Erweichung des Hirngewebes zugrunde, dessen Ursprung, im Gegensatz zu früheren Forschungen, jedoch nicht direkt über die cerebrale Arteriosklerose zu finden ist. Prädisponierend hierfür zeigen sich allerdings periphere, also außerhalb des Gehirns liegende, arteriosklerotische Gefäßveränderungen wie im Herzen oder den Extremitäten. Es bleiben also die arteriosklerotischen Risikofaktoren zur Entstehung einer MID wie Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes Mellitus, Übergewicht oder auch Zigarettenrauchen.

Im Unterschied zur Alzheimer Erkrankung ist der Verlauf einer Multi-Infarkt-Demenz sehr variabel. Im Falle der Alzheimer werden weitestgehend symmetrisch, immer die ungefähr selben Bereiche des Gehirns nekrotisch. Es sind also beide Hirnhälften in gleichen Regionen betroffen. Im Gegensatz dazu tritt nekrotisches Hirngewebe bei der MID in allen Bereichen des Gehirns als so genannte Herdsymptome auf, infolge der vielen großen und kleineren Embolien in verschiedenen Hirnregionen und zu verschiedenen Zeiten. Man nimmt an, dass allerdings auch bei der MID, wie bei allen echten Demenzen, beide Hälften des Gehirns von einer Nekrose betroffen sein müssen.

Eine weitere Differenzierung zur Morbus Alzheimer und der Multi-Infarkt-Demenz liegt im Auftreten der Krankheiten. Während das Erkrankungsrisiko bei Alzheimer mit steigendem Alter kontinuierlich zunimmt, liegt die Auftretungshäufigkeit bei der MID zwischen 40 und 60 Jahren in ihrem Höhepunkt, ähnlich des Schlaganfalls Erkrankungsrisikos. (vgl. Reisberg, S. 90-94)

2.2.2 Die heutige Unterscheidung der ätiologischen Hauptgruppen : Primäre und sekundäre Demenzen

Etwa seit den 60 ziger Jahren dieses Jahrhunderts existiert die Differenzierung von zwei Erscheinungsformen dementieller Erkrankungen. Die primäre und die sekundäre Demenz.

Primäre Demenzen haben eine Erkrankung am Hirn selber als Grundlage und sind in aller Regel als irreversibel und unheilbar einzuordnen. Diese Gruppe untergliedert sich in drei Unterbereiche: (vgl. Zaudig, S.111/ Werner, S. 22)

- der Alzheimerkrankheit mit einem Anteil von 40 – 60 % aller Demenzen
- die vaskulären (gefäßbedingten) Demenzen mit einem Anteil von 15 – 20 %
- die seltenen primären Demenzen wie die Jakob-Kreutzfeldt-Krankheit mit dem restlichen Anteil

Sekundäre Demenzen sind Folgeerscheinungen anderer, meist außerhalb des Gehirns angesiedelter Grunderkrankungen wie Stoffwechselerkrankungen oder Vergiftungserscheinungen und besitzen keine weitere Unterteilung. Somit besteht hier auch die Chance einer möglichen Rückbildung der dementiellen Auswirkungen. Sekundäre Demenzerscheinungen machen jedoch den bedeutend geringeren Teil aller dementiellen Erkrankungen aus. (vgl. Werner, S. 22-24, Wettstein, S. 76-78)

Man teilt den Verlauf, vor allem bei primären Demenzen, in aller Regel in drei Schweregrade ein. Hierbei wird die Demenz entweder in 3 Stadien eingeteilt oder man spricht von leichter, mittlerer und schwerer Demenz.

Bei dem 1. Stadium und leichter Demenz ist die betroffene Person in der Lage die ihr anfallenden Dinge des Alltags aus eigener Kraft zu bewerkstelligen. Im 2. Stadium oder auch mittlerer Demenz, werden bereits diverse Hilfestellungen notwendig um den Alltag des Betroffenen adäquat zu sichern. Schliesslich bedarf es im 3. Stadium und schwerer Demenz konstante Pflege und Betreuung rund um die demente Person.(vgl. Kitwood, S.43)

2.3 Definitionen

Im ICD 10 (International Classification of Diseases) werden zur Definition der Demenz 3 Hauptsymptome genannt welche in einer Mindestdauer von 6 Monaten zu beobachten sein müssen und setzen sich wie folgt zusammen:

1. Störungen des Gedächtnisses

- Aufnahme und Wiedergabe neuerer Informationen
- Verlust früher erlernter und vertrauter Inhalte (in späteren Stadien)

2. Störungen des Denkvermögens

- Störungen der Fähigkeit zu vernünftigen Urteilen
- Verminderung des Ideenflusses
- Beeinträchtigung der Informationsverarbeitung

