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Den Energienmarkt erneuern durch Erneuerbare Energien? Eine Analyse über die realpolitische Relevanz von alternativen Formen der Energienutzung

Seminararbeit 2004 24 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Ein kurzer Blick auf die Anfänge Erneuerbarer Energien
3.1. Die Anfänge der Idee der Nachhaltigen Entwicklung (1972)
3.2. Erneuerbare Energien in den 80er und 90er Jahren: eine Kategorie macht Karriere

4. Was sind überhaupt Erneuerbare Energien?
4.1. Thermische Solaranlagen
4.2. Photovoltaik
4.3 Windenergie
4.4 Wasserkraft

5. Argumente für einen Umstieg auf erneuerbare Energien
5.1. Fossile Energieträger – Begrenzte Ressource
5.2. Das Umweltargument
5.3. Das Friedensargument
5.4. Das Dezentralisieurngsargument

6. Konzepte und Szenarien für einen Ausstieg fossiler Energien
6.1. Das österreichische Jahrhundertprojekt von Heinrich Kopetz
6.3. Ernst von Weizsäcker: Faktor vier

7. Die Rolle der Öl-Lobby für oder gegen eine Etablierung Erneuerbarer Energien
7.1. Die Position mulitnationaler Öl-Konzerne
7.2. Die Haltung führender Erdöl fördernder Länder
7.3. Das Hauptargument gegen erneuerbare Energieträger

8. Resümee

1. Vorwort

Diese Seminararbeit folgt den formalen Vorgaben der Lehrveranstaltung eine kleine Fallstudie zum Thema Ölmarkt zu verfassen. Das von mir gewählte Thema beschäftigt sich allerdings nicht mit dem Ölmarkt an sich, sondern mit Alternativen zu fossilen Energien wie Erdöl, Gas bzw. Kohle. Im Brennpunkt meiner Analysen stehen die so genannten erneuerbaren, regenerativen oder auch nachwachsenden Rohstoffe sowie die für deren Nutzung notwendigen Technologien.

Wichtig dabei erscheint es mir nicht nur einen isolierten Blick auf den „neuen Energiemarkt“ zu werfen, sondern mögliche Zusammenhänge und Verflechtungen zum Ölmarkt aufzuzeigen. Entlang folgender Fragestellungen möchte ich Verbindungen, die möglicherweise zwischen dem Ölmarkt und der Etablierung erneuerbarer Energien als fixer Bestandteil des Energieversorgungssystems bestehen, abarbeiten: In welchen Bereichen konnten die erneuerbaren Energien bisher Fuß fassen? Warum sind Erneuerbare Energien bislang Nischenprodukte geblieben, und haben im Energieweltmarkt momentan wenig Gewicht? Welche Rolle könnte dabei die Erdöl-Lobby spielen?

Ein weiterer Gesichtspunkt, der bei einer derartigen Analyse nicht vernachlässigt werden darf, ist der Konnex zur Friedens- und Sicherheitspolitik. Denn vor dem Hintergrund der momentanen Endverteilungskämpfe um das begrenzte „schwarze Gold“, stellt sich die berechtigte Frage, ob die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien, neben den positiven Effekten für die Umwelt, nicht auch eine Entschärfung „kriegs- und krisengeschüttelter“ Regionen mit sich brächte. Oder anders formuliert: Welche Bedeutung wird erneuerbaren Energien im Bezug auf Friedenspolitik beigemessen?

2. Einleitung

Eine Annäherung an das Thema der erneuerbaren Energien habe ich hauptsächliche mittels Literatur- und Internetrecherche versucht. Um das Thema auf ein griffiges Grundgerüst zu stellen, möchte ich in einem ersten Schritt ganz kurz auf die historischen Wurzeln des Grundgedanken der Nachhaltigkeit zurückgehen. Denn dieses gedankliche Konzept stellt den eigentlichen Ausgangpunkt für die Entwicklung neuer Technologien, die zu einer schonenderen Form der Nutzung von Ressourcen führen sollten, wie etwa Technologien zur Nutzung von Sonnen- oder Windenergie, dar. Um das Thema der erneuerbaren Energien sinnvoll diskutieren zu können, werde ich in einem zweiten Schritt klären, welche Technologien und Ressourcen damit überhaupt gemeint sind. Denn die erneuerbaren Energien decken eine breite Palette ab und zeichnen sich durch ihre Vielfalt aus. Die wichtigsten werde ich kurz beschreiben und darstellen.

Des Weiteren möchte ich zur breiteren Veranschaulichung Argumente, die für den Einsatz erneuerbarer Energien sprechen, explizieren sowie mögliche Szenarien, die im Zusammenhang mit diesem Thema stehen kurz ausführen. Die zwei zentralen Modelle, die ich in meinen Ausführungen vorstellen werde, stammen von Heinrich Kopetz und Ernst von Weizsäcker. Darauf aufbauend werde ich versuchen auf die eingangs aufgeworfenen Fragen näher einzugehen und diese ansatzweise zu beantworten.

3. Ein kurzer Blick auf die Anfänge Erneuerbarer Energien

3.1. Die Anfänge der Idee der Nachhaltigen Entwicklung (1972)

Für den effektvollen Durchbruch des Nachhaltigkeitsgedanken sorgte 1972 der Leiter des Institutes für Politik und sozialwissenschaftlichen Forschung der University New Hampshire Dennis Meadows, der in seinem Bericht („Die Grenzen des Wachstums“) an den Club of Rome erstmals feststellte, dass die Welt ein Biosystem mit Grenzen sei, und nicht endlos ausgebeutet werden könne. Aufbauend auf seinen Computersimulationen entwickelte er die These, dass die Wachstumsgrenzen im Laufe der nächsten 100 Jahre erreicht wären.

Obwohl die Welt durch derartige Prognosen zutiefst geschockt war, traf Dennis Meadows mit seinen Untersuchungen den Nerv seiner Zeit, was dazu führte, dass langsam Forderungen nach nachhaltigem Wirtschaften und Systemerhaltung laut wurden.[1]

Ungefähr zur selben Zeit zwang das Erdölembargo von 1973, welches zu einer Verdreifachung des Ölpreises sowie einer Einleitung der Energiekrise führte, die Bevölkerung teilweise zum Umdenken. Die staatlichen Maßnahmen basierend auf einer anfänglichen Orientierungslosigkeit gingen erstmals in Richtung „Energie sparen“, was das Beispiel autofreier Sonntag ganz gut veranschaulicht. Gleichzeitig intensivierte man die Suche nach alternativen Energiequellen.[2] Vor diesem Hintergrund wird auch die Entstehung der Ökologiebewegung, welche auch in diese Dekade fällt, leicht verstehbar. Somit war die Idee der Nachhaltigkeit als Voraussetzung für die Entwicklung neuer Technologie für die Nutzung erneuerbarer Energien Grund gelegt.

3.2. Erneuerbare Energien in den 80er und 90er Jahren: eine Kategorie macht Karriere

Als Antwort auf den Ölschock von 1973, der den westlichen Nationen erstmals die Abhängigkeit und Verwundbarkeit ihrer Ökonomien bezüglich fossiler Energieträger verdeutlichte und ins Bewusstsein rief, begannen erstmals Geldströme in die Erforschung neuer Technologien zu fließen. Vorrangiges Motiv für diese Bemühungen war in erster Linie eine Verminderung der Importabhängigkeit bei gleichzeitiger Diversifizierung der Energieversorgung. Ein weiteres relevantes Motiv daneben stellte sicherlich auch das gesteigerte Bewusstsein über die Umwelt schädigende Wirkung der CO2-Emissionen fossiler Brennstoffe dar.[3]

Der Einsatz von Fördergeldern für die Erforschung erneuerbarer Energien kulminiert Mitte der 80er Jahre. Mit der zweiten Ölkrise Anfang der 80er, die wiederum zu einer deutlichen Unsicherheit von Erdöl importierenden Ländern führte, entfachte erneut die verstärkte Suche nach Alternativen. Mitte der 80er Jahre erreichten auch in Österreich die Mittel, die für die Erforschung neuer Technologien eingesetzt wurden ihren Höhepunkt. Das damalige Niveau blieb bis heute unerreicht.[4] Auch in Deutschland zeigt sich, dass das Interesse der Öffentlichkeit - sichtbar durch Fördergelder - an den erneuerbaren Energien immer dann besonders groß ist, wenn aufgrund besonderer Ereignissen die Nutzung altbewährter Energieträger in Frage gestellt wird. Kommt es zu einer Entspannung des Konfliktes lässt auch das Interesse und damit die Forschungsaufwendungen nach.[5] Ginge man dieser Frage auf gesamteuropäischer Ebene nach, ließe sich dieser Trend vermutlich auch europaweit beobachten.