3. Störungen der emotionalen Kontrolle

- Störung des Sozialverhaltens
- Störung der Motivation

Zum diagnostischen Kriterium der Alzheimer´schen Krankheit sind folgende Merkmale vonnöten (ICD-10):

1. Vorliegen einer Demenz
2. Schleichender Beginn mit langsamer Verschlechterung
3. Fehlen klinischer Hinweise oder spezieller Untersuchungsbefunde, die auf eine System- oder Hirnkrankheit hinweisen, welche ihrerseits eine Demenz verursachen könnten.
4. Fehlen eines plötzlichen apoplektischen Beginns oder neurologischer Herdzeichen

3. Die Alzheimer´sche Krankheit

3.1 Grundlagen der Alzheimer Erkrankung

Erstmals beschrieben wurde die Krankheit von Alois Alzheimer zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und später von Emil Kraepelin, welcher lange Zeit eng mit Alzheimer zusammenarbeitete, als Alzheimer´sche Krankheit benannt.(vgl. Wettstein, S. 35)

Alois Alzheimer richtete seine klinischen Forschungen hauptsächlich an der von Pinel 1797 beschriebenen ´demence´. Zu seiner Zeit sah man als Ursprung dieses cerebral-pathologischen Zustandes, geschlechtsspezifische Krankheiten wie die Syphilis. Er dokumentierte einen präsenilen Krankheitsverlauf einer Frau in den fünfziger Jahren, welche an einer bis dahin unbekannten Art von ´Verblödung´ litt. Aufgrund ihres Alters war das Phänomen der damals nur bekannten senilen Demenz auszuschließen. Nach dem Tod seiner Patientin und der Obduktion ihres Gehirns, fanden sich neben den, von der senilen Demenz bekannten, Plaquebildungen erstmalig Verdickungen und Verklumpungen cerebraler Gewebefasern (Fibrillen) der äußeren Hirnrinde. (vgl. Reisberg, S. 33-35)

Er beschrieb diesen Befund mit den Worten:

“Im mikroskopischen Bilde war im Bielschowsky- Präparat eine eigenartige Degeneration der Hirnrinde auffällig, deren wesentliche Merkmale darin bestanden, dass sich ihre Fibrillen zusammenklumpten, die Färbbarkeit änderten und den Zerfall der Zelle überdauerten, so dass schließlich, zu Knäueln zusammengerollte oder schlingenförmig zusammengebogene, Fibrillenbündel als einzige Reste der Zelle im Gewebe lagen; daneben fanden sich eigenartige fleckförmige Herdchen in außerordentlich großer Zahl über die Hirnrinde zerstreut.“ (Ehrhardt/Plattner, S.16/17)

3.2 Typische Verhaltensänderungen im Verlauf der Erkrankung

Wie in den Grundlagen bereits angeschnitten, bringt die Alzheimer´sche Krankheit eine Reihe schwerwiegender und für Betroffene wie Umwelt stark belastende Verhaltensänderungen mit sich. Nicht selten treten diese Verhaltensänderungen bereits ein, wenn kognitive und funktionelle Möglichkeiten noch gut erhalten sind und Defizite noch weitestgehend kompensiert werden können.

Die typischsten abnormen Verhaltensweisen stellen sich, je nach Stadium und Schweregrad, wie folgt ein: (vgl. Reisberg, S. 110-115, Ehrhardt/Plattner, S.190-194, Füsgen, S.49-62, Wettstein, S. 225-228)

1. Aggressives Verhalten

Die oft zu beobachtenden Aggressionen der dementen Personen sind ein erklärbares Nebenprodukt ihrer Lebensumstände und treten oftmals während Hilfestellungen von Grundaktivitäten wie Waschen, Anziehen oder Essen (Füttern) auf. Zu Beachten ist hierbei, dass aggressives Verhalten durch Demente niemals wirklich zielgerichtet ist. Es ist daher möglich solch ein Verhalten mit Ablenkungen verschiedener Art wieder zu kompensieren. Beispielsweise mit einem gerne gehörtem Musikstück der Jugend etc.. Als Grundsatz zählt jedoch:

Diskussionen, Appelle an die Logik oder Bestrafungen sind grundsätzlich zu vermeiden. Besser ist es, Fähigkeiten aufzubauen, Dinge zu überhören oder zu übersehen und ein Gespür für angepasste Ablenkungen zu entwickeln.

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Details

Seiten
38
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638275378
Dateigröße
830 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24740
Institution / Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen – Institut für soziale Arbeit
Note
1,7
Schlagworte
Krankheiten Alters Hinblick Demenz Fokussierung Alzheimer Krankheit Alter Multidisziplinäre Annäherung Begriff

Autor

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