Ein weiteres Indiz für die nachhaltige Etablierung erneuerbarer Energien im europäischen Kontext stellen auch zahlreiche europaweite Gründungen gemeinnütziger Vereine[6] wie etwa Eurosolar International, Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie in Österreich oder der Bundesverband Erneuerbarer Energie in Deutschland dar. Die Gründung dieser Vereine fällt ebenfalls in diesen Zeitraum und spiegelt die damalige Aufbruchstimmung, die man unter dem Motto „Aufbruch ins Sonnenzeitalter“ zusammenfassen könnte, wider. Auf die Initiative dieser Lobbyorganisationen hin, die es sich zur Aufgabe machten sich für die Verbreitung und Förderung erneuerbarer Energien ein zu setzten, konnten nur ganz mühsam erste Projekt gestartet werden.

Die Bemühungen der 80er Jahren sollten allerdings ihre ersten Erfolge erst in den 90er Jahren hervorbringen. Die Tatsächliche Verankerung erneuerbarer Energien vor allem in Europa wird nämlich erst in dieser Phase sichtbar. Besonders manifeste Nachweise für die Etablierung erneuerbarer Energien in den 90er Jahren sind zahlreiche Firmengründungen in den Bereichen Windkraft aber vor allem im Solarbereich. Firmen wie beispielsweise Sunways, Solarworld, Repower, Vestas sowie Dewind zählen zu den relativ jungen Firmen in diesem Energiesektor. Europaweit wurde weiters eine Vielzahl regionale Projekte mit Bürgerbeteiligung initiiert. Aber auch internationale Konzerne wie etwa Shell oder BP nehmen Solare Energieformen bzw. Photovoltaikerzeugung in ihre Produktpalette auf. Erst in jüngster Zeit werden erneuerbare Energieformen auch für die Politik interessant, was in verschiedenen Gesetzen und Richtlinien auf regionaler als auch europäischer Ebene seinen Ausdruck findet. Drei Beispiele dafür möchte ich kurz anführen.

Zentrale Bedeutung kommt der EU-Richtlinie zur Förderung der Erneuerbaren Energien, die am 27. September 2001 verabschiedet wurde, zu. Damit wurde eine profunde Grundlage geschaffen, die den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten EU-Energieverbrauch bis 2010 auf 12% verdoppeln wird. Im Bereich des Stromverbrauches wird damit eine Anteilssteigerung der erneuerbaren Energien EU-weit von 14% (1997) auf rund 22% im Jahr 2010 prognostiziert.[7]

Ein weiteres Beispiel, welches für die fundamentale Etablierung erneuerbarer Energien auch im realpolitischen Geschehen spricht, ist eine Initiative, die sich hinter dem Namen 100.000 Dächer-Solarstrom-Programm verbirgt. Dieses Programm wurde in Deutschland 1999 gestartet und sollte durch geförderte staatliche Mitfinanzierung langfristig Anreize schaffen in neue Technologien zu investieren. Im Rahmen des 100 000-Dächer- Programms erhalten die Betreiber von Solarstromanlagen ein zinsverbilligtes Darlehen zu einem Zinssatz von 1,9 Prozent. Seit Programmstart konnte die Anzahl geförderter Anlagen vervielfacht werden.[8] Da laut Hermann Scheer Vorsitzender des Weltrates für erneuerbare Energien das 100.000-Dächerprogramm momentan am Auslaufen ist und von politischer Seite her noch keine eindeutigen Signale für eine Fortsetzunge dieses Projekts gegeben wurden, sieht er großen Handlungsbedarf um die in Deutschland neu entstandene Ökonomie nicht zu gefährden. Die dadurch erwarteten Markteinbrüche wären für die jungen Photovoltaikfirmen nicht verkraftbar.

„Die strukturelle Konsequenz wäre, dass letztlich als Anbieter nur einige Großunternehmen wie Shell Solar, BP Solar oder japanische Firmen übrig blieben […]“[9]

Als dritte und letzte politische Fördermaßname, welche für den Bereich der regionalen Förderung stehen soll, möchte ich die Niederösterreichische Wohnbauförderung anführen, in der neue Bauprojekte, die ökologisch ausgerichtet sind, besonders gefördert werden. Auf eine kurze Formel gebracht bedeutet das: Je niedriger der Energieverbrauch desto höher die Förderung. Neben einem Anreiz zum Energiesparen wird demnach auch die Nutzung von Solarenergie gesondert gefördert.[10]

Anhand dieser Beispiele habe ich versucht die bisherige Entstehungsgeschichte der erneuerbaren Energien im europäischen Kontext kursorisch nach zu zeichnen. Vor allem im europäischen Raum lässt sich anhand dieser Beispiele konstatieren, dass erneuerbare Energien, wenn auch nur in einem kleinen Marktsegment, fest im Energiemarkt verankert sind und das Potential eines expansiven Zukunftsmarktes darstellen. Angesichts der technologischen Ausgereiftheit beispielsweise solarer Energieformen könnten diese allerdings heute eine weit größere Rolle im Weltenergiemarkt spielen.

Vor allem in Europa lassen sich auf politischer Ebene zögernde Ansätze bezüglich einer vermehrten Nutzung von Erneuerbarer Energien erkennen. Diese Initiativen für die Regulierung dieses neuen Sektors stellen allerdings nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ dar und sollten möglichst rasch beschleunigt werden, denn:

„Der Umstieg ist keine technische Frage, sondern eine Frage der politischen Rahmenbedingungen und somit steuerbar.“[11]

Vor allem die Schaffung politischer Rahmenbedingungen, ist eine Grundvoraussetzung und ein erster Schritt für einen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger. Gründe für die marginale Verankerung im Weltenergiesystem ist vor allem auch der fehlende politische Wille.

Bevor ich in meinen Ausführungen aber weitere Antworten auf die Frage, warum erneuerbare Energien bisher nur Nischenprodukte geblieben sind geben werde, erscheint es davor noch wichtig, kurz auf die neuen Energieformen einzugehen.

[...]


[1] vlg. Meadows, D. Auf Wachstum folgt Niedergang. Vortrag am 1. Aachener Forum, Herbst 2000.

In: http://www.aachener-stiftung.de/assets/pdf/forum_1_meadows.pdf vom 30.10.2003

[2] vlg. Kaltschmitt, M./Wiese, A. Perspektiven regenerativer Energien aus Sicht der Wissenschaft. In: Beste, D./Kälke, M. (Hg.). Erneuerbare Energien. Warum wir sie dringend brauchen, aber kaum nutzen. Berichte, Analysen, Argumente. VDI Verlag GmbH, Düsseldorf 1996, S. 115

[3] vgl. Kaltschmitt, M./Wiese, A. op. cit.: S. 116 ff

[4] vgl. Greisberger, H./ Indinger A. Österreichisches Energieforschungs und -technologiekonzept. Ein Orientierungsrahmen für die energiebezogene Forschung und Technologie in Österreich (2002). In: http://www.nachhaltigwirtschaften.at/nw_pdf/0222_energieforschungskonzept.pdf vom 17.1.2004

[5] vgl. Kaltschmitt, M./Wiese, A. opus cit. S. 119

[6] Siehe auch unter http://www.eurosolar.org/new/index.shtml, http://www.aee.at/aee/index.htm, http://www.bee-ev.de

[7] vgl. Richtlinie 2001/77/EG des europäischen Parlamentes und des Rates zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen im Eelektrizitätsbinnenmarkt. 27.9.2001. In: http://www.bmu.de/files/richtlinie_erneuerbare.pdf vom 12.12.2003

[8] vgl. http:www.baulinks.de/links/1archiv.php4?urlb=http://www.baulinks.de/portale/oeko.php4&urla=http://www.bauzentrale.com/news/2003/1235.php4 vom 1.1.2004

[9] vgl. Scheer, H. Droht ein Fadenriss? Ein Vorschaltgesetz für die Photovoltaik wird unausweichlicht. (2003) In: http://www.eurosolar.org/new/de/downloads/SZA_Scheer.pdf vom 13.1.04

[10] www.noevp.at/index.php?page=newsdetail&ne_id=2346 vom 10.10.2003

[11] Kronberger, H. Blut für Öl. Der Kampf um die Ressourcen. Uranus, Wien 1998. S 171

Details

Seiten
24
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638275781
ISBN (Buch)
9783668191693
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24790
Institution / Hochschule
Universität Wien – Politikwissenschaften
Note
1
Schlagworte
Energienmarkt Erneuerbare Energien Eine Analyse Relevanz Formen Energienutzung Politik Wirtschaft

